Frostbite-Engine und ein Story-Modus – das sind die großen beiden Neuerungen, mit denen EA Canada in diesem Jahr für ein größeres Aha-Erlebnis also noch beim Vorgänger sorgen will. Der letztjährige Ableger hatte – wenn man es mal runterbricht – nicht viel mehr als das Einführen von Frauenfußballmannschaften im Köcher. Ob der Engine-Wechsel genauso holprig wie einst bei Konami mit deren Fox-Engine verlief? Weiß der neue Story-Modus zu überzeugen? Hat sich sonst etwas auf dem Rasen getan? Fragen über Fragen...

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Wir alle sind Alex Hunter...Alex, wer?

Alex Hunter ist der Star des neues Modus „The Journey“. EA hat um den jungen, aufstrebenden Nachwuchskicker eine Handlung gestrickt, wie man es bisher nur von 2K und deren NBA-Live-Serie kennt. Ihr spielt den jungen Alex, der sich zusammen mit seinem Buddy Gareth von der U11 bis in die großen Vereine kicken will. Mit hübschen Sequenzen unterfüttert, bietet die in acht Kapitel unterteilte Geschichte von Alex alles, was zu einem Profifußballer-Leben (scheinbar) dazugehört – und das umfasst auch Rückschläge im sportlichen und privaten Sinne.

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„The Journey“ ist der feuchte Traum aller überehrgeizigen Väter: Endlich müssen sie nicht mehr ihre Kinder auf den Platz scheuchen, um sich den Traum von der Fußballkarriere zu erfüllen.
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Zwischendurch werdet ihr immer wieder um eure Meinung gefragt oder müsst entscheiden, wie ihr auf Ereignisse reagieren wollt: entweder seid ihr der ausgeglichene Typ, eher hitzköpfig und kämpferisch unterwegs, oder ihr seid die coole Socke in Person und lasst alles einfach an euch und eurem schier grenzenlosen Selbstbewusstsein abprallen. Jede Entscheidung hat Einfluss auf die Sicht eures Trainers oder dem (medialen) Umfeld auf euch.

Packshot zu FIFA 17FIFA 17Erschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

An der Geschichte ändert das leider relativ wenig, da der rote Faden omnipräsent, der dramaturgische Verlauf vorgezeichnet ist und dem Spieler der Handlung zuliebe weniger Personalisierung ermöglicht wird als Alex selbst – Individualisierungsmöglichkeiten sowohl optischer als auch namentlicher Natur sind leider nicht möglich. Auf der anderen Seite kann auch nur durch einen festen Namen des Protagonisten eine handlungsbezogene Immersion entstehen.

Abgesehen von „The Journey“ erwarten den Spieler die altbekannten und vertrauten Spielmodi: Ultimate Team, Pro Clubs oder der Karrieremodus, in dem sich leider nicht allzu viel getan hat. Zwar kann man jetzt auch in der japanischen oder südamerikanischen Liga seine Management-Fähigkeiten unter Beweis stellen und endlich mit selbst kreiertem Konterfei am Rand herumwuseln – inhaltlich bleibt der Karrieremodus aber nach wie vor ausbaubar.

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Auf dem Platz hat sich dieses Jahr vergleichsweise wenig geändert.
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Jetzt hör' endlich auf zu drängeln!

Auf dem Platz hingegen wurden einige gute Features ins Spiel gebracht, die vor allem die Verwertung des Balls um einige Facetten bereichern. So können tödliche flache Pässe nun mit Spin als Dosenöffner der gegnerischen Viererkette gespielt werden, um das allzu leichte Abfangen zu verhindern. Kopfbälle können nun gezielt als Aufsetzer in Richtung des gegnerischen Tors gespielt werden. Auch hohe Bälle von den eigenen Spielern werden nicht einfach nur weitergeleitet oder auf das gegnerische Tor gebracht, sondern gezielt angenommen und im Anschluss direkt abgeschirmt.

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Der Wechsel zur mächtigen Frostbite-Engine ist erstaunlich verlustfrei über die Bühne gegangen, lässt große Wow-Momente aber bislang vermissen.
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Das Thema Abschirmen ist auf dem Platz auch die größte Neuerung, die den Mitspielern mehr Zeit zum Anbieten oder zur Tempoverschleppung verschaffen kann. Mitunter wirkt diese neue Möglichkeit aber schon etwas übermächtig und macht es manchmal sogar mit zwei Verteidigern einfach nicht nachvollziehbar kompliziert, dem Gegner endlich wieder den Ball abzuluchsen. Nötig ist diese neue Möglichkeit der Ballbehauptung paradoxerweise aber trotzdem, denn ein fließende Passspiel-Stafetten wie bei PES 2017 sucht man hier in dem Ausmaß vergebens, sodass das Kernelement auch in diesem Jahr wieder verstärkt die Eins-gegen-eins-Duelle sind, da die Mitspieler doch nicht so intuitiv auf das Spiel des ballführenden Spielers reagieren wie eigentlich angedacht.

Optisch macht FIFA 17 dank der implementierten Frostbite-Engine vor allem atmosphärisch einen sehr guten Eindruck. Die Stadionatmosphäre ist durch reduziertere Farbkraft und den gewissen Flutlicht-Dunst noch einmal dichter als im Vorgänger. Leider sehen die prominenten Spieler (auch die des FC Bayern München trotz exklusiver Partnerschaft) immer noch aus, als wären sie Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett entsprungen und lassen authentische „Tiefe“ in den Gesichtern vermissen. Dafür darf man sich nun über erstmals über die gesamte modellierte Trainerriege der englischen Premier League freuen. Der Wechsel zur Frostbite-Engine hat zwar problemlos funktioniert, aber den großen „Wow-Effekt“ sucht man – zumindest in diesem ersten Jahr der neuen Engine noch – vergebens.