Es ist in jedem Jahr das gleiche Spiel. Immer im Herbst fragen mich fußballaffine Freunde: „Wovon bist du denn Fan – Pro Evolution Soccer oder FIFA?“ “Von dem, der aktuell den besseren Fußball spielt”, lautet da meist meine Antwort. Über viele Jahre schlug mein Herz für PES, dann wieder für FIFA. In diesem Jahr dürfte es eine Dreierbeziehung werden. Denn FIFA 18 zeigt nach dem eher enttäuschenden Vorgänger den Mut zu Neuerungen, die ich mir schon viel früher gewünscht hätte.

FIFA 18 - The Journey: Hunter Returns - Der Anfang15 weitere Videos

Auch Hunter und der Story-Modus sind wieder dabei. Einen ersten Vorgeschmack erhaltet ihr im Trailer:
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Das Spiel startet wie üblich mit einem Showmatch, Atlético Madrid trifft auf Real Madrid. Die erste Veränderung fällt gleich beim Kameraschwenk durch das Stadion auf. Auf den Tribünen hocken nun keine Pappkameraden mehr, sondern endlich 3D-Modelle. Diese wirken zudem weit weniger uniform und reagieren sogar dynamisch auf bestimmte Situationen. Bei Schüssen auf die Ränge etwa weichen sie nun aus und renne ich beim Torjubel in die Fankurve, feiern die Anhänger mit mir.

Doch nicht nur die Zuschauer sorgen für Begeisterung, auch die Stadien überzeugen. Entwickler EA Sports integrierte rund 80 teils lizenzierte Spielstätten und gibt jeder Lokalität mit Licht- und Schatteneffekten sowie verschiedenen Bildfiltern ihren eigenen Anstrich. Speziell Abendspiele sind deutlich stimmungsvoller. Dazu wirkt der Rasen herrlich flauschig und weitaus plastischer als etwa in Pro Evolution Soccer 2018. Allerdings stört in diesem Fall auch das Fehlen bestimmter Stadien – wie etwa des Dortmunder Signal Iduna Parks.

FIFA 18 - Dumm kickt gut

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Die Bayern warten auf den Anstoß. Sehr schön erkennbar: Die Statur der Spieler variiert in FIFA 18 deutlich
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Auf dem Platz: Tore, Tore, Tore!

Damit enden die kosmetischen Korrekturen bei FIFA 18 allerdings nicht. Im vergangenen Jahr stellte EA Sports die Sportserie auf die Frostbite-Engine um, nun trägt der Wechsel Früchte. Die Spielermodelle erscheinen natürlicher und weniger klobig als zuvor. Die Entwickler drosseln das Spieltempo spürbar, dadurch kommen die ebenfalls überarbeiteten Animationen mehr zum Tragen. Für Dribblings benötige ich nur noch selten den rechten Analog-Stick, sondern schiebe mich mit geschickten Tempowechseln an Gegenspielern vorbei. Das Handling ist einen Hauch direkter, zugleich reagieren die Balltreter gerade bei Sprints träger auf Richtungswechsel. FIFA 18 ist kontrollierbarer und berechenbarer als sein Vorgänger. Ich habe zwar längst nicht das Gefühl der vollkommenen Kontrolle wie in PES 2018, trotzdem sind diese Veränderungen ein großer Schritt.

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Das Zweikampfsystem bleibt hinter den Verbesserungen in der Offensive zurück
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Auch im Spielaufbau hat sich einiges getan. Meine Offensivkräfte bieten sich besser für Zuspiele an: Flügelflitzer suchen immer wieder Lücken, Stoßstürmer gehen ins Zentrum. Kurzpass-Stafetten kann ich endlich auch mit Torschüssen abschließen, da meine Kollegen zeitig nachrücken und ich so Anspielstationen besitze. Insgesamt bietet FIFA 18 viel mehr Optionen im Offensivspiel und ist dadurch abwechslungsreicher. Die Defensive hat dagegen noch eine Baustelle. Zwar dränge ich nun mit bulligen Spielern kleiner gewachsene Kontrahenten ab und trenne sie so vom Ball, doch insgesamt komme ich nur schwer in die Zweikämpfe hinein.

FIFA 18 - Dumm kickt gut

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Gerade in der Innenverteidigung findet man immer wieder Lücken und kommt so zu guten Torchancen
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FIFA 18 setzt eher auf Raumdeckung und das Zuschlagen im richtigen Moment als auf direktes Pressing. Das wiederum führt aber immer wieder zu Problemen, an denen auch das neue, starke Tackling nichts ändert. Besonders starke Spieler wie Lionel Messi oder Ronaldo sind vom Sechszehner aus nahezu übermächtig und dreschen das Leder gerne ohne Ansage in den Winkel. Geübte FIFA-Junkies werden daher schnell sehr viele Chancen herausspielen und zahlreiche Buden erzielen. Macht euch also schonmal auf echte Tor-Festivals gefasst.

EA Sports stärkt also die Offensive, legt aber nicht ausreichend in der Verteidigung nach. Trotzdem ist FIFA 18 ein wichtiger Schritt für die Serie und erinnert deutlich mehr an „echten“ Fußball als seine Vorgänger. Fühlte sich FIFA 17 noch wie ein Übergangstitel an, spielt sich der Nachfolger deutlich anders und bietet dank der überarbeiteten Präsentation so manchen Aha-Effekt. Einzig die Kommentatoren FrankBuschi“ Buschmann und Wolff-Christoph Fuss liegen mit ihren Sprüchen weiterhin viel zu oft daneben – aber hey, das ist ja inzwischen fast schon Tradition bei EA Sports.

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Im Karrieremodus verhandelt ihr nun in hübsch animierten Zwischensequenzen
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Die üblichen Verdächtigen

In puncto Spielmodi gibt es dagegen weit weniger Überraschungen. Der Story-Modus The Journey geht in FIFA 18 in die zweite Runde. Am eigentlichen Spielprinzip ändert sich hier aber nur wenig. Ausnahmetalent Alex Hunter geht diesmal ins Ausland und in interaktiven Dialogsequenzen beziehe ich immer wieder Stellung. Wirklichen Einfluss haben diese Entscheidungen aber eigentlich nicht, letztlich zählen vor allem die Trainingsleistungen und die Matches selbst. Der Plot orientiert sich spürbar an einschlägigen Seifenopern, weiß aber über den Verlauf der sechs Kapitel durchaus zu unterhalten. Kurzum: The Journey bleibt eine launige und vor allem toll präsentierte Angelegenheit, die aber spielerisch trotz Koop-Modus und virtuellem Kleiderschrank eher banal daherkommt.

Ansonsten bieten Karriere- und Ultimate-Team-Modus nur wenige Innovationen. Für die Karriere verändert EA Sports das Transfersystem und integriert hübsch animierte Verhandlungssequenzen. Egal, ob ihr als Einzelspieler oder Teamchef agiert, so bleibt die Karriere spaßig und motiviert vor allem durch den hohen Wiedererkennungswert – dem dicken Lizenzpaket sei Dank. Ultimate Team dagegen erhält nun auf allen Plattformen legendäre Spieler. Die Icons getauften Stars wie Ronaldo bringen ein wenig Schwung in den Spielmodus und dienen als zusätzlicher Anreiz zum Weiterspielen und zum Zücken der eigenen Kreditkarte. Denn wie gewohnt könnt ihr euch Kartenpacks erspielen oder eben auch einkaufen.