Eines der besten Pferde im Stall Bethesdas ist ohne jeden Zweifel die Fallout-Reihe. Die Ankündigung vor der diesjährigen E3, komplettiert durch bald darauf gezeigte Details, Spielszenen und dergleichen mehr, machte sofort klar, dass der postapokalyptische RPG-Kracher in spe natürlich auch auf der (dieses Jahr schon sehr bald folgenden) Gamescom der Platzhirsch sein würde. Nun durfte das neue Material beäugt werden – doch wie neu war es wirklich?

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Die gute Nachricht und erste Entwarnung vorweg: Wer befürchtet hatte, Bethesda würde so bald nach der E3 einfach nochmal dasselbe Material zeigen, eine Geschäftspraxis, die durchaus vorkommt und uns bei der Gamescom auch schon öfter als einmal untergekommen ist, kann aufatmen. In einer neuen Montage stellte man zunächst den Auftakt einer sicherlich bald ausgebauten Reihe vor, in der jeder einzelne der sieben S.P.E.C.I.A.L.-Stats, die den Spielcharakter in Fallout maßgeblich ausmachen, vorgestellt wird.

Fallout 4 - Vom Geiz und Geigerzählern

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Prinzipiell: Daumen hoch! Aber wie wäre es mit etwas mehr Infos?
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In putzig animierter 50er-Lehrfilm-Manier demonstrierte uns der Vault Boy, wozu Stärke im Ödland gebraucht wird, was der Wert beeinflusst. Wirklich niedlich gemacht, allerdings auch für jeden Fan oder Freund der Reihe inhaltlich reichlich redundant, denn natürlich geht es immer noch um dasselbe: Nahkampf, Traglast, derlei. Anschließend gab es einen sehr kurzen und nicht gut erklärten Blick auf das neue Perk-System, das jetzt optisch an einen klassischeren Skilltree erinnert – unter jedem S.P.E.C.I.A.L.-Attribut sind direkt die irgendwann erlernbaren Boni angezeigt und mit kleinen Animationen versehen. Was das letztendlich für das Charaktersystem bedeutet? Keinen blassen Dunst.

Denn das war der große Knackpunkt: In gerade einmal 20 Minuten wurde die gesamte Konferenz, (will sagen: das Abspielen des Videos) erledigt, und da bleibt natürlich wenig Zeit für irgendwas. Witzigerweise ist aber alles, was hängenblieb, Details, denn etwas großes Neues gab es schlichtweg nicht zu sehen. Nichts, was ich euch in die Headline schreiben könnte oder das der dringenden Erwähnung bedarf.

Dann, nach der Stat-Show, ging es ans Eingemachte: In einer zusammengeschnittenen Sequenz (wodurch wir euch zum Beispiel nicht sagen können, wie die Ladezeiten des aktuellen Builds aussehen) kämpften sich der Bunkerbewohner und sein mittlerweile schon zwangsläufig mitzunennender Schäferhund durch eine von Ghouls und Raidern befallene Siedlung.

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Plasma trifft auf Goliaths - seit Fallout 3 bewährt und gut.
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Abgesehen davon, dass die Lasermuskete, die man zum Schießen ankurbeln muss, noch ein bißchen gezeigt wurde, war es an der Waffenfront reichlich leise. Aufällig an der ganzen Sequenz waren eigentlich nur dreierlei. Nummer 1: Auftakt der natürlich satten und fetten Action waren jetzt öfter einmal Überfälle und Überraschungen. Wilde Ghouls stürzen sich von Brücken, kriechen durch Fenster in Gebäude und derlei mehr. Numero 2: Die Interaktion mit den Feinden, vor allem gewalttätige Interaktion, hat ein paar süße neue Details. So kann man den Ghouls Arme und Beine nun wegballern, ohne dass sie direkt davon sterben – sie robben und beissen weiter. Und ein kritischer Treffer mit einer Nahkampfwaffe führt zu einem saftigen Finisher mit eigener Animation. Sowas sieht man immer gern.

Bethesda geizt mit Infos und neuen Elementen – wollen sie es spannend machen oder haben sie nichts auf Lager?Ausblick lesen

Punkt 3: Der gottverdammte Hund, der zuvor so lange und ausgiebig herumparadiert wurde, verhielt sich erstaunlich passiv in den Kämpfen. Vielleicht war er extra für das Showcase mit einem mentalen Maulkorb versehen worden, aber wie gesagt, es fiel auf. Ansonsten war auffällig, dass nichts auffiel. Fallout 4 glänzt momentan mit vielem, aber nicht wirklich vor Innovation oder sinnvoller Fortsetzung der Reihe.

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Hatte Dogmeat bei unserer Präsntation Schlaftabletten intus?
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Klar, es ist immer witzig zu sehen, wie der Bunkerbewohner an einen Fatman gerät und mit dem Mini-Nuklearraketenwerfer einen riesigen Goliath auslöscht. Aber... hatten wir das nicht schon? Bislang war jeder Teil der Fallout-Reihe ein Schritt – vielleicht nicht immer einer, der jedem gefiel, aber ein Schritt ohne Frage. Nach all dem Geheische mit Crafting, Köter und Bau-Minispielen in Minecraft-Manier, bleiben doch jetzt so ein bisschen die News aus.

Das ist kein KO-Kriterium, nichtmal wirklich ein Problem, sondern bislang nur ein Verdacht mit einem leichten Rümpfen der Nase. Es geht ja nicht um die Frage, ob Fallout 4 klasse wird – wir wären wohl alle sehr überrascht, wenn es bei seinem Release nicht richtig Spaß machen würde. Aber wenn es jenseits seiner ganzen Spielerchen, seines Glockenspiels und seiner schmucken Schleifchen am Hut in der Substanz doch nichts anderes werden sollte als ein aufgewertetes Fallout 3, dann wäre eine leichte Enttäuschung sehr gerechtfertigt. Fragt man die Leute, ob sie Fallout 3 oder New Vegas lieber mochten, finden sie mit guten Gründen Antworten und geben diese leidenschaftlich. Das... sieht man bei Fallout 4 bislang noch nicht.