Capture the Flag? Kennen wir alle. Dutzend-, ach was, bestimmt hundertfach. In so vielen Ausführungen, dass man sie ohne Opas tollen Rechenschieber aus Holz gar nicht zählen könnte. Aus so vielen Spielen, dass man sich nicht mal an alle auch nur annähernd gelungenen Vertreter erinnern kann.

Aber eines ist sicher: Wer Fat Princess durchs PlayStation-Network auf die Festplatte der schnurrenden Klaviergelackten scheucht, wird so schnell nicht von der Rettet-die-Prinzessin-Aktion gewordenen Flaggenhatz loskommen.

Fat Princess - Entwicklertagebuch

Putzig, ja wirklich herzallerliebst

Seht mal da vorn und dort hinten! Guckt doch nur, wie putzig das ist. Dutzende von kleinen Männchen wuseln herzallerliebst durch eine in fröhliche und warme Farben getauchte Comicwelt, rennen von A nach B, springen in Rohre und fällen Bäume. Dann scheppern plötzlich Klingen aufeinander, knallig rote Blutlachen tränken diese saftig grüne Wiese, Pfeile bohren sich durchs Fleisch dieser knuffigen Kerlchen und Bomben lassen ganze Gruppen von ihnen in einem Schwall zerplatzen.

Fat Princess - Jetzt kommt es richtig fett

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Wenn sich ein Dutzend Spieler beharkt, geht es richtig zur Sache.
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Egal, wie kindlich verträumt und zuckersüß das Geschehen auf den ersten Blick anmutet: Hier tobt eine Schlacht. Eine äußerst unerbittliche und herrlich überzeichnete, die dank Cel-Shading-Grafik, kräftiger schwarzer Konturen und leuchtender Farbgebung an das in Kürze erscheinende Fairytale Fights erinnert und schon beim Zugucken Lust macht, das Pad zu greifen und nach Herzenslust zu schnetzeln.

Wer diese umgerechnet 15 Euro ins PlayStation-Network buttert und sich auf ein so verschrobenes Soloerlebnis freut, wie es die sympathische Grafikfassade verspricht, spielt eine Mission, spielt vielleicht zwei oder drei, macht sich mit der grundlegenden Mechanik vertraut, driftet danach aber in den Multiplayer-Modus ab. Nicht nur, dass es keine echten Videosequenzen gibt, um den zaghaften erzählerischen Hintergrund in Szene zu setzen. Die zwischen Capture the Princess, Domination und Team-Deathmatch umschlagenden Missionsziele wiederholen sich schneller, als man eine schlaue KI herbeisehnen kann. Außerdem juckeln Solisten die insgesamt nur sieben Missionen an einem Abend durch.

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Fang die Prinzessin - statt Capture the Flag.
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Aber Moment mal. Capture the Princess? Genau, statt eine Fahne aus der gegnerischen Basis zu mopsen und in die eigenen Mauern zu verfrachten, balgen sich die Parteien hier um eine übergewichtiger Fleischklops gewordene Blaublütige, die im Kerker der gegnerischen Basis ihrer Rettung entgegenfiebert. Warum sie dick ist? Weil sie von den Entführern alle naselang mit Tortenstücken gemästet wird, die auf der Karte zu finden sind. Hat die Gute erst mal ordentlich Speck auf den Rippen, ist es alles andere als leicht, sie wohlbehalten aus der feindlichen Basis zu fischen und im Verbund mit mehreren Spielern wieder auf den eigenen Thron zu hieven.

Die Qual der Klassenwahl

Zumal man erst mal die verschlossenen Tore stürmen muss, die den Gegner zwar raus, die eigene Armee aber nicht rein lassen. Was also tun, wenn man die Holde nicht versauern lassen will und den pochenden Beschützerinstinkt nicht unterdrücken kann? Angriff, Angriff, Angriff. Dafür heimeln sich fünf Klassen an, allesamt mit eigenen Stärken und Schwächen, die man selektiert, indem man sich in der eigenen Basis neben das entsprechende Einheitengebäude stellt und sich die davor liegende Kopfbedeckung schnappt. Schon wird man vom Nichtsnutz zum Krieger zum Bogenschützen zum Arbeiter zum…

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In eurer Basis wählt ihr eine der fünf Klassen, indem ihr vor dem entsprechenden Gebäude die Kopfbedeckung aufhebt.
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Der Kämpfer ist der Mann für Angelegenheiten gröber als Rügenwalder Teewurst, langt mit dem Schwert ordentlich zu und hat die meiste Lebensenergie. Dafür muss er zum Kämpfen auf Tuchfühlung gehen und wird somit zum leichten Ziel für den Bogenschützen, der den Vorteil der Entfernung ausspielt. Hinzu kommen der Priester, der verwundete Kollegen aufpäppelt, und der Magier, der Feuerbälle ins gegnerische Getümmel schnippt.

Wichtig ist auch der Arbeiter, der nicht nur Abkürzungen auf den Karten freilegen und Leitern zur Belagerung an den feindlichen Mauern positionieren kann, sondern auch Rohstoffe wie Holz oder Stein abbaut, um sämtliche Klassen in der eigenen Basis aufzurüsten. Der Arbeiter wird zum Bombenleger, der Schwertschwinger zum Lanzenträger, der Priester saugt Gegnern Lebensenergie ab und Magier lassen mächtige Eiszauber vom Stapel. Schlicht, aber motivierend.

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Isometrisch: Fat Princess verpackt bekanntes Gameplay in neues Gewand.
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All das funktioniert aus der isometrischen Ansicht mit nur wenigen Tasten zum Angreifen, Aufladen der Attacken und Anvisieren von Gegnern, wobei man nicht unbedingt im tosenden Multiplayer-Tohuwabohu die ersten Schritte wagen sollte. Hier bieten sich die gemächlich ablaufenden, im direkten Vergleich fast schon dösigen Einzelspielermissionen an, die von einer im Märchenstil erzählten Rahmenhandlung zusammengehalten werden – inklusive seitenweise aufgeschlagener Kapitel eines Buchs und „Es war einmal“-Einstieg.

Multiplayer FTW!

Richtig zur Sache geht es erst in Mehrspielerschlachten, wenn sich insgesamt 32 Spieler auf neun Karten um die speckbenackte Fresssüchtige streiten. Oder um Stützpunkte, die im Domination-Modus im Sekundentakt den Besitzer wechseln. Oder eben um schnöde Frags, wenn im Team-Deathmatch-Modus das Blut spritzt. Hier sind nicht nur Koordination und durchs Headset gebrüllte Sätze zur Absprache vonnöten, da Mehrspielerpartien um einiges hurtiger ablaufen, sondern auch ein Blick für die Eigendynamik der Karten.

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Trotz sympathischen Comicstils geht es hier alles andere als zimperlich zur Sache.
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Beispielsweise überschwemmen Lavaströme die Wege, was man nutzen kann, um eine ganze Gruppe von Verfolgern in eine Falle zu locken. An anderen Stellen muss man erst mal Brücken bauen, um klaffende Schluchten zu überqueren, da man andernfalls im Wasser landet und noch schlimmer: unter Umständen stirbt, wenn man sich nicht wieselflink ans Ufer rettet.

Fat Princess ist der augenzwinkernde und comichaft strahlende Beweis dafür, dass altbekannte Mechaniken in neuer Verpackung nicht nur funktionieren, sondern auch richtig Spaß machen können.Fazit lesen

Klingt doch alles herzhaft witzig, oder? Ist es im Grunde auch, aber nur dann, wenn tatsächlich eine Partie zustande kommt. Zum einen ist das Matchmaking so oberflächlich, dass man beim Beitritt gleich in eine Runde hineingeschmissen wird. Zum anderen leidet das Spiel unter Verbindungsabbrüchen wie die adeligen Mädel unter Fettleibigkeit. Seit dem Release vor rund zwei Wochen hat sich an diesem Umstand nicht viel geändert.

Noch heute sucht man sich daumendrückend einen Wolf und freut sich einen selbigen, wenn man nach minutenlangem Hin- und Herspringen durchs PlayStation-Network endlich loslegen kann. Zumindest solange der Host nicht das Spiel verlässt und man wieder im Hauptmenü landet. Dann geht das Ganze von vorne los: der Wolf, der Fuchs und nach etlichen Stunden des Suchens schließlich der Kater.