FIFA 06 - Road to FIFA World CUP (Xbox 360 Review)
von Nedzad Hurabasic

Die Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland ist nicht mehr fern und wird sicher das eine oder andere sportliche Glanzlicht setzen. Noch dazu wird sie direkt vor unserer Haustür stattfinden und damit für viele Fans zum Greifen nahe sein.

Was das mit dem Videospiel FIFA 06 für die Xbox 360 zu tun hat? Nun, zum einen geht es in beiden Fällen um Fußball. Doch kann auch die Xbox 360-Version des erst kürzlich für PS 2 und Xbox veröffentlichten Spiels für Begeisterung sorgen?

Auf den ersten Blick betrachtet ist das, was die Entwickler von EA Sports hier abliefern, wirklich sehenswert. Wer nicht ganz genau hinsieht, bemerkt auf den ersten Blick möglicherweise gar nicht, dass es sich bei dem Gezeigten um ein Videospiel handelt und nicht um eine Fußballübertragung im Fernsehen. Vor allem während des Spielens aus der Totalen wirken die Spieler meist unheimlich realistisch - HD-Auflösung vorausgesetzt. Die Animationen sind sehr flüssig. Körpertäuschungen, Grätschen, Ballbehandlung, Gestik, ja selbst die Frisuren sind den realen Vorbildern sehr gut nachgebildet.

Fast jeder Spieler ist selbst aus der Distanz gut wieder zu erkennen. Es laufen keine elf Klone über den Platz, sondern Individuen. Ob Ballack, Ronaldinho oder Beckham, alle sind gut erkennbar. Selbst bei Nationen mit weniger bekannten Spielern sind die Details zu sehen.

Leider hat der Entwickler diesbezüglich aber stark abgespeckt. Nur 72 Nationalteams sind enthalten, damit fehlen 132 weniger prominente Mannschaften Vor allem außerhalb Europas ist der Schwund im Vergleich zu den Pendants auf anderen Konsolen beträchtlich.

Was visuell aus der Distanz schon beeindruckt, wirkt bei Naheinstellungen zunächst ebenfalls prächtig. Einzelne Haare sind zu sehen, feine Poren, Pickel, Grübchen und verschiedene andere Merkmale, mit denen die Spieler gesegnet oder eben auch gestraft sind. Allerdings wirken Gesichter zu plastisch, fast wie mit Knetmasse geformt. Die Texturen scheinen zudem mit einer Art "Glanzeffekt" überzogen zu sein, der sich wie eine Aura um sie Spieler und auch den Ball legt. Auch die Farbgebung der Haut wirkt höchst unnatürlich und obendrein oft uneinheitlich.

FIFA 06 - Road to Fifa World Cup - In der Qualifikation gescheitert? Die WM 2006 auf der Xbox 360!

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Was bei Xbox 360-Fassungen von Spielen wie NBA 06 fotorealistisch wirkt, sieht hier irgendwie merkwürdig aus, auch wenn die realen Vorbilder meist sehr gut zu erkennen sind. Ob hier die Entwicklungszeit einfach nicht ausgereicht hat? Beim Rasen ist bei verschiedenen Kameraeinstellungen fast jeder Grashalm zu erkennen, wirkt dabei jedoch einen Tick zu lang, als wäre vergessen worden, ihn zu mähen. Die Schatten der Spieler hingegen werden ausgesprochen weich auf den Rasen geworfen und vermitteln auf diese Weise einen noch besseren Eindruck der Realität. Ziemlich störend ist, dass es doch den einen oder anderen Ruckler gibt. Vor allem dann, wenn Spieler in Großaufnahme zu sehen sind und die Kamera mit Schwenks beschäftigt ist.

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So beispielsweise bei Zeitlupenwiederholungen. Außerdem irritieren gelbe Karten, die nicht gelb, sondern hellbraun verfärbt sind, plötzlich auftretende weiße Flächen auf dem Spielfeld bei verschiedenen Kameraperspektiven und merkwürdige Bildüberschneidungen. Insgesamt ist das Spiel in visueller Hinsicht also ein mehr als zweischneidiges Schwert.

FIFA 06 bietet zwar neben dem Turnier und verschiedenen Trainingsmöglichkeiten (z. B. freies Training, Freistoß-Training) sowie Freundschaftsspielen und eigenen Turnieren verschiedene Spielmodi an. Im Mittelpunkt steht aber natürlich "Road to Fifa World Cup", der Weg zum Gewinn der Fußball Weltmeisterschaft.Dabei stehen dem Gamer leider nicht alle Mitgliedsteams des Welt-Fußballverbands zur Auswahl. Vermutlich hat hier einfach die Zeit nicht ausgereicht, um alle Nationen auf die Konsole zu portieren. Doch wer denkt, er könne einfach mal so eben zur WM fahren und den Titel abräumen, täuscht sich. Zunächst steht die Auswahl des Landes an, mit dem man Weltmeister werden möchte. Es folgt die Qualifikationsrunde in der entsprechenden Verbandsgruppe, die auf Wunsch der realen Auslosung entspricht. Außerdem finden vor und zwischen den Quali-Partien noch Turniere und Freundschaftsspiele statt, die die Spielzeit der Einzelspieler-Kampagne etwas strecken.

Jedes gewonnene Match, eine faire Spielweise oder auch die erfolgreiche Qualifizierung bringen dem Spieler dabei so genannte "Road-Punkte" ein. Damit werden beispielsweise klassische FIFA-Teams, zusätzliche Trikotsätze und weitere Spielbälle frei geschaltet. Wirklich spannend ist das aber nicht.Doch bevor ein einziges Spiel gewonnen, ja ein einziges Tor erzielt wurde, gilt es zunächst einmal Kontrolle über die Spieler und damit natürlich auch über den Ball zu gewinnen. Und das ist die wahre Herausforderung dieses Spiels. Denn ganz so leicht, wie man das vielleicht haben möchte, fällt das bei FIFA 06 leider nicht. Im Vergleich zu den vorherigen Versionen, scheint das Spielsystem diesmal einen Rückschritt erlitten zu haben. Obwohl die Bewegungen der Spieler durchaus sehr realistisch erscheinen, benötigt es doch einer geraumen Spieldauer, bis die Unbillen der Ballannahme, Ballführung und vor allem des Passsystems halbwegs in den Griff zu bekommen sind.

Über eine zu geringe Anzahl von technischen Finessen kann auf der einen Seite nicht geklagt werden. Doch was nützt dem Spieler der schönste Übersteiger, wenn der Ball dann zu 90 Prozent beim Gegner landet? Das ist wohl kaum der Sinn eines solchen Tricks.

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Hier scheint die Gegner KI ein wenig zu intelligent zu sein und "antizipiert" die Manöver des Spielers zu gut - und das schon auf recht niedrigen Spielstufen, von denen es übrigens fünf gibt (Amateur, Halb-Profi, Profi, Weltklasse, Extrem). Oder: Die Ballführung ist einfach schlecht gecodet. Dem Spieler kanns eigentlich egal sein, das Resultat ist das Gleiche: Nervös-hektisches Gameplay, bei dem Strafraumszenen und Torchancen Mangelware sind.

Zudem ist die Ballkontrolle recht schwer zu meistern. Der Ball landet häufig schneller beim Gegner, als einem lieb sein kann. Wer die Gegenspieler zu nah an seine Spielfigur herankommen lässt, muss den Ballverlust schon miteinkalkulieren.

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Auf der anderen Seite fällt es selbst gar nicht so einfach, den Ball wieder zurückzuerobern. Zwar stehen dem Spieler mit "normalem" Zweikampf und der Grätsche zwei Techniken zur Balleroberung zur Verfügung. Doch vor allem Letztere führt sehr häufig zum Foulspiel. Da die Schiris sehr kleinlich pfeifen, hagelt es Gelbe und auch Rote Karten. Leider können die Parameter des Schiedsrichters in den Einstellungen nicht geändert werden, sodass der Tester ungewollt auch schon eine Partie mit vier Spielern abschloss. Zudem werden Hinausstellungen weder visuell noch akustisch mitgeteilt, falls der Spieler die jeder abgepfiffenen Aktion folgende Animationssequenzen im Schnellverfahren wegklickt. Wenn denn überhaupt ein Pfiff zu hören ist.Oftmals fehlen Spielgeräusche völlig, das Treten gegen den Ball und Pfiffe des Schiris können minutenlang nicht vernommen werden und fehlen einfach. Thema Sprecher: Lieber Entwickler, dieses Einheits-Standard-Gefasel der deutschen Pseudo-Promi-Sportberichterstatter, die ohne Motivation irgendwelche vorfabrizierten Worthülsen ins Mikrofon gesprochen haben, nervt nicht nur.

Es ist an vielen Stellen häufig nur langweilig und oft auch falsch. Eine Kostprobe gefällig? Es steht 1:1 und die Sprecher faseln etwas von: "Dieses Tor hat das Spiel entschieden". Oder: "Ein toller Versuch aus über 30 Metern!" - dabei stand der Schütze innerhalb des Strafraums, der, nicht nur Experten wissen, das, 16 Meter vor dem Tor endet... Irgendwelche, sich ständig wiederholenden Sprüche sowie sinnlose Fakten aus der Fußball-Historie und über die WM-Quali 1970 will auch keiner mehr hören. Sie erhöhen weder die Authentizität noch die Glaubwürdigkeit des Spiels. Also: Entweder frische Sprecher mit Esprit und Feuer oder lasst es gleich sein.Der sehr gute Soundtrack ist mir persönlich dann deutlich lieber.

Zurück zum Gameplay. Hat es der Spieler nach etwa einer bis zwei Stunden geschafft sich an das Spielsystem zu gewöhnen, so stellen sich auch die ersten Erfolgserlebnisse ein. Die meisten Spiele enden aber häufig genug mit knappen Ergebnissen, denn Strafraumszenen sind aufgrund der schwierigen Ballbehandlung trotz allem eher Mangelware. Folgt, wie bei Freundschaftsspielen, ein Elfmeterschießen, so ist eine gewisse Gleichförmigkeit bei den Schüssen zu beobachten.

Vor allem die Elfer der KI-Gegner landen fast immer an derselben Stelle: Innenpfosten, links und Rechts. Bewegt man den eigenen Torwart aber in die richtige Ecke, scheint er fast jeden Ball zu erhechten. Was während des Spiels richtig gut wirkt: Eigene Spieler zeigen an, wohin sie den Ball gespielt haben möchten. Das wirkt sehr authentisch. Allerdings ist auch zu beobachten, dass dabei ein wenig übertrieben wird.Steuert die eigene Spielfigur alleine aufs Tor zu, nimmt sie trotzdem ständig den Kopf zur Seite, als ob sie schauen würde, ob nicht ein Mitspieler mitgelaufen ist. Das sieht bisweilen doch sehr seltsam aus.

Die Menüs von FIFA 06 sind einmal mehr der Vorreiter des Genres. Sauber gestaltet, ohne Ecken und Kanten kann der Spieler durch die notwendigen Unterpunkte navigieren und alle Einstellungen auswählen. Der rockige Soundtrack ist abermals über jeden Zweifel erhaben, Games von EA Sports haben schon von jeher über eine besonders hohe Anzahl bekannter Bands verfügt, die es so richtig krachen lassen. Was diesmal besonders beeindruckt, ist das "Arena"-Feature: Schon während des Ladescreens kann gezockt werden! In einer kleinen Halle darf der Spieler deutsche Nationalspieler übers Feld steuern und sich schonmal für die kommende Partie warmspielen.Steuert die eigene Spielfigur alleine aufs Tor zu, nimmt sie trotzdem ständig den Kopf zur Seite, als ob sie schauen würde, ob nicht ein Mitspieler mitgelaufen ist. Das sieht bisweilen doch sehr seltsam aus.

Die Menüs von FIFA 06 sind einmal mehr der Vorreiter des Genres. Sauber gestaltet, ohne Ecken und Kanten kann der Spieler durch die notwendigen Unterpunkte navigieren und alle Einstellungen auswählen. Der rockige Soundtrack ist abermals über jeden Zweifel erhaben, Games von EA Sports haben schon von jeher über eine besonders hohe Anzahl bekannter Bands verfügt, die es so richtig krachen lassen. Was diesmal besonders beeindruckt, ist das "Arena"-Feature: Schon während des Ladescreens kann gezockt werden! In einer kleinen Halle darf der Spieler deutsche Nationalspieler übers Feld steuern und sich schonmal für die kommende Partie warmspielen.