Story-Modus, „Hausregeln“ und mehr Authentizität: FIFA 19 protzt mit Lizenzen, Spieloptionen und TV-Präsentation. Doch genügt das, um auch in diesem Jahr den Fußballthron gegen Anwärter PES 2019 zu verteidigen?

In FIFA 19 geht die Geschichte von Alex Hunter weiter:

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Fußballspiele haben über die vergangenen drei Jahrzehnte eine gewaltige Entwicklung durchgemacht. In Kick Off war ich anno 1989 schon froh, wenn ich den Ball problemlos im Tor unterbrachte. In Microprose Soccer jubelte ich über muntere, aber aus heutiger Sicht viel zu hektische Hallenkicks. Doch wenn man die Anfänge des Genres mal mit der heutigen Generation der Fußballsimulationen vergleicht, dann wirken die ersten Schritte geradezu lächerlich.

Jubel bei Juventus Turin: FIFA 19 setzt Finalpartien – wie beispielsweise in der Champions League – äußerst stimmungsvoll in Szene.

Egal, ob Pro Evolution Soccer 2019 oder FIFA 19 – dem Genre geht es in diesen Tagen prächtig und ihm tut der Konkurrenzkampf der beiden Reihen gut. Konami startete bereits Anfang September in die neue Saison: PES 2019 punktete mit flottem Offensivfußball und reichlich Authentizität, jedoch mangelte es weiterhin an Lizenzen und an frischen Spieloptionen.

Und FIFA 19? Das legt gleich beim ersten Spielstart den Finger in die Wunde und lässt euch geradezu selbstironisch mit Juventus Turin nebst Weltfußballer Cristiano Ronaldo im Champions-League-Finale auflaufen. Natürlich trage ich im neuen FIFA auch Duelle in der Europa League aus oder fechte kurzerhand den UEFA-Superpokal aus. Dazu freue ich mich über Clubs aus der 1. und 2. Bundesliga, die – im Gegensatz zu PES 2019 – auch ganz ohne Online-Updates der Community immer auf dem neusten Stand bleiben.

Gerade für Mainstream-Fans bleibt also zunächst alles beim Alten: FIFA 19 hat die TV-Atmosphäre und die dicken Lizenzen – und PES 2019 überzeugt auf dem Platz. Aber ist Letzteres auch in diesem Jahr so?

In der „The Journey“-Kampagne stellt sich Alex Hunter immer wieder den Fragen der Journalisten. Eure Antworten beeinflussen seinen Charakter.

Die Fußballwelt steht Kopf

Tatsächlich legt FIFA 19 spielerisch mächtig zu. Fühlte sich FIFA 18 – speziell nach den unzähligen Gameplay-Updates – noch wie ein munterer Arcade-Kick an, gibt sich der Nachfolger betont langsam. EA Sports drosselt das Spieltempo, erschwert aber zugleich Ballannahmen und schenkt dem Defensiv-Gameplay ein höheres Augenmerk.

Der insgesamt langsamere Spielablauf sorgt dafür, dass ich mehr Zeit habe, den Ball zu verteilen. Mitspieler laufen sich besser frei, sodass ich mehr Möglichkeiten im Angriffsspiel habe. Waren im Vorgänger Dribblings noch übermächtig, benötige ich nun geschickte Zuspiele und Übersicht. Ansonsten renne ich nämlich allzu schnell gegen eine gut aufgestellte Abwehrmauer. Lücken ergeben sich meist nur durch individuelle Fehler.

Gewaltiger Umfang und verbessertes Gameplay – FIFA 19 baut die Vormachtstellung aus.Fazit lesen

Sehr schön: Flanken sind diesmal effektiver, und so lohnt sich auch das Flügelspiel mehr. Gerade Volley-Abnahmen gewinnen an Bedeutung hinzu. Spätestens wenn ich das Leder mit Star-Stürmer Sadio Mané vom FC Liverpool in den Giebel donnere, kommt Freude auf. Wer im Gewühl noch die Zeit für gutes Timing findet, der probiert sich an den fortgeschrittenen Abschlüssen. Diese erfordern viel Geschick und sind – entgegen meiner Befürchtungen – nicht overpowered.

Beim Torerfolg präsentiert sich FIFA 19 variantenreich wie selten zuvor. Ob über die Flügel oder durch das Zentrum – beides funktioniert.

Einige Schwachstellen entdecke ich im neuen FIFA aber natürlich dennoch: Das Aufbauspiel ist insgesamt nicht so intuitiv wie in PES 2019 und mitunter ein wenig zäh. Dribblings bleiben daher nach wie vor noch ein probates Mittel. Die Zweikämpfe fühlen sich dagegen deutlich besser an als beim Konkurrenten. Tacklings sind nun unberechenbarer, da der Ball häufiger verspringt. Bedeutet im Klartext: Nur weil mein Angriff auf den Ball sitzt, bedeutet das noch lange keinen Erfolg. Das war in den Vorgängern anders. Grätschen bleiben indes effektiv – nicht zuletzt durch das geschickte „Angeln“ nach dem Leder durch die Stars.

Das sieht richtig gut aus!

Besonders auffällig sind aber die zahlreichen frischen Animationen im Spiel. Auch wenn FIFA 19 in dieser Disziplin noch immer nicht ganz auf dem Niveau eines PES 2019 agiert, so läuft es viel flüssiger als der Vorjahrestitel. Gerade die zusätzlichen Bewegungsabläufe tun der Gesamtpräsentation gut: Hier ein Hackentrick, dort ein Straucheln – das alles sorgt für einen insgesamt natürlicheren Look und unterstreicht damit den Anspruch einer Fußballsimulation.

Im Vergleich zum Vorgänger bieten sich die Mitspieler besser an. Trotzdem ist das Aufbauspiel träger als beim Konkurrenten PES 2019.

Überhaupt macht die Präsentation einen gewaltigen Schritt nach vorne – im Gegensatz zu PES 2019. Die Menüs sind klar und übersichtlich; neue Lizenzen wie eben die Champions League oder die Europa League setzt EA Sports treffend in Szene. In den Fankurven des Heimteams prangen dann überdimensionale Abbilder großer Stars. Untermalt wird das Geschehen durch Hymnen, Pomp und die von Liveübertragungen bekannten Kamerafahrten und Logos. Das alles erzeugt Stimmung. Im Spiel selbst fallen immer wieder die sehr gelungenen Fangesänge auf: Ganz egal, ob rhythmisches Klatschen oder „You‘ll Never Walk Alone“-Chöre – da kommt immer wieder echtes Stadion-Feeling auf!

Und auch wenn PES 2019 weiterhin das authentischere Gameplay abliefert, so holt FIFA 19 Fußball-Fans problemlos mit seinen Lizenzen ab. Die Originalwettbewerbe sind ein Faktor, Vereine und Nationalmannschaften der andere. Vor allem, dass die 1. und 2. Bundesliga hier an den Start gehen, dürfte für viele deutsche Zocker wieder ein ganz wichtiges Kaufkriterium sein.

Schade allerdings: Sehen gerade die ganz großen Talente wie Cristiano Ronaldo oder Luka Modrić ihren Vorbildern verdammt ähnlich, tauchen bei den kleineren Clubs mal wieder Gesichter aus dem Charakterbaukasten auf.

Für jeden Geschmack etwas

Was FIFA 19 aber wirklich von PES 2019 und auch vom Vorgänger absetzt, ist die Vielfalt der Spieloptionen. Natürlich finde ich in der Menüauswahl auch die üblichen Verdächtigen wie die Karriere – wahlweise als Trainer oder als Spieler – und das „Groschengrab“ FIFA Ultimate Team. Die Karriere lässt EA Sports in diesem Jahr nahezu unangetastet – sie ist also kein Kaufgrund. FIFA Ultimate Team bleibt das Sammelalbum mit kleinen Aufgaben und Belohnungen. Neu dabei sind die Division Rivals, die im Online-Gameplay für mehr Fairness und ein besseres Balancing bei der Auswahl der Teilnehmer sorgen sollen. Zum Testzeitpunkt waren noch zu wenige Spieler online, entsprechend wird sich die Wirkung dieser Neuerung erst im Langzeittest zeigen.

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Hinzu gesellen sich diverse Turnierwettbewerbe und natürlich der dritte Ableger des Story-Modus „The Journey“ – diesmal mit gleich drei spielbaren Charakteren. Sehr schön: Ihr könnt diesmal nicht nur die komplette Mannschaft oder euren Star selbst kontrollieren, sondern auch Gruppierungen innerhalb des Teams. Steuert ihr Alex Hunter, übernehmt ihr etwa dessen Mentoren. Wie immer gibt es auch diverse Entscheidungsmöglichkeiten, Dialogoptionen und Individualisierungsmöglichkeiten.

Der Story-Modus überzeugt erneut und ist weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal der Serie. Gleiches gilt übrigens auch für die launigen „Hausregeln“. Hier lege ich etwa ein Torlimit fest oder darf Treffer nur per Volleyschuss oder Kopfball erzielen. Besonders unterhaltsam: der Survival-Modus, bei dem ich immer einen Spieler verliere, wenn ich ein Tor schieße. Die Hausregeln sind nicht unbedingt komplex, bringen aber Spaß ins Spiel. Und das ist gerade in der munteren Runde mit Freunden absolut ideal.