Gähnend leeres Berliner Olympiastadion, Maskottchen Herthinho scharwenzelt einsam im Kabinengang der Arena umher. Nein, hier wird gerade kein Geisterspiel ausgetragen, weil die Herthaner gegen eine Brandenburger Kreisauswahl spielen – vielmehr luden Microsoft und Edelman zum FIFA-Turnier. Normalerweise würde ich auf den Ausgang des Turniers nicht weiter eingehen, aber ich darf stolz behaupten, die gamona-Flagge hochgehalten und das Turnier gewonnen zu haben. Und ein Interview mit Hertha-Profi Alex Baumjohann gab's obendrauf. Yay!

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FIFA als Trainingsersatz und geselliges Zocken

Am Rande des Turniers hatten die teilnehmenden Redakteure die Möglichkeit, mit anwesenden Hertha-Spielern wie Alexander Baumjohann oder Nico Schulz ein Ründchen zu zocken. Ich habe mir Alex Baumjohann, der bereits beim FC Schalke 04, Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München gespielt hat, geschnappt und im Interview den Zweikampf gesucht. Wir diskutierten über die ersten Fußballspiel-Erfahrungen, Freundschaften im Profifußball und der manchmal beängstigenden Leidenschaft so mancher Fußballanhänger.

FIFA 14 - „FIFA wird immer realistischer!“ Hertha-Profi Alex Baumjohann über FIFA, Fankultur und echte Freundschaft

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Zu Beginn des Turniers konnten sich die Redakteure noch auf ihren Sitzen halten.
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gamona: Was ist dein erstes FIFA, an das du dich erinnern kannst?

Alex Baumjohann: FIFA...Ich muss ehrlich sagen, früher habe ich eher Pro Evolution Soccer gespielt, weil ich es als realistischer empfand. In den letzten vier, fünf Jahren hat FIFA da echt aufgeholt und hat sich enorm verbessert vom Gameplay her.

gamona: Und in der Kindheit?

Alex Baumjohann: Ich glaube, da gab's noch gar kein FIFA, da hab ich immer International Superstar Soccer Deluxe gespielt. Das fing so an, als ich zehn war.

gamona: Spielst du FIFA auch mal mit deinem virtuellen Ego? Schaut man dann mitunter mal, was die Entwickler einem als Spieler da für Werte verpasst haben und denkt sich: „So ein Bullshit, warum bin ich nach denen so schlecht im Tackling?“

Alex Baumjohann: Nee, natürlich spielt man ab und zu mit seinem eigenen Verein und versucht dann schon auch mal, mit seinem Spieler ein Tor zu erzielen. Aber dass man jetzt bei einem neuen Teil sofort in den Laden rennt, um es zu kaufen und zu schauen, was EA Sports einem da für Werte gegeben hat – so ist es dann doch nicht.

Packshot zu FIFA 14FIFA 14Erschienen für 3DS, PC, PlayStation Vita, PS3, Wii, Xbox 360, Xbox One und PS4 kaufen: Jetzt kaufen:

gamona: Wenn man als Spieler ein „eigenes“ Gesicht bekommt, ist das scheinbar auch so eine Art Zeichen/Indikator dafür, dass der Spieler innerhalb des Fußballs bekannt genug und es somit EA Sports „wert ist“, demjenigen ein modelliertes Gesicht zu verpassen.

Alex Baumjohann: Ach, ist das nicht bei allen so?

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gamona: Nein, Mandzukic (FC Bayern) zum Beispiel hat ein typisches Standardgesicht, wobei gerade er ja in der vergangenen Saison genug Tore für die Bayern geschossen hat.

Alex Baumjohann: Davon abgesehen denke ich aber schon, dass mein Bruder oder meine Freunde mit ihren Jungs beim Zocken von FIFA auch mal mit mir spielen, aber ich spiele ja auch nicht immer mit Hertha – ich will gegen die großen Vereine ja auch mal gewinnen, deswegen spiele ich da auch mal mit anderen Mannschaften. (lacht)

gamona: Sieht man da mittlerweile eine gewisse Parallele/Angleichung zwischen Spielzügen und Spielaufbau auf dem virtuellen und dem echten Rasen, bezogen auf den Profifußball?

Alex Baumjohann: Ja. Es ist insgesamt schon sehr realistisch geworden mittlerweile. Ich finde es ein bisschen zu langsam und dass die Spieler bei den Einzelaktionen immer so lange brauchen. Das gilt auch bei den Schüssen, Pässen und beim Antritt. Ich stelle die Attribute deswegen grundsätzlich jeweils höher. Es fühlt sich für mich dann einfach realistischer an. Ich sehe da aber von Jahr zu Jahr einen Fortschritt hin zu mehr Realismus.

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Jedes Spiel wurde verbissen bis zu letzen Nachspielminute ausgefochten.
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gamona: Hast du dich oder Kollegen schon mal dabei ertappt, wie ihr euch beim einen oder anderen Spielzug im Spiel dachtet: „Geil, lass uns das doch mal im Training oder im Spiel versuchen!“, oder ist das Spielerlebnis dafür dann doch noch zu sehr abseits der Realität?

Alex: Ich denke nicht, das lässt sich schon gut ummünzen. Aber gerade gegen den Computer ist das im Spiel recht schwierig, da dieser taktisch schon ziemlich diszipliniert und rational agiert und somit wenig Fehler macht. Auf dem Platz oder in der Bundesliga ist es schon eher so, dass Tore durch Fehler des Gegners zustande kommen und das ist in dem Spiel eben nicht der Fall. Und da sind mir eben im FIFA auf Seiten des Computers wenig Fehler aufgefallen.

gamona: Also das, was die Bayern in der Bundesliga gerade machen. Hast du dich denn schon mal an den Online-Modi wie dem „Ultimate Team“ versucht?

Alex Baumjohann: Ehrlich gesagt bin ich nicht der Typ, der allein vor der Konsole sitzt und FIFA spielt. Lieber spiele ich mit Freunden, die zu Besuch sind oder meinem Bruder. Zumal ich da online gegen die richtigen FIFA-Pros wahrscheinlich eh keine Sonne sehen würde. Da macht es einfach mehr Spaß, wenn da jemand neben dir sitzt, den du dann auch noch während des Spiels provozieren und ein bisschen ärgern kannst. Da sind die Emotionen einfach greifbarer.

„Ich bin niemand, der an einem freien Wochenende die Fußball-Konferenz schaut“

gamona: Wie sind in einer Mannschaft die persönlichen Verhältnisse unter den Spielern? Es ist ja schon eine gewisse berufliche Verpflichtung gegenüber des Vereins da, man hat also nicht diese Bindung wie in einer Kreisklassen-Mannschaft, die sich mitunter schon aus Sandkasten-Zeiten kennen und auch abseits des Platzes gute Kumpels sind. Pflegt man da Freundschaften oder ist man da doch mehr Kollege?

Alex Baumjohann: Man lernt durch die Jahre natürlich viele Menschen kennen – ob man nun lange bei einem Verein spielt oder bereits bei unterschiedlichen Vereinen war. In gewisser Weise hat man seine engeren Kontakte innerhalb der Mannschaft, auf der anderen Seite hat aber trotzdem jeder seinen eigenen Freundeskreis. Trotzdem bauen sich auch richtige Freundschaften auf, die auch über den gemeinsamen Verein hinaus gehen, auch wenn man zu einem anderen Verein wechselt.

Ich bin jetzt seit knapp zehn Jahren Profi und habe um die 15 bis 20 wirklich gute Freunde gewonnen, mit denen ich auch regelmäßig Kontakt habe. Als ich noch jünger war, war das auch noch mal etwas anderes gewesen. Wenn du allerdings eine Familie mit Kindern hast, liegt der Fokus natürlich ganz klar darauf, so viel Zeit wie möglich mit der Familie zu verbringen, und da geht es anderen Kollegen nicht anders.

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Auch die Profis gaben sich die Ehre am Pad.
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gamona: Warst du schon mal bei einem Union-Berlin-Spiel?

Alex Baumjohann: Nein. Außer in den Spielen gegen Union im letzten Jahr mit meinem Ex-Verein Kaiserslautern war ich noch nie bei einem Spiel der Unioner. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich niemand bin, der sich an einem freien Wochenende vor sky setzt und sich die Konferenz reinzieht.

gamona: Aber es wäre mal interessant zu wissen, wie es ist, wenn du bei einem Spiel von Union Berlin im Stadion bist – ob die Leute dich dann ausbuhen oder beschimpfen würden. Wäre ja auch lustig, wenn Freunde von dir Union-Fans sind. Fußball ist ja immer noch Fußball, da gibt’s ja auch wichtigeres im Leben als die Vereinszugehörigkeit.

Alex Baumjohann: Ja, natürlich! Ich hätte auch gar kein Problem damit, mit Union-Fans oder Union-Spielern befreundet zu sein. Als ich für Schalke gespielt hatte, hatte ich auch Freunde, die Dortmund-Fans waren oder für Dortmund gespielt haben.

gamona: Wäre es dir denn lieber, wenn die Fans Rivalitäten zwischen den Vereinen nur sportlich sehen würden? Was hältst du denn von den „Ultras“, die ihr Leben dem Verein widmen oder Trauungen in Vereinskapellen?

Alex Baumjohann: Das muss jeder für sich selber wissen. Ich befürworte es natürlich nicht, wenn man sich auf die Fresse haut.

gamona: Für den Verein...

Alex Baumjohann: Denen geht es ja nicht um den Verein – denen geht es nur darum, sich zu schlagen.

gamona: Aber diese „Fans“ schlagen sich ja laut deren Verständnis für den Verein die Köpfe ein, weil sie meinen, damit die Ehre des Vereins zu verteidigen oder aufrecht zu erhalten. Dass das nur in deren Köpfen Sinn zu machen scheint, ist klar.

Alex Baumjohann: Die Gewalt kann ich absolut nicht befürworten, aber davon abgesehen habe ich gerade auf Schalke erlebt, dass die Leute 100 Prozent nur für den Verein leben. Sie haben mitunter kaum Geld, um vernünftig zu leben, haben aber eine Dauerkarte und geben dafür ihren letzten Euro. Wenn die Schalker am Wochenende das Derby verlieren, sind sie dann auch die ganze Woche darauf schlecht drauf oder traurig. Das ist dort eine andere Fankultur.

gamona: Danke für das Interview, Alex.

FIFA 14 - FIFA 14 - Presseevent und Interview mit Alex Baumjohann

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