Der frühe Vogel kickt den virtuellen Ball. EA Sports lud bereits im Vorfeld der E3 in die Münchener Allianz Arena und präsentierte dort den diesjährigen Ableger seiner Fußballsimulation. Eines steht schon jetzt fest: FIFA 18 wird definitiv das schönste Spiel der Serie.

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Auf meinem Bahnticket steht: „Abfahrt: 4:18 Uhr; Köln Hauptbahnhof.“ Noch einmal: „4:18 Uhr“. Das bedeutet im Klartext, dass ich um drei Uhr aufstehe und mich wenig später über den noch dunklen Bahnhofsvorplatz schleppe. Wofür ich zu dieser unchristlichen Uhrzeit aufstehe? Für die Enthüllung von FIFA 18. Noch vor der E3 2017 zeigt der kanadische Entwickler EA Sports seine neue Fußballsimulation. Dafür nimmt man doch gerne neun Stunden Bahnfahrt an einem Tag auf sich.

Mein Zug kommt. Ich suche meinen Platz und ich stecke mir die Kopfhörer in die Ohren. Im nächsten Moment wache ich kurz vor München auf. Mein Weg führt mich zur Allianz Arena. Inmitten einer Gruppe englischer Austauschschüler marschiere ich den weiten Weg zum Stadion. Und so müde und maulig ich aufgrund des frühen Aufstehens noch war, so verfliegt diese Unlust beim Anblick des gewaltigen Baus. Ich bin kein Fan des FC Bayern, aber Stadien entfachen in mir immer eine gewisse Ehrfurcht.

In der sogenannten Säbener Lounge stellt EA Sports FIFA 18 vor. Es ist ein bisschen wie Silvester: The same procedure as every year. Denn in den vergangenen Jahren fand die Enthüllung des neusten Ablegers fast immer in einem der Räume der Allianz Arena statt. Auf meinem Weg zum Aufzug erhasche ich einen kleinen Blick ins Stadion. Das ist schon cool.

Die Technik stimmt

Bei der zunächst anberaumten Präsentation führen EA Sports’ Creative Producer Matthew Prior und Gameplay Producer Sam Rivera die Neuerungen vor. Das hätte es gar nicht gebraucht: Schon beim Betrachten des ersten Bildmaterials fällt der große Sprung auf, den die Grafik im Vergleich zur Vorjahresversion gemacht hat. Bilder von Chelsea-Star Eden Hazard zeigen die Unterschiede der Spielermodelle. Vor allem die Gesichter wirken jetzt deutlich natürlicher, Schattierungen sorgen für Tiefe, durch zusätzliche Details erscheinen sie realistischer. Diese Entwicklung ist umso beeindruckender, wenn man dagegen noch einmal die alten, glatt gebügelten Modelle aus FIFA 17 sieht.

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Doch EA Sports arbeitet nicht allein am Aussehen seiner Spieler, sondern schenkt ihnen auch mehr Individualität. Künftig sollt ihr jeden Kicker allein anhand seiner Bewegungen erkennen. Naja, das klingt eher wie eine blumige PR-Floskel, schließlich trampeln in FIFA 18 Tausende von Spielern über das virtuelle Grün und nicht jeder wird den Weg in EAs Motion-Capturing-Studios in Vancouver gefunden haben. Stars wie beispielsweise den jüngst enthüllten Cover-Held Cristiano Ronaldo erkennt man zweifellos an ihrer Körperhaltung beim Sprint. Weniger bekannte Balltreter teilen die Entwickler dagegen in Archetypen – also klein, mittel und groß – ein. Dadurch ist zumindest mehr Abwechslung auf dem Platz geboten.

Fernab der Spieler kümmert sich EA Sports diesmal aber auch um das Publikum und um die Stadionatmosphäre. In den letzten Teilen saßen ja ziemlich hässliche Polygon-Kameraden auf den Rängen, diesmal bietet das Spiel mehr Vielfalt. Bei Torerfolgen ihrer Mannschaft stürmen die Fans nach vorne. Renne ich mit meinem Spieler nach einer Bude in die Kurve, fallen mir meine Anhänger in die Arme. Des Weiteren besitzt jedes Stadion sein Flair, seine eigene Lichtstimmung und wechselnde Effekte. Genau deshalb bin ich gerade in den ersten Anspielrunden begeistert: FIFA 18 ist für die FIFA-Serie technisch ein deutlicher Schritt nach vorne. Mal sehen, ob sich auch spielerisch so viel tut.

Es holpert noch ein wenig

Vollends holte mich FIFA 18 beim ersten Hands-on noch nicht ab. Gut gefällt mir, dass die Animationen sich auf die Zweikämpfe auswirken. Denn kleinere Spieler agieren nun deutlich agiler und spitzeln beispielsweise das Leder wieselflink an ihrem Gegenspieler vorbei. Gerade gegen bullige Verteidiger haben sie so mit ihrer Spritzigkeit einen kleinen Vorteil. Zudem funktioniert das Defensivspiel insgesamt besser, die Reihen stehen dichter. Zugleich kann ich mich als Manndecker breitmachen und schiebe Leichtgewichte problemlos aus dem Weg. Dazu benötigt es gar keine zusätzliche Taste – einfaches Ablaufen des Balls genügt vollkommen. Und ich freue mich über die Rückkehr der „harten Grätsche“. Die setze ich ein, wenn ich unbedingt einen Gegenspieler zu Fall bringen muss.

Trotzdem gibt es in der der Vorschauversion gerade im Aufbauspiel noch ein paar Schwächen. Sam Rivera betonte, dass man das Spiel mehr in die Breite ziehen wolle. Zu diesem Zweck agiert die eigene Offensivabteilung klüger. Die Flügel laufen sich besser frei, andere Kicker rücken schneller nach. Auch das jüngste FIFA bietet nicht ganz den emotionalen Hurra-Fußball eines Pro Evolution Soccer, spielte sich aber schon deutlich besser als der Vorgänger. Lange Alleingänge waren für Raumgewinn zwar möglich, aber nicht nötig. Allerdings entpuppten sich speziell Steilpässe noch als übermächtig, da die Außenverteidiger nicht immer den Raum ausreichend dichtmachten. Die von EA Sports angepassten Flanken wiederum sollen ein effektives Instrument für den Torerfolg werden, zündeten aber im Probespiel noch überhaupt nicht. Sie kamen viel zu oft viel zu kurz und waren somit leichte Beute für die Verteidigung. Da müssen die Macher noch ein wenig an den jeweiligen Stellschrauben drehen, damit die Spielbalance besser passt. Dennoch ist der grundsätzliche Gesamteindruck sehr positiv – was nicht zuletzt an der imposanten Technik liegt.

Die Rückkehr des Alex Hunter

Der Story-Modus des Vorgängers geht auch in die zweite Runde. Erneut übernehmt ihr Alex Hunter, der inzwischen in der Fußball-Elite angekommen ist. Jetzt muss er sich entscheiden, wo die Reise für ihn hingeht, Angebote liegen bereits auf dem Tisch. Das auf dem Event spielbare Match ist zugleich Alex' letzter Auftritt für den FC Chelsea. Als er aufläuft, hallen ihm lautstarke Buhrufe und Pfiffe entgegen. Bei mir sorgt das für Gänsehaut. Schön außerdem, dass ich nun die Journey – so ja der offizielle Titel – mit Freunden spielen kann. Im Multiplayer-Modus kontrolliert man die gesamte Truppe und nicht nur Hunter selbst. Das erweist sich als gar nicht so leicht, denn die Abstimmung untereinander entscheidet über Sieg oder Niederlage. In der Proberunde gelingt das nicht so toll: Chelsea verliert mit 1:3, Alex feiert einen wenig ruhmreichen Abschied.

Trotzdem bin ich einmal mehr gespannt auf den Journey-Modus. Bereits der Vorgänger hatte Potenzial. Diesmal erweitert EA Sports das Spiel um ein Individualisierungssystem, sodass ihr „euren“ Alex Hunter mit Klamotten, Schmuck und Frisuren ausstatten könnt. Darüber hinaus tauchen in den sechs Kapiteln häufiger und länger bekannte Stars à la CR7 auf. Sie sollen diesmal größeren Einfluss auf die Geschichte selbst haben.