"Vielleicht nicht das beste, aber das mutigste Far Cry – und immer noch ein richtig gutes Spiel." - Gregor Thomanek

Auch wenn Ubisoft es gelegentlich gern so darstellen würde: Erwartet hier kein knallhartes Survival-Spiel. Primal ist vielmehr die gediegene Samstagabendversion davon, ein auf Zugänglichkeit getrimmtes Steinzeitabenteuer mit Wegweiser-Sicherheitsnetz und Wohlfühlgarantie. Daran ist per se wenig auszusetzen, zumal handwerklich mehr als kompetent gemacht.

Der Far-Cry-Schriftzug steht da nicht ganz zufällig auf der Box, ganz im Gegenteil: Von den fehlenden Schusswaffen einmal abgesehen, ist das hier sogar die destillierte Essenz einer Serie, die sich über ihre Wildheit, ihre Natur definiert und aus uns wieder den Jäger und Sammler machen will, der noch irgendwo in unseren Genen angelegt ist. Insofern ist das ein match made in heaven.

Und, Applaus hierfür, Ubisoft nutzt diese Epoche nicht als puren Selbstzweck oder nur der hübschen PR (2767453) wegen, versucht vielmehr, diesem historischen Kontext ein sinnvolles Spielgerüst überzustülpen und verzichtet vollends auf doppelte Böden wie Zukunftsvisionen. Doch diesem durchaus hehren Vorhaben sind nun mal Grenzen gesetzt und auf einige davon stoßt ihr eher früher als später. Wer sein Spiel vorwiegend um Nahkämpfe herum aufbaut, sollte vielleicht sicherstellen, dass diese auch ein Mindestmaß an Anspruch mitbringen; Missionsdesign ist ebenfalls keine Stärke der Steinzeitmenschen.

Es liegt ganz an euch und euren Vorlieben. Ich für meinen Teil hatte eine tolle Zeit in Oros und bereue keine Minute, die ich, auf meinem Säbelzahntiger reitend, staunend durch die Prärie gepirscht bin. Nur wird aus anfänglicher Faszination bald Routine und wer diese mit Langeweile oder gar Arbeit gleichsetzt, wird hieran nur wenig Freude haben.

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Far Cry Primal ist für PS4, Xbox One und seit dem 01. März 2016 für PC erschienen. Jetzt bei Amazon kaufen.

Far Cry Primal - Üppige Eindrücke aus der Steinzeit

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Pro

  • Trotz schwieriger Umstände ganz nette Charaktere
  • Viele coole Momente
  • Tolle Tierwelt
  • Reduzierter, aber sehr cooler Soundtrack
  • Sehr hübsch anzusehen, stabile Technik
  • Unheimlich dichte, glaubwürdige Welt
  • Mutige historische Epoche, die sinnvoll genutzt wird

Contra

  • Sammel- und Beschäftigungswahn
  • Dürftiges Missionsdesign mit immergleichem Ablauf
  • Nahkampfsystem viel zu simpel
  • Hauchdünne Handlung

Grafik

Richtig schick, um nicht zu sagen ein animierter Reisekatalog. Das technische Gerüst war nie ein Problem dieser Serie und Primal ist viel daran gelegen, dass es auch so bleibt. Ubisoft Montreal treibt die Konsolen ganz gut an ihre Grenzen, ohne über selbige zu gehen und webt ein unheimlich dichtes Netz aus Flora, Fauna und Lichtspiel. Weder auf PS4 noch Xbox One ist das das Maß aller Dinge, zumindest für ein Multiplattformgeschichte aber durchaus nah dran.

Sound

Von wenigen Ausnahmen abgesehen aufs Nötigste reduzierte Buschtrommeln und dergleichen, also richtig gutes Zeug, das man nun auch nicht alle Tage hört. Aus den sonnengegerbten Steinzeitmündern sprudelt zudem eine zwar fiktive, aber glaubhafte Lautsprache.

Gameplay

Das Gute: Es ist Far Cry. Das Schlechte: ohne Schusswaffen – und damit ein aufs notdürftige (Nah-)Kampfsystem heruntergedampfter Gar-nicht-mal-so-sehr-Shooter, dem ein komplexeres System aus Blocks und Kontern gut zu Gesicht gestanden hätte. Takedowns und andere Spezialmanöver fetzen aber auch in der Steinzeit, das Hantieren mit den Raubtieren ebenfalls. So wahnsinnig viel mehr dürft ihr dann auch nicht erwarten.