Die Welt kann so gemein sein: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass „Tribes of the East“ das letzte Addon zum Fantasy-Runden-Hit „Heroes of Might and Magic V“ ist. Bleibt uns also nichts anderes übrig, als bis zum unausweichlichen sechsten Teil der Serie zu warten und solange tagein, tagaus bittere Tränen zu weinen?

Nein, die Trauerphase ist zumindest kurzzeitig abgewendet. Denn mit „Fantasy Wars“ ist vor kurzem eine nette Alternative zum Platzhirsch erschienen. Die kann ihm zwar nicht Paroli bieten, sorgt aber einige Stunden lang für nette Unterhaltung.

Fantasy Wars - Trailer #2Ein weiteres Video

Kennst du eine, kennst du alle

Es scheint, als hätten sämtliche Fantasy-Welten die gleichen Probleme. Tief verborgen lauert das unsagbar Böse und schmiedet Pläne zur Unterjochung des gesamten Planeten. Keine Armee kann ihm Paroli bieten. Nur einige wenige Helden sind auserkoren, den Ruhm einzusacken und die Dämonenbrut ins Nirwana zu verbannen. Und zwar genau so lange, bis ein Nachfolger erscheint oder eine gänzlich neue Fantasy-Welt gerettet werden muss.

Fantasy Wars - Auf den Spuren von HoMM: Taktikanhänger machen mit dieses Game garantiert nichts falsch.

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Unsere Armee, symbolisch dargestellt durch jeweils eine Einheit der Truppe. Wirkt harmlos? Von wegen!
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Alles Meckern über anhaltende Ideenlosigkeit hilft nicht. Das Rezept funktioniert in Filmen, Büchern und eben Computerspielen schließlich schon seit Jahrzehnten. Bestes Beispiel: die „Der Herr der Ringe“-Trilogie. Ihr ahnt es sicher schon: Auch die „Fantasy Wars“-Entwickler haben die erfolgsversprechende Rezeptur ausgepackt und mit dezent eigener Note abgeschmeckt. In minimalistischer Kurzfassung sieht das so aus, dass Heroen aus vier Fraktionen (Menschen, Orks, Elfen und Zwerge) sich erst bekriegen und dann gegen die größere Bedrohung verbinden. Verrat, Intrigen und Wendungen mit inbegriffen, versteht sich.

Viel zu tun, packen wir’s an!

Die Spielmechanik von “Fantasy Wars“ ist ebenso schnell erklärt wie die Story. Auf Hexfeldern schlagt ihr rundenweise Kämpfe. Armeen werden allerdings nicht wie aus der „Heroes of Might and Magic“-Reihe bekannt, untereinander gemischt. Stattdessen ist jeder Truppentyp, vom einfachen Späher über Bogenschützen bis hin zu Drachen, als eigenständiges Bataillon dargestellt.

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Netter Kniff: Herausgezoomt ist symbolisch nur eine Einheit der Gruppe samt Lebensbalken zu sehen. Fährt die Kamera näher heran, werden sämtliche Krieger in ansehnlichem 3D dargestellt. Die Auseinandersetzungen machen dadurch deutlich mehr her. Wenn fast zwei Dutzend Pikeniere auf ebenso viele Goblins treffen und im Getümmel zig Körper umher fliegen, wirkt das durchaus atmosphärisch.

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Hier die eindrucksvollere Darstellung unserer Armee samt aller Truppendetails.
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Taktisch anspruchsvoll ist das Ganze natürlich auch. Mit gewonnen Kämpfen steigen eure Truppen auf und werden automatisch stärker. Zudem dürft ihr ihnen neue Fähigkeiten wie Giftangriffe spendieren. Kluge Feldherren sollten außerdem das Gelände maßgeblich mit in ihre Strategie einbeziehen. Wälder bieten besseren Schutz, Berge erhöhen die Reichweite, Sümpfe verlangsamen den Vormarsch. Zu viel Zeit solltet ihr euch bei der Erledigung der Aufgaben, darunter Städte erobern und feindliche Helden ausschalten, nicht lassen.

Denn ein knappes Zeitlimit zur Erreichung der Ziele tickt unaufhörlich herunter. Seid ihr schnell genug und sichert euch eine Auszeichnung in Form von Medaillen, hagelt es Boni und Gold. So könnt ihr eure Streitkräfte zwischen den Einsätzen verbessern und dementsprechend auch von Mission zu Mission mitnehmen. Der taktische und strategische Anspruch ist jedenfalls gewahrt. Alle Heere haben eigene Vor- und Nachteile, die es auszunutzen gilt. Unterschiedliche Vorgehensweisen – Nahkampf, Fernkampf, Magie – halten die Abwechslung konstant hoch.

Schwierige Klickorgie

“Fantasy Wars“ ist durch und durch routiniert. Katastrophale Schwächen sind uns nicht aufgefallen, glanzvolle Highlights aber ebenso wenig. Da wir gerne kritisieren, sei die umständliche Menüführung angesprochen: Viele Buttons, zahlreiche Untermenüs und unzählige Klicks sind vonnöten, um der strategischen Tiefe Herr zu werden. Womit wir auch schon bei Kritikpunkt Nummer Zwei wären, dem steil ansteigenden Schwierigkeitsgrad.

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Der Obermufti im Profil: Coole Zwischensequenzen wie diese gibt es leider viel zu selten.
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Für Rundenstrategie-Anfänger sind bereits die ersten der insgesamt 28 Missionen eine echte Herausforderung. Den gemeinhin clever agierenden KI-Generälen sei Dank. Die nehmen eure Truppen geschickt in die Zange, vollführen Flankenangriffe und nutzen Schwachpunkte gekonnt aus. Meistens zumindest. Hin und wieder leidet die Künstliche Intelligenz hingegen an Komplettaussetzern. Dann reagieren sie nicht auf Angriffe oder lassen in Bredouille geratene Alliierte im Stich. Pfui!

Obwohl Begeisterungsstürme ausbleiben, entpuppt sich Fantasy Wars als nette Abwechslung für darbende Heroes of Might and Magic-Fans.Fazit lesen

Wie die meisten Rundenstrategiespiele hat auch „Fantasy Wars“ mit sprödem Kampagnen-Charme zu kämpfen. Die abgedroschene Rahmenhandlung haben wir bereits erwähnt. Doch auch die Präsentation selbst muss sich gegen rühmliche Ausnahmen wie „Heroes of Might and Magic V: Tribes of the East“ geschlagen geben. Während Letzteres mit pompösen Zwischensequenzen aufwartet, plätschert die Handlung in „Fantasy Wars“ vor sich hin. Statt von hübsch choreographierter Actionszenen werden die Cutscenes von langweiligen Gesprächen beherrscht.