Dass Phil Fish nicht gerade ein angenehmer Zeitgenosse ist, weiß man spätestens seit seiner Schimpftirade über Nintendos 3DS. Doch auch in der Doku über Indie-Spiele-Entwickler, Indie Game: The Movie offenbarte er bereits seinen Hang zur Cholerik. Jetzt meldet sich der Bad Guy unter den Spiele-Entwicklern zurück. Der Grund dieses Mal: Die bevorstehende Steam-Veröffentlichung von FEZ.

FEZ - Phil Fish: "Wenn $9 zuviel für euch ist, dann tut mir den Gefallen, schnappt euch ne Raubkopie davon und haltet die Fressen."

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Kaum zu glauben, dass dieses putzige Spiel von so einem Choleriker stammt
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Egal wie er es anstellt, Phil Fish kommt mit der Internet-Gemeinde einfach nicht klar. Er wirft ihr vor, ihn völlig falsch zu verstehen und sie wirft ihm vor, alles viel zu persönlich zu nehmen. Das Ganze läuft regelmässig so dermaßen aus dem Ruder, dass er letztens schon twitterte, "Es geht schon so weit, dass ich nicht einmal mehr sagen kann, warum die Leute überhaupt böse auf mich sind."

Da kann dem Guten ausgeholfen werden. Wer Spieler alle in denselben Topf wirft und als die "beschissensten Menschen" bezeichnet, weil die ihm angedroht haben, sein Spiel raubzukopieren, nachdem er sie persönlich angegangen war, weil er keine Kritik verträgt, der braucht sich dann auch nicht zu wundern, dass die Leute nicht gut auf ihn zu sprechen sind.

Interessanterweise spart er selber nicht mit Kritik, so bezeichnete er mal eben so alle kontemporären, japanische Spiele als "scheiße". Hätte man ihm gesagt, FEZ sei "scheiße", wäre er wieder durch die Decke gegangen.

Hin und wieder lässt er aber durchscheinen, dass er im Grunde ein netter Kerl sein will, der nur eben einen Hang zur Cholerik besitzt und gerne mal ohne böse Gedanken provoziert und ärgert. "Ich habs! Von jetzt an werde ich jeden Tweet mit einem :P beenden." Gefolgt von "Ihr verdammten Wilden würdet doch noch nicht einmal merken, dass es ein Scherz war, wenn...(zensiert) :P"

Positive Meldungen, wie die, dass FEZ sich just satte 200.000 Mal verkauft hat, verschwinden da bedauernswerterweise ganz schnell im Dunst des Hasses. Und auch die diesmalige Entgleisung, beider Seiten wohlgemerkt, fußt auf einer, an sich erfreulichen Meldung - und zwar der, dass es FEZ auch bald auf Steam gibt.

Im Zuge dessen veröffentlichte Phil Fish auf der Seite seines Studios Polytron eine Ankündigung, die eigentlich ganz humorvoll klingt und amerikanische Werbeslogans auf den Arm nimmt.

"Haben Sie es satt, dass Sie FEZ noch nicht auf dem PC erwerben können? Sind Sie frustriert darüber, dass dieses ganze Geld ein Loch in ihre Tasche frisst? Wir präsentieren: Die FEZ-Vorbestell-Phase! Sie haben richtig gelesen! FEZ-PC wird ab dem 22. April zur Vorbestellung über STEAM und GOG.COM verfügbar sein! Sie müssen nie mehr darauf warten, dass etwas tatsächlich raus ist, bevor Sie es kaufen können! Sie müssen nie mehr dieses lästige Geld bei sich tragen! Mit unserer patentierten Vorbestell-Technologie nehmen wir Ihr Geld HEUTE und geben Ihnen SPÄTER etwas! Aber es gibt noch mehr! Das Spiel wird es während der Vorbestell-Phase auch 10% günstiger geben! Sie haben richtig gelesen! Sie können eine Sachen kaufen, das noch nicht raus ist UND Sie bezahlen weniger dafür! All das für eine einfache Zahlung über $9! Geld ausgeben UND Geld sparen! ZUR GLEICHEN ZEIT!"

FEZ - Phil Fish: "Wenn $9 zuviel für euch ist, dann tut mir den Gefallen, schnappt euch ne Raubkopie davon und haltet die Fressen."

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Liebt es, über Twitter zu provozieren
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Und hier begann der Streit. Einige Leute machten sich natürlich sofort über einen alten Tweet von Fish lustig, in dem er FEZ als ein Spiel für Konsolen bezeichnete, während der PC in seinen Augen lediglich gut für Tabellen sei, was nicht mit der kommenden Steam-Veröffentlichung in Einklang zu bringen ist. Den Spielern wiederum waren die 10% Rabatt einfach zu wenig, lediglich $1 Dollar Ersparnis (1 Euro im deutschen Steam). Damit müsse man ja noch immer rund $9 Dollar respektive 9 Euro zahlen.

"$9 für ein Spiel wie FEZ ist ein SCHNÄPPCHEN. Ich sollte euch $90 abknöpfen, ihr verdammten Undankbaren." Wenig später schrieb Fish, "Hey, ratet mal auf welchen Betrag ich meinen Preis bei Steam setzen kann. FEZ kostet jetzt $90."

Dann folgte ein typischer Satz für Fish, "Wenn $9 zuviel für euch ist, dann tut mir den Gefallen, schnappt euch eine Raubkopie davon und haltet die Fressen."

Und wahrscheinlich meint er das sogar wirklich ernst, denn er schrieb auch, dass eine Raubkopie nur eine Stufe unter einem gekauften Spiel sei. Man würde immer noch Interesse am Spiel zeigen und es hoffentlich spielen und genießen. Zudem hofft Fish, dass FEZ "tonnenweise" kopiert würde. Wahrscheinlich solange die Verkäufe noch immer stimmten. Und allzu ernst darf man ihn ja bei solchen Aussagen auch nicht nehmen.

Ein Nutzer bezeichnete ihn daraufhin als schlimmer als EA. Bekanntlich wurde EA zum zweiten Mal hintereinander als schlimmstes Unternehmen der USA gewählt. Hat zwar seine Gründe, ist aber gänzlich überzogen.

Die ganze Debatte entfachte gar einen, über 700 Kommentare starken Reddit-Thread, in dem zwei Lager auszumachen sind. Die einen, die ihn für einen fleischgewordenen Troll halten und die anderen, die den ganzen Trubel um ein Indie-Spiel für $9 für ausgemachten Unsinn halten. So unrecht haben die auch nicht, denn wer beschwerte sich über die 13.99 Euro für Super Meat Boy?

Wer eine andere, seriösere Seite von Phil Fish sehen oder lesen will, dem sei sein "Ask me Anything"-Thread auf Reddit ans Herz gelegt.

Fish jedenfalls, hat die Adjektive aus den Anschuldigungen dazu verwendet, einen neuen Slogan für die Rabattaktion zu kreieren: "Bestellt FEZ auf Steam oder GOG vor und spart einen dummen, überheblichen Hipster-Dollar."

FEZ ist für Xbox 360, seit dem 25. März 2014 für PlayStation Vita, PS3 und PS4 erschienen. Jetzt bei Amazon kaufen.