Liebe kann bekanntlich blind machen. Da verzeiht man noch so große Charakterschwächen des Anderen und sieht auch über kleinere optische Mängel hinweg. Zumindest für eine gewisse Zeit. Doch so groß unsere Liebe zur Sportart Basketball auch ist, die unterirdische Qualität des "FIBA Basketball Manager 2008" hält sie nicht aus.

Wieso unsere Beziehung mit der Simulation eine besonders schmerzhafte wurde, das erklären wir euch im Folgenden. Vorweg: Lasst ja die Finger vom Spiel und wartet stattdessen lieber auf den für Ende des Jahres geplanten "Heimspiel Basketballmanager" der Games Company!

So attraktiv wie Schimmelbefall
Die deutsche Nationalmannschaft zur Europameisterschaft führen, den traditionsreichen Club Alba Berlin ins Finale der Basketball-Bundesliga bringen - der "FIBA Basketball Manager 2008" macht's möglich. Sämtliche europäischen Ligen wie auch eine Fantasy-US-Liga haben die Macher implementiert. Die Kader sind auf dem Stand der abgelaufenen letzten Saison.

FIBA Basketball Manager 2008 - Böses Foul: Hier vergeht sogar Dirk Nowitzki die Lust am Basketball.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Das Menü für den Stadionausbau: hässlich wie die Nacht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Neuerliche Wechsel wie etwa der von Ademola Okulaja zu den Brose Baskets aus Bamberg wurden leider nicht berücksichtigt. Wäre das die größte Schwäche des Titels, wir würden dem Basketball-Gott huldigen und dem Spiel zuliebe einen Schrein errichten. Wie so oft liegen Hoffnungen und Enttäuschungen aber auch hier nah beieinander. Mit anderen Worten: Der "FIBA Basketball Manager 2008" macht ziemlich alles verkehrt, was ein moderner Sport-Manager falsch machen kann. Das fängt bei der absolut grottigen Grafik an.

Klar, schön müssen Wirtschaftssimulationen gar nicht sein, das ist eines der leidlichen Genre-Gesetze. Augenkrebs wie im vorliegenden Fall sollten sie allerdings auch nicht erzeugen. Die Menüs sind zwar einigermaßen übersichtlich, aber so hässlich wie die Nacht. Trist-blaue Schaltflächen in bester Excel-Manier, dazu laienhaft gerenderte Hintergründe - hier spielerischer Alltag.

Packshot zu FIBA Basketball Manager 2008FIBA Basketball Manager 2008Erschienen für PC kaufen: Jetzt kaufen:

Diese Tristesse würden wir (mit viel Alkohol) vielleicht sogar noch verschmerzen, wenn die Darstellung der Basketball-Partien dafür entschädigen würde. Pustekuchen! In den Partien setzt die Optik dem ganzen die Krone auf - im negativen Sinne, versteht sich. Stünden auf dem dreidimensionalen Spielfeld nicht zwei Basketballkörbe, man könnte die Sportart glatt verwechseln. Die virtuellen Athleten zuckeln wie altersschwache Greise übers Parkett. Die Polygonmenge sämtlicher Objekte lässt sich an einer Hand abzählen.

FIBA Basketball Manager 2008 - Böses Foul: Hier vergeht sogar Dirk Nowitzki die Lust am Basketball.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
Spielbeginn in der 3D-Ansicht: Noch hässlicher als die Menüs!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Ob wir in Anbetracht der Animationen lachen oder weinen sollten, darüber streiten sich die Geister. Jedenfalls ist das Gezeigte schlicht und ergreifend lächerlich. Würfe sind kaum als solche zu erkennen, die staksigen Bewegungen der Figuren eines Basketballspielers unwürdig. Mehr Worte wollen wir zum Grafikdrama auch gar nicht verlieren. Zu tief sitzt die Enttäuschung.

Mehr Tabellen als Charme
Der Management-Part verschont uns glücklicherweise mit ähnlich schwerwiegenden Komplettausfällen. Im Grunde genommen macht die betriebswirtschaftliche Seite des Spiels sogar einen recht soliden Eindruck. Egal ob der (hässlich dargestellte) Stadionausbau, die Sponsorenakquise oder Vertragsgespräche - die Geldbeschaffung und -verwaltung steht den qualitativ zumeist deutlich hochwertigeren Fußballmanagern in verhältnismäßig wenig nach. Zumindest was die Fülle an Möglichkeiten anbelangt.

Die Art der Präsentation und die Menüführung spielen hingegen drei Ligen darunter. Wir fühlten uns regelrecht an selige "Bundesliga Manager 97"-Zeiten erinnert. Dieser Excel-Charme mag die Realität echter Macher von Sportvereinen trefflicher widerspiegeln als die durchgestylten "Fussball Manager"-Titel von EA. Mehr Spaß macht es deshalb aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil…

Übung macht den Meister
Der Lichtblick inmitten des dunklen Spielspaß-Meeres hört auf den Namen "Training und Taktiken". Dort könnt ihr - sofern gewünscht - jedem Spieler sein individuelles Übungsprogramm auf den Leib schneidern, Tag für Tag. 2,15 Meter-Hühnen etwa lasst ihr besonders intensiv am Rebound arbeiten, flinke Point Guards verbessern ihre Passgenauigkeit oder die 3-Punkt-Würfe. Sowohl die Intensität als auch die Länge der einzelnen Trainingseinheiten dürft ihr bestimmen.

FIBA Basketball Manager 2008 - Böses Foul: Hier vergeht sogar Dirk Nowitzki die Lust am Basketball.

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 5/81/8
TDer Teamüberblick: So hässlich wie der Rest des Spiels!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

In gleichem Maße zeichnet ihr für die Offense- und Defense-Taktiken eures Teams verantwortlich. Ihr entscheidet, ob die Mannschaft klassisch Mann gegen Mann oder als Zone verteidigt. Basketball-Unkundige müssen nicht verzagen: Sämtliche Taktiken werden genauestens erklärt, Vor- und Nachteile hervorgehoben. Freilich ändert das nichts an der katastrophalen Gesamtqualität des "FIBA Basketball Manager 2008". Selbst den fanatischsten Basketball-Anhängern können wir nur von dem Titel abraten. Geradezu laienhaft wurde der Großteil der Gameplay-Elemente umgesetzt.