Fifa 2006 (PC-Test)
von Rene Grafe

Alle Jahre wieder frischt Electronic Arts seine Sportspiele auf und der geneigte Spieler fragt sich, ob eine entsprechende Geldanlage sinnvoll ist. Bei der Fifa-Reihe ist dies oft doppelt schwer zu entscheiden, denn mit

Pro Evolution Soccer hat Electronic Arts hier die stärkste Konkurrenz überhaupt. Höchste Zeit also für uns, die wichtigste Frage zu beantworten: Wie rund läuft der Ball in Fifa 2006?

90 Minuten Spannung
Fußball ist eine Leidenschaft, die Millionen von Menschen vereint und jedes Jahr zu Beginn der neuen Meisterschaften weitere Anhänger findet. Befremdlich für die einen, Faszination pur für die anderen, ist der Fußball zumindest ein Botschafter für den friedlichen Wettstreit von Klubs und Nationen.

Gerade in Deutschland, wo das Fieber rund um das runde Leder in nicht einmal mehr einem Jahr ungeahnte Höhen erreichen wird, ist die Fangemeinde besonders groß und alle Entwicklungen rund um den Fußball werden mit Adleraugen beobachtet. Das trifft natürlich auch für die jährlich neu erscheinenden Computer- und Videospiele zu. Besonders die Anhänger der Fifa-Reihe hoffen immer wieder auf Verbesserungen, um den Kauf des aktuellen Ablegers vor sich selbst oder dem zitternden Sparschwein rechtfertigen zu können.

Der EA Bonus
Fifa 2006 kann dabei mit einem Vorteil auftrumpfen, der die restliche

Konkurrenz bereits in den letzten Jahren immer wieder das Fürchten lehrte: Die offizielle Lizenz der Fifa für eine Unzahl von Ligen und Spielern. Auch in der Ausgabe 2006 ist beinahe jede vorstellbare Liga vertreten. In Deutschland handelt es sich natürlich um die 1. und 2. Bundesliga. Dann folgen die Premier League, incl. der folgenden schwächeren Spielklassen. Weiter geht's mit Frankreich, Spanien, Italien, Brasilien, Mexiko, USA, Niederlande, Belgien, Österreich, Schweiz, Polen usw. usw.. Insgesamt stehen 26 Ligen zur Verfügung. Dazu kommen natürlich noch die Nationalmannschaften und diverse freischaltbare All-Star-Teams mit Fußballidolen wie Beckenbauer, Völler oder Maradonna. Für Abwechslung ist somit gesorgt, zu mal die Turniermöglichkeiten ebenfalls erweitert worden. Denkbar einfach ist es nun, ein Championat mit beispielsweise 64 Mannschaften ins Leben zu rufen. Die Einstellungen dabei sind auch hier wieder sehr umfangreich: Anzahl der Finalspiele, der gelben Karten, der Auswechslungen usw., das

FIFA 2006 - Elfmeter - Schuss - TOOOR!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 17/221/22
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Fußballerherz schlägt höher bei derart vielen Möglichkeiten.

Chefcoach auf Abruf
Doch damit nicht genug. Im neu hinzugekommenen Managermodus können Sie sich über 15 Jahre als Trainer versuchen und vom Kleinstadtverein bis zum Superstar-Ensemble alle Clubs steuern, die Sie als Chefcoach engagieren wollen. Anfangs wird die Region festgelegt, in der Sie aktiv werden wollen und schon trudeln die ersten Angebote ein.

Jedes Präsidium erwartet natürlich Erfolge und am Ende der Saison zählen nur die errungenen Trophäen. Als Manager können Sie auf viele Belange Einfluss nehmen, um die

FIFA 2006 - Elfmeter - Schuss - TOOOR!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 17/221/22
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Spielstärke des Teams zu erhöhen. So kann Personal aufgewertet werden, weshalb der Einsatz von Talentsuchern sehr wichtig ist. Dabei gilt es, immer den Transfermarkt im Auge zu behalten, um die besten Spieler der Welt einstellen zu können. Dazu ist natürlich jede Menge Bares nötig, welches über Sponsoren und Eintrittsgelder in die Kassen trudelt. Die Verhandlungen darüber obliegen dem Manager, was das Aufgabenfeld deutlich erweitert. Treue und begeisterte Fans zahlen mehr für die Tickets und Sponsoren freuen sich über errungene Siege und Erfolge bei Turnieren. Schlagen Sie sich gut, werden andere Clubs auf Sie aufmerksam und der Karriere steht eigentlich nichts mehr im Wege. Aber Vorsicht: Wer hoch steigt, kann auch tief fallen …

Verbesserter Spielfluss
Doch genug der Betrachtung des Beiwerks, denn Fifa 2006 ist immer noch eine Fußballsimulation. Ausschlaggebend ist, ob spannende Spiele möglich sind und der Ball rund läuft, wie es im Fußballjargon so treffend heißt. In dieser Beziehung hat die Fifa-Reihe Nachholbedarf. Pro Evolution Soccer hat hier in einigen Belangen die Nase vorn gehabt und wird sie auch weiterhin haben, so viel schon einmal vorweg.

Aber Fifa 2006 hat aufgeholt. Besonders auffällig ist die Team-Chemie, welche über Sieg und Niederlage entscheidet.

FIFA 2006 - Elfmeter - Schuss - TOOOR!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 17/221/22
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Nur wenn die eigene Mannschaft eine gute Moral hat und über ausreichend Erfahrung verfügt, wird's was mit der Meisterschaft. Beeinflusst wird diese Teameigenschaft über Auswechslungen und eingefahrene Siege.

Wenn Sie erwarten, dass das eigene Team mit wilder Entschlossenheit um jeden Ball kämpft, dann sollten Sie diesen Wert im Auge behalten. Gerade in Turnieren oder Meisterschaften ist die Team-Chemie ein wichtiger Faktor. Direkt auf dem Platz ist der Einfluss des Spielers ebenfalls gestiegen, denn über permanent mögliche und blitzschnell ausführbare Taktikänderungen bestimmen Sie, wie ihre Mannschaft agiert.

Im Ballbesitz wird so zum Beispiel zwischen Konter und Flügelspiel unterschieden, in der Defensive stehen u.a. Pressing und Abseitsfalle zur Verfügung. Diese taktischen Finessen sind ideal, um zum Beispiel einen Vorsprung zu halten oder in den letzten Minuten einer Partie alles nach vorn zu werfen.

Neues Schusssystem
Die Zeiten des Anvisierens mittels Fadenkreuz sind vorbei, in Fifa 2006 erfordert es deutlich mehr Übung, um z.B. bei einem Freistoß in Jubelschreie ausbrechen zu können. Wichtiger als je zuvor ist es nun, einen guten Schützen in der Mannschaft zu haben. So sind die Chancen mit Michael Ballack einen

FIFA 2006 - Elfmeter - Schuss - TOOOR!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 17/221/22
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Treffer zu landen deutlich höher als mit einem Durchschnittsspieler. Dennoch läuft ohne Training nichts. Die Einflussnahme auf Schussrichtung und Schussstärke ist zwar gegeben, jedoch ist das fehlende Fadenkreuz nur schwer aufzuwiegen.

Oftmals hilft das Hinzurufen eines zweiten Spielers, um die Mauer zu überraschen. Gerade in Spitzenmannschaften halten die Torhüter allerdings so gut, dass Sie nur auf Abpraller hoffen können. Im laufenden Spiel entscheidet die eingeschlagene Laufrichtung des ballführenden Spielers über die Flugrichtung des Balls. Ergebnis davon ist, dass die Zahl der unrealistischen Traumtore deutlich abgenommen hat. Die hohe Schule des Flügelspiels

Treffsicherheit ist auch da gefragt, wo es um tödliche Flanken in den Strafraum geht. Gerade gegen starke Mannschaften ist über die Mitte kein Blumentopf zu gewinnen und KI-Gegner besetzen diese Zone mit Vorliebe mit drei oder vier Spielern. Deshalb wird nur der erfolgreich sein, der über die Flügel kommt und seine Flanken präzise platzieren kann. Diese alte Weisheit gilt vor allem für Fifa 2006.

Ein idealer Angriff könnte somit so aussehen: In der Verteidigung erobern Sie vor dem eigenen Strafraum den Ball und spielen sofort auf die Außen. Über das Radar am unteren Bildschirmrand suchen Sie den nächsten freien Spieler und über die Option "Passen in den freien Raum" legen sie diesem den Ball erreichbar vor.

Der anschließende Durchmarsch sollte mittels "Sprinten" so weit wie möglich durchgehalten werden, bevor dann mit einer Flanke in den gegnerischen Strafraum die Grundlage für das Tor gelegt wird. Dabei sollten Sie allerdings beachten, dass schon beim Ausführen der Flanke der mittig stehende Spieler dem Ball entgegen läuft, sonst freut sich die Abwehr über einen einfach weg zu schlagenden Ball.Klingt relativ kompliziert? So schwer kann Fußball sein! Im Spiel geht das aber bald in Fleisch und Blut über, zu mal das actionlastige Fifa 2006 sehr auf Schnelligkeit getrimmt ist. Zwar hält sich die KI gern mit Rückpässen auf, im Mehrspielermodus hetzen die Spieler dagegen meist wie angestochen über den Rasen.

Goldenes Händchen
Da die Akteure auf dem Rasen nicht immer durchspielen können, stehen Auswechslungen auf der Tagesordnung. Bei groben Fouls verletzen sich die Spieler, was Sie mittels eines roten Kreuzes neben dem Spielernamen verdeutlicht bekommen. Außerdem schlägt die KI selbstständig den Austausch eines Spielers vor, sollte dieser zum Beispiel nicht in Form sein.

Überhaupt sollten Sie immer die Spieleranzeigen im Auge behalten, denn dort verbergen sich noch weitere wichtige Informationen. Neben des Fittnessgrads, der beim Sprinten kontinuierlich abnimmt, verrät die Farbe dieses Balkens den Spielstil des Spielers.

Nur absolute Spitzenkicker erhalten einen goldenen Touch, wie. z.B. Stürmerstar Adriano. Aber auch hier gilt: Nur wenn die Dynamik im Team stimmt, laufen die Stars zur Höchstform auf.

KI mit Schwächen
Etwas verwunderlich gestaltet sich das Verhalten der Torhüter in Fifa 2006. Auf der Grundlinie sind die Topleute kaum zu schlagen - Flugmanöver und Reaktionsschnelligkeit wirken oft übermenschlich. Gerade bei Distanzschüssen werden Sie verzweifeln, denn nur mit Glück gelingt ein Treffer.

In Sachen herauslaufen oder Ball im Strafraum unter Kontrolle bringen versagen die Hüter des Netzes dagegen erstaunlich oft. Kaum zu glauben, aber scheinbar hat EA es versäumt, eine Routine zum Ball entgegenlaufen einzubauen. Die Keeper fühlen sich offensichtlich so wohl in ihrem Kasten, dass sie diesen selbst dann nicht verlassen, wenn der Ball frei mitten im Strafraum liegt und die gegnerischen Stürmer

FIFA 2006 - Elfmeter - Schuss - TOOOR!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 17/221/22
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

angelaufen kommen.

Von diesem Lapsus abgesehen, gibt es an der KI wenig auszusetzen. Dadurch, dass der Computergegner fast immer sehr fair spielt, fehlt zwar das gewisse Feeling und man wünscht sich mehr Einsatz. Dagegen geht's dafür in Mehrspielerpartien richtig zur Sache. Festhalten, schubsen oder die berüchtigte Blutgrätsche, alles ist möglich und der Schiri ist nicht kleinlich mit gelben oder roten Karten. Wer nicht aufpasst, steht schnell nur noch mit einer um mehrere Spieler dezimierten Truppe auf dem Platz.

Übrigens können Sie wieder wie im Einzelspielermodus alle Spielmöglichkeiten nutzen und so z.B. mit Freunden eine richtige Weltmeisterschaft ausrichten. Erstaunlich gut funktioniert auch die Steuerung eines Teams durch zwei Spieler. Unterschiedliche Spielersymbole und schnelle Wechsel verhindern hier Frustmomente.

Gelungene Präsentation
Diese fehlen auch in Sachen Grafik und Sound. Zwar wird Fifa 12006 sicher nicht als Meilenstein in die Geschichte eingehen, aber die Bewegungen der Spieler auf dem Rasen wirken sehr realistisch. Flüssige Bewegungen gepaart mit der typischen Gestik der Akteure, lassen schnell Stadienatmosphäre aufkommen.Die Jubelszenen wurden so im Vergleich zu Fifa 2005 noch einmal erweitert und über den Fanshop lassen sich zusätzliche Sequenzen freischalten. Lobenswert ist die Geräuschkulisse in den Arenen. Die Fans feuern ihre Mannschaften mit Sprechchören wie "Arsenal, Arsenal" an oder verspotten den Gegner mit "Ihr könnt nach Hause fahren". Außerdem werden strittige Schiedsrichterentscheidungen von Pfeifkonzerten begleitet. Scheiden werden sich die Geister wie üblich bei der Leistung der Kommentatoren.

In der dt. Version moderieren Patrick Wasserziehr und Thomas Herrmann. Beide haben eine ansehnliche Palette von Sprüchen zur Auswahl, gehen aber auf die Mannschaften zu wenig ein. Gerade zu den internationalen Stars hätten es ein paar individuelle Kommentare sein können. Wenn Sie irgendwann damit liebäugeln, die Kommentare auszublenden, können Sie noch auf die engl. oder italienische Version ausweichen, denn auf der DVD befinden sich insgesamt fünf Sprachversionen. diese sind unkompliziert bei jedem Spielstart auswählbar.

Patchen erforderlich
Zum Schluss noch eine Anmerkung zu Bugs und unschönen Fehlermeldungen: Sie sollten nach der Installation unbedingt den neuesten Patch installieren, ansonsten besteht die Gefahr, dass Sie vor Wut in die Tastatur beißen. Fifa 2006 verweigert nämlich in der Verkaufsversion den Dienst bei diversen USB-Controllern. Ein unablässiges Scrollen durch die Menüs ist die Folge, welches jegliches Spielen unmöglich macht.Die Jubelszenen wurden so im Vergleich zu Fifa 2005 noch einmal erweitert und über den Fanshop lassen sich zusätzliche Sequenzen freischalten. Lobenswert ist die Geräuschkulisse in den Arenen. Die Fans feuern ihre Mannschaften mit Sprechchören wie "Arsenal, Arsenal" an oder verspotten den Gegner mit "Ihr könnt nach Hause fahren". Außerdem werden strittige Schiedsrichterentscheidungen von Pfeifkonzerten begleitet. Scheiden werden sich die Geister wie üblich bei der Leistung der Kommentatoren.

In der dt. Version moderieren Patrick Wasserziehr und Thomas Herrmann. Beide haben eine ansehnliche Palette von Sprüchen zur Auswahl, gehen aber auf die Mannschaften zu wenig ein. Gerade zu den internationalen Stars hätten es ein paar individuelle Kommentare sein können. Wenn Sie irgendwann damit liebäugeln, die Kommentare auszublenden, können Sie noch auf die engl. oder italienische Version ausweichen, denn auf der DVD befinden sich insgesamt fünf Sprachversionen. diese sind unkompliziert bei jedem Spielstart auswählbar.

Patchen erforderlich
Zum Schluss noch eine Anmerkung zu Bugs und unschönen Fehlermeldungen: Sie sollten nach der Installation unbedingt den neuesten Patch installieren, ansonsten besteht die Gefahr, dass Sie vor Wut in die Tastatur beißen. Fifa 2006 verweigert nämlich in der Verkaufsversion den Dienst bei diversen USB-Controllern. Ein unablässiges Scrollen durch die Menüs ist die Folge, welches jegliches Spielen unmöglich macht.