Eins muss man EA ja lassen: Erstmals in der Geschichte der Reihe ist es nun möglich mit reinen Frauenmannschaften in Form der Nationalteams zu spielen, was bereits im Vorfeld für einige mediale Beachtung über die übliche Berichterstattung der Spielebranche hinaus gesorgt hat (Bei gamona hatten wir ebenfalls ein kleines Gespräch darüber. Anm.d.R.). Inwiefern das ein nötiger ist - wenn Welt- und Europameisterschaften im Frauenfußball noch nicht mal im fußballverrückten Deutschland oder England wirklich verfolgt werden - darüber lässt sich zumindest diskutieren.

Doch kann die öffentliche Wahrnehmung des weniger physischen, technisch aber mitunter ebenbürtigen Frauenfußballs durch die Implementierung vielleicht für etwas größere Akzeptanz sorgen, oder, noch viel wichtiger: einfache Selbstverständlichkeit bezüglich der Seriosität des weiblichen Rasenschachs. Da vergisst man fast die Frage, ob EA doch abseits dessen auch andere relevante Änderungen und Verbesserungen in des diesjährigen Ableger gepackt hat.

Neuer Kommentator, Neuer Draft- und umfangreicherer Karrieremodus

Was hab ich mich schon geärgert über diesen aufs Minimum reduzierten Karrieremodus, in dem außerhalb der Partien und ein bisschen Transfergeschiebe nicht wirklich etwas anfiel, was dem Manager das Gefühl gab, auch einer zu sein. Abgesehen von ein bisschen Budget-Geschubse und dem Erschweren von zusätzlichem Budget blieb der Modus einiges an Management-Tiefgang schuldig. Das hat sich zwar nicht eklatant geändert, aber immerhin bekomme ich jetzt die Möglichkeit, jede Woche fünf Trainingseinheiten anzusetzen, in denen ich Spieler meiner Wahl spezifische Attribute trainieren lasse. Jeder trainierte Wert wird in Form eines Balkendiagramms dargestellt und zeigt mir so auf, wo ich am schnellsten Verbesserungen bewirken kann.

Habe ich mich für eine von zahlreichen Trainingsmöglichkeiten entschieden, kann ich das Trainieren der Simulation überlassen oder mich selbst daran machen, die spezifische Übung händisch so gut wie möglich abzuschließen, um dann bei entsprechend guter Benotung einen ordentlichen Schritt in Richtung Attributspunkt-Gewinn machen - oder einen Verlust riskieren, wenn ich mich in allen drei möglichen Wiederholungsversuchen anstelle, als hätte ich noch nie einen Ball getreten. Dieses Feature ist vor allem bei Jugendspielern natürlich nützlich, um die eigenen Lieblinge schon früh und gezielt zu fördern. Aber auch ein Robert Lewandowski kann in solchen Trainingseinheiten im Sturm noch etwas dazulernen und sich weiter verbessern - wenn auch in überschaubareren Schritten.

FIFA 16 - Wenn Frauen die größte Revolution darstellen

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Der Ball läuft auch dieses Jahr rund.
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Die zweite Neuerung ist eine deutlich kleinere und weniger spielentscheidend. Vor jeder Saison könnt ihr nun eines von drei Vorbereitungsturnieren auszutragen, deren Teilnehmerqualität und Preisgelder proportional von Cup zu Cup steigen. So habt ihr die Möglichkeit, euer Team noch vor Saisonbeginn etwas einzuspielen und im Falle des Sieges für ein Zusatz-Plus auf dem eigenen Transferbudget-Konto zu sorgen, das dann während der Transferperiode zusätzlich in neue Beine für den Verein investiert werden kann. Dank neuer Lizenzerweiterungen dürfen sich die Borussen vom Niederrhein nun über den nachgebildeten Borussia-Park in Mönchengladbach freuen und Manager innerhalb der Bundesliga über das entsprechend lizensierte Übertragungsdesign der Bundesligapartien bezüglich Infografiken, Einblendungen, Wiederholungen, etc.

Abgesehen davon hat sich im Karrieremenü nicht viel getan - der Transfermarkt funktioniert wie auch schon in den letzten beiden Jahren über Scouts, die ihr auf die Reise schicken müsst, um mehr über eure Wunschspieler - insbesondere das Gesamtrating - zu erfahren. Das erlaubt bei der Suche nach Spielern einen unvoreingenommeneren Blick auf Spieler, die man wohl bei einer puren Gesamtstärke-Reduzierung nie ins Augenmerk nehmen würde - so kann man sich kleine Juwelen scouten. Auch die Transfers - besonders die der großen Zauberer und Stars - sollen nun authentischer und realistischer vonstatten gehen.

Packshot zu FIFA 16FIFA 16Erschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Doch gerade wegen des Niedergangs von EAs Fußballmanager vor zwei Jahren hätte ich mir mehr Möglichkeiten im Bezug auf Stadionumfeld, Trainings- und PR-Mitarbeiter gewünscht. Genauso wäre die Kommunkation mit den Medien oder auch den eigenen Spielern eine interessante Erweiterung gewesen. Denn nicht jeder FIFA-Besitzer stürzt sich wie selbstverständlich und ausschließlich auf den FUT-Modus. Das langwierige Führen und Aufbauen einer kleinen Gurkentruppe aus der dritten englischen Division bis zum finalen Champions-League-Triumph in fünf bis zehn Jahren ist für viele Spieler nach wie vor ein Hauptkaufgrund. Trotzdem wird er von den Entwicklern noch ziemlich „scheuklappig“ umgesetzt.

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Stanrdardsituationen sind auch jetzt wieder torgefährlich.
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Dafür ersetzt Wolff-Christoph Fuss Sky-Anchorman Sebastian Hellmann und teilt sich die Moderationsarbeit nun mit dem bereits bekannten Frank Buschmann. Die beiden machen ihre Arbeit auf jeden Fall besser als noch in den vergangenen beiden Jahren. Das liegt aber nicht ausschließlich an dem Kommentatorwechsel, sondern auch am Verzicht auf dauerrepetitive und - was das Schlimme in den Vorgängern war - wirklich unlustige Kalauern á la „Das nennt der Abiturient antizipieren!“. Von gewissen Basketballern möchte ich an der Stelle gar nicht erst sprechen.

Hier werden die Floskeln sehr viel dosierter eingestreut und es wird sich mehr auf das Vermitteln von zusätzlichen Infos zu den spielenden Teams oder deren Geschichte, Stadion oder Trivialem konzentriert. Natürlich hinkt der Kommentar bei schnellen Spielszenenwechseln gern mal etwas hinterher oder widerspricht sich in einzelnen Spielszenen („Das hat er aber toll gemacht… Nee, das war nicht gut von ihm.“). Letztlich habe ich aber nach nun drei Jahren das deutsche Duo mal nicht nach 20 Minuten für die restliche Dauer meiner Spielzeit verbannt und sofort auf die englischen Kommentatoren umgeschaltet.

An sich ein sehr runder Titel, der aber langsam aufpassen muss, dass er bei all den spielmechanischen Neuerungen altbekannte Baustellen nicht übersieht.Fazit lesen

Wirklich unterhaltsam ist der neue Draft-Modus. Diesen kann man online im Einzelspieler oder gegen andere Spieler austragen. Voraussetzung dafür ist aber eine Art Antrittsgebühr, die mit 15.000 Münzen, bzw. 300 FIFA Points nicht gerade billig ist, sich aber lohnen kann. Ihr beginnt, indem ihr euch für eine Formation entscheidet, die ihr im Laufe der vier Draft-Partien dann nicht mehr ändern könnt. Anschließend wählt ihr für jede Position einen von fünf zufälligen Spielern aus, die euch angeboten werden. Hier gelten die gleichen Regeln wie im klassischen FUT: Gleiche Liga, gleicher Verein und/oder gleiche Nationalität erhöhen die Chemie unter den Spielern. Wild die besten Spieler aus den angebotenen herauspicken, ohne eine gleiche Basis zu haben ist hier daher nicht der Weg zum Erfolg.

Das hängt natürlich auch mit der Aufstellung zusammen, die also schon im Vorfeld wohlüberlegt sein will. Habt ihr euer Team und euren Trainer festgelegt, wählt ihr eine Schwierigkeit und bestreitet vier Spiele, die mit jedem Sieg bessere Prämien für euch bereithalten, die zufällig ausgelost werden. In meinem Fall hatte ich nach vier Siegen ein seltenes Goldset und ein seltenes Jumbo-Goldset - im Endeffekt für 15.000 Münzen wirklich kein schlechter Deal. Der Draft-Modus ist wirklich eine erfrischende Alternative zum üblichen FUT-Geraide in den einzelnen Pokalen oder Ligen und gibt klammen Spielern die Möglichkeit, mal mit Messi oder Ronaldo zu spielen und gleichzeitig Packs damit zu verdienen.

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Zum ersten Mal dabei: Frauenmannschaften.
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Beim FUT-Modus ist eigentlich alles beim Alten geblieben. Price-Ranges für Spieler, um illegale Münztransaktionen zu unterbinden, die nach wie vor fehlende Möglichkeit, individuelle Taktiken auf das D-Pad zu legen, dafür aber endlich die Funktion, euren Spielern jeweils individuelle Anweisungen zu verpassen und diese auch für alle Spiele zu übernehmen, ohne vor jedem einzelnen Spiel die Anweisungen neu zu verteilen. Interessant ist, dass EA den Bots den Kampf ansagt, indem der Zugang zur Fut-Webapp und Webanwendung nur möglich ist, wenn man sich einmalig über die Konsole oder den PC im FIFA FUT eingeloggt hat. Inwiefern das System Münzbetrug und Spielerfarming standhält, wird sich zeigen. Schön wäre es auch, wenn man wie beim PES-Konkurrenten für das Spielen von anderen Spielmodi mit FUT-Münzen „belohnt“ würde, sodass man sich in den unterschiedlichsten Modi austoben könnte und gleichzeitig etwas für das Konto seines FUT-Bereichs täte.

Abgesehen davon erwarten den Spieler altbekannte Spielmodi wie Offline- und Online-Freundschaftsspiele, Be A Pro, (selbst erstellte) Turniere, Seasons, Virtuelle Bundesliga oder eben das Austragen von Meisterschaften mit den nun enthaltenen Frauenmannschaften. Für jeden Geschmack also wieder etwas dabei. Untermalt wird das Wuseln in den Menüs von einem erneut guten Soundtrack, der dieses Jahr ziemlich Indie-lastig ist, trotzdem aber durch seine Vielfalt und dem gewissen Gespür für gute Songs wieder dafür sorgen wird, dass wir in 3-6 Monaten Songs im Radio hören werden, bei denen Fifa-Besitzer sich denken: „Kenn ich schon laaange!“. Bestes Beispiel im letzten Jahr war Kwabs mit seinem Hit „Walk“, der seinen Anfang in FIFA 15 nahm.

Das Menüdesign vertraut wieder auf die bekannten Kacheln und bietet schnell und effizient die gewünschten Optionen. Wirklich traurig ist aber, dass es immer noch keine Möglichkeit gibt, Tore in den Sofortwiederholungen mit einem Knopfdruck abzuspeichern. Im Falle der One-Version wird das der Konsole zu überlassen, die dann jeden noch so unbedeutenden Volley oder Lupfer automatisch abspeichert - mir dabei aber auch keine Wahl lässt. So schwer kann das doch nicht sein, die PES-Reihe bietet diese Funktion seit jeher an und das ohne Probleme. Hier herrscht bei mir persönlich wirklich Behandlungsbedarf, denn die besten Tore finden so nie den Weg auf meine Platte - es sei denn, ich kommandiere per Kinect oder wurschtel im Uploadstudio herum.

Die gleichen Baustellen in aufgefrischtem Gewand

Kommen wir aber zum Platzgeschehen, denn hier will EA getreu dem diesjährigen FIFA-Slogan „Play Beautiful“ die spielerische Leichtigkeit auf den Rasen bringen. Und damit sind (wahrscheinlich) nicht die Damen mit ihren nun endlich animierten Pferdeschwänzen gemeint. Bessere Verteidigung, intelligenteres Stellungsspiel der Mitspieler, verbesserte Spielergesichter, verlässlichere Torhüter - so die Agenda der Entwickler in diesem Jahr. Und einige Verbesserungen tragen auch ihre Früchte. Stimmung kommt optisch auch in diesem Jahr auf. Nette Choreos, Ordner und der Steadycam-Operator sorgen für gute Stimmung.

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Die Spieler sind unterschiedlich lebendig animiert.
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Die überarbeiteten Spielergesichter lassen allerdings immer noch zu wünschen übrig. Natürlich sieht ein Messi oder Ronaldo seinem Pendant schon ziemlich ähnlich, sobald man aber eine Stufe unter den Superstars der jeweiligen Ligen sucht, muss man sich schon wundern, warum ein Rafinha bei den Bayern immer noch aussieht wie ein Franco di Santo - nur ohne Irokesenschnitt. Ein Max Kruse wiederum bekommt dann aber komischerweise einen detaillierten Facescan - wahrscheinlich eine Userabstimmung, die ich verpasst habe… und alle anderen auch. Irgendwie hapert das System der Gesichterimplementierung beim Beginn des Prozesses, denn nach wie vor wirken die Spieler, als hätte man ihnen die Gesichter aufgeklebt und ihnen eine einigermaßen passende „Frisurhaube“ aufgesetzt. Hier sollte man endlich anfangen, sich über eine authentischere Umsetzung Gedanken zu machen.

Die neuen Bundesligaeinblendungen wiederum sorgen für das wohlige Bundesligafeeling wie an einem Samstag um 15:30 auf den Pay-TV-Sendern. Zwischen den Pausen bei Ecken oder Auswechslungen werden bereits geschossene Tore noch einmal eingeblendet oder starke Spieler mit mehr Aufmerksamkeit bedacht. Ein schöner Moment, als einer meiner Spieler einen Hattrick erzielt hatte und der Schiedsrichter diesem nach Abpfiff des Spiels den Spielball überreichte, sodass der Spieler ihn dann stolz wie Oskar mit in die Kabine nehmen konnte.

Doch auch abseits des Rasens werfen Balljungen bei Einwürfen den Spielern die Bälle zu und wenn ich beim Torjubel zu den johlenden Ersatzspielern am Spielfeldrand renne, dann formt sich ein schönes Knäuel aus ihnen und den Startspielern, was der Stimmung einen ordentlichen Schub verleiht. Was die Atmosphäre betrifft hat sich EA auch in diesem Jahr nachweislich nicht lumpen lassen. Doch auch auf dem Rasen wurde an Verbesserungen getüftelt.

Die Torwarte haben den wohl größten Schritt nach vorn gemacht. Was angesichts der mitunter wirklich unterirdischen Leistungen in FIFA 15 aber nicht wirklich schwer sein dürfte. Sowohl im Stellungsspiel beim 1-gegen-1 als auch bei flachen Schüssen schmeißen sich die Handschuhhelden dank neuer Animationen gekonnt in die Flugbahn. So kratzen sie selbst Heber, die immer länger und länger werden und sich in den Dreiangel der langen Ecke senken, noch mit einer gekonnten Bewegung aus der Ecke. Dafür sind sie nun bei ihren kurzen Ecken anfällig. Quer in den 16er zu laufen und dann einfach den Schussbalken dreiviertel voll aufladen und draufzimmern ist zumindest bis zur Schwierigkeit Weltklasse in vier von fünf Fällen drin. Leider sind auch Rückspiele von Verteidigern auf den Schlussmann bis dato legal und werden leider mit keinem indirekten Freistoß geahndet.

Die Leistung der Torhüter ist auch vor dem Hintergrund zu bewundern, dass die Schussmechanik leichter von der Hand geht und schöne Tore leichter gelingen. So senken sich die Schüsse deutlich früher als noch im Vorgänger und auch irrationale Flugbahnen sind ausgemerzt und selbst ein Lars Stindl schießt mit schon fast erschreckender Häufigkeit wunderschöne Tore vom Strafraumeck. Was man wirklich honorieren muss, ist das tolle Zusammenspiel zwischen Fuß und Ball. Selbst in den langsamsten Wiederholungen lässt sich die physikalische Auswirkung der Fußstellung auf den folgenden Anschnitt und die Flugbahn des Balles in so gut wie jedem Fall nachvollziehen.

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Ebenso gut - und im Vergleich zum Vorgänger schon zu gut - funktionieren jetzt wieder Kopfbälle und vor allem frühe Flanken. Und das wegen eines Zusammenspiels, das in seinen einzelnen Komponenten eigentlich für einen guten Ansatz steht. Denn im Gegensatz zu PES, bei dem man den richtigen Spieler, die richtige Stellung zum Ball und Tor, den richtigen Zeitpunkt und auch noch Glück haben muss, um einen Seitfallzieher/Fallrückzieher/Volley oder Flugkopfball zu vollführen, lässt sich hier per Druck auf den linken Trigger eben genanntes punktgenau ausführen, was bei Ecken und frühen Flanken nun eben für eine etwas zu effektive Variante des Torabschlusses sorgt.

Eine weitere Neuerung ist der Vollspannpass - "Passing With Purpose" genannt - der schnelle gezielte Pässe zu Mitspielern oder in die Spitze erlaubt, die sich in ihrer Schnelligkeit deutlich von den normalen Passvarianten unterscheidet und ein elementares Problem zutage trägt: Einmal mit dieser neuen Passvariante vertraut gemacht will man gar nicht mehr anders passen. Das liegt aber nicht nur an der gnadenlosen Effektivität des neuen Passes, sondern auch an der aus den Vorgängern altbekannten Schnarchnasigkeit der normalen Pässe. Ohne Passdosierungshilfe sowieso schon ein Graus, verhungern diese selbst mit Dosierung oft und gern auf dem Weg zum Mitspieler, der sich auch nur widerwillig dem Ball annähert. Und bevor hier Kommentare laut werden, die mir erzählen wollen, dass ich Pässe einfach nicht richtig dosieren kann und deswegen Hilfe brauche: Ein weiteres Problem ist, dass man als Spieler mit Dosierungshilfe auch einen konkreten Zeitvorteil hat, weil sich der Stärkebalken nicht erst aufladen muss bis zum vorgegeben Punkt, sondern direkt gespielt wird.

Das ist eine spielerisch dürftige (Pass-)Kombination, die es nicht erst seit diesem Teil zu beobachten gibt. Dass es der Vollspannpass nicht nur aufgrund seiner erschreckenden Effektivität durch die gegnerische Abwehr schafft, liegt aber auch an der Verteidigung. Stellt sie die Passwege besser zu als in den Vorgängern? Ja, tut sie. Läuft sie sich trotzdem noch gern selbst über den Haufen? Oh ja, nach wie vor. Durch die neue Aggressivität der Verteidiger kann man auch oft genug beobachten, wie ein von mir nicht angefordertes Verteidiger-Knäuel dem Ballführer hinterherspurtet und den Ansatz der Abschneidung von Passwegen sofort vergessen hat. Erinnert ein wenig an ein Rudel Hunde.

Man muss sagen, dass das neue Abschirmen mit dem linken Trigger ein effektives Mittel ist, den ballführenden Gegner im Zweikampf mit physisch legalen Mitteln vom Ball zu trennen, was auch gut funktioniert, insofern man sich nahe dem Gegner befindet. So richtig ausgeglichen ist das Duell zwischen sprintendem (Außen-)Stürmer und Verteidiger trotz versprochener Ankündigung aber immer noch nicht. Denn das Spiel über die Außenbahnen ist auch durch die besser antizipierende Offensiv-KI präsenter und erfolgsversprechender denn je.

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Die Verteidigung hat mehr Möglichkeiten.
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Nach wie vor ist der ballführende Spieler im Vorteil und lässt sich von Trikotzupfern kaum beeindrucken. Man hat eigentlich nur einen Versuch, den Angreifer zu stellen. Schafft man es in diesem einen Versuch nicht, ist der Kerl durch und man kann sich eigentlich gleich in den eigenen Sechzehner begeben und ihn weiter die Seitenlinie entlangpesen lassen - denn (ohne Ball wohlgemerkt) zum ballführenden Spieler dann noch mal aufzuschließen ist eine seltene Ausnahme. Und hier kommen wir zu einer weiteren Altlast der letzten Teile: die verkomplizierte Verteidigung. Und nein, komplex ist nicht gleichbedeutend mit kompliziert. Eine Taste für das Zustellen, eine für die genauere Verteidigungsstellung, eine für einen zustellenden Mitspieler - die übrigens nie auf den ballführenden Spieler direkt draufgehen, sondern lediglich Geleitschutz bieten - und das normale Tackling und die gute alte Grätsche.

Ja natürlich, „wenn man genug Skills hat“ kann man auch mit vier gedrückt gehaltenen Tasten jemandem den Ball abnehmen, werden sich die Cracks jetzt denken. Aber muss das sein? Beim Konkurrenten von Konami habe ich die Tackle-Taste, mit der ich dann in den Zweikampf mit den Mitspieler gehe und mich auf dessen Ballführung und nächstes Vorhaben konzentriere und nicht die ganze Zeit beschäftigt bin, bis zu vier Tasten zu drücken, wovon mindestens zwei völlig zahn- und nutzlos sind. Kombiniert man das dann noch mit dem bereits angesprochenen Hang der Mitspieler zu Slapstickeinlagen beim Ineinanderrennen, dann sucht man die Weiterentwicklung hier vergebens. Legt man sich dann noch mit einem der FIFA-Spieler an, die das ganze Repertoire der Spezialbewegungen kennen und können, hat man in den direkten Duellen der Spieler sowieso schon so gut wie verloren. Da kann man diesmal wirklich froh sein, dass endlich wenigstens verlässliche Torhüter zwischen den Pfosten stehen und die Verteidigung einen besseren Job macht - solange diese nicht in die direkten Zweikämpfe geschickt wird.