Die Fußball-Weltmeisterschaft ist vorüber, doch schon steht die nächste Saison vor der Tür – auch virtuell. Bei der ausführlichen Anspielrunde von FIFA 19 in der Münchener Allianz-Arena präsentiert sich EA Sports' Fußball-Simulation in starker Frühform!

Wie sieht das neue FIFA 19 aus? Seht selbst:

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Ich gestehe! Ich hatte schon als kleiner Junge gerne den Ball am virtuellen Fuß. Angefangen bei Titeln wie Kick-Off oder Microprose Soccer, später kamen dann natürlich auch FIFA und International Superstar Soccer dazu. Wenn ich mal keine Lust auf aktives Kicken hatte, dann vertrieb ich mir die Zeit mit Titeln wie Anstoß oder dem Fußball-Manager. Ich hätte gerne einen Taschenrechner, der für mich die Stunden aufaddiert, die ich mit Fußball-Simulationen jeglicher Couleur verbracht habe.

Entsprechend schreibe ich auch schon gefühlte Ewigkeiten über diese Art der Sportspiele und könnte an dieser Stelle wieder mit dem ewigen Kampf zwischen FIFA und Pro Evolution Soccer einsteigen. Tatsächlich freue ich mich aber jedes Jahr auf diese Zeit im Herbst, wenn Konami und EA Sports sich das Leder um die Ohren ballern. Denn das bedeutet in der Regel launigen Fußball – mal mehr und mal minder anspruchsvoll.

EA Sports präsentierte FIFA 19 in diesem Jahr bereits im Rahmen der Spielemesse E3 in Los Angeles und lud die örtliche Presse kurz nach der Fußball-Weltmeisterschaft zur großen Anspielrunde in die Münchener Allianz-Arena. Bei schönstem Blick auf die Fankurve geht es also erstmals ausführlich in FIFA 19 zur Sache und nach dem etwas enttäuschenden Vorgänger fährt der am 28. September 2018 erscheinende Ableger einige Neuerungen auf, die auch für ein anderes Spielgefühl sorgen.

FIFA in der Vorschau: Spielt in der Allianz-Arena von Bayern

Neue Lizenzen

Konami und EA Sports streiten seit Jahren um die wichtigsten Lizenzen im Fußballsektor. FIFA hatte seit jeher die Nase vorne und nachdem bekannt wurde, dass die Verträge zur Champions League auslaufen würden, war klar, dass EA Sports zuschlagen würde. Entsprechend wartet FIFA 19 erstmals mit Spielmodi zur Champions League und der Europa League auf. Beide Varianten gehen mit hübschen Intros an den Start und natürlich bietet EA Sports auch einen Live-Service, der das Turnier auf dem neusten Stand hält. Alternativ stellt ihr euch selbst die Mannschaften zusammen. Beide Spielarten tauchen auch in der Karriere und im dritten und damit finalen Kapitel von The Journey auf.

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Mehr Beweglichkeit

Aber natürlich ist auch in FIFA 19 entscheidend, was auf dem Platz passiert. Beim Kameraschwenk durch den Kabinengang erkennt ihr sehr schnell die erneut aufgewerteten Spielerkonterfeis. Neymar und Co. sehen ein Hauch naturgetreuer aus als zuvor und so bestaunt ihr selbst kleinste Details wie Barstoppeln, Falten und Tattoos.

Doch die eigentliche Veränderung folgt auf dem Platz. Zwar basiert FIFA 19 auf dem Grundgerüst seines Vorgängers, jedoch fügt das Entwicklerteam viele zusätzliche Bewegungsabläufe hinzu. Gerade in extreme Situationen, also wenn Bälle etwa nicht absolut präzise kommen, laufen die Stars nicht mehr einfach nur ins Leere. Vielmehr versuchen sie das Leder mit allen Mitteln zu erreichen. Bei einer verunglückten halbhohen Flanke etwa reckt sich Thomas Müller mit aller Macht nach dem Ball. Spielt ihr ihm die Pille gar in den Rücken, versucht er sie noch mit der Hacke zu angeln. Diese Veränderung fällt auch beim Kurzpassspiel auf. Gerade technisch versierte Spieler wie Neymar oder Ronaldo streuen automatisch kleine Tricks mit der Hacke ein.

FIFA 19 ist gerüstet für die kommende Saison: Mit frischen Animationen, erweiterten Funktionen und langsamerem Tempo fühlt sich der diesjährige Ableger deutlich anders an als sein Vorgänger.Ausblick lesen

Wer jetzt munteren Ping-Pong-Fußball befürchtet, der irrt. EA Sports drosselt das Spieltempo deutlich. Das wiederum schenkt euch mehr Zeit für präzise Zuspiele, ohne dass darunter die Dynamik leidet.

Das Physik- und Zweikampfsystem wurde rumdum erneuert.

Ein harter Kampf

Zu den verbesserten Animationen gesellt sich das rundum erneuerte Physik- und Zweikampfsystem. Früher lief ich gegnerischen Stürmer den Ball mit einem einfachen Tackling ab und wusste sofort, ob mir der Ball danach gehört oder nicht. FIFA 19 gibt sich weitaus unkalkulierbarer. In Zweikämpfen reagieren die Stars nun schneller und setzen auch bei Ballverlusten flinker nach.

Zudem kommt es häufiger zu Kollisionen und Rangeleien. Als ich mir beispielsweise mit Franck Ribéry den Ball zu weit vorlege, geht ein Verteidiger dazwischen und es folgt ein heftiger Pressschlag, der beide Spieler zu Boden reißt. Im Kleinen – also im Mittelfeld – bedeutet diese Funktion vor allem mehr Kampf um den Ball. Ungenauigkeiten bestraft das Spiel somit härter. Zugleich stärken die überarbeiteten Zweikämpfe aber auch die Defensive. Das führte zwar in der Anspielrunde nicht unbedingt zu weniger Treffern, sorgte aber zumindest dafür, dass ich mir den Weg zum Erfolg erarbeiten musste.

Funktionen für Profis

Sehr schön: Für mich als großen Taktikfan bietet FIFA 19 endlich individuelle Strategien, die ich auf Tastendruck während des laufenden Matches aktivieren kann. Die einstigen Standardeinstellungen für offensiv und defensiv passe ich nun zuvor an und greife dann darauf zurück, wenn ich sie benötige. Das erlaubt gerade im Online-Betrieb schnelles Umschalten und Anpassen an das aktuelle Ergebnis. Die dazugehörigen Menüs wirken übersichtlich und erklären die Vor- und Nachteile der gewählten Taktik. Wer etwa dauerhaft auf Pressing setzt, wird spätestens Mitte der zweiten Halbzeit eine ziemlich müde Truppe auf das Feld führen.

FIFA 19 richtet sich zwar wie gewohnt an eine möglichst breit gefächerte Zielgruppe und bietet beispielsweise für Anfänger die Zwei- und sogar eine Ein-Button-Steuerung. Trotzdem sucht EA Sports zunehmend auch die Unterstützung der FIFA-Profis. Ein weiteres Zeichen für diese Entwicklung sind die getimeten Abschlüsse. Wer mehr Kontrolle über seine Schüsse und Kopfbälle haben möchte, der drückt künftig zwei Mal die Schusstaste und aktiviert so den erweiterten Schussmodus. Beim zweiten Klick zeigt dann ein farbiger Balken an, ob das Timing stimmte oder nicht. In der Hands-On gelingt mir dieses Kunststück eher zufällig und so köpfe ich damit das Leder mit Ronaldo in den Winkel.

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Ebenfalls nützlich: Mit einem Klick auf die R3-Taste halte ich das Leder hoch und vollführe so beispielsweise Volley-Schüsse oder lege den Ball geschickt über meine Kontrahenten hinweg. Und natürlich darf ich auf Tastendruck auch erstmals direkte Kontrolle über den Torhüter übernehmen und so beispielsweise einen Alleingang unterbrechen. FIFA 19 bietet eine Fülle dieser neuen, erweiterten Optionen und meine Befürchtung ist, dass die zuweilen auch „overpowered“ sein könnten.