"Frei Geboren" ist vielleicht meine erste und intensivste Erfahrung mit dem Kontinent Afrika. Die wahre Geschichte um die Löwin Elsa kommt mir denn auch sofort in den Sinn, wenn ich in Far Cry 2 durch die weiten Savannen streife und in über 50 Quadratkilometern nachgebildeter Natur um mein Überleben kämpfe. Doch was bietet dieser Open World-Egoshooter noch außer enormer Weite? Um das herauszufinden, haben wir uns in den malariaverseuchten Körper eines Söldners gezwängt, der den Auftrag hat, einen gewissen "Schakal" aus dem Weg zu räumen.

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Die Jagd nach dem Schakal

Dabei handelt es sich keineswegs um eines der Lieblingstiere des seligen Prof. Grzimek. Denn auch wenn sich die Handlung von Far Cry 2 in einem Gebiet abspielt, dass Teilen Ostafrikas (Kenia und Tansania) nachempfunden ist, werdet ihr hier sicher nicht zum Tierschützer ausgebildet. "Der Schakal" ist vielmehr ein krimineller Waffenhändler, der durch die Versorgung der verfeindeten Fraktionen von United Front for Liberation and Labour (UFLL) und Allliance for Popular Resistance (APR) mit Waffen aller Art einen Bürgerkrieg am Köcheln hält. Und ihr habt den Auftrag, diesen Kriegstreiber auszuschalten.

Far Cry 2 - Die harte Wahrheit: Wird der Edel-Shooter den Erwartungen gerecht?

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Man muss sich einfach die Zeit nehmen, die fabelhafte Landschaft zu bestaunen.
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Natürlich ist das viel leichter geschrieben als getan und daher ist es ein weiter Weg, bis ihr eure Flinte auf diesen Bösewicht anlegen dürft. Der Weg ist vielmehr das Ziel und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn in Far Cry 2 werdet ihr etliche Kilometer auf staubigen Pisten und in abgewrackten, rostigen Jeeps verbringen und dabei Aufträge für die beiden Kriegsparteien, Waffenhändler oder auch einige eurer neu gewonnenen Kameraden erledigen.

Getreu dem GTA-Prinzip seid ihr keiner Seite verpflichtet und absolviert Missionen nach eigenem Gutdünken. Häufig könnt ihr sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wenn sich die Missionen verschiedener Auftraggeber miteinander verbinden lassen. Eure Aufgaben erhaltet ihr z. B. in den Kommandozentralen der verfeindeten Seiten. Meist geht es dabei darum, Stellungen oder Angehörige der jeweils anderen Seite auszuschalten oder auch mal den örtlichen Polizeichef aus dem Verkehr zu ziehen.

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Neue Wummen gibt's nur im Tausch gegen Rohdiamanten.
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Daneben erhaltet ihr - oft parallel - Aufträge von Kameraden, die ihr zuvor aus einem Schlamassel gerettet habt. Daher muss man sich gelegentlich entscheiden, wessen Auftrag man lieber ausführen möchte und welche Belohnung man einstreichen will. Die Kriegsparteien bezahlen euch mit Diamanten - der einzigen verlässlichen Währung. Diese braucht ihr für den Kauf von Ausrüstungsgegenständen. Doch dummerweise habt ihr euch auch mit Malaria infiziert und benötigt gelegentlich Medikamente. Wenn euch diese ausgehen, müsst ihr Missionen annehmen, die euch mit neuen Pillen versorgen.

Frei geboren, frei erkundet

In diesen Fällen sucht ihr den Unterschlupf von Untergrundorganisationen auf oder trefft euch mit euren Freunden in Safe-Houses oder Kneipen. Oft bitten euch auch Waffenhändler um eine Gefälligkeit, womit ihr neue Schießprügel und Verbesserungen freischaltet. Spätestens sobald ihr euch dann an die Erledigung der ersten Aufträge macht, werdet ihr aus dem Staunen so schnell nicht herauskommen. Die afrikanische Landschaft ist auf atemberaubende Weise nachgestellt worden und wirkt absolut authentisch.

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Das Anschleichen klappt meist leider nur selten so gut, wie auf diesem Bild.
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Hüfthohe ausgedorrte Gräser wiegen sich im Wind, mächtige Affenbrotbäume beherrschen in den Weiten der Savanne das Bild und die enorme Weitsicht lädt zum Träumen ein. Erst recht, wenn man sich die Zeit nimmt, all dies in sich aufzusaugen, und den atmosphärisch famosen Tag/Nachtwechsel zu genießen. Hier hat das Ubisoft-eigene Entwicklerteam prächtige Arbeit geleistet. Eure Ziele findet ihr dank GPS-Navigation, die auf der mit dreistufigem Zoom ausgestatteten Karte verzeichnet sind. Das hört sich jedoch einfacher an, als sich in der Praxis erweist.

Zum einen ist die Wegfindung durch den afrikanischen Busch alles andere als intuitiv. Das GPS-Signal ist nicht perfekt auf die hügeligen Schotterpisten angepasst und so rattert man häufiger an der richtigen Kreuzung in die falsche Richtung. Das allein würde euch natürlich niemals von der Erledigung eures Auftrags abhalten. Dafür sind die Anhänger der unterschiedlichen Fraktionen verantwortlich, die praktisch an jeder verdammten Weggabelung eine Straßensperre bzw. einen Kontrollpunkt aufgebaut haben.

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Kein schöner Anblick: Verletzungen versorgt ihr meist notdürftig selbst.
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Da ihr immer im Geheimauftrag unterwegs seid, interessiert es die Freischärler nicht, ob ihr gerade ein Ziel der Gegenseite ausradieren sollt und so werdet ihr fortwährend unter Beschuss genommen. Dieser spieltechnische Designkniif ist auf der einen Seite verständlich, denn die Fahrten mit Wagen, Boot oder später auch Fluggleitern zu den Zielen dauern aufgrund der großen Distanzen häufig zehn Minuten oder mehr und zu viel Leerlauf wäre dem Spielspaß abträglich.

Schüsse aus dem Unterholz

Auf der anderen Seite nervt es nach einer gewissen Zeit tierisch, wenn man zum fünften Mal innerhalb einer Stunde ein und denselben Wegpunkt überquert und dort erneut ein halbes Dutzend Widersacher ausschalten muss. Und seinem Ziel damit nur langsam und zäh näher kommt. Wie, ihr wollt einfach durchbrettern? Vergesst es! In der Regel hat die Millitia nichts Besseres zu tun, als sich in das nächstbeste Vehikel zu schwingen und die Verfolgung aufzunehmen.

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Immer wieder seid ihr gezwungen, lange Wege per Fahrzeug zu überbrücken.
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Das kann mitunter zu skurrilen Situationen führen, wenn man etwa genau vor dem Widersacher steht, dieser sich aber zum Fahrzeug umdreht und einsteigt, um das darauf montierte MG zu benutzen. Bis dahin hat der KI-Gegner jedoch schon längst eine fette Ladung Blei im Rücken. Da kann man auch gleich anhalten und die Feinde schnellstmöglich zu plätten - wenn man sie denn sieht. Die afrikanische Umgebung macht es euch nämlich häufig sehr schwierig, die Widersacher überhaupt auszumachen, selbst wenn sie nur wenige Meter entfernt stehen.

Edel-Action mit viel Leerlauf und großartigem Ausblick: Dank Far Cry 2 spart man sich den Afrika-Urlaub.Fazit lesen

So muss man meist die eine oder andere Garbe einstecken, bevor man die feindlichen Schützen lokalisiert hat und ebenfalls das Feuer mit einer der drei mitgeführten Wummen eröffnet. Diese teilen sich übrigens in entsprechend viele Kategorien ein, was dazu führt, dass man entweder nur ein Scharfschützengewehr oder ein Sturmgewehr mitschleppt und daneben noch auf Raketenwerfer/Flammenwerfer MP/Pistole und eine Machete zurückgreift.

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Im Nahkampf zückt ihr einfach die Machete - und spart kostbare Patronen.
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Diese ist zwar für den Nahkampf vorgesehen, einen speziellen Angriffsschlag gibt es jedoch leider nicht. Das Aiming der Wummen ist leider nur mittelprächtig ausgefallen, viele Waffen machen beim Anvisieren einen eher schwammigen Eindruck und so verzieht man die ersten Kugeln in hektischen Momenten meist ungenutzt. Doch zurück zum Gameplay. Diese häufigen Unterbrechungen und die teilweise ellenlangen Fahrzeiten sorgen immer wieder für störende Unterbrechungen des Spielflusses, die schon arg frustig sein können.

Brandgefährliche Kettenreaktion

Auch nicht gerade lustig sind die eigentlich gut gemeinten Respawns der eigenen Spielfigur: Sobald der Lebensbalken erschöpft ist, bricht man zusammen und wird von einem der Freunde gerettet und wiederbelebt (wenn man sich in der Nähe ihrer Position befindet, ansonsten wird ein Spielstand geladen).

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Booom! Ja, an den Explosionen kann man sich kaum satt sehen.
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Das dauert insgesamt aber viel zu lange, mitunter vergehen dabei locker zwei Minuten. Neuladen ist aber auch nicht unbedingt die bessere Option, da die Ladezeiten von Far Cry 2 allgemein sehr lang sind. Die Feuergefechte sind jedoch ziemlich kurzweilig, vor allem die satten Explosionen und auch das umfangreiche Waffenarsenal können überzeugen. Dabei kann man sich beispielsweise auch die überall angelegten Munitionsvorräte zu nutzen machen und diese mit einem gezielten Schuss in die Luft jagen.

Häufig kommt es dann zu Kettenreaktionen, wenn nahestehende Fässer detonieren und so ganze Außenposten mit einem einzigen Schuss dem Erdboden gleichgemacht werden. Als taktisches Mittel lässt sich außerdem das Buschfeuer einsetzen, dass entweder bei den oben beschriebenen Aktionen zusätzlich ausgelöst oder von euch durch Molotov Cocktails oder Flammenwerfer initiiert wird. Diese zerstörerischen Feuer könnt ihr zwar nicht kontrollieren, sie heizen aber euren Feinden - und wenn ihr nicht aufpasst, auch euch selber - mächtig ein.

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Behutsames Vorgehen ist kaum möglich. Meist läuft es auf wüstes Geballer hinaus.
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Ein wenig enttäuschend ist jedoch, dass man in Far Cry 2 nicht wirklich das Gelände zu seinem Vorteil nutzen kann. Selbst wenn man versucht sich anzuschleichen und das hohe Gras und/oder die Dunkelheit der Nacht auszunutzen, um die Ziele leise auszuschalten, geht das meist schief. Erledigt man einen Widersacher, sind die Schergen im weiten Umkreis gleich alle auf euch aufmerksam geworden und konterkarieren dieses Stealthvorgehen leider.

Tierische Leere

Wie die Wildtiere scheinen sie häufig von Weitem eure Witterung aufzunehmen. Apropos Tiere: Zwar durchstreifen Zebras, Antilopen und Wasserbüffel gelegentlich die Landschaft, insgesamt wirkt die Umgebung aber trotzdem ein wenig zu leblos. Raubkatzen oder andere große Säugetiere Afrikas treten erst gar nicht in Erscheinung.

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Der mächtige karteneditor lässt keine Wünsche offen. Einfach genial!
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Fans von Multiplayerspielen wird dafür einiges geboten. Zum einen stehen euch vier unterschiedliche Spielmodi für bis zu 16 Spieler zur Verfügung, in denen ihr euch in den bewährten Deathmatch, oder Capture the Flag-Matches gegenseitig auf die Pelle rückt oder in "Aufstand" drei Wegpunkte einnehmt und anschließend den gegnerischen Captain eliminiert. Die Maps machen auf den ersten Blick einen gut durchdachten und abwechslungsreichen Eindruck.

Wem das nicht ausreicht, steht zudem ein mächtiger Editor zur Verfügung. Dieser erlaubt euch eigene Karten von Grund auf selbst zu entwerfen und dabei eurer Kreativität freien Lauf zu lassen. Wer genügend Zeit und Talent mitbringt, kann damit eigene Multiplayer-Karten erschaffen, die sich hinter denen der Entwickler nicht verstecken müssen. Bei den Trueskill-Ranglisten-Matches sind jedoch nur die Original-Maps zugelassen, auf denen ihr euch mit einer von sechs Klassen gegenseitig beharkt und gewonnene Diamanten gegen Verbesserungen eintauscht.