Im Märchenreich Albion geht mal wieder alles den Bach runter. Ein uralter Quälgeist sucht seinen Weg zurück in die Gegenwart und zerstört alles, was ihm in die Quere kommt. Nur der Jüngling Gabriel kann sich ihm entgegenstellen. Aber was heißt 'kann'? Er muss! Sein Pfad ist in vielerlei Hinsicht vorherbestimmt.
Schöne Bilder und ein nettes Abenteuer stehen strenger Linearität und mächtigen Armschmerzen gegenüber. In der Kinect-Bibliothek trotzdem ein Highlight. FazitFable: The Journey hat seine magischen Momente. Wenn die stattliche Stute Seren im friedlich glitzernden Morgenlicht das Wasser säuft, das ich ihr gerade in den Trog eingelassen habe. Wenn sie mir einen Apfel aus der Hand frisst. Gelacht habe ich über Schenkelklopfer der Marke „bodenloses Loch – hmm, ob der Schreck wohl nachlässt, wenn man erst ein paar Wochen gefallen ist?“.
Ein schizophrenes Irrlicht entlockt mir im „Stones“-Tempel ein Schmunzeln. Hanebüchene Erzählungen von Zunderbüchsen, einarmigen und abgefressenen Honigfingern erheitern meinen Tag. Ja, Fable: The Journey hinterlässt positive Erinnerungen. Nicht durchgängig, nicht in längeren Sequenzen. Gelegentlich, anscheinend zufällig offenbart mir Lionheads neuestes Programm Lichtblicke, die vergessen lassen, wie sehr ich mich eben noch über die anstrengende Bewegungssteuerung ärgerte.
Lionhead kleistert Fable: The Journey mit viel liebevoll gestaltetem Material zu, denn die Ambitionen sind hoch. Dieses Spiel wäre gern ein Action-Adventure, und wenn man es unter all den seltsamen Kinect-Spielen betrachtet, die abseits der Tanzspiele erfolglos versuchen, der Xbox-360-Bewegungssteuerung ein ordentliches Konzept unterzujubeln, ist es der Einäugige unter den Blinden. Vielleicht auch unter den Tauben, denn noch immer bleibt die Frage offen, welchen Gewinn Kinect für Spieler offeriert, wenn sie einen präzisen Controller dafür aufgeben.
Wunderschön sieht es auf jeden Fall aus - da kann man nichts sagen.Das Abenteuer des blauäugigen Gabriel, dessen Pferdewagen zufällig von seinem Siedlerkonvoi getrennt wurde, beginnt in friedlicher Idylle. Schon bald stolpert er nach bester Genre-Tradition ungewollt in verzwickte Umstände hinein, wächst mit der Herausforderung und reift zum strahlenden Helden heran.
Magische Handschuhe verleihen ihm sagenhafte Kräfte. Blitze und Feuer kann er damit werfen, scharfe Scherbenspeere aus dünner Luft erschaffen und telekinetisch Hindernisse aus dem Weg räumen. Bösen Hobbs, untoten Kriegern und stinkigen Krabbelkäfern macht er mit ihrer Hilfe den Garaus.
Bekommen hat er die Fingerwärmer, ohne von ihren Mächten und der verknüpften Verantwortung zu wissen. Eigentlich brauchte er sie nur, um sein verletztes Ross Seren zu heilen. Dann wurde er sie nicht mehr los. Und als seine seherisch veranlagte Begleiterin Theresa endlich einen Weg findet, sie abzunehmen, will Gabriel das magische Paar gar nicht mehr hergeben. Sein Mut ist geweckt. Er möchte plötzlich der Held sein, der den Riss zwischen den Welten verschließt und somit Albion vor der dunklen Bedrohung des „Verderbers“ bewahrt.
The Journey inszeniert ebenso fröhliche wie bedrohliche Momente.Klingt auf dem Papier schön, riss mich aber leider nicht so stark mit, wie ich erhofft hatte. Wie denn auch, wenn ganze Handlungsbögen innerhalb von wenigen Minuten vermittelt werden? Der Verschlinger, der Verderber, die Verführerin, William Black... meine Güte, diese eine Unterhaltung zwischen Gabriel und Theresa warf mir so viele Personen an den Kopf, dass ich erst einmal sortieren musste. Und geht es denn noch schwammiger mit den Bösewichten? Der Verderber, der Verschlinger.... Wie wär's gleich mit „Der Böse“ und „Der Fiese“?
Sei es drum. Letzterer verfolgte meinen Pferdetreck in den ersten Kapiteln des Spiels und sorgte für die einzige Abwechslung auf der großen Reise. Normalerweise sitzen Theresa und Gabriel schwatzend auf dem Wagen und lassen sich von Seren eine elendig lange Straße entlangziehen.
Auf dem Sofa sitzend und aus der Ego-Perspektive steuernd halte ich imaginäre Zügel in der Hand und treibe den Gaul an. Kinect liest anhand meiner Handbewegung, ob der Wagen links oder rechts ausscheren soll. Ob ich beschleunigen, bremsen oder gar anhalten möchte. Funktioniert technisch in der Regel einwandfrei und mit vernachlässigbarer Verzögerung.
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