Autor: Christopher Link

Shooter-Fans kennen es, Shooter-Fans lieben es: »Far Cry« avancierte bei seinem Erscheinen im Jahr 2004 zu einem regelrechten Hit und einer Art Regelbuch, wie moderne Shooter auszusehen haben. Entwickler Crytek, damals vom Nobody quasi über Nacht zum Stern am Entwicklerhimmel aufgestiegen, veröffentlichten einen knallharten Ego-Shooter, der zeigte, dass Konventionen unter anderem in Hinsicht auf das Leveldesign gebrochen werden müssen, um eine glaubhafte Kulisse zu erzeugen und ein spannendes Spiel zu erschaffen.

Da der Erfolg des Spiels geradezu überwältigend war, ließen Konsolenportierungen für die erste Xbox sowie deren Next-Gen-Nachfolger nicht lange auf sich warten. Seit Dezember steht die Wii in den deutschen Regalen. Dank ihrer Innovation in Sachen Steuerung müsste sie folglich nun mit »Far Cry: Vengeance«, der exklusiven Wii-Umsetzung, der Shooter-Reihe neues Leben einhauchen. Ob das stimmt oder wir den Nunchuk lieber gegen die Wand geworfen haben, erfahrt ihr in unserem Review.

Far Cry: Vengeance - Wii Trailer

Ab ins Grüne!
Kein guter Anfang: Protagonist Jack Carver sitzt auf dem unbequemen Hocker einer Strandbar und hat Schulden beim Barkeeper. Ein gutes Zeichen also, als eine durchaus attraktive Frau auf ihn zukommt und ihn zu einem verlockenden Auftrag überredet. Nur zu schade, dass wenige Augenblicke später die örtliche Polizei auftaucht und den lieben Jack in einer nicht sehr freundlichen Geste die Faust auf's Auge drückt.

Far Cry: Vengeance - Echt zum Schreien: Schon wieder ein vermurkster Shooter auf der Wii!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
Wer hat hier Geschnetzeltes bestellt?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Benommen wacht unser Held in einem Polizeiposten auf und muss sich weitere Bekanntschaften der unliebsamen Art gefallen lassen. Dabei weiß er nicht einmal, warum er behandelt wird wie ein Schwerkrimineller. Als die brutalen Wärter für einen Moment abgelenkt werden, nutzt er die Chance und befreit sich von seinen Fesseln. Hier beginnt unser Abenteuer in »Far Cry: Vengeance«...

Wii schön ist das denn?
Die große Frage aller Shooter-Fans: Wie hat »Far Cry« die Portierung und Umgestaltung - bedingt durch das neue Steuergefühl - auf die Wii überstanden? Wie wir meinen: Steuerungstechnisch wahrlich gut! Weg mit der Steuerungsmisere eines »Call of Duty 3«, hier kommt »Vengeance«! Die Fortbewegung mit dem Nunchuk-Controller funktioniert ohne nennenswerte Probleme, dazu gesellen sich die Z- und die C-Taste einmal für einen beherzten Granatenwurf sowie als Aktionstaste. Die Wurfweite bestimmt ihr mit dem Schwingen des Nunchuks in der Luft. Die Zielerfassung bei Waffen aller Art übernimmt die Wiimote-Fernbedienung.

Far Cry: Vengeance - Echt zum Schreien: Schon wieder ein vermurkster Shooter auf der Wii!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
Gras, Gras... und da ein Gegner - so verhält es sich die ganze Zeit.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im ersten Moment mag man damit zwar keine ordentlichen Treffer landen. Mit zunehmender Spielzeit geht die etwas zu sensible Steuerung jedoch in Fleisch und Blut über, bis man sich schließlich fast fehlerfrei durch die tropischen Umgebungen bewegt. Nett gelöst ist auch die Zoomfunktion: Hierfür stößt man die Wiimote kurz um ein Stück nach vorne. Ein erneuter Stoß sorgt wieder für die normale Ansicht.

Ich geb Gas, ich hab Spaß... oder doch nicht?
So gut das Handling zu Fuß klappt, so ärgerlich ist es jedoch wenn man die Kontrolle eines Vehikels übernimmt. Fahrzeuge werden nämlich komplett mit dem Stick des Nunchuk-Controllers gesteuert, was hier eine eher suboptimale Lösung darstellt. Ständig bleibt man an irgendwelchen Objekten hängen, eine unbeschwerte Fahrt ist nahezu nicht möglich.

Sonst ist eigentlich fast alles beim Alten geblieben: Nach wie vor laufen wir vor dem Hintergrund einer tropischen Postkartenidylle durch die Gegend, erlegen reihenweise Gegner und lüften das Rätsel um die geheimnisvolle Femme fatale am Anfang sowie den Grund unserer Verhaftung. Dabei verlassen wir uns auf den Schutz, den die Natur uns bereitstellt. Bäume und Büsche dienen als hervorragende Tarnungsmöglichkeit auf unserer Jagd. Das Run-and-Gun-Prinzip funktioniert nur selten, da die überwältigende Anzahl an Gegnern Möchtegern-Rambos schnell den Strick um den Hals zieht.

Invasion of the fucking stupid Lemmings
Und da mögen sich die KI-Feinde oft noch so bescheuert anstellen, zielen können sie auch auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad erstaunlich gut. Übertönen kann dies die gravierenden KI-Schwächen jedoch zu keiner Zeit. Eure Widersacher reagieren zuweilen überhaupt nicht, obwohl wir direkt neben ihnen einen weiteren Terror-Lemming abschießen. Und da sie dies nicht zu jucken scheint, verpassen wir ihnen eben auch noch eine Kugel, so ist das.

Far Cry: Vengeance - Echt zum Schreien: Schon wieder ein vermurkster Shooter auf der Wii!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
Unsere Predator-Leiste ist voll - auf Knopfdruck dürfen wir uns in einen zugedröhnten Junky verwandeln.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch das Waffenarsenal blieb grundlegend unangetastet. Eine Machete, eine ordentliche Pistole oder ein Revolver sowie eine MP. Damit lässt es sich im Dschungel gut leben und überleben. Dazu gesellen sich noch Schießprügel wie ein Scharfschützengewehr, eine Schrotflinte, Granaten, und so weiter und so fort. Wir sind ja nicht bescheiden, wenn es ums Ballern geht.

Für cholerische Leute gibt es dann noch den so genannten Predator-Modus. Dieser kann aktiviert werden, sobald sich der dafür verantwortliche Balken durch Kopfschüsse und erfolgreiche Machetenhiebe bis zum Maximum gefüllt hat. Durch Knopfdruck mutiert Jack dann zur wilden Bestie, hat einen Affenzahn drauf, kann höher springen und nebenbei noch mehr Schaden anrichten. Ein nettes Gimmick, durch die verzerrte Sicht allerdings nur eingeschränkt für den Einsatz zu empfehlen.

Zu zweit ist es nicht immer am schönsten!
Richtig geschlampt haben die Entwickler beim angeblichen Mehrspielermodus, der eigentlich Mehr-als-ein-Spieler-Modus heißen müsste. Im Klartext heißt das, dass euch lediglich Splitscreen-Matches in den Modi »Chaos« (mit anderen Worten Deathmatch) oder im Predator-Game für eine maximale Spieleranzahl von sage und schreibe zwei Personen (!) zur Verfügung stehen. Wenn das nicht schon hart genug wäre, dann geben die lustlos wirkenden Karten dem müden Häppchen alias Multiplayermodus den Rest.

Far Cry: Vengeance - Echt zum Schreien: Schon wieder ein vermurkster Shooter auf der Wii!

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/5Bild 2/61/6
Wenigstens die Explosionen können begeistern. Ansonsten ist Far Cry: Vengeance optisch eher mau.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Grafisch bewegt sich »Far Cry: Vengeance« auf dem Niveau eines leicht aufpolierten Gamecube-Shooters. Auch wenn die Wii ihre technischen Leistungsgrenzen nicht verbergen kann, wäre optisch wirklich mehr drin gewesen. Verwaschene Texturen, billig wirkende Waffen- und Spielermodelle sowie hässliches Wasser zeugen nicht gerade von der Umsetzung eines Top-Shooters.

Dass »Vengeance« aber dennoch ein ansprechendes Inselflair auf den Bildschirm zaubern kann, liegt unter anderem an der stimmigen Vegetation mitsamt traumhaft schöner Strände und einem - trotz durchschnittlicher Grafik - Panoramablick, den wir schon aus dem Original kennen. In akustischer Hinsicht sieht es hingegen schon um einiges besser aus. Knackige Schusseffekte, ein dynamisch komponierter und sehr gelungener Soundtrack mit karibischem Touch sowie eine ansprechende deutsche Synchronisation lassen die an sich karge optische Seite schon beinahe vergessen. Etwas stutzig machten uns jedoch die manchmal abgehackt wirkenden Stimmen, zum Beispiel in hitzigen Feuergefechten.