Da wird sogar der Bohlen neidisch: seit über zehn Jahren unangefochten die Nummer 1! Zugegeben, die Rede ist nicht von einer Popgruppe, sondern den Genres Ego-Shooter und Echtzeitstrategie, die sich seit ihrer »Erfindung« Mitte der 90er ungebrochen an der Spitze der Beliebtheitsskala von PC-Spielern eingebunkert haben.

Aber mit den beiden ist es wie mit dem Bohlen: So richtig was Neues fällt ihnen eigentlich nicht mehr ein. Warum dann nicht die zwei alten Hüte nehmen und sie derart vermischen, dass dem Kaiser die neuen Kleider aus dem Second-Hand-Shop sitzen, als seien sie eigens für ihn angegossen worden?

Ein gefährliches Unterfangen, schließlich verbrannte sich schon so manch tapferes Spieleschneiderlein beim Nähen ähnlicher Genre-Flickwerke ein wenig zu oft an der heißen Nadel. Nun versucht sich »Field Ops« an dem Spagat, und nach dem, was wir anhand einer ersten spielbaren Preview-Version am eigenen Leib erfahren durften, könnte er hier erstmals gelingen.

Field Ops - TrailerEin weiteres Video

Das sind ja gleich zwei Spiele in einem…
Bürgerkrieg auf Kuba. Nach dem Sturz des ehemaligen Diktators herrschen überall Unruhen im Land. Militante Gruppen kämpfen um die Macht in der Bananenrepublik. Als sich gar Massenvernichtungswaffen in den Händen der Streithähne auffinden, werden auch die USA auf den Konflikt aufmerksam und machen das, was sie ohnehin am liebsten tun: sich einmischen.

Field Ops - Strategie, Action oder beides? Field Ops schafft den Spagat. Bestimmt!

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Noch sieht alles nach einem Standard-Strategiespiel aus...
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Das Spiel beginnt an einem Strand auf Kuba aus der Vogelperspektive. Die vierköpfige Spezialeinheit, über die der Spieler das Kommando erhält, ist soeben gelandet, um sich in einem nahen Dorf mit einem Informanten zu treffen. Spieler von Taktik-Titeln a la »Commandos« werden sich sofort zurecht finden: Per Mausklick schickt ihr eure Einheiten ins Feld, lasst sie ducken, schleichen und snipern. Vorsichtig pirschen wir uns an eine eben erspähte feindliche Patrouille heran, wählen unseren MG-Schützen aus und geben Sperrfeuer, während sich ein weiterer unserer Mannen mit dem Sanitäter im Schlepptau von der anderen Flanke nähert, um den Fluchtweg des Gegners zu versperren.

So weit, so bekannt. Doch ein einfacher Druck auf die Tab-Taste genügt, und »Field Ops« wird zu einem komplett anderen Spiel: Dann nämlich fährt die Kamera mitten hinein ins Geschehen und lässt den Spieler die Kontrolle über die gerade aktive Einheit übernehmen. Wie in »Full Spectrum Warrior« könnt ihr nun die Gegner höchst selbst auf's Korn nehmen, euch in der Ego-Ansicht durch's Gebüsch schleichen oder hinter Bäumen und Mauern in Deckung gehen.

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...doch Field Ops ist gleichzeitig ein vollwertiger Taktik-Shooter.
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Der First-Person-Modus ist jedoch keineswegs eine nette, aber letztlich überflüssige Dreingabe. Stattdessen steht dem Spieler frei, ob er »Field Ops« als klassisches Echtzeit-Strategiespiel oder lieber als actionreichen Taktik-Shooter spielen möchte. Am sinnvollsten ist selbstverständlich die Kombination aus beiden Modi. Dabei überraschte uns besonders, wie gut die Genre-Mischung in der Praxis funktioniert: Während der Strategie-Modus eine vernünftige Planung und die taktische Vorgehensweise eurer Einheiten gewährleistet, eignet sich die First-Person-Ansicht ideal für den richtigen Durchblick in der Hitze des Gefechts.

Trotz seiner Doppelgleisigkeit macht »Field Ops« keine Kompromisse bei der Spieltiefe - im Gegenteil. Eure bis zu 16-köpfigen Einsatzteams lassen sich wie in herkömmlichen RTS-Spielen in einzelne Squads gruppieren, per Mausklick beziehen sie hinter Gebäuden und Mauervorsprüngen Stellung und auch die Umgebung sorgt dank einer ausgeklügelten Physik-Engine für unterschiedliche und durchaus raffinierte Lösungsmöglichkeiten. So gelang es uns beim Anspielen gleich zu Beginn, eine Mauer wegzusprengen, um auf diese Weise eine zuvor verschlossene Alternativ-Route freizulegen, über die wir dem Gegner in den Rücken fallen konnten. Damit selbst im hektischsten Getümmel der Durchblick nicht flöten geht, könnt ihr das Spiel übrigens jederzeit pausieren und in aller Ruhe eure Befehle erteilen.

Helden mit Charakter
Wie man es von einem Taktik-Spiel gewohnt ist, sind eure Einheiten wahre Spezialisten auf ihrem jeweiligen Aufgabengebiet: Während sich der gemeine Soldat vor allem mit den diversen Schießeisen des Spiels auskennt, trägt der Sanitäter stets Verbandskasten und Defibrillator mit sich, um mit Pflästerchen den Gesundheitsbalken aufzufrischen oder in schlimmeren Fällen einen Wiederbelebungsversuch zu starten. Mit Letzterem sollte man sich nicht allzu viel Zeit lassen, sonst ist das Lebenslicht der Einheit endgültig erloschen.

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Volle Deckung! Die Straßenschlacht ist eine echte Herausforderung.
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Sieben Charakterklassen wird es insgesamt geben - neben den erwähnten auch einen Spezialisten für schweres Geschütz oder den obligatorischen Scharfschützen. Hinzu gesellen sich einige Helden, die über spezielle Fähigkeiten verfügen - z.B. die Möglichkeit, einen Artillerieangriff zu befehlen. Auf sie solltet ihr verstärkt ein Auge haben, denn segnet ein Held das Zeitliche, erwartet euch das unrühmliche »Game Over«.

Einmal um die ganze Welt…
Der Büchse der Pandora ist allerdings mit der Operation auf Kuba noch lange nicht der Deckel aufgesetzt, wie der Spieler in der zusammenhängenden Kampagne erfahren muss. Stattdessen beschwört er die Geister erst herauf, die er in den insgesamt 16 Missionen loszuwerden versucht. Der Kampf gegen den internationalen Terrorismus führt euch einmal um den halben Globus: Neben Kuba stehen Afghanistan und die Ukraine auf der Reiseroute, bis schließlich in den Vereinigten Staaten selbst zum Showdown geblasen wird. Jeder Schauplatz wird vier Missionen umfassen - macht nach Adam Riese besagte 16.

Das verspricht etliche Wochenenden voller Spielspaß, zumal bereits die frühen Levels eine stattliche Größe aufweisen und im späteren Spielverlauf mehrere Stunden pro Map eingeplant werden sollten. Gleich die zweite Karte entführt euch in eine detailverliebt modellierte kubanische Stadt, in der ihr euch Straßenschlucht um Straßenschlucht vorwärts kämpft, bis ihr euch mit einem Drogenboss in seinem majestätischen Anwesen einen heftigen Shootout liefert. Wechselnde Missionsziele während des Auftrages und eingestreute Zwischensequenzen in Spielgrafik sorgen für Abwechslung und anhaltende Spannung.

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So spektakulär sieht die Grafik im First-Person-Modus aus.
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Damit sich eure Soldaten bei der vielen Rennerei über die riesigen Karten keine Blasen an den Füßen holen, könnt ihr auf so ziemlich jeden fahrbaren Untersatz zurückgreifen, der euch über den Weg läuft bzw. fährt. Vom normalen Mittelklasse-Viertürer bis hin zum Panzer ist der Fuhrpark ausgiebig bestückt. Selbst in einem Hubschrauber dürfen eure Mannen Platz nehmen, um aus luftigen Höhen die Raketen sprechen zu lassen.

Wer statt gegen fiese Terroristen lieber gegen Freunde und Verwandte in die Schlacht zieht, darf sich über den ausgiebigen Mehrspieler-Modus von »Field Ops« freuen. Zwei bis sechs Spieler ziehen in drei verschiedenen Spielvarianten - »Bomb Run« (Capture the Flag), »Conquer« und »VIP« (Beschützen eines Spielers) - gegeneinander ins Feld. Zehn Maps werden hierfür von vornherein mitgeliefert. Vor Beginn eines Matches können die Spieler ihre Teams aus den verschiedenen Klassen, Helden und Fahrzeugen selbst zusammenstellen. Hierfür »kostet« jede Einheit einen bestimmten Betrag: Jeder Spieler steht dem entsprechend vor der Entscheidung, beispielsweise eine ganze Armee einfachen Fußvolkes anzuführen, oder sich auf wenige kräftige Einheiten oder Panzer zu verlassen - in der Regel gilt aber wie sonst auch: Die Mischung macht's.

Viel zu tun, packen wir's an…
So weit macht »Field Ops« einen hervorragenden und bereits fast fertigen Eindruck. Die einzelnen Karten sind final, das Gameplay steht, die Engine flutscht. Natürlich gibt es wie in jeder Preview-Version noch etliche Bugs zu fixen. Wie man uns versicherte, werde das Spiel aber nur in einem fehlerfreien Zustand ausgeliefert - löblich. Vor allem an der Gegner-KI und dem Balancing wird derzeit noch unter Hochdruck gearbeitet. Genau diese beiden Faktoren sind es aber, die darüber entscheiden werden, ob der ebenso gewagte wie viel versprechende Genre-Mix letztendlich funktionieren wird. Wir erwarten nur das Beste…