Für ein Spiel, das seinen neurotischen Antagonisten ausgerechnet vor den schneebedeckten Ausläufern des Himalaya-Gebirges posieren lässt, hat Far Cry 4 über seine üppige Spielzeit hinweg nie große Anstalten gemacht, dieses eine Versprechen einzulösen: Schnee. Gibt's nun mehr als genug, endlich, außerdem noch dutzende Yetis obendrauf und eine vage Idee dessen, wie das hier von Anfang an hätte aussehen können, nicht unbedingt sein müssen.

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Nun ist Ubisofts Postkarten-Schießbude nicht unbedingt der Inbegriff einer Geschichte mit offenem Ende und auch kein Spiel, dem es an viel gefehlt hätte, aber irgendwie muss es ja weitergehen – ihr wisst das so gut wie die Entwickler, die sich mit „Tal der Yetis“ jetzt ein letztes Mal eine Legitimation für die moderne Geißel namens Season Pass aus den Fingern saugen mussten. Die eher magere „Flucht aus dem Durgesh-Gefängnis“ gab es ein paar Wochen zuvor, außerdem zwei Inhaltspakete für Freunde eines Mehrspielertollhauses, an dem es bis auf „Sah im dritten Teil doch schon genauso aus“ nicht viel auszusetzen gibt (was, machen wir uns nichts vor, auch auf das Solo-Spiel dahinter zutrifft).

Dieser zusätzliche Gigabyte reiht sich anstandslos in diese „Ist schon okay“-Liste ein, qualitativ hinter dem letztlich doch richtig ordentlichem Hauptspiel und vor den anderen Erweiterungen, von denen ihr keine unbedingt gespielt haben müsst. Gilt genau genommen auch für diese hier, selbst wenn ihr mit Schnee unter den Füßen und Yetis vor der Flinte noch am besten für euer Season-Pass-Geld unterhalten werdet.

Far Cry 4 - Das Tal der Yetis - Reinhold-Messner-Edition

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Moment, sind Yetis nicht eigentlich weiß?
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Zu viel Spiel für zu wenig Spielzeit

Tal der Yetis macht ein paar Dinge anders als Far Cry 4 und einige davon richtig ordentlich. Zuerst sind da vor allem fadenscheinige Hintergründe und der einführende Helikopterabsturz, bei dem sich unser Held wider Willen einmal zu oft den Kopf angestoßen hat. Auf der Suche nach seinem Intellekt und einem richtigen Plot läuft Ajay „Was für kranker Scheiß!“-stammelnd durch schneeweiße Landschaften, findet statt seiner Zunge aber nur ein paar der bereits bekannten Waffen (neue gibt’s leider nicht) und macht damit, was er nun mal am besten kann.

Die durch den zwangsläufigen Ausrüstungs-Stipdease und ruhigen Beginn angedeutete Möglichkeit des ruhigeren Vorgehens lässt Ubisoft zugunsten der bereits bekannten Action liegen, spült euch lieber dieselben Gegnerwellen vor die Füße wie im November vergangenen Jahres und macht damit erst mal wenig anders als zuvor. Dann nehmt ihr eure erste und einzige kleine Festung ein – und die Sache mit den Gegnerwellen wird plötzlich wörtlich genommen.

Packshot zu Far Cry 4Far Cry 4Erschienen für PC, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Aus dem Ego-Shooter wird nicht plötzlich ein Tower-Defense-Spiel, aber Ubisoft hat durchaus in diese Richtung geschielt, als sie mit dem Konzept einer ausbaufähigen Basis das größte Verkaufsargument dieser Erweiterung implementierten. Ihr gebt eure Kröten für ein paar Minen im Südbereich aus und pflanscht eine MG-Stellung an die Nordseite, um anschließend ein bisschen Unterstützung bei der Verteidigung eures trauten Heims zu haben, wenn ihr nach jeder der Handvoll DLC-Mission hierher zurückkehrt, um einen neuen Ansturm böser Buben abzuwehren.

Gute und sinnvolle Erweiterung, die allerdings zu viel Spiel in zu wenig Spielzeit presst.Fazit lesen

Das Problem dabei ist weniger, dass ihr mit alledem nach drei Stunden abgeschlossen habt oder ihr die Zahl der Erweiterung beinahe an zwei Händen abzählen könnt. Das Tal der Yetis ist eine ordentliche Nummer und ein prima Lückenfüller, aber auch ein auf das Nötigste zusammengeschrumpftes Far Cry 4 ohne langfristige Ziele. Nach zwei Missionen habt ihr eure Basis beinahe vollständig aufgepumpt, danach sind ein paar „Bringe Gegenstand X von A nach B“-Nebenmissionen alles, was neben den überschaubaren Hauptmissionen noch auf eurer Agenda steht. Sagen wir's mal so: Der Basisausbau ist eine richtig nette Idee, nur keine, die man unbedingt in drei Stunden Spielzeit hätte quetschen müssen.

Far Cry 4 - Das Tal der Yetis - Reinhold-Messner-Edition

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Tagsüber erledigt ihr normale Missionen, nachts verteidigt ihr eure Basis gegen Gegnerwellen. Ihr seid quasi der Batman des Himalaya.
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Flutscht aber alles gut in dieser Zeit, immerhin. Längen oder Durchhänger sind keine Probleme dieser Erweiterung, auch wenn die titelgebenden Yetis erst etwas lieblos eingeführt, dann gnadenlos verheizt werden und ihr immer wieder mal merkt, dass sich das Konzept Far Cry nur schwerlich über diese Art DLC stülpen lässt, dass immer wieder Kompromisse an Stellen eingegangen werden, die so nicht notwendig gewesen wären.

Dann fliegt das „Finde Materialien, um deine Taschen zu vergrößern“-Gerüst eben raus, wenn es hier nicht tragbar ist, wen juckt's? Stattdessen werdet ihr zum Geocacher zwangsdegradiert, immer auf der Suche nach Kisten, die nun neben verhökerbarem Gelöt auch Tierfelle beinhalten, die ihr im Hauptspiel noch selbst jagen musstet. Wären die Yetis um diese und ähnliche aus der Vorlage übernommenen, hier deplatzierten Altlasten befreit und allgemein gestrafft worden, hätte ich weniger zu meckern und wir alle noch eine Ecke mehr Spaß gehabt. Schade drum. Ein guter DLC bleibt's aber trotzdem.