„Far Cry 1 war der Durchbruch für Open-World-Szenarios in Shooter-Spielen“, erklären uns die Entwickler von Ubisoft Montreal das Konzept hinter Far Cry 2. „Allerdings war das Spiel noch nicht konsequent genug. Statt eine wirkliche offene Welt zu simulieren, gab einem der Titel eher das Gefühl einer solchen. Teil 2 macht das endlich richtig!“

Hehre Worte, mit denen die Kanadier den Nachfolger zum deutschen Vorzeigespiel anpreisen. Dass dahinter mehr als leere Versprechungen stecken dürften, konnten wir in einer Präsentation auf der letzten Games Convention aus erster Hand erfahren. Auf den Ubidays in Paris war Far Cry 2 nun endlich auch spielbar.

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Neuer Entwickler, neuer Schauplatz, neuer Held, neue Story, neues Spiel. Dass Far Cry 2 mit dem Vorgänger bis auf den Namen und das Genre kaum etwas gemein haben dürfte, mag auf den ersten Blick irritieren, soll dem Titel aber nicht zum Nachteil gereichen.

Far Cry 2 - Neues Setting, neuer Held, neues Gameplay: Der Nachfolger zum Shooter-Hit wagt den Neuanfang.

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Blutiger Wüstensand: Far Cry 2 wird schmutziger als sein Vorgänger.
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Im Gegenteil: Weckte Teil 1 mit seinen tropischen Inseln noch Urlaubsstimmung, schickt der Nachfolger seinen Spieler auf Safari. Statt Sonne, Strand und Palmen bedeutet das: Blut, Staub und todbringende Seuchen. Die orangerot-getünchten Landschaften von Far Cry 2 sind deutlich düsterer und schmutziger als die des Vorgängers. „Das Tropen-Setting war eine gute Idee“, begründen die Entwickler den Szenario-Wechsel. „Aber spätestens nach der TV-Serie Lost hat sich jeder daran satt gesehen. Es ist Zeit für etwas Neues. Und Afrika ist mindestens ebenso einzigartig wie exotisch.“

FreundInnen müsste man sein

Statt erneut in das bunt gefleckte Bermudahemd von Jack Carver zu schlüpfen, übernimmt der Spieler in Far Cry 2 die Rolle eines völlig neuen Charakters, den er sich aus einer Palette möglicher Alter Egos aussucht. Aufgabe ist es, einen blutigen Konflikt um Diamanten zu beenden, das Rätsel um die eigene Identität zu lüften, einen mysteriösen Drahtzieher zu eliminieren und zwölf Gefangene zu befreien, die euch anschließend als Kampfesgefährten zur Seite stehen.

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Malerische Landschaften: Realistische Flora und Fauna prägen das Bild von Far Cry 2.
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Von diesen so genannten „Buddies“ bekommt ihr im weiteren Spielverlauf neue Aufträge, tat- und schlagkräftige Unterstützung während der Missionen oder eine lebenverlängernde Adrenalinspritze kurz vor dem Ableben. Letzteres funktioniert quasi wie eine Art Extra-Leben: Erreicht eure Gesundheit ein kritisches Niveau, verpasst euch der Buddy eine aufputschende Behandlung in Erster Hilfe, schultert euren geschundenen Körper und humpelt dann mit euch im Schlepptau in Deckung, wo ihr einen Moment der Ruhe zur Genesung nutzen könnt.

Nicht nur wegen des Wüsten-Settings verspricht Far Cry 2 der heißeste Shooter des Jahres zu werden!Ausblick lesen

Dies passt hervorragend ins „realistischere“ Konzept von Far Cry 2. Wer seinen Gesundheitszustand wieder aufpeppt, läuft nicht wie in artverwandten Standard-Shootern über einen Verbandskasten mit Rot-Kreuz-Logo und erfährt dessen magische Heilkräfte. Stattdessen jagt sich der Charakter ähnlich der Plasmid-Spritzen von BioShock aufputschende Injektionen in den Unterarm und schneidet sich schon mal mit seinem Buschmesser eine Kugel aus dem Oberschenkel. Übrigens: Da es auch weibliche Buddies geben wird, versprechen die Entwickler zwischenmenschliche Beziehungen auch abseits der typischen Männerfreundschaft.

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In den riesigen Arealen findet sich der Spieler mittels Karte zurecht.
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Dass die Entwickler von Ubisoft Montreal jeden Faktor, der das Eintauchen in die Welt stören könnte, so gut wie möglich zu unterdrücken versuchen, zeigt sich auch bei der Übersichtskarte: Statt wie üblich mit der Tab-Taste eine Map der Umgebung einzublenden, faltet der Charakter in Far Cry 2 in der Spielgrafik mit der linken Hand einen alten, zerfledderten Plan aus, auf dem eure Position, Feindeslager und Quests verzeichnet sind. In der rechten Hand hält er dann einen Kompass, der euch das Navigieren durch die weiträumige Landschaft erleichtert.

Eine Reise ins Herz der Finsternis

Für ein weiteres Realismus-Plus sorgt das „Altern“ von Ausrüstungsgegenständen: Wie im heimlichen Vorbild S.T.A.L.K.E.R. verschleißen eure Waffen mit jedem Gebrauch ein wenig. Auch Fahrzeuge sind nach einer Weile und sorglosem Umgang ein Fall für die Vollkasko.

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Fahrzeuge altern realistisch - wenn auch nicht immer so extrem wie bei diesem Exemplar.
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Apropos Fahrzeuge: Neben diversen Vehikeln auf vier Rädern ist auch der legendäre Segelgleiter aus Teil 1 wieder mit an Bord. „Der Gleiter war eines der stilprägenden Elemente von Far Cry“, freuen sich die Entwickler, „weswegen er unbedingt auch im Nachfolger mit dabei sein musste.“ Trotz staubtrockenem Wüstenszenario werdet ihr auch wieder mit Booten unterwegs sein. Morastig trübe Gewässer, die sichtlich gegen die Austrocknung zu kämpfen haben, schlängeln sich durchs schlammige Flussbett, das für so manche Abkürzung wie auch heimtückische Hinterhalte prädestiniert ist.

Spätestens bei solchen Flussfahrten erinnert Far Cry 2 an das nicht zu übersehende Vorbild „Apocalypse Now“: „Der Anti-Kriegsfilm von Francis Ford Coppola gab ganz klar die Stimmungsrichtung für das Spiel vor“, bekennen sich die Entwickler zu ihrer Inspirationsquelle. „Die psychologische und atmosphärische Reise ins Herz der Finsternis entspricht exakt dem Spielgefühl, das wir vermitteln wollen (Anm. d. Red. „Herz der Finsternis“ lautet der Titel der Romanvorlage von „Apocalypse Now“.).“

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Auch der legendäre Segelflieger ist wieder mit von der Partie.
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Denn auch in Far Cry 2 steht im Zentrum und als Auslöser der Handlung die Suche nach einem mächtigen Drahtzieher, der hinter den kriegerischen Auseinandersetzungen im Verborgenen die Strippen hält. Diesen aufzuspüren wird eine Weile Spielzeit für sich veranschlagen – schließlich umfasst das Gebiet, das hierfür durchquert werden muss, satte 50 Quadratkilometer. Ebenfalls wie in S.T.A.L.K.E.R. (in dem übrigens auch die mörderische Suche nach einem mysteriösen Gegenspieler im Mittelpunkt stand) kann jeder Zentimeter dieser Welt frei nach Gutdünken erforscht werden. „Das Spiel ist so groß, dass viele Spieler keinen Flecken der Welt zwei Mal zu Gesicht bekommen werden“, versprechen die Ubisoftler.

Grenzenlose Freiheit

Auch bei der kreativen Gegnerbeseitigung lässt euch das Spiel alle erdenklichen Freiheiten: Als wir in einer der ersten Missionen ein Lager des Feindes ausräuchern müssen, entscheiden wir uns zunächst für die konventionelle Variante: Gewehr im Anschlag, Rambo-Verhaltensmuster. „Ich zeig dir mal, wie ich es immer mache. Das ist eine Spur eleganter“, spricht ein Entwickler und zieht uns die Maus unter den Fingern weg. Einen geladenen Spielstand später beobachten wir, wie er eine Haftmine auf der Motorhaube eines klapprigen Autos anbringt, dieses ins Feindeslager fährt und dort inmitten der verdutzten Gegner zur Explosion bringt.

Übrigens: „Das Lager ausräuchern“ meinen wir in diesem Falle durchaus wörtlich. Besonders stolz sind die Entwickler nämlich auf ihre wirklichkeitsgetreue Simulation von Feuer. Wer in der trockenen Glut der Wüstensonne den Brandstifter spielt, wird nicht selten nur Augenblicke später für ein ganzes Buschfeuer die Verantwortung tragen müssen.

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Das Feuer in der Savanne breitet sich mit dem Wind aus.
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„Das Feuer breitet sich mit dem Wind aus“, erklären uns die Entwickler am lebenden Objekt. Wer das wehende Gras beobachtet, um die Windrichtung und –stärke abzuschätzen, kann auf die Weise einen Stützpunkt des Feindes niederbrennen, ohne dafür eine einzige Kugel verbrauchen zu müssen. Da fast alle Hütten in der afrikanischen Steppe aus Holz gebaut und mit trockenem Reet bedacht sind, brennen diese folglich wie Zunder. Als besonders effektiv erweist sich daher folgende Taktik: Mit dem Flammenwerfer setzen wir die hölzernen Pfähle einer Hütte in Brand und warten in sicherer Entfernung, bis die Konstruktion unter ihrer eigenen Last zusammenbricht und zu Asche vergeht…