Muss das sein, Bethesda? Warum veröffentlicht ihr einen neuen DLC zu Fallout 4 in einem Monat, in dem es eh schon genug hochwertiges Zeug zum Zocken gibt? Ich weiß, ich weiß: Ich muss es ja nicht jetzt zocken. Luxusproblem! Andererseits: Doch, ich muss es jetzt spielen, hab mich von Gregor schließlich dazu überreden lassen ... Das Gute daran: Es hat sich gelohnt, wieder ins Commonwealth zurückzukehren!

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Wobei, so richtig stimmt das nicht. Der aktuelle DLC zu Fallout 4 ist sehr groß. Erinnert ihr euch noch an The Elder Scrolls IV: Oblivion und die Erweiterung Shivering Isles? In Ausmaß und Qualität entspricht das so in etwa dem, was Bethesda hier auftischt. Es handelt sich genauer gesagt um eine riesige neue Insel (laut Entwickler die größte Landmasse, die sie je für ein DLC erschaffen haben), die Abenteurer in ein Gebiet führt, das sich erneut deutlich vom Mainland unterscheidet. Es gibt eine Reihe von abgefahrenen Neben- und Fraktions-Quests, die darauf warten, erkundet zu werden. Noch dazu trifft man einige interessante Charaktere, die einen vor teils harte moralische Entscheidungen stellen. Und das ist doch das Salz in der Suppe eines jeden Rollenspiels, oder?

Besser als das Hauptspiel?

Man kommt zwar nicht ohne Weiteres auf das Eiland, ca. Level 20 wird man schon benötigen, aber das sollte zum jetzigen Zeitpunkt wohl jeder geschafft haben – meine Figur war jenseits von Stufe 70. Kein Geringerer als Nick Valentine schickt mich per Schiff auf die Suche nach einem vermissten Mädel namens Katsumi, die denkt, ein Synth zu sein. Auf der Insel will sie sich ihnen anschließen – ein nahtloser Auftakt für Far Harbor. Für mich ein guter Grund, das Synth-Hauptquartier im Observatorium von Arcadia aufzusuchen und Kontakt zu der antiken Maschine DiMA herzustellen. Ich kann euch sagen: Das Ding hat nicht nur 'ne kleine Macke, sondern auch ein paar mysteriöse Geheimnisse in petto.

Fallout 4: Far Harbor - Ein Ticket nach Far Harbor, bitte!

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Nachdem Automatron und Wasteland Workshop dem Hauptspiel lediglich kleinere Features hinzugefügt haben, ist Far Harbor endlich ein vollwertiger DLC.
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Die Synths sind eine von drei unterschiedliche Fraktionen auf der Insel, die alle irgendwie miteinander im Konflikt stehen – natürlich mit gutem Grund (behaupten sie jedenfalls). Die Synths spielen dabei noch das ausgleichende Element, sie versuchen, Frieden mit den Bewohnern der Hafenstadt und den (irren) Kindern des Atoms herzustellen. Das ist angesichts der waffenstarrenden Argumente aller Seiten gar nicht so simpel. Die Erzählung um synthetische Lebensformen und darüber, was „echtes Leben“ bedeutet, hat bei mir starke Erinnerungen an Blade Runner geweckt, was sicherlich nicht die schlechteste Referenz ist. Wie in dem Science-Fiction-Klassiker fällt hier die Entscheidung über „richtig“ oder „falsch“ nicht einfach und wirft einige metaphysische Fragen auf.

Wie anders Far Harbor im Vergleich zum Hauptspiel sein kann, zeigt die Hauptquest, die plötzlich ein Rätsel in einer virtuellen Umgebung auftischt. Die Aneinanderreihung von Räumen und Laser-Puzzles dürfte viele an Portal erinnern. Insgesamt ist dieser Teil des Spiels sicher eine nette Abwechslung, nur die spielerische Umsetzung ist leider eher schlecht als recht ausgefallen.

Packshot zu Fallout 4: Far HarborFallout 4: Far HarborErschienen für PC, PS4 und Xbox One kaufen: Jetzt kaufen:

Ein bisschen enttäuschend ist zudem der neue Begleiter Longfellow, der eigentlich dazu gedacht ist, mich durch die radioaktiven Gebiete zu lotsen (ich sag nur: Nebel des Grauens!). Wirklich nötig hatte ich das aber nie, weil die Brühe eher nervt, als eine tödliche Bedrohung zu sein. Der Säufer Longfellow ist genauso schlecht gelaunt wie die meisten Bewohner der Insel, was sich auch auf die eigene Stimmung legen kann. Vielleicht schleppt ihr stattdessen lieber Nick mit, was im Zusammenhang mit der Handlung sogar mehr Sinn ergeben kann.

Wenn euch die bisherigen DLCs nicht überzeugt haben, ist Far Harbor genau der richtige Zeitpunkt, um zu Fallout 4 zurückzukehren.Fazit lesen

Zusätzlich gibt es natürlich die üblichen Nebenquests: In den gut zwölf Stunden Spielzeit habe ich mehr als 20 dieser Missionen gezockt – es kann jedoch gut sein, dass ich noch einige übersehen habe. Neben Standard-Aufgaben sind erneut genügend interessante Geschichten dabei. Zum Beispiel ein Mordfall unter Maschinen, bei dem wir uns quasi als Sherlock Holmes betätigen. Wie gesagt: Blade Runner lässt grüßen.

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An alten Problemen ändert diese Reise recht wenig, dafür wirft sie aber ein paar spannende Fragen auf.
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Und wie sieht's mit frischen Waffen und Rüstungen aus? Check! Gibt es auch jede Menge. Für viele dürfte vielleicht die Harpunenkanone das Highlight sein, mit der man massig Unsinn anfangen kann. Sie eignet sich besonders gut dazu, Leute an die Wand zu nageln – oder einige der neuen Gegner, wie die verdammt fixen Gulpers, Fischmonster oder eine bestimmte Art Einsiedlerkrebs zu jagen.

Ihr solltet euch außerdem so schnell wie möglich die coole Marine-Rüstung unter den Nagel reißen, mit der die Mehrheit der Kämpfe in Far Harbor deutlich leichter wird. Wobei: hr könnt natürlich auch den neuen Survival-Modus ausprobieren, wenn ihr eine Herausforderung sucht.

Leider räumt der DLC nicht mit ein paar Problemen des Hauptspiels auf, etwa dem nervigen Inventar oder den fehlenden Hinweisen auf neue Missionen. In diesem Bereich verpasst Bethesda die Chance, Verbesserungen vorzunehmen. Und wo ich schon am Motzen bin: Auf der PS4 gerät das Spiel immer wieder schwer ins Stocken, als würde ihm der radioaktive Nebel auf der Insel nicht gut bekommen. Wer in dieser Hinsicht nicht leidensfähig ist, sollte vielleicht einen Bogen um Far Harbor machen.