Wurdet ihr schon mal so richtig herb vom ersten Eindruck überrollt, der nach zwei Stunden beleidigt einen Abgang machte? Ich meine richtig dicke Enttäuschungen. Nicht den Blick, wenn Cousin Hubert mit der Aschenbecherbrille stolz das neue Raven Squad vorführt. Eher die langsam einsetzende Ernüchterung, wenn ein Spiel Minute für Minute, Stunde für Stunde massiv an Reiz verliert.
Die ersten zwei Stunden machen wenigstens etwas Spaß, der Rest leider kein Stück.FazitGenau so, wie es Fairytale Fights am Ende ergeht. Schlimm, oder? Aber hallo! Vor allem, weil das erste vorsichtige Beschnuppern erfrischend beschwipst und jedem, der mal neben mir auf der Couch saß – egal ob Jakob, Olli oder Fabian -, die Mundwinkel in Richtung Ohren zog. Was blieb ihnen auch übrig bei einem Lust machenden Koop-Modus und der zuckersüßen Grafik mit ihren knallig-bunten Farbtönen, die so viel Ausgelassenheit und Lebensmut in dieser entarteten Märchenwelt ausstrahlen? Nach einer Viertelstunde ist man noch voll bei der Sache, neugierig, begeistert vom derben und zotigen Charme.
Auf der gamona-Betriebsfeier läuft immer irgendwas schief.Dieses Reich ist nicht nur so frech wie ein lachendes Kleinkind, gezeichnet mit warmen und freundlichen Farben, die sofort ins Auge gehen. Sie ist auch bevölkert von allerlei abstrusen Gestalten: Rotkäppchen, die der Wolfplage im ersten Video ein dickes Springmesser unter die haarige Nase hält. Ein Fleischer, der putzige Hasis auf dem Hackbrett verstümmelt. Und zwar solche, die sich nicht wehren können - oder wollen.
Eigentlich hocken sie ja nur blöd daneben und starren aus ihren dicken Glubschaugen. Am Wegesrand stehen tuschelnde Bäume, die an die ruppigen Pflanzen aus Alice im Wunderland erinnern. Und da hinten fliegen depperte Vögel, die in eine Brücke rauschen, abschmieren und saftige Blutflecken hinterlassen.
Wer mag, zieht mit einem Kumpel los. Spaß macht's dadurch nicht mehr.Das ist doch endlich mal ein uriges Märchen, das sowohl im Detail mit herrlich arrangierten Ausblicken als auch mit einem „Happy Tree Friends“-ähnlichen Humor in die Bresche springt. Auch eins, das zunächst spielerische Abwechslung verspricht. Immerhin gibt es vier wählbare Charaktere, allesamt die pervertierten Auswüchse dessen, was Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm damals durch den Kopf ging. Aber ehe man sich auf die gräuliche Neuinterpretation uns allen bekannter Erzählungen freuen kann, kollidieren die Sinne mit einer Schwäche, die das Drumherum nicht kaschieren kann: dem eigentlichen Spiel.
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Sind halt keine Shooter.
Gruß Missy