Die Bombe konnte jederzeit fallen. Das wusste jedes Kind in den 80er Jahren. Mit der nuklearen Bedrohung ging’s abends ins Bett und morgens wieder raus. Meine ganz persönliche Atomparanoia bekam ich im zarten Alter von zehn Jahren verpasst, als im ZDF-Nachmittagsprogramm (man hatte ja nichts anderes!) der Film „Wenn der Wind weht“ ausgestrahlt wurde. In dem britischen Zeichentrickfilm geht es um ein älteres Ehepaar, die als Einzige einen Atomkrieg überleben. Im selben Jahr geschah die Katastrophe in Tschernobyl.

Schon war man geprägt für sein Leben. Man wusste, was einen demnächst erwartet: Verstrahlung, Krebs, Krepieren, Apokalypse. Da musste man ja Atomkraftgegner werden. Nun kann man sich seine Extradosis an radioaktivem Niederschlag bei „Fallout 3“ abholen: Im Jahre 2077 hat es die Menschheit endlich geschafft, sich gegenseitig mit ein paar Atombomben zu bewerfen, und verwandelt die Erde in eine einzige riesige radioaktiv verseuchte Müllhalde.

Fallout 3 - AddOn Broken Steel11 weitere Videos

Doch nicht alle Menschen sind gestorben. Die meisten haben sich in Bunkern, sogenannten Vaults zurückgezogen und versuchen unter der Erde zu überleben. Der Spieler wird mehr als hundert Jahre nach den Ereignissen in eine solch beengte Gemeinschaft hineingeboren: Die Macht im Vault hat der Aufseher, der für Ordnung auf engstem Raum sorgt. Doch seine Entscheidungen sind nicht immer die besten.

Fallout 3 - Die Rollenspiel-Sensation des Jahres

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 105/1101/110
In der Post-Apokalypse haben die Messis die Macht übernommen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Während des Aufwachsens in der Vault erhält der Charakter seinen ersten Schliff und kann über das Agieren mit den verschiedenen jugendlichen Freunden und Feinden bereits die Richtung für später vorgeben. Wirklich wichtig wird allerdings der G.O.A.T.-Test: Je nach Antwort auf die Testfragen werden die Werte für die verschiedenen Eigenschaften festgelegt. Die eher witzigen Fragen verlangen keine korrekte Antwort, aber sie zeigen die Spielweise des Spielers auf.

Wählt man für die gestellten Probleme am häufigsten rabiate Lösungen, erhöhen sich die Werte für Waffen und Kampf, sucht man eher elegante Auswege, erhöhen sich die Charakterwerte für Wissenschaft und Überredungskunst. Kaum hat sich der Teenager die Hörner abgestoßen, passiert etwas Schlimmes in der Vault: ein Aufstand, bei dem ein guter Freund von den Sicherheitskräften erschlagen wird – und der eigene Vater verschwindet. Die Suche beginnt.

Packshot zu Fallout 3Fallout 3Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

An die Oberfläche…

Dazu geht es raus an die verseuchte Oberfläche. Die Welt hat die nukleare Strahlung nicht gut weggesteckt: Alles liegt in Trümmern, verschiedene mutierte Wesen und Ghule machen die Gegend unsicher. Hinzu gesellen sich noch marodierende Banden, die nichts Besseres zu tun haben, als mit Leichenteilen die Wände zu verschönern – Mad Max lässt grüßen.

Ein absolutes Highlight, das aus der prä-weihnachtlichen Spieleflut herausragt. Extrem lange Spielzeit, packendes Gameplay und eine stimmige Welt machen Fallout 3 zum absoluten Must-Have.Fazit lesen

Es ist eine raue, eine feindliche Welt. Umso mehr brauchen die Bewohner Hilfe – ob man die gewährt, bleibt jedem selbst überlassen. Denn „Fallout 3“ ermöglicht ein recht individuelles Spielen – vom barmherzigen Samariter bis zum gierigen Fiesling ist alles möglich. Ihr könnt Hilfe verweigern und den Bedürftigen sogar noch niederknüppeln, oder ihr bietet Hilfe an und erfüllt diverse Aufgaben.

Fallout 3 - Die Rollenspiel-Sensation des Jahres

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Häufige Haushaltsunfälle, Platz 3: Vor dem Präsentieren einer neuen Waffe im Freundeskreis diese immer sichern!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Doch im Gegensatz zu „BioShock“ gibt es nicht nur schwarz oder weiß, denn selbst eine moralische Mitte ist möglich, bei welcher man für Hilfeleistungen Gegenwerte erbittet oder nicht immer gleich unterwürfig jeder Aufgabe ohne Widerstand nachkommt. „Fallout 3“ bietet ein großes Spektrum an Möglichkeiten, was die Interaktion mit den Bewohnern der Post-Apokalypse angeht. Das geht sogar so weit, dass es möglich ist, eine ganze Stadt auszulöschen – inklusive aller potentieller Sidequests. Dafür erhält man dann ein schönes Appartement.

So befindet sich unser verstrahlter (Anti-)Held fortwährend auf Achse. Die obere Region rund um das ehemalige Washington DC ist extrem weitläufig – kein Wunder, das Spiel basiert auf der „Oblivion“-Technik. Hier gibt es viel zu erforschen, und besonders akribische Spieler bekommen schnell Probleme: Hab ich alles gesehen, hab ich alles gesammelt?

Fallout 3 - Die Rollenspiel-Sensation des Jahres

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 105/1101/110
„Nun Lassie, das ist der Beginn einer langen Freundschaft …“
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Überall gibt es etwas zu entdecken, ständig gibt es neue Quests oder einfach ein unterirdisches Labyrinth, das von mutierten Insekten oder aggressiven Banden gesäubert werden will. Die Level sind zwar lang, aber glücklicherweise recht linear, ein Verlaufen ist fast ausgeschlossen. Sind erst einmal ein paar Punkte auf der Karte entdeckt, kann man bequem zu diesen springen und sich so die langen Wege sparen.

VATS-ige Kämpfe

Ein besonderes Feature bietet auch der Kampf. Je nach Gusto kann entschieden werden, ob man lieber im RPG-Stil über Aktionspunkte den Gegner angreift oder das Ganze als Ego-Shooter sieht und direkt mit der Waffe draufhält – eine gute Mischung aus beidem macht den Charme von „Fallout 3“ aus. Ist man auf dem Rückzug, empfiehlt es sich, dem Gegner einfach Blei entgegenzupumpen. Beim direkten Angriff kann über das so genannte VATS-System wertvolle Munition gespart werden.

Fallout 3 - Die Rollenspiel-Sensation des Jahres

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden5 Bilder
Wer die Wahl hat, hat die Qual: Was darf’s denn heute an Verstümmelung sein?
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Im VATS-System friert die Kampfszene ein und eine Trefferzone lässt sich anwählen. Zielt man mit der Waffe zum Beispiel auf die Arme, kann man den Gegner wehrlos machen. Am effektivsten sind natürlich Treffer im Kopfbereich, die allerdings schwieriger auszuführen sind. Ist man mit seiner Wahl zufrieden, läuft das Geschehen wieder weiter und die entsprechende Aktion wird ausgeführt. Hat man keine Aktionspunkte mehr, heißt es kurz warten – mitten im Kampfgetümmel nicht gerade einfach.

So verliert man schnell Trefferpunkte, die man jedoch über Essen wieder auffüllen kann. Doch Vorsicht: Alles ist hier verseucht, und so sollte man ein entsprechendes Mittel nachkippen, sonst lässt man jeden Geigerzähler explodieren. Auch ein lauschiger Rastplatz oder SimPacks helfen beim Wiederauffrischen der Lebensenergie.

Fallout 3 - Die Rollenspiel-Sensation des Jahres

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/6Bild 105/1101/110
Hier im Bild nicht sichtbar: die deutsche Zensur. Denn in der deutschen Version gibt es die roten Flecken (im Fachjargon: „Blut“) nicht.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wer also will, kann sich hier stundenlang auf die Suche nach dem verschwundenen Vater machen – „Fallout 3“ bietet beste Rollenspielkost für Fans und ist das derzeit beste Spiel seiner Art. Allerdings kämpft die Technik ab und an mit ein paar Macken: Einige Charaktere bleiben einfach mitten im Laufen an einer Wand oder einem Strauch hängen, und auch Clipping-Fehler sind zu beobachten.