Bisweilen wird dieser Art Videospiel ihre größte Stärke zum Verhängnis und in gewisser Weise ist das hier so ein Fall. Die größtmögliche Freiheit einer offenen Welt birgt immer auch gewisse Risiken, von denen Leerlauf noch das kleinste Übel ist. Far Cry 4 hat für viele von euch aber ein anderes Problem: Ihr habt es bereits gespielt.

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Publisher haben gemeinhin ein großes Interesse an klar strukturierten, durchgetakteten Präsentationen ihrer Spiele – nichts, was man ihnen verdenken könnte. Jeder will sich von seiner Schokoladenseite präsentieren, Vorzüge auf dem Silbertablett darbieten und unberechenbare Variablen weitestgehend eliminieren.

Insofern war Ubisofts Far-Cry-4-Präsentation ein mutiges Unterfangen und keckes Blinzeln Richtung eigener Qualitätssicherung gleichermaßen. Wer von seinem Spiel nicht überzeugt ist, wird den Teufel tun, es meckernden Redakteuren in einem unkontrollierbaren Rahmen in die Hände zu drücken.

Far Cry 4 - Elefanten allein machen noch keine Fortsetzung, sind aber ein guter Anfang

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Elefanten zertrampeln Gegner und alles, was ihnen vor die Füße kommt. Wenn das mal kein Verkaufsargument ist.
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So geschehen vergangenen Freitag in Düsseldorf und gern würde ich behaupten, Ubisofts selbstbewusste Geste hätte sich vollends gelohnt. Erstmals wurde das Gatter nicht nur einen Spalt breit geöffnet, sondern für sportliche vier Stunden vollständig aufgesperrt, inklusive riesiger Spielwiese und aller Unwägbarkeiten, die damit nun mal einhergehen.

Weniger diejenigen technischer Natur, von denen die aus Mitte September stammende Spielversion ohnehin nicht übermäßig viel oder wenig für sein Genre und Produktionsfortschritt aufwies. Klar müssen an dieser Front noch einige Bügelfalten geglättet werden; ohne diesen enormen Mehraufwand geht es bei Spielen wie diesen nun mal nicht. Vieles davon dürfte inzwischen ohnehin obsolet sein, der gröbste Rest folgt binnen der nächsten Wochen. Um ein paar kleinere Aktualisierungen werden wir aber auch hier nach der Veröffentlichung wohl nicht umhin kommen.

Packshot zu Far Cry 4Far Cry 4Erschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Die Qual der Wahl

Ein letztes „We hope you enjoy our game. Have fun with Far Cry 4!“, plötzlich beginnt der vierte Teil einer Serie, die sich nach ihrem PC-exklusiven Start vor ziemlich genau zehn Jahren mehrmals häutete und nun den bislang konsequentesten Nachfolger erhält. Irgendwo bei rund neun Prozent Spielfortschritt schmeißt uns die PlayStation 4 ins Geschehen, konkret vor eine einzunehmende Siedlung. Hier habt ihr Pfeil und Bogen, eine kleine Pistole und einen Strauß an Möglichkeiten – macht was draus, Freunde.

Far Cry 4 - Elefanten allein machen noch keine Fortsetzung, sind aber ein guter Anfang

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Far Cry 4 präsentiert sich optisch etwas abwechslungsreicher als sein Vorgänger, ähnelt ihm aber doch sehr.
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Es ist der exemplarische Beginn für die folgenden vier Stunden. Während die Konsole bei einigen Redakteuren noch eifrig Daten in den Speicher schaufelt, sind andere längst dabei, ihre eigene Geschichte zu schreiben. Bereits der simple Auftrag des „Niete innerhalb dieses Gebiets alles um, was dir vor die Flinte kommt“ provoziert die verschiedensten Reaktionen und damit Stärken sowie Schwächen von Far Cry 4 zugleich.

Der Kollege neben mir versucht's eher rabiat, erschießt den ersten armen Tropf noch aus dem Hinterhalt, um anschließend mit dessen Bleispritze einen auf Rambo zu machen. Die Bösen fallen wie die Fliegen, das Gebiet ist eingenommen, Mission erfüllt.

Kompetent gemachter, toller Nachfolger, der seinem Vorgänger jedoch bislang noch eine Spur zu ähnlich sieht.Ausblick lesen

Ich hingegen rutsche von meiner Anhöhe aus etwas tollpatschig den Hang vor mir hinab, lande auf meinem Hosenboden, ferner in einem Elefantenkäfig. Ein Schuss mit Pfeil und Bogen knackt das Vorhängeschloss, der Elefant schaltet in den Rage-Modus, marschiert tobend durch die Reihen seiner Entführer, zertrampelt eine paar von ihnen, den Rest übernehme ich hinterrücks im Schutz des Radaus selbst. Das Gebiet ist eingenommen, Mission erfüllt.

Mit Elefanten gegen böse Buben

Als die vier Stunden vorbei waren, hatten wir alle unsere eigenen Geschichten zu erzählen, schwärmten von malerischen Aussichten, von dieser einladenden Welt und schimpften über ihre gelegentliche Beliebigkeit. In einem offenen Abenteuer wie diesem werden Spieler nicht mit der Nase voran in geskriptete Sei-jetzt-möglich-betroffen-Sülze gedrückt und ich weiß Ubisofts Entscheidung zu schätzen, der Versuchung zu widerstehen, uns statt vor eine Reihe vorgeschriebener Abschnitte an der langen Leine durch ihr Großprojekt marschieren zu lassen.

Wir alle haben dabei unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, deutlich mehr gute als schlechte, gar keine Frage. Ohne Kontext und einem geschichtlichen Rahmen fühlte ich mich jedoch oft ein Stück weit verloren im Meer der unendlichen Möglichkeiten. Far Cry 4 will euch möglichst wenig vorschreiben – ein Vorsatz, für den man es im Zeitalter von geradliniger Einbahnstraßenunterhaltung gar nicht genug loben kann –, meint es allerdings unter Umständen eine Spur zu gut. Wann wird eine offene Welt nicht mehr nur frei, sondern beliebig?

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Auf dem PC wird das grafisch ein Brett, auf PS4 und Xbox One aber immer noch sehr ordentlich.
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Es ist dieselbe Debatte wie vor zwei Jahren, als der größte Unterschied noch die Konsolen waren, auf denen wir Far Cry spielten. Die 4 im Titel fügt dem gewaltigen Konstrukt von damals wenig hinzu, bringt die Konsolenversionen zumindest technisch einen großen Sprung nach vorn, näher an den überragenden PC-Eindruck, ohne aber jemals wirklich auf Augenhöhe zu sein.

Der Rest ist vor allem mehr vom Selben, nur eben vor unverbrauchter Himalaya-Kulisse statt malerischem Inselparadies. Der vierte Teil zeigt sich aber verspielter, deutlich facettenreicher als sein immergrüner Vorgänger. Die ersten Spielstunden werdet ihr vorrangig in einem ähnlichen Postkartenmotiv wie 2012 wildern, euch durch kräftige Flora und Fauna kämpfen, Blümchen sammeln und Taschen aus Tierhaut herstellen. Später schaltet das Spiel dann einen Gang hoch, lässt euch unter lebensfeindlichen Bedingungen an verwitterten Bergen emporkraxeln und in mystischen Gebieten mit weißem Tiger einen auf Siegfried und Roy machen. Ihr solltet nur nicht erwarten, am laufenden Band Impressionen zu Gesicht zu bekommen, wie sie auf dem offiziellen Bildmaterial zu sehen sind.

Far Cry 4 - Elefanten allein machen noch keine Fortsetzung, sind aber ein guter Anfang

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Hallo, Ich-bin-genauso-psycho-wie-mein-Vorgänger-Bösewicht. Bis auf den E3-Ankündigungs-Trailer hat man dich kaum zu Gesicht bekommen.
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Ansonsten werdet ihr ähnliche Verkaufsargumente wie damals zu hören bekommen und die meisten von ihnen ziehen auch heute noch verdammt gut. Eine Handvoll Neuerungen gibt es, Karma-Missionen und vieles im Detail wie die gern zu Werbezwecken bemühten Elefanten, die das eigentliche Spielgefühl aber nicht derart bereichern oder gar verändern, wie es Ubisoft vielleicht gern hätte.

Am Ende wird Far Cry 4 ein besserer dritter Teil, was ganz sicher keine schlechte Sache ist, wenn es nach mir geht. Ich hatte jede Menge Spaß in der Haut von Jason Brody und müsste lügen, wenn ich sagen würde, es wäre dieses Mal anders. Wenn sein Nachfolger allerdings im Laufe des Spiels nicht noch ein paar neue Eigenschaften mitbringt, könnt es diesmal ein kurzes Vergnügen werden, denn so viel Freude mir Far Cry 3 auch bereitet hat: noch einmal muss ich es nicht spielen.