Die wievielte Filmversoftung dieses Sommers steht uns mit Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer ins Haus? Ich habe nicht mitgezählt, aber es waren schon eine ganze Menge, und bisher hat noch keine die hohen Erwartungen erfüllen können. Um es vorwegzuschicken - auch Entwickler Visual Concepts kann das Zelluloid-Abenteuer der Marvel-Superhelden in Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer nicht mit Leben und Klasse füllen.

Das mag zum einen an der blutleeren und langweiligen Kino-Vorlage liegen. Zum anderen sind die Probleme aber hausgemacht und offenbaren ein Game, das Mal wieder mit der heißen Nadel gestrickt zu sein scheint. Warum das so ist, haben wir bei einem Test der PS3-Fassung herausgefunden.

Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer - Teaser

Blutleeres Beat Em Up
Mit den Fantastischen Vier aus dem Marvel-Comicuniversum verbindet man gemeinhin Spannung, übernatürliche Superkräfte und die Auseinandersetzung mit besonders üblen Schurken. Zumindest Letzteres kann Rise of the Silver Surfer bieten, denn wie im Filmvorbild, auf dem das Spiel im Groben aufbaut, trefft ihr im Verlauf des Spiels auf den reaktivierten Erzfeind Dr. Doom und den Silver Surfer sowie eine große Anzahl willfähriger Helfershelfer wie die außerirdischen Skrull.

Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer - Kein Edelmetall für den Silver Surfer: Diese Filmumsetzung ist wenig fantastisch.

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Um diesen silbrig glänzenden Knilch dreht sich alles.
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Bietet der Movie-Plot schon kaum Überraschungen, so präsentiert Entwickler Visual Concepts ein ziemlich stumpfes, blutleeres Beat Em Up-Abenteuer, das weder Witz noch Kreativität bietet und lediglich baukastenförmig zusammengebastelt wirkt. In fast jedem Level der sechs gleichförmigen Kapitel dürft ihr auf alle vier Protagonisten zurückgreifen, wobei ihr per D-Pad zwischen den einzelnen Charakteren wechselt. Nur wenige Missionen sind einzelnen Spielfiguren auf den Leib geschneidert und können nur mit diesen bewältigt werden.

Wie man es von den Superhelden erwartet, besitzt jeder von ihnen dieselben übermenschlichen Fähigkeiten, wie sie aus den Comics bekannt sind: Das Ding ist besonders stark und kann Hindernisse aus dem Weg räumen, Flamme verschießt Feuerbälle und kann fliegen, Mr. Fantastic ist ein lebendes Gummiband und Sue Storm, alias "Die Unsichtbare", kann sich, nun ja, unsichtbar machen und Kraftfelder aufbauen.

Packshot zu Fantastic Four: Rise of the Silver SurferFantastic Four: Rise of the Silver SurferErschienen für DS, PS2, PS3, Wii und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Toll! Dumm ist allerdings, dass man die besonders effektiven Fertigkeiten nur für eine beschränkte Zeit gegen seine Widersacher richten kann, da man schon ziemlich schnell ohne kosmische Energie dasteht und daher sehr häufig auf profan menschliche Prügeltechniken zurückgreifen muss. Vom erhofften Superhelden-Feeling bleibt auf die Weise nur Stückwerk.

Die fantastischen Zwei
Zu allem Überfluss beschränkt sich die sinnvolle Auswahl der Spielfiguren eigentlich nur auf Das Ding und Flamme, da die Balance zwischen den Charakteren ziemlich misslungen ist. Nur in Ausnahmesituationen, wenn man beispielsweise schwer zugängliche Schalter betätigen soll, greift man auf Mr. Fantastic zurück. Ansonsten steuert man meist den grobklotzigen, aber im Nahkampf starken Ben Grimm aka Das Ding durch die sich ständig wiederholende Levelstruktur oder deckt die Feinde mit Feuerbällen ein. Dieses Problem potenziert sich noch durch die verhunzten Upgrade-Möglichkeiten.

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Meist werdet ihr diese beiden Helden steuern.
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Mithilfe von eingesammelten Objekten könnt ihr zwar die beiden Haupt-Fähigkeiten der Helden aufrüsten. Da sich das aber eigentlich nur bei den beiden genannten Charakteren lohnt, wird der Abstand zu den anderen immer größer. Neue Fertigkeiten erhaltet ihr dadurch übrigens nicht, die bereits vorhandenen werden lediglich verbessert bzw. den stärker werdenden Feinden angepasst.

Außerdem ist es möglich, Kombos auszulösen oder durch eine Kombination der verschiedenen Charakter-Eigenschaften "Fusions" zu aktivieren - besonders mächtige Angriffe. Das kommt euch vor allem im Koop-Modus entgegen, wo bis zu vier Spieler gleichzeitig zocken können - aber leider nicht online.

Generisches Gameplay
Das größte Manko von Fantastic Four - Rise of the Silver Surfer ist jedoch das völlig generische, langweilige Gameplay in Verbindung mit ebenso gleichartig aufgebauten Levels, die obendrein jede Next-Gen-Güteklasse vermissen lassen. Die Umgebungen sind öde, steril und kommen einem ständig bekannt vor. Kein Wunder, werden sie doch stets aufs Neue recycelt. Viele Bereiche muss man darüber hinaus öfter "beackern".

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Fusion-Kombos und Teamwork heizen euren Kontrahenten richtig ein!
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Aufgrund dieser sich gleichenden Räume fällt zudem die Orientierung nicht eben leicht, und man irrt bisweilen genervt durch die Gänge. Das Spielgeschehen reduziert sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, meist auf altbekanntes Button-Mashing, bei dem eine Welle der variationsarmen Feinde nach der anderen abgeräumt wird, bis man beim Endgegner steht.

Dazwischen muss man hier ein Schalterrätsel lösen, dort ein Hindernis aus dem Weg räumen oder ist auf der Suche nach irgendwas, das man in den unübersichtlichen Arealen übersehen hat. Das Ganze wirkt sehr uninspiriert, auch wenn die Story an sich durchaus interessant ist und mit einigen, im Vergleich zum Film, eigenständigen Handlungselementen aufwarten kann.

Die PS3-Fassung des Spiels wurde mit einigen speziellen Steuerungsmöglichkeiten des Sixaxis-Pads ausgestattet, die tatsächlich recht gut funktionieren - so beispielsweise das Handling der Flamme via Motion-Control beim Fliegen - und wirkt weniger aufgesetzt als bei vergleichbaren Games in der Vergangenheit. Dafür macht uns aber die teilweise vermurkste Kameraperspektive einen störenden Strich durch die Rechnung, wenn sie sich etwa immer zum falschen Zeitpunkt in die entgegengesetzte Richtung ausrichtet und einfach nicht das zeigt, was von Belang ist: die Gegner.

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Das Ding ist zwar hässlich, hat dafür aber richtig was auf dem Kasten!
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Gerade in diesen Momentan mutiert das Spielgeschehen zum frustig-chaotischen Spaßverderber, bei dem man ganz schnell das Pad in die Ecke wirft. Und als ob das nicht schon genug wäre, gesellen sich in hektischen Momenten auch noch Framerate-Einbrüche dazu, die dem Ganzen den Todesstoß versetzen und die Motivation vollends in Rauch aufgehen lassen. Daran können letztendlich auch die gelegentlich coolen Effekte - vor allem die Feuer der Flamme - nichts ändern, die aus der drögen, wenig detaillierten Umgebung hervorstechen.