„Far Cry 3“ ist in Spielkultur gegossener Wahnsinn. Es ist ein Psychothriller für Xbox 360, PS3 und PC, der uns auf der E3 einfach nur weggeblasen hat. Einfach, weil es so anders ist, weil es immer wieder eingefahrene Shooter-Regeln hinterfragt. Weil es uns förmlich schwitzen lässt, wenn uns ein durchgeknallter Kerl namens Vaas anschreit.

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„Drück ab! Verdammte Scheiße, drück ab!“, brüllt er uns an, und dann ist da wieder diese Unsicherheit. Würden wir ihn wirklich töten? Den Wahnsinnigen? Den Kerl, der vor wenigen Stunden einen unserer Freunde einfach so erschossen hat. Aus Spaß, in einer Art russischem Roulette bei der man nur verlieren kann?

„Far Cry 3“ erzählt von einem Urlaubstrip, der feucht fröhlich mit guten Freunden auf einer Insel beginnt und in einem Horror-Trip endet. Ein Spiel, das uns zittern ließ.

Jason auf der Flucht

Ubisoft Montreal zeigt sich gleich zu Beginn als Meister der Überraschung. So avanciert Jason offensichtlich vom Gejagten zum Jäger. Er wird verehrt als großer Krieger von einem einheimischen Stamm. Vor der Kamera schäkert eine Einheimische umher, streichelt uns als Jason Brody. Sie zeigt auf unsere Tattoos und sagt: „Du bist jetzt einer von uns. Ein großer Krieger. Jeder, der gegen dich kämpft, wird sterben“.

Eine ganze Armee an Kriegern steht uns gegenüber und skandiert für ihren militärischen Führer. „Vaas must die“ – „Vaas muss sterben“, schwört er sie ein. Jason scheint der Auserwählte zu sein, der den einheimischen Stamm gegen ihre Unterdrücker und Mörder in den Krieg führt. Hunderte haben die Milizen unter Vaas Kommando getötet, jetzt folgt die Rache.

Far Cry 3 - Der pure Wahnsinn!

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Sex aus der Ego-Perspektive? Far Cry 3 hat manche Überraschung zu bieten.
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Doch dann folgt eine Rückblende, sehen wir Jason wieder alleine in Aktion. Es wird hell, die Sonne scheint, die Insel scheint das Paradies zu sein. Wir springen von einem Berg in die Tiefe, tauchen ab ins kühle Nass ... und sehen, wie da vorne an einem Pier drei Menschen ins Wasser geworfen werden. Die Miliz wütet noch immer, tötet alles und jeden, jagt gar Frauen. Jason greift an, zieht den Schlächter vom Steg. Der schlägt um sich und wir töten ihn mit einem gezielten Messerstich ins Herz.

Packshot zu Far Cry 3Far Cry 3Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Dummerweise entdecken dessen Kollegen das Blut im Wasser, wollen gerade Alarm schlagen. Also schnell raus, Wurfmesser in den Bauch des ersten, hin sprinten, Messer rausreißen und damit den zweiten abstechen. So geht es immer weiter. Wir springen wie Sam Fisher in „Splinter Cell: Blacklist“ von Hütten und landen direkt auf dem Gegner. Oder packen das Kampfmesser aus und stürzen uns aus großer Höhe auf einen der Milizen und rammen ihm maximaler Wucht die Waffe in den Rücken. Auch Pfeil und Bogen lernt Jason zu beherrschen. Die Betonung liegt auf „lernt“....

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Jason, ein normaler Touri? Wir tippen eher auf einen militärischen Hintergrund.
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Anfänger morden blutig

Ubisoft will „Far Cry 3“ eine gewisse Authentizität verleihen. So verlaufen die Einsätze in einer Art Tagebuchform. Zu Beginn ist Jason noch unsicher, „er mordet wie ein Anfänger“, wie es Producer Dan Hay beschreibt. Die ersten Tötungen haben eher etwas mit dem Niederringen eines verwundeten Tieres zu tun als den quasi-professionellen Kills, die wir auf der E3 erleben. Hier ist Jason längst auf dem Level eines Sam Fisher angekommen, beherrscht sein Messer genau so gut wie die Ak 47 oder auch den Bogen, mit dem er – wenn wir genau den Kopf treffen – recht lautlos töten kann.

Spannend: Wir treffen immer wieder auf Situationen, wo wir Dorfbewohner retten können. Beispielsweise eine Frau, die am Boden liegt, mit Gewehrkolben geschlagen, und wohl gleich erschossen wird wenn wir nicht eingreifen. Klare Sache: An den ersten ranschleichen, Messer in die Hand, Messer in den Rücken rammen, wieder rausreißen und dem zweiten verdutzten Angreifer mit voller Wucht in den Rachen stoßen.

Extrem stark. Extrem atmosphärisch. Ein spielbarer Action-Thriller mit knackiger Koop-Komponente. Kommt aufs Hit-Radar!Ausblick lesen

Der würgt noch kurz, das Blut spritzt aus seiner Kehle, dann stirbt er. Ubisoft möchte noch nicht verraten, ob die Rettung von Einheimischen wirklich Einfluss auf unseren Ruf hat und wir nur deswegen zum Krieger ernannt wurden oder es von der Story so vorbestimmt ist. Wir tippen auf letzteres.

Achtung, Tiger!

Auch die Umgebung von „Far Cry 3“ erinnert stark an das Original aus dem Hause Crytek. Da springen Rehe umher, flüchten sich Hasen ins Gebüsch oder taucht schon mal unvermittelt ein Tiger auf, der zwei Milizen vor unserer Nase zerfleischt. „Far Cry 3“ spart hierbei nicht gerade mit Blut und inszeniert sich wie bereits mehrmals verdeutlicht extrem brutal.

Als wir beispielsweise gegen einen Art Zwischenboss kämpfen, der mit dicken Kevlarwesten umhüllt ist, quasi eine Art Bombenentschärfungsanzug trägt und mit seinem Flammenwerfer auf unsere Position hält, schnappen wir uns kurzerhand einen seiner Kollegen, halten ihn als menschliches Schutzschild vor uns, lassen ihn brutzeln, hechten in Deckung und verwandeln den Flammenwerfermann mit ein paar gezielten Schüssen auf seinen Gastank in eine wandelnde Feuersäule.

Wie sinnvoll solche Elemente sind, ist sicher streitbar. Wir halten beispielsweise den Bosskampf gegen den Gatling-Mann in „Max Payne 3“ im Foyer der Firma für komplett aufgesetzt, so was kann schnell die Authentizität gefährden.

Der Joker mit Iro

Vaas fungiert in „Far Cry 3“ in einer Rolle, die dem Joker aus „Batman“ extrem ähnlich sieht. So taucht er immer wieder auf und verschwindet. Wie ein Geist scheint er uns immer einen Schritt voraus zu sein. Etwa als wir ein Haus stürmen, uns nach ein paar kurzen Feuergefechten in Sicherheit wiegen und wir plötzlich einen Raum voller Fernseher entdecken. Auf allen Kanälen läuft nur Vaas, er spricht, er schreit, er flucht und dann. Ja, dann fängt die ganze Hütte Feuer.

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Vaas, ein Kerl zum Fürchten.
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Urplötzlich entzünden sich die Vorhänge, platzen die Fenster und nur wenige Sekunden später brennt die ganze Hütte, als hätte man sie vorher ordentlich mit Benzin eingerieben. An der einzigen noch intakten Wand entdecken wir Knicklichter, die zu Buchstaben geformt sind: „Fuck you“.

Zwischendurch warten immer mal wieder Traumsequenzen, scheinbar weil wir versehentlich von einem speziellen Pilz genascht haben. Oder wie sonst kommt es, dass wir eine Treppe hochwandeln, die in der Luft zu schweben scheint und von roten LED-Lichtern beleuchtet wird? Und was zur Hölle passiert dann? Vaas will uns zwingen, ihn zu erschießen – wieder schreit er nur „Drück ab, drück ab!“ Dann ertönt ein Schuss.... und wir schauen auf unseren Freund Alex. WTF? Nein, das kann nicht sein... das darf nicht sein...

Taktischer Koop-Knaller

Nach all diesen Einzelspieler-Impressionen haben wir uns auf dem Showfloor noch einige richtig brisante Koop-Duelle mit drei weiteren Mitspielern geliefert. Unser Ziel: das Team muss erst einen schwer bewachten Kontrollpunkt einnehmen, dann eine Art Steg passieren, der von Scharfschützen gesichert wird, und dann eine Brücke in die Luft jagen.

Wir entscheiden uns für ein besonderes fieses Loadout – eine Kombination aus Flammenwerfer und Sturmgewehr. Ein Kollege nimmt die Sniper, ein anderer ist mit der Shotgun unterwegs und der vierte räumt mit einem Raketenwerfer auf. Teamwork und sehr gute Absprachen via Headset sind hier absolut Pflicht, wenn auch ganz schön tricky auf der unglaublich lauten E3.

Die Waffenbalance scheint zu stimmen, denn wir hätten unseren Flammenwerfer deutlich effektiver eingeschätzt. Der Strahl ist nicht so weit wie gedacht und wir töten nicht direkt, ziehen dem Feind nur viel Energie ab. Zudem sind wir selbst natürlich die perfekte Zielscheibe für Scharfschützen, denn was braucht ein Flammenwerfer? Richtig, Gas, das aus einem Gastank auf unserem Rücken kommt.

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Unheimlich: Wie ein Geist scheint Vaas uns zu verfolgen und psychisch zu manipulieren.
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Brauche Kriegsschrei, biete Team-Punkte

Interessant, wenn auch etwas skurril: Gehen wir zu Boden oder brauchen zumindest dringend einen Energieschub, kann ein Kollege einen Kriegsschrei loslassen. Die Lebensbalken aller Teamkameraden im direkten Umfeld steigen dann wieder – natürlich hat diese mächtige Spezialfähigkeit einen entsprechenden Cooldown. Offen gestanden müssten wir den Koop-Modus natürlich länger und auf mehreren Karten spielen, um ihn abschließend beurteilen zu können. Schön aber auf jeden Fall, dass sich Ubisoft Montreal nicht komplett auf den Standard-Kram, den heute ja jeder Shooter mitbringt, verlässt, sondern sich bei seinem Motivations- und Punktesystem an „Battlefield 3“ orientiert.

So hagelt es die meisten Punkte, wenn wir wirklich geschlossen als Einheit vorgehen. So gibt es Boni für das Heilen von Mitgliedern. Spannend: Wir können mit einem Marker den Verwundeten auf der Radarkarte kennzeichnen, so dass alle in der Mannschaft sofort wissen, dass wir uns um den Verwundeten kümmern. Ziemlich tough wird es zum Schluss, wenn jeweils zwei Teamkameraden schwere Bombenpakete im Schneckentempo auf die zu sprengende Brücke tragen und wir sie dabei „Horde“-like gegen mehrere Angriffswellen plus Scharfschützen plus gepanzerte Einheiten mit Gatling-Gun verteidigen müssen.