Verbessertes Schusssystem, Locomotion-Engine, Global Transfer Network, realistischere Spielgeschwindigkeit, bessere Torhüter, Precision-Dribbling – und trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass der diesjährige Ableger zwar verbessert wurde, aber im Großen und Ganzen eher einem Update gleicht, als einen substanziellen Sprung zu machen, um sich so deutlich vom Vorgänger abzuheben, wie es noch das 13er-FIFA gegenüber dem 12er schaffte.

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Die erste Änderung springt euch schon zu Beginn im wahrsten Sinne des Wortes entgegen, wenn ihr das Spiel startet: Euch begrüßt jetzt ein übersichtliches Kachelmenü, wie man es aus dem Dashboard der Xbox 360 oder von Windows 8 kennt.

Manche mögen sagen, dass es übersichtlicher ist. Man kann aber genauso gut fragen, was denn an der alten Menüstruktur so unübersichtlich gewesen sein soll, vor allem, wenn man sich daran gewöhnt hat und Funktionen jetzt mitunter wirklich suchen muss.

Man mag gar nicht glauben, wie gut EA die simple Funktion des einfachen Ladens eines Karrierespielstands versteckt hat. Nach einigen Spielstunden hat man sich daran gewöhnt – notwendig war die Abkehr von der alten Menüstruktur jedoch in keinster Weise.

FIFA 14 - Das beste FIFA dieser Generation – wenn auch mit überschaubarem Fortschritt

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"Was zählt, ist auf dem Platz." Mag sein - das neue Menüdesign ist dennoch eher Geschmackssache.
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Ansonsten hat sich an der vielfältigen Auswahl an Spielmodi ausnahmsweise nichts geändert: Ultimate Team, Karrieremodus, Be-A-Pro, schnelle Spiele oder die virtuelle Bundesliga sind in diesem Jahr wieder alle vertreten. Das lässt sich auch auf den Lizenzumfang ausweiten, der aktualisierte Datensätze und Trikots bietet.

Warum die Premier-League mit einem Umfang von vier Ligen bedacht wird, während deutsche FIFA-Fans schon seit Jahren um die Einführung der dritten deutschen Liga betteln, bleibt mir immer noch ein Rätsel. Auch die türkischen Spieler schauen erneut in die Röhre, denn in diesem Jahr ist von ihrer Liga wieder nichts zu sehen. Schade.

Packshot zu FIFA 14FIFA 14Erschienen für 3DS, PC, PlayStation Vita, PS3, Wii, Xbox 360, Xbox One und PS4 kaufen: ab 5,07€

Nun aber rein ins Geschehen. Ziehen wir den FC Bayern als Beispiel heran, da der Kader den meisten von euch einigermaßen bekannt sein dürfte. Hier merkt man deutlich, dass grafisch offenbar nicht viel getan wurde oder auf der Current-Gen nicht mehr möglich ist. Die Zuschauer, vor allem die in den unteren und näheren Rängen, wurden etwas „entpappt“ und auch ein Shaquiri oder Dante haben jetzt endlich ein Gesicht bekommen. Dafür sind die Bänke immer noch leer. Das war's. Vielleicht wurde die Abteilung für die Gesichtstexturierung schon zu zwei Dritteln für die Next-Gen-Version in den anderen Flügel des EA-Hauses verlegt.

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Grafisch hat sich nicht allzu viel getan, das war aber auch nicht unbedingt nötig.
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Die Kommentare wurden aufgebohrt und mit mehr Hintergrundinformationen ausgestattet – zumindest beim englischen Kommentatorenduo, das mir persönlich einfach besser gefällt als das deutsche Gespann, weil markierte Spiele, die gleichzeitig an anderer Stätte stattfinden, hier nicht nur optisch eingeblendet werden, wenn sich dort etwas getan hat, sondern auch kommentiert. Und es trägt zur Atmosphäre ungemein bei, wenn die beiden sich darüber unterhalten, dass Götze ausgerechnet im Champions-League-Finale gegen seinen neuen Arbeitgeber verletzt war und ein Pep Guardiola es wohl schwer haben wird, die fast perfekte Triple-Saison eines Jupp Heynckes zu überbieten.

Verwirrung kam nur manchmal auf, wenn ich mir Neymar gekrallt, das erste Spiel nach dem Transfer mit ihm gegen Hertha BSC bestritten habe und die Kommentatoren es nur erwähnenswert finden, dass Hertha ihren Ronny abgegeben haben. Heimliche Berliner, die beiden. Ich wusste es doch schon immer.

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Besonders die Kopfbälle fallen dieses Jahr zu mächtig aus.
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Verbesserte physische Balance – weniger ausbalancierte Schüsse und Kopfbälle

Anpfiff. Spiel beginnt. Und als erstes fällt auf: Die Spielgeschwindigkeit wurde reduziert. Nicht so langsam wie ein FIFA 11, aber auch nicht mitunter so abstrakt schnell wie der Vorgänger FIFA 13. Dass diese Anpassung nicht nur kosmetisch bedingt, sondern auch nötig ist, merkt man im Verlauf des Spiels: Der Ball bewegt sich deutlicher losgelöst von den Spielern. Stangenläufe durch die gegnerischen Abwehrketten kann man knicken.

Das beste FIFA dieser Generation - trotz sehr überschaubarer Neuerungen.Fazit lesen

Was nicht nur daran liegt, dass sowohl die eigene als auch die gegnerische Verteidigung geschickter agiert und die Räume cleverer zustellt, sondern auch daran, dass die Spieler dank der Locomotion-Engine nun eine physikalische Masse und einen Körperschwerpunkt besitzen. Das bedeutet, dass eure Spieler nun nicht mehr innerhalb eines Wimpernschlags von 0 auf 100 beschleunigen.

Vielmehr brauchen sie erst ein paar Schritte, um den Kraftaufwand auch in Geschwindigkeit umzumünzen. Was vor allem auf den Außen zum Tragen kommt, da man sich die Sprintläufe nicht nur wegen der Verzögerung, sondern auch wegen der Neuberechnung der einzelnen Schritte zweimal überlegt.

Einfacher erklärt: Während es beim Vorgänger eine Start- und eine Abbremsanimation gab, innerhalb der ein Spieler eben startete und anhielt, wird jetzt jeder Schritt berechnet. Es ist nun entscheidender denn je, mit welchem Spieler und welchen Werten ihr den Sprint an der Seitenlinie wagt.

Was gut umgesetzt wurde und den ewigen Dauersprintern bei Duellen bis zu einem gewissen Grad einen Riegel vorschiebt, weil man sich jetzt gut überlegen muss, wie man sich im Relation zum Gegenspieler verhält: Wage ich es, bis zur Grundlinie durchzusprinten? Lege ich vorher doch lieber in den freien Raum flach ab? Lasse ich meinen Gegenspieler vor der Grundlinie noch aussteigen oder bin ich in dem Fall mit Ball doch schneller als er ohne?

Da die Sprints über die Außen nun kein Allheilmittel mehr sind, wirkt das Spielgeschehen ausgeglichener über das gesamte Spielfeld verteilt. Und während es sonst immer nur ein Vornewegmarschieren gab, kann der Ball jetzt mit LT/L2 so abgeschirmt werden, dass es nicht nur dem kurzfristigen Ballhalten dient, bis man die Kugel endlich ablegen kann, sondern schon ein eigenes Stilmittel geworden ist. Da bekommt Schweini den Ball am Mittelkreis und kann die Pille jetzt kontrollierter am Fuß behalten, um sich in aller Ruhe zu überlegen, wohin er den Ball jetzt verteilt.

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Bis auf die türkische Liga ist alles mit dabei, was man kennen sollte.
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Zur Not wurschtelt er sich am heranstürmenden gegnerischen Sechser vorbei, denn auch die Zweikämpfe sind jetzt physischer, ja schon fast ein kleiner andauernder Kampf, der nicht einfach immer mit einer Grätsche zwischen dem Gegner und dem Ball endet, sondern endlich Zweikämpfe liefert, die nicht immer einen Ballverlust oder ein Vorbeiziehen verlangen. Ich muss auch zugeben, dass ich mir selbst im schlimmsten Gewurschtel die Wiederholung mal ganz genau angeschaut habe und einfach so gut wie keine Clipping-Fehler mehr entdecke. Selbst Hände verschwinden nicht im Körper des Gegners – da kann das Gerangel auch noch so groß sein. Hier wurde wirklich gute Arbeit geleistet.

Apropos Spezialbewegungen: Wie sehr hab ich es wieder herbeigesehnt, dass ich die Spezialbewegungen endlich wieder vollführen kann, ohne dabei einen Sekundenbruchteil vorher den linken Trigger gedrückt halten zu müssen. Das war auf der vorangegangenen Konsolgengeneration letztmalig der Fall und ich habe mich immer gefragt, warum ich diesen Trigger noch zusätzlich drücken muss. Das ist endlich wieder weggefallen und ihr müsst jetzt nicht mehr im Verhältnis zum normalen Dribbletempo über den Platz „schleichen“, um ihn dann mit einer Marseilles-Drehung aussteigen zu lassen.

Aber was machen eigentlich eure Mitspieler, wenn ihr mal nicht in Zweikämpfe verwickelt seid, euch einen Sprint an der Seitenlinie überlegt oder euch an Hackentricks versucht? Die sind etwas spielverständiger geworden und bieten sich besser an. Was durch die Entschleunigung im Spielablauf nicht nur notwendig ist, sondern auch gut umgesetzt wurde. Auch der Drang zum Tor hat sich verbessert. So suchen eure Mitspieler jetzt öfter die Lücke in der gegnerischen Viererkette, versuchen das Abseits zu vermeiden oder sich mit euch an den Außen zu doppeln, wie es ein Alaba und Ribery bei den Bayern so schön vormachen.

Schuss – Tor?

Das Schusssystem wurde komplett neu aufgesetzt, was realistischere Effets, Flugkurven und Geschwindigkeiten von Schüssen zur Folge hat - und das funktioniert in diesem Teil einfach zu gut. Da reicht schon ein Spieler mit einer Stärke im oberen Mittelfeld und dann packt der da ein paar Pfunde aus 26 Metern aus, dass einem Hören und Sehen vergeht. Am Fließband! Von den angeschnittenen Schüssen ganz zu schweigen. Distanzschüsse und die angeschnittenen Schüsse sind in diesem Teil viel zu stark und dürften nicht in der Häufigkeit so viel Durchschlagskraft haben.

Was man übrigens auch von den Kopfbällen sagen kann. Dass so ein Mandzukic oder ein Lewandowski bewiesen haben, dass sie die Pille mit der Birne mitunter genau so ins Netz dreschen können wie andere schießen, haben sie ja auch in der Realität oft genug bewiesen, aber es darf dann – gerade bei Standards – einfach nicht sein, dass gefühlt jeder zweite, spätestens jeder dritte Standarf mit einem Kopfballtor endet. Was also sowohl die Schüsse als auch die Kopfbälle betrifft, haben diese in diesem Jahr einfach zu viel Durchschlagskraft gewonnen.

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Das Paket stimmt: Trotz weniger Innovationen macht FIFA 14 eine tolle Figur.
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Aber noch mal runter vom Rasen und zu einer weiteren Neuerung. Ich bin bekennender Fan des Karrieremodus, deshalb war ich umso neugieriger auf das Global Transfer Network. Ihr könnt jetzt nicht mehr einfach so auf die Transferliste gehen, eure Parameter eingeben, nach denen ihr sucht und euch die Ergebnisse anschauen. Jetzt müsst ihr Scouts einstellen, die bestimmte Ligen nach euren Vorgaben durchsuchen und dort dann sondieren.

Das zieht sich mitunter wochenlang hin, weswegen man eigentlich ganzjährig am Scouten ist. Fakt ist aber: Egal, wie sehr ihr eine Liga abgrast und den Scout dann auch noch auf einzelne gefundene Spieler ansetzt - ihr werdet nie seine Gesamtspielstärke erfahren. EA sagt, dass der Spieler sich so nicht auf die Gesamtstärke verlassen, sondern sich die Transfers aufgrund all der anderen Werte aussuchen soll.

Es wäre einfach schön gewesen, wenn einem hier ein Stück weit die Wahl gelassen wird zwischen der alten und der neuen Methode. Informierte Spieler, die auch abseits von FIFA Fußball verfolgen und um internationale Spieler und ihre Stärken wissen, ist die „Nötigung“ zu diesem neuen System zwar ärgerlich, aber noch verkraftbar, Neulinge hingegen werden damit deutlich überfordert sein und nicht wissen, was sie jetzt mit den einzelnen Werten anstellen sollen.