Es ist doch immer das Gleiche. Kaum will man mit ein paar Freunden den Urlaub seines Lebens genießen und der Partysucht frönen, da wird man auch schon von einigen Piraten gefangen genommen, in einen kleinen Käfig gesteckt und als Geisel gehalten. Es mag nicht viele Gründe geben, warum eine Geschichte in einer wilden Orgie der Gewalt enden darf, aber das hier auf jeden Fall ein guter.

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So viel zu tun und so wenig Zeit

Was dem Protagonisten Jason Brody in Far Cry 3 passiert, kann man gelinde gesagt als Albtraum bezeichnen. Zum Glück ist sein Bruder bei den Marines und weiß, wie man sich in so einer Situation verhält. Wer jetzt an „Lage sondieren, eine Taktik vorbereiten und einen kühlen Kopf bewahren“ denkt, liegt meilenweit daneben.

Jeder, der schon einmal einen Actionkracher aus Hollywood gesehen hat, weiß, was jetzt passieren muss. Der Marine von einem Bruder befreit uns heldenhaft, wir schleichen todesmutig durch das feindliche Lager und erweisen uns als die geborenen Guerilla-Krieger. Doch, oh Schreck, wir werden erwischt. Was dann passiert, ist eine ordentliche Portion Kino-Klischee, ganz viel Geballer und jede Menge Spoiler-Alarm.

Das Ende der Geschichte: Ihr habt eine packende Flucht überlebt und seid bei genau den Leuten untergekommen, die schon seit Jahren gegen die Piraten kämpfen. Und, wer hätte das gedacht, sie haben nur auf euch gewartet. Den Krieger, der verbissen für die Befreiung seiner restlichen Freunde kämpft und die Eingeborenen der Insel zu einem längst überfälligen Sieg führt.

Far Cry 3 - Tropische Inseln. Schöne Frauen. Und ganz viel Blut.

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Willkommen beim Widerstand.
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Nach dem ersten Mal Selberspielen, nachdem ich die ersten Gebiete der Insel erkundet habe und meine ersten Prüfungen bestanden, wird eines deutlich: Der Schwerpunkt liegt auf einem grandiosen Erlebnis und einem gewaltigen Grad an Möglichkeiten. Aber ganz sicher nicht auf einer tiefgründigen Geschichte und realistischen Wendungen.

Das ist aber auch gar nicht nötig, zumindest hatte ich die ganze Zeit über kein Problem damit, im Grunde eine 80er-Jahre-Film-Idee nachzuspielen und dabei mit Unsinnigkeiten bombardiert zu werden. Denn was wirklich zählt, sind der Spaß und die Möglichkeit, mich in meinen Charakter hineinversetzen zu können. Und beides ist gegeben. Außerdem packt die Geschichte trotzdem und man fühlt sich ständig wie ein Gefangener in einem spannenden Thriller. Man muss halt nur in der Lage sein, manche Dinge auszublenden.

Packshot zu Far Cry 3Far Cry 3Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Und wer würde nicht alles geben, um seine Freunde zu befreien und den Piraten in den Arsch zu treten? Vor allem, wenn es sowieso keine Möglichkeit gibt, die Behörden zu informieren oder mit eingezogenem Schwanz das Weite zu suchen. Also gibt man sich so heroisch wie möglich und stellt sich bei seinen ersten Versuchen besser an als manch Actionheld mit Großkalibergewehr.

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Im Dschungel ist die Hölle los.
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Viel falsch machen könnt ihr dabei auch eigentlich gar nicht. Euer nächster Zielpunkt ist fest vorgegeben und wenn ihr ab und zu den Hauptpfad verlasst und ordentlich an Erfahrung sammelt, seid ihr euren Feinden ein gebührender Gegner. Es gilt eine wunderschöne und detaillierte offene Welt zu erkunden, massenweise Nebenmissionen abzuhaken und ständig neue Dinge zu erlernen.

Toller Mix aus Shooter und Rollenspiel in beeindruckender Grafik. Doch die Hauptmission schwächelt etwas.Ausblick lesen

In diesem Bereich, also überall dort, wo etwas abseits der eigentlichen Hauptmission abläuft, kann Far Cry 3 bis jetzt am meisten punkten. Hier ist die Authentizität versteckt, vor der sich die Hintergrundgeschichte noch zu fürchten scheint. Nicht im Suchen unserer Freunde und auch nicht im Erobern von Piratenlagern, die danach zu verbündeten Dörfern werden und unseren Einfluss auf der Insel demonstrieren. Sondern in allem, was mit eigenen Entscheidungen zu tun hat.

Entscheidungen wie: Stürme ich das Lager jetzt wie ein Rambo für Arbeitslosenhilfeempfänger oder schleiche ich mich hinter die feindlichen Reihen und erledige so viele Mistkerle wie möglich, bevor ich entdeckt werde? Falls ich entdeckt werde. Wenn alles schiefgeht, erhaltet ihr zum Glück Unterstützung von euren Rebellenfreunden. Aber Vorsicht: Feinde können auch Alarm schlagen und plötzlich grinst ihr in den Lauf eines schweren MGs, montiert auf einen alten, roten Jeep.

Shooter oder Rollenspiel?

Zwar gibt es auf der ganzen Insel gutgelaunte Rebellen, die uns mit einem Lächeln im Gesicht und einer Ak-47 im Anschlag Massen an Munition und Waffen verkaufen, aber um alles andere müssen wir uns selbst kümmern.

So müsst ihr euch eine Geldbörse aus der Haut eines Tieres nähen, um eure Belohnungen und das gefundene Bare zu verstauen. Ihr müsst euch immer größere Rucksäcke und Munitionsbeutel basteln, um den ganzen Kram unterzubringen, und beständig eure Fähigkeiten trainieren, um den Piraten einen ordentlichen Kampf liefern zu können.

Das alles wirft zwar die Frage auf, warum ich mir im Dorf nebenan Waffen und Munition in Größenordnungen kaufen kann, um eine ganze Kleinstadt zu erobern, aber nicht einen verdammten Rucksack finde. Doch auf der anderen Seite unterstützt dies den Bedarf, mehr in Richtung Überlebenskampf zu gehen, und festigt damit das Spielerlebnis.

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Hinrichtungen von Zivilisten? In Far Cry 3 geht's brutal zu.
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Und genau hier liegt der größte Kontrast des Spiels. Auf der einen Seite nähe ich mir meinen Kram selbst und erlerne sinnvolle Fähigkeiten, die den Protagonisten zu keinem Übermenschen, sondern einem geschickten Kämpfer machen, und auf der anderen Seite fahre ich Quad-Zeitrennen durch feindliche Gebiete und erobere Stützpunkte beinahe im Alleingang.

Trotzdem. Gerade dieses Gefühl der Freiheit und Hunderter Möglichkeiten machte das Spielerlebnis zu etwas ganz Besonderem. Es macht einfach Spaß, immer neue Fähigkeiten zu erlernen, mit einer alten Klapperkiste über die Insel zu brettern und dabei zuzusehen, wie man Stück um Stück die Insel erkundet und zurückerobert.

Die Zukunft wird zeigen, ob das Spiel auch über längere Zeit begeistern und immer wieder neue Inhalte aufbringen kann oder schon nach wenigen Stunden aufgewärmte Ideen verarbeitet und sich in Wiederholungen verliert. Eine ganze Insel voller Inhalte, Tiere, Piraten, Freiheitskämpfer, Dörfer und Dschungel, das sollte mehr als genug Stoff liefern.

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Ein Thriller wie aus Hollywood.
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Ebenfalls auf nächsten Monat müssen wir warten, wenn es um die Frage der Grafik auf den Konsolen geht. Was die PC-Version angeht, dürfen sich primär Grafikorientierte schon mal freuen: Es sieht fantastisch aus. Wenn die Sonnenstrahlen im Meer reflektiert werden, die Grashalme im Wind schaukeln und ein Schmetterling im Kampf an uns vorbeiflattert – das ist zwar ziemlich kitschig, sieht aber auch verdammt gut aus.

Abgesehen von einzelnen Clipping-Fehlern gab es beim ersten Anspielen nichts zu meckern. Das Gleiche gilt für den Sound: knackige Explosionen, ein Soundgewitter bei jedem Schuss und anständige Synchronsprecher, die zumindest im Englischen ihren Job ernst nehmen und nicht wie gelangweilte Aushilfs-ARD-Schauspieler klingen.

Abgesehen von diesen deutlichen Pro- und Kontrapunkten kann Far Cry 3 vor allem damit auftrumpfen, dass es sich nicht wirklich in eine Schublade stecken lässt. Zum einen hat man zwar eine gerade Linie, der man folgen muss, zum anderen auch Unmengen an Entscheidungsfreiheiten, zumindest was das Erkunden und Nebenmissionen angeht.

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Eure Verbündeten stehen euch mit Rat und... Tat zur Seite.
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Gleichzeitig verschwimmt die Linie zwischen Shooter und Rollenspiel ein kleines Stück mehr und macht den Weg frei für neue Erfahrungen. So ist der Tropen-Shooter zwar eindeutig genau das: ein Shooter. Jedoch wiegt der Teil, der Leveln, Crafting und andere rollenspieltypische Inhalte unterstützt, zu schwer, als dass man ihn ignorieren könnte.

Dazu gehört auch die Welt um uns herum. Denn die ist alles andere als tot. Die Piraten machen ihre Runden und patrouillieren in ihren Gebieten. Einheimische in Dörfern gehen Beschäftigungen nach und Tiere durchstreifen die Wildnis. Wer da seine Umgebung aus den Augen verliert, bekommt ganz schnell große Probleme.

Sei es in Form von Gegnern, die euch erkennen und angreifen, Bären, die euch als Mittagshappen auf zwei Beinen ansehen, oder die Landschaft selbst: mehr als unschön, wenn man nicht aufpasst und eine Klippe herunterfällt...