Alex Hunter hat endlich seinen großen Tag. All die Jahre hat er trainiert, gekämpft, gebissen und Blut und Tränen vergossen – nun ist er da. Der Tag, an dem sich jeder junge Nachwuchsspieler am Ende seiner Entbehrungen und Aufopferungen wähnt: der erste Einsatz in der Ersten Mannschaft eines Fußball-Erstligisten. In diesem Fall ist es Manchester United. Zunächst muss er allerdings auf der Bank Platz nehmen und das Spiel von der Seitenlinie aus verfolgen. Doch beim Stand von 1:1 schlägt seine Stunde. José Mourinho flüstert dem Co-Trainer etwas ins Ohr und schaut dabei über dessen Schulter hinweg direkt zu Alex. Endlich! Alex' Zeit ist gekommen, zeig der Welt, dass du besser bist als Messi!

Das (Fußballer-)Leben ist eine Reise...

Nein, der erste Absatz ist keine Fanfiction über einen von mir erdachten Fußballer, sondern so geschehen zu Beginn von EAs neuem „The Journey“-Modus. In diesem spielt ihr besagten Alex Hunter, den ihr durch eine Karriere voller Höhen und Tiefen begleitet. Die Geschichte zwischen den Matches wird durch Cutscenes vorangetrieben und erinnert von der cineastischen Aufmachung und den dramatischen Elementen her an das äußerst kurzweilige „Fight Night Champion“, das ja auch aus der Feder von EA Canada stammte. Viel wurde uns zu diesem neuen Modus bei der Präsentation in der Münchener Allianz Arena noch nicht gezeigt und auch Fragen zum genaueren Ablauf von Alex' Karriere konnten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht konkretisiert werden, aber offensichtlich ist, dass „The Journey“ wohl einen ziemlich strikten Verlauf haben wird.

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Fest steht zumindest, dass der Modus auf die englische Barclay's Premier League beschränkt sein wird. Als Producer Nick Channon den Entstehungsprozess mit extra dafür engagierten Autoren und dem Mitwirken von Spielern wie Harry Kane (Tottenham Hotspurs) oder Marcus Rashford, dem blutjungen Shootingstar von Manchester United, erläuterte und man sehen konnte, wie sehr involvierte Spieler mit Sprachaufnahmen und Szenen-Performing mit der Geschichte verwoben wurden, kam bei einigen die Frage auf, inwiefern der Spieler da große eigene Handlungsfreiheit hat.

Ein Transfer zu einem anderen europäischen Verein? Wie lange wird die Karriere gespielt werden müssen? Muss ich Alex' Karriere bei Manchester United beginnen? Kann ich sein Äußeres individualisieren, wenn der Name schon vorgegeben ist? Alles Fragen, die noch offen sind und auf die zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht weiter eingegangen werden konnte. Ich durfte dann aber zumindest schon einmal die zu Beginn des Artikels beschriebene Ausgangssituation erleben und das erste Match spielen. Wer den Be-A-Pro-Modus kennt, weiß auch, was ihn hier in etwa erwartet. Ihr könnt zwar jederzeit im Match einstellen, dass ihr alle elf Spieler nutzen wollt, aber am Ende kommt es darauf an, dass Alex Hunter drei Ziele während des Matches hat, um sein Standing bei Fans, Trainern und Mitspielern zu verbessern. Spielbewertung, Tore, etc. stellen den Spieler dann immer wieder vor eine neue Herausforderung.

FIFA 17 - Kein Drama der Welt kann so übersichtlich sein wie ein Fußballspiel

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Alex Hunter hat große Träume - und wir sollen helfen, sie zu verwirklichen.
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Erfrischenderweise stellt ihr euch nach dem Spiel den Medien und dürft Fragen zum Spiel beantworten. Hierbei habt ihr die Wahl, wie ihr reagiert, was dann wiederum Auswirkungen auf eben erwähnte Gruppen hat. Stellt ihr euch nach einem Sieg als der alleinige Grund für den Sieg hin, steigt zwar eure Follower-Zahl, dafür ist euer Trainer dann nicht gut auf euch zu sprechen und eure Einsatzgarantie für das kommende Spiel wieder dahin. Salopp gesagt könnt ihr mit euren Statements alles, was ihr im Spiel erreicht habt, nun wieder mit dem Arsch einreißen. Inwiefern sich das tatsächlich auf den Karriereverlauf langfristig auswirkt, bleibt abzuwarten. Eine frische Neuerung ist „The Journey“ allemal und macht jetzt schon Lust auf mehr.

Frostbite-Engine? Endlich zerstörbare Stadien?

Die zweite große Ankündigung ist der Einsatz der Frostbite-Engine in FIFA 17, von der sich die Entwickler einen grafisch größeren Sprung erhoffen. Wer bereits den Teaser zu FIFA 17 gesehen hat, der dürfte von Eden Hazards beängstigend realistisch animierten Konterfei am Ende des Videos beeindruckt gewesen sein. Auf dem Platz war dann der Eindruck doch etwas ernüchternder. Keine Angst, die Spieler sehen auf jeden Fall weniger puppenhaft als noch bei FIFA 16 aus, allerdings hält sich der Sprung noch im sehr überschaubaren Rahmen. Man muss aber auch deutlich sagen, dass wir hier eine frühe Alpha-Version sehen, es kann sich in der optischen Umsetzung der Spieler also noch einiges tun.

Packshot zu FIFA 17FIFA 17Release: PC, PS4, Xbox One: 29.9.2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Wirklich beeindruckend hingegen ist den Entwicklern die Umsetzung der neblig-dicken Luft bei einem Flutlichtspiel gelungen. Dieser Dunst, der durch die Flutlichter deutlich erkennbar ist und den man mit einem Messer in Stücke schneiden könnte, wurde sehr gut umgesetzt und trägt die Atmosphäre problemlos. Nicht zuletzt auch, weil ich beim Spiel gegen Liverpool zu meiner Verwunderung feststellen musste, dass Jürgen Klopp an der Seitenlinie sein Team wie in seinen besten Zeiten nach vorne peitscht und während des Spiels immer wieder wild gestikuliert. Ein schönes Detail, auf das ich persönlich ja schon sehr lange warte. Auch Mourinho ist bereits bei Man Utd integriert – inwiefern sich EA die Mühe auch bei den Trainern der anderen großen Vereine gemacht hat, ist noch nicht klar.

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In der Frostbite-Engine kommen die dramatischen Blick gleich doppelt so gut rüber.
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Aber auch spielerisch wurde wieder an den kleinen Stellschrauben gedreht. So dürft ihr nun Sprints antäuschen, den langen Ball mit dem Bein herunterpflücken und behaupten, ohne ihn gleich zu einem Mitspieler weiterleiten zu müssen oder euch nun auch über physikalisch korrekte Kollisionen mit den Torhütern freuen. Das Spiel wirkt etwas langsamer und allgemein liegt der Fokus in diesem Jahr bei EA Sports scheinbar auf der Physis. Das Abschirmen des Balles soll nun so effektiv wie noch nie sein und die Zweikämpfe zwischen den Spielern spannender machen. Das funktionierte beim Anspielen bisher ganz gut und wirkte auch nicht über- bzw. allmächtig als Mittel gegen anstürmende Gegenspieler. Bei Zweikämpfen während des Dribbelns ist das Ziehen und Rempeln unter den Spielern komplexer und elementar wichtiger geworden.

Hoffen wir aber, dass ein Philipp Lahm zukünftig nicht trotz guter Sprint- und Zweikampfwerte von einem Mario Gomez in langweiliger Dauermanier vernascht wird, weil die Physiswerte bei großen körperlichen Unterschieden zwischen den Gegenspielern immer den Ton angeben werden. Im Idealfall lässt sich das Gestocher nach dem Ball vermeiden, wenn das Passspiel funktioniert - und hier wurde an der KI geschraubt, die bei eigenem Ballbesitz nun nicht einfach stur nach vorn läuft, sondern auf euer Verhalten reagiert. Wenn sie merkt, dass ihr das Spiel langsam eröffnen wollt, weil der Gegner sehr kompakt steht, kommt sie euch entgegen, um sich für Doppel- bzw. Kurzpasspiel anzubieten. Auch das hat bereits in der frühen Phase sehr verlässlich funktioniert und ist jetzt schon eine willkommene Ergänzung.

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Die KI der Spieler wurde verbessert. Ob das zu clevereren Nachspiel-Interviews führt, wissen wir nicht.
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Viermal so viele Animationen wie noch im Vorgänger, individualisierbare Anläufe bei Freistößen und Elfmetern und angeschnittene tödliche Pässe gehören ebenso ins Portfolio der Neuerungen in diesem Jahr. Und trotzdem behält sich FIFA seine eigenen Macken mitunter vor. So prallten Christiano Ronaldo und Manuel Neuer bei einer Faustklärung Neuers zusammen und beim Aufstehen fiel Ronaldo erneut über die Hände des am Boden liegenden Neuer. An sich nur eine nur allzu bekannte Slapstickeinlage der Physikengine, die bei FIFA irgendwie immer ein wenig zu viel will. Das paradoxe aber: Der Schiri pfiff daraufhin Stürmerfoul gegen Ronaldo.

Ein richtiger Singleplayer-Modus, ein frisches Grafikgerüst und bessere Mitspieler-KI – endlich wieder ein FIFA, das sich mehr als Detailverbesserungen zutraut.Ausblick lesen

Ein simpler Sprung über Neuers Hände hätte gereicht – wir wissen ja, wie genau die Physik mitunter sein kann, aber dann sollte sie bei eigenen Unzulänglichkeiten bitte nicht bei jedem Pups danach auch noch spielbewertend pfeifen. Auch die verzögerte Verarbeitung der Kommandos fiel auf. Ob das bis zum Release aber sowieso noch optimiert wird oder EA sich das genau so vorgestellt hat, werden wir am 29. September herausfinden, denn dann erscheint FIFA 17 bei auch bei uns.