Protect the Ball. Pure Shot. Teamintelligenz. Globales Scouting-Netzwerk. Das sind die neuen Innovations-Eckpfeiler, die EA Sports für den diesjährigen Ableger der Fifa-Serie erdacht hat. Ohne Ignite-Engine. Diese wird erst in den Versionen für die kommende Konsolengeneration Einzug halten - abgesehen vom PC. Der wird zumindest in diesem Teil noch völlig außen vor gelassen.

FIFA 14 - Pro Instincts Producer Video7 weitere Videos

Da sich FIFA 14 noch in der Pre-Alpha-Phase befindet, durften wir nicht durch die Menüs fliegen und jegliche Spielmodi ausgiebig austesten, sondern mussten uns auf menschliche Duelle mit den prominentesten Vereinsmannschaften der bekanntesten Ligen beschränken.

Was jedem sofort ins Auge fiel: Die Optionen im Pausenmenü sind jetzt Windows-8-ähnlich kachelförmig angelegt und wirken übersichtlich. Aber am wichtigsten ist natürlich die Frage, was die Neuerungen bringen oder ob hier einfach nur ein wenig drüberpoliert wurde und es dann als zugkräftiger Nachfolger falsch etikettiert wird.

Dank des neuen „Pure-Shot“-Features soll die Ballphysik komplett neu und somit realistischer berechnet werden. Hierfür sind jetzt der Winkel des Spielers, die Schrittentfernung und natürlich das Vermögen des Kickers entscheidend. Außerdem wird auch ein gewisser „Chaosfaktor“ eingeführt, der menschliches Versagen imitieren soll. Denn auch ein Messi donnert das Leder mal in den Oberrang.

FIFA 14 - EA wird doch nicht endlich zum Fußballflüsterer werden?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 60/641/64
Wieder dabei: der Ball.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im direkten Spiel hat sich der Ball beim Schuss etwas schwerer, massiger angefühlt und der Schuss hatte mehr „Wumms“ als im Vorgänger, der schon im Vergleich zu FIFA 12 in dem Bereich fühlbarer wurde. Er erzielt eine Wirkung unabhängig von den Spielern, man hat endlich mehr das Gefühl, den Ball kontrollieren zu müssen und nicht umgekehrt.

Mit „Protect the Ball“ führt EA eigentlich nichts völlig Unbekanntes ein, denn den Ball abschirmen konnte man auch schon in FIFA 13. Eher wird dieser Variante der Spielentschleunigung jetzt mehr Bedeutung zugeschrieben. Während das Abschirmen im Vorgänger wirklich der Ballbehauptung für einen kurzen Zeitraum galt, lässt sich die Ballbehauptung nun auch in allen Geschwindigkeiten – ob nun im normalen Laufen oder Sprinten – nutzen. So werden die Zweikämpfe einfach physischer. Sowohl im Ballbesitz als auch dann, wenn es darum geht, sich bei einem langen Ball im Kampf um die bessere Position gegen den Gegner durchzusetzen und die Pille herunterzupflücken.

Packshot zu FIFA 14FIFA 14Erschienen für 3DS, PC, PlayStation Vita, PS3, Wii, Xbox 360, Xbox One und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

Warum mehr Augenmerk auf Ballbehauptung und physische Zweikämpfe gelegt wurde, werden sich einige fragen. Zum einen ist es nun mal nicht die Regel, dass man permanent während des Spiels mit den Außen die Linie entlangpest, und zum anderen bekommen das Spieltempo und dessen immer schwankende Dosierung durch die neuen Animationsgrundsätze eine völlig andere Wichtigkeit.

FIFA 14 - EA wird doch nicht endlich zum Fußballflüsterer werden?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Entwickler haben Fifa 14 nicht nur neue Animationen spendiert, sondern den Fokus auf unterbrechbare Animationen gelegt. Das heißt, dass der ballführende Spieler jetzt bei jedem Trick, jedem Antritt, jeder Drehung physikalisch korrekt unterbrochen werden kann und sich die Animationen exakt dem Tastendruck des Spielers „beugen“, wo es im Vorgänger bei schnellen Richtungswechseln beispielsweise zu animationsbedingten Verzögerungen kam.

Die am stärksten spürbare Änderung gibt es aber bei den Sprints. Stellt euch vor, ihr sprintet mit durchgedrückter Schultertaste los und schlagt nach ein paar Metern die Gegenrichtung ein. Während bei FIFA 13 die Abbremsanimation den Spieler zum Stoppen brachte und in die andere Richtung schickte, wird jetzt jeder einzelne Schritt berechnet, was zu längeren Auslaufwegen führt.

Vorbei die Zeit der Dauersprinter

EA zeigte uns das an einem direkten Vergleich – die Spieler brauchen jetzt entscheidend länger, um abzubremsen und sich in eine andere Richtung zu bewegen, was den Spieler jetzt dazu zwingt, sich jeden Sprint gut zu überlegen, denn bei Ballverlust oder Spielerverfolgung ist man dann erst mal abgemeldet. Beim Anspielen unter den Kollegen schwappte aus dieser neuen Physik in den ersten Minuten eine wahre Flut an Ballverlusten und Fehlpässen, da man eben noch davon ausging, dass sich die Duelle auf den Außen meistens wieder nur im Dauersprint-Duell entscheiden lassen.

Substanzielle Änderungen, die dem Spiel wirklich guttun. Wenn der Feinschliff bis zum Erscheinen glückt, liefert EA in diesem Jahr mal wieder etwas Großartiges ab.Ausblick lesen

Doch zum Glück haben nicht nur wir schnell dazugelernt, sondern auch die Mitspieler, die durch die neue Teamintelligenz direkter auf sich verändernde Spiel- und Deckungssituationen reagieren. Während Verteidiger im Vorgänger noch oftmals den ballführenden Angreifer außer Acht ließen, weil sie sich auf dessen Kollegen daneben versteift haben, entscheidet die KI jetzt mannschaftsdienlicher und füllt die Räume dort, wo der Spieler sie mit einem verlorenen Duell gerade geöffnet hat. Da die Verteidiger jetzt auch dichter am Mann sind, sind auch diese schnellen Angriffswechsel auf beiden Seiten nicht mehr in der Form möglich, da der Raum geschickt dichtgemacht wird und man das Spiel kontrollierter aufbauen muss.

Selbst in der noch frühen Version hat man das dem Spiel direkt angemerkt. Neben den unzähligen unnützen Sprints zu Beginn gesellte sich nämlich auch ein Fehlpassspektakel dazu, wie man es zuletzt bei den Bayern in den ersten 20 Minuten im Champions-League-Finale sah. Auch deswegen kommt den einzelnen Zweikämpfen einfach mehr Bedeutung zu.

FIFA 14 - EA wird doch nicht endlich zum Fußballflüsterer werden?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 60/641/64
Da zieht er ab.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Was allerdings „besorgniserregend“ gut funktionierte, waren die Flanken über die Außen, die fast immer den Kopf des Mitspielers fanden; auch Ecken wurden so in gefühlt zwei von drei Fällen mit spielerischer Leichtigkeit versenkt. Falls es damit noch nicht eindeutig genug herauszulesen war: Kopfbälle haben jetzt mehr Schmackes im Vergleich zum Vorgänger, bleiben aber hoffentlich bis zum Release nicht so gnadenlos effektiv.

Joa, und sonst so?

So viel kann man noch gar nicht über das Geschehen abseits des Rasens sagen, denn das hielt EA noch hinter verschlossenen Entwicklertüren. Die Ladepausen werden wieder mit den aus dem Vorgänger bereits bekannten Skillgame-Herausforderungen gefüllt und das neue „Globales Scouting-Netzwerk“-Feature soll den Spieler jetzt zu einer anderen Herangehensweise bei der Spielersuche „verleiten“.

Während der Spieler sich auf dem Transfermarkt normalerweise meistens eher nach Alter oder Gesamtstärke die interessanten Spieler herauspicken konnte, ohne weiter auf die einzelnen Spielerattribute eingehen zu müssen, scoutet ihr jetzt nach speziellem Bedarf. Natürlich werden viele jetzt denken: „Als würde ich da nur nach der Gesamtbewertung gehen. Für mich war jedes Attribut im Detail wichtig, und die habe ich mir dann auch zusätzlich angeschaut und verglichen.“

FIFA 14 - EA wird doch nicht endlich zum Fußballflüsterer werden?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden4 Bilder
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das will EA auch niemandem absprechen, vielmehr geht es den Entwicklern darum, dass die Scouts mehr mit dem Transfermarkt und der personellen Planungen des Managers verschmelzen. Den Spielern, denen das Reinfuchsen in die Details zu aufwändig war und denen so ein für ihr Team eigentlich geeigneter Spieler durch die Lappen ging, soll sozusagen von den Scouts unter die Arme gegriffen werden. Außerdem soll das Scouting ganzjährig möglich sein und die Zentrale des Netzwerks den Spieler zwischen den Spieltagen nicht andauernd mit E-Mails herausreißen.

Ob das auch so organisch funktioniert, wie es sich anhört, konnte nicht ausprobiert werden, aber bis zum Release sind es ja noch ein paar Monate, in denen wir sicherlich die Möglichkeit bekommen, mehr Licht ins Dunkel zu bekommen – nicht nur das Scouting-Netzwerk betreffend, sondern Spielmodi-übergreifend.