Bethesda badete vor nicht viel mehr als einem halben Jahr im Sonnenschein von “SafePlayerOne”, ein Ritter in glänzender Rüstung, der mit Chitinschild und Vulkanglasschwert gegen eine Welt voller Multiplayer-Monopole antritt. “Wir retten den Singleplayer!”, klang die Parole durch die Gaming-Welt, humorvoll aber gleichsam mit einem Funken Ernst. Denn ja, wir brauchen vielleicht einen Singleplayer-Ritter; ein Unternehmen, das sich auf Story und Immersion konzentriert anstatt – wie so viele andere – auf Multiplayer, kaufbare kosmetische Items und eine ludische Spirale, die uns sammeln, grinden und aufleveln lässt. Es gibt genug Spiele dieser Art. Ob und warum Fallout 76 dazu zählt, haben wir Vice President Pete Hines von Bethesda im Interview gefragt.

Fallout 76 ist ein Always-on-Multiplayer-Spiel, in dem ihr mit anderen Spielern bauen, handeln und kämpfen werdet. Was Bethesda alles auf der E3 präsentiert haben (darunter Gameplay von Fallout 76 und Todd Howards Witze) seht ihr im Showcase:

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Pete Hines hatte einen langen, anstrengenden Tag auf der E3 2018 in Los Angeles. Zwar sahen wir es ihm nicht an, aber nach der Ankündigung von Fallout 76 als neues Multiplayer-Bonbon im Genre gab es nicht nur positive Stimmen, die wie zur E3-Show aufgeregt jubelten. Pete Hines wusste das und reagierte recht defensiv, als wir mit ihm hinter den Kulissen der E3 sprechen durften. Lest selbst, was er uns über PvP, den Baumodus, und die Story in Fallout 76 erzählt hat.

Wie viel Prozent klassisches Fallout ist noch in Fallout 76?

Pete Hines: Wie viel klassisches Fallout… muss ich jetzt eine Prozentangabe machen?

Wäre nett. Und der Grund, warum.

Ich hab’ keine Ahnung, wie groß die Prozentzahl ist. Das Meiste. 89 Prozent. 94 Prozent. Ich habe keine Ahnung. Okay, sieh’ mal, im Kern ist es noch immer ein Rollenspiel. Ein Charaktersystem. Es geht darum, den eigenen Charakter zu entwickeln. Fähigkeiten auszuwählen, aufzuleveln, Quests zu machen, die Welt zu erforschen; der sein, der du sein möchtest. All die Dinge zu machen, die du machen möchtest und eben das nicht zu machen, was du nicht tun willst.

Gibt es Elemente von anderen Spielen, die nicht hier drin sind? Absolut. Natürlich, ohne irgendwelche NPCs oder Dialog-Entscheidungen wird es sich ein wenig anders anfühlen. Es steht nicht in Frage: Es ist anders.

Wir haben keine Fraktionen in die Welt gesetzt, denn es gibt keine anderen menschlichen NPCs. Aber das heißt nicht, dass die Stählerne Bruderschaft, die Minutemen oder die Enklave nicht von dir gegründet werden können, oder welche Gruppe auch immer du mit anderen Spielern gründen möchtest.

Im Kern, wenn ich es spiele, dann spiele ich allein und nicht zusammen mit anderen Leuten. Ich mache Quests. Manchmal entscheide ich mich, Dinge aufzubauen und mache das; manchmal laufe ich einfach nur durch die Welt, erkunde sie, mache Quests. Du weißt schon, Waffen und Rüstung modifizieren, mehr Quests machen, mehr erkunden. Es liegt wirklich am Spieler zu entscheiden, wie er es angehen will, wie er spielen möchte, was er machen will in dieser großen Welt mit sehr wenigen Regeln.

Okay. Aber, wenn es keine NPCs gibt, wer gibt dir dann Quests? Wer handelt mit dir?

Du handelst natürlich mit anderen Spielern. Du entscheidest, ob du jemand sein möchtest, der mit anderen handelt. Es gibt ein einfaches System im Spiel … naja, und was Quests angeht, du bekommst sie von Holotapes, von Computerterminals, es gibt Roboter in der Welt, es gibt Questobjekte, die du überall auf der Welt findest. Es gibt viele verschiedene Wege, darauf zu treffen und Quests zu bekommen, die gemacht werden können.

Nochmal: Die Welt ist viermal so groß wie die Welt in Fallout 4, es gibt ... jede Menge solcher Dinge, einschließlich, also, einer Art Hauptbedrohung, die in jenem Moment beginnt, als du die Vault verlässt und der Aufseher dir eine Aufgabe gibt, die du machen musst und die dich auf einen Weg führt, dem du folgen kannst oder auch nicht.

Wird es eine echte Storyline geben?

Ja, wir haben noch nicht wirklich darüber gesprochen, wohin dich der Aufseher schickt und worum es geht… ich weiß nicht, wie viel wir darüber verraten werden, bevor das Spiel erscheint. Aber ja, es gibt ein Hauptthema in Bezug auf etwas, das dort passiert und was du machen musst.

Okay. Was wird mich, als Spieler, dazu motivieren, Tag um Tag zum Spiel zurückzukehren?

Ja, also, es ist die vielfältigste Fallout-Welt, die wir jemals kreiert haben und es ist deine Chance, Fallout zu spielen – wenn du daran interessiert bist, Fallout mit anderen Leuten zu spielen. Und ich meine wortwörtlich mit anderen Leuten, also, wenn du willst, dass sie zu dir stoßen, wenn du mit Freunden spielen willst und mit ihnen Missionen absolvieren und die Welt erkunden möchtest. Das kannst du machen.

Aber es ist auch eine riesige, offene Fallout-Sandbox, durch die du gehen kannst und die du mehrere hundert Stunden erkunden kannst. Wir planen sehr viele kostenlose Updates nach dem Launch, alle DLCs und Updates werden kostenlos sein. Wir werden ständig neue Inhalte und Dinge hinzufügen, die du im Spiel machen kannst. Und irgendwann werden wir den Leuten auch die Möglichkeit geben, eigene private Server zu betreiben, wenn sie es wollen. Dort können sie dann modden, sie können selbst modden und Mods von anderen Usern benutzen. Und, du weißt schon, sie können allein spielen oder mit anderen, die auf ihrem Server spielen wollen.

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Wenn ich mich heute auslogge und morgen wieder zurückkehre, wird die Welt noch dieselbe sein?

Nein, ich denke, es hängt davon ab, was alle anderen in der Welt machen. Also nein, ich würde annehmen, es ist nicht dieselbe Welt. Dinge werden sich verändern oder wachsen, sie werden plötzlich aufkreuzen oder verschwinden, wie eben in einer Welt, in der sich Menschen bewegen.

Kannst du uns schon Einzelheiten über das Bauen von Stützpunkten verraten? Wie funktioniert es und wie sieht ein Stützpunkt aus?

Wir haben bereits ein paar Beispiele in dem Video gezeigt, das ihr während der Show gesehen habt. Es ist ein ähnlicher, wenn auch erweiterter Modus von dem in Fallout 4, besonders in Bezug auf das, was gebaut werden kann. Eine der größeren Veränderungen ist etwa, das du nicht mehr darin begrenzt bist, wo du baust. Du kannst dir einfach einen Ort in der Welt suchen und sagen ‘Okay, hier werde ich anfangen, etwas bauen.’

Noch einmal, Bauen ist hier völlig optional, es ist definitiv etwas, das du tun kannst, denn wir denken, dass es manche Leute möchten. Aber es ist nicht erforderlich. Wenn du einfach nur herumlaufen und ein Nomade sein möchtest, ist das möglich. Die andere große Sache ist, dass du all das auch ganz leicht umziehen lassen kannst, an andere Orte auf der Welt. Etwa dann, wenn du spielst und dich einloggst und du siehst einen Freund, mit dem du zuvor noch nicht gespielt hast – und du entschließt dich, zu ihm zu ziehen. Dann wird alles, was du besitzt, mit dir umziehen.

Wenn ich mit Freunden zusammen spiele, können wir dann zusammen eine Basis bauen? Oder baut jeder seine eigene Basis?

Naja, technisch gesehen – aber ja, die Grundidee ist, ja, du kannst mit anderen Leuten zusammen bauen. Du kannst dein eigenes Ding bauen, nur du, aber wenn andere kommen und mitbauen möchten, ist das natürlich möglich.

Kannst du uns schon etwas darüber verraten, wie ihr Balancing-Probleme löst? Also, zum Beispiel, was passiert, wenn ich allein auf eine feindliche 4-Mann-Spielertruppe stoße?
Ich würde sagen, das ist wirklich nicht anders, als wenn du Fallout 4 spielst. Wenn du einer Gang Raiders oder – wem auch immer – begegnest ... du kannst Leute in Fallout 4 oder Fallout 3 oder New Vegas treffen, die einer Power-Rüstung tragen, du kannst vielen Feinden gegenüberstehen und, naja, das passiert eben. Es soll eine gefährliche, postapokalyptische Welt sein, in der du spielst und überlebst. Es wird nicht immer eins gegen eins sein.

Die Grundidee ist, dass es sich nicht wirklich anders anfühlen soll, als gegen NPC anzutreten, denen du begegnen könntest. Wenn du NPCs in Fallout 4 triffst und sie töten dich, dann kannst du dich dafür entscheiden, im Anschluss zurückzukehren und sie wieder anzugreifen; und zu testen, ob du besser abschneidest. Oder du entscheidest dich dafür, woanders hinzugehen und ihnen fernzubleiben. So soll es sich in Fallout 76 anfühlen.

Wir wollen insofern Hilfe bereitstellen, dass wir die Leute davon abhalten, jemanden ständig zu schikanieren oder anzugreifen. Das ist nicht die Erfahrung, die wir suchen. Wir lösen das direkt über das System, wobei das Spiel dem User erlaubt, sich selbst aus einer derartigen Situation zu entfernen.

Okay. Ist der PvP-Modus optional? Kann man nur PvE spielen, wenn man möchte?

Nein. Wenn du einen Spieler siehst, wirst du nicht wissen, ob er mit dir kämpfen oder handeln möchte. In diesem Spiel musst du ganz für dich allein entscheiden, welche Absichten dahinter stecken, was für ein menschlicher Spieler das ist – wenn du diesem Spieler nicht schon vorher begegnet bist.

Aber noch einmal: Die Idee dahinter ist kein PvP-Spiel, in dem bis zum letzten Mann gekämpft wird. Es soll kein Spiel sein, in dem jeder jeden anderen umbringt. Es soll ein Rollenspiel sein, aber darin wird es durchaus Leute geben, die gefährlich sind. Es ist nicht anders, wir sind immer noch im selben Franchise.

Wie etwa, wenn du einer Todeskralle begegnest, denn ja, es kann jemand aus dem Nichts auf dich losgehen. Das kann passieren, du kannst angegriffen werden und du kannst sterben. Aber es wird niemals bedeutet, dass du weniger Fortschritt machst oder Items einbüßt. Dein Körper kann nicht gelootet werden. Du betrittst also einfach wieder die Welt und läufst an einen anderen Ort.

Wir wollen auch das Feedback der Spieler, um zu sehen, was passiert und wo es schlechte Erfahrungen gibt. Und ebenso, ob es Dinge gibt, die wir einbringen können, um das Spiel weiter in die eine oder in die andere Richtung zu schieben. Wir wollen nicht, dass es eine ‘Ich sehe Leute, aber es ist mir egal, denn sie können mir nichts tun’-Erfahrung wird, aber wir wollen auch nicht, dass es ein First-Person-Shooter wird, in dem alle herumrennen und versuchen, sich umzubringen. Wir wollen ein Gleichgewicht finden – außer natürlich, die Leute wollen einen Shooter, richtig?

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