Zeitlich passend hat EA die Videospielversion von Karnevalssitzungen veröffentlicht: Es wird viel gesungen, es gibt keine erkennbare Dramaturgie und so richtig weiß man nicht, was das Ganze soll. Spaß macht es dennoch, wenn man sich darauf einlässt.

Die wundervolle Grafik unterstützt die Atmosphäre von Fe:

Fe - Offizieller Launch-Trailer - Hier kommt Fe2 weitere Videos

Eine Stärke von Fe ist seine Konsequenz: Von Sekunde eins an wird nichts mit Worten erklärt oder kommentiert. Stattdessen lernt ihr schnell, was eurer kleinen Kreatur den Weg durch die abstrakte Waldwelt ebnet: Ihr könnt durch Laute und Gesang mit anderen Organismen interagieren. Dabei ist es erstaunlich nett, dass ihr teilweise nur behutsam die Stimme erheben dürft, um euch – visualisiert durch wabernde Wellen, die es in Einklang zu bringen gilt – mit eurem Gegenüber zu verständigen.

Indem ihr anderen Waldbewohnern helft, schaltet ihr insgesamt sechs Gesänge frei, die in spielmechanischen Termini für neue Fähigkeiten stehen: Bringt ihr einem Vogel gestohlene Eier zurück, könnt ihr in der Folge auf dem Rücken seiner Artgenossen zu bestimmten Punkten fliegen. Andernorts lernt ihr das Klettern an Bäumen und eine Schwebefähigkeit, die auch ohne begleitenden Vogel funktioniert. Später im Spiel könnt ihr Barrieren verschwinden lassen oder bestimmte Blüten zu Trampolinen machen.

Fe im Test: Die Geräuschlosen

Gemein und geräuschlos

Damit ihr ausgiebig helfen könnt, gibt es natürlich auch eine antagonistische Komponente: Diese Rolle übernehmen die sogenannten Geräuschlosen, unheimliche Roboterwesen, die im Wald für Angst und Schrecken sorgen. Ihr könnt sie nicht direkt bekämpfen, sondern müsst ihnen und ihren Lichtkegeln in simplen Schleichpassagen aus dem Weg gehen. Dann und wann könnt ihr aber andere Tiere auf sie hetzen oder sie über andere Umwege erledigen. Stimmung und Stil passen sich dynamisch an den Spielverlauf an. Trefft ihr auf Geräuschlose, wird die Musik bedrohlicher, die Farben kühlen ab. Allerdings wirkt die Grafik grundsätzlich bereits sehr artifiziell, so richtig lauschig fühlt sich die Welt von Fe zu keiner Sekunde an.

Fe besteht grundsätzlich aus einer Ansammlung verschachtelter Bereiche, die Orientierung würde ohne die Karte samt Zielmarkierung schwerfallen. Reicht die Karte noch nicht aus, könnt ihr einen kleinen Piepmatz herbeirufen, der euch dann direkt die nächsten Schritte vorflattert. Diese Einbindung eines Navigationssystems passt in ihrer Art prima und fügt sich gut ein, man greift durch den schwer nachvollziehbaren Aufbau der Spielwelt aber recht häufig darauf zurück. Zum Zeitpunkt seiner Ankündigung hatte das Spiel übrigens noch keine Karte – anscheinend konnte die Ursprungsidee der komplett selbständigen Erkundung einer fremden Welt nicht in befriedigender Form umgesetzt werden.

Packshot zu FeFeErschienen für Nintendo Switch, PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Jump & Run & Sing

Sobald man die ersten Fähigkeiten erworben hat, glänzt Fe vor allem in Passagen, in denen ihr durch Klettern, Springen und Gleiten durch die Spielwelt huscht. Gerade das Erklimmen von Bäumen ist gut umgesetzt, zu den Highlights gehört dann euer Aufstieg auf einen gigantischen Hirsch, den ihr zuerst von übernatürlichen Fesseln befreit, bevor ihr euch über an seinen Läufen wachsenden Bäumen nach oben arbeitet. Ein wenig störend sind Stellen, an denen ihr durch die nicht immer ganz präzise Steuerung weit nach unten fallt und einen längeren Abschnitt wiederholen müsst.

Hinsetzen und abschalten - diese Werke könnt ihr auch am Feierabend oder zwischendurch entspannt spielen:

Segnet ihr an einem Abgrund oder durch die Angriffe eines Geräuschlosen mal das Zeitliche, werdet ihr aber nur erfreulich wenig zurückgeworfen. Das Konzept klassischer Leben gibt es dabei nicht. Im Großen und Ganzen kommt man bei Fe relativ mühelos voran, das Erleben der Reise steht über einer möglichst anspruchsvollen Herausforderung. Den im Vorfeld häufiger zu hörenden Vergleich zu Journey finden wir allerdings nicht zutreffend. Dafür ist Fe im Kern doch zu sehr ein klassisches, aufgabenbasiertes Spiel, das euch wie ein 3D-Metroidvania durch immer neue Fähigkeiten nach und nach den Zugang zu zuvor verschlossenen Arealen ermöglicht. Das Erkunden abseits der Hauptwege ist jedoch nicht sonderlich lohnenswert: Zwar gibt es viel zu sammeln, hinter den immer wieder zu findenden Helmen von Geräuschlosen beispielsweise verbergen sich aber nur kurze Einschübe, die spielerisch wahnsinnig träge sind. Zumindest ergänzen sie die Story, die bis zum geheimnisvollen Abschluss vage bleibt.