Es gibt viele, die der Fable-Serie absolut nichts abgewinnen können. Ebenso steht's aber auch mit Halo, Killzone und selbst Uncharted. Für mich war das Action-Rollenspiel von Lionhead Studios und Peter Molyneux jedoch einst der Grund, mir die erste Xbox zuzulegen – und es hat sich gelohnt. Doch wirklich viel hat das Koop-Prequel nicht mehr mit der einstigen gedanklichen und spielerischen Basis der Exklusiv-Reihe für Xbox gemein. Aber ist das tatsächlich etwas Schlechtes?

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Vor fast zwei Jahren hat Peter Molyneux, geistiger Vater von Spielen wie Dungeon Keeper, Black & White und eben Fable, das von ihm gegründete Studio Lionhead endgültig verlassen. Er wollte wieder an kleineren Projekten arbeiten und wild experimentieren können. Das tut er nun bei 22Cans, einem Indie-Studio, das nur drei Minuten Fußmarsch von seinem ehemaligen Arbeitsplatz im britischen Guildford entfernt liegt.

„Ich glaube, dass sie Fable gut behandeln", hatte Peter damals verkündet. „Sie werden ihren Weg finden. Ich vertraue ihnen da." Und Fable Legends soll der erste Schritt auf diesem Weg sein. Dabei lässt das englische Studio aber auch vieles fallen, was die Fable-Reihe bisher so definierte – und auch besonders machte. Denn Fable Legends ist kein klassisches Action-Rollenspiel, sondern eher ein Koop-Arena-Schlachter, der sich narrativ geschickt um Überschneidungen mit den Vorgängern herumdrückt.

Fable Legends - Was wohl Peter Molyneux hierzu sagen würde?

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Erst 2015 soll Fable Legends erscheinen. Eine Beta ist jedoch schon für Herbst 2014 angesetzt.
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Geschichtlich setzt der Titel nämlich satte 400 Jahre vor dem ersten Fable an, und damit in der sogenannten Zeit der Helden. Eine Epoche, in der hinter jeder Ecke ein Heroe eine Großtat beging, die das fabelhafte Reich Albion verändert. Oder von der der Held zumindest hofft, dass sie das tut.

So erklärt es sich auch, dass online bis zu vier Koop-Spieler zum Start aus einem ganzen Pulk von vorgefertigten Heroen wählen können, die sich lose in Klassen wie Schwere Krieger, Kämpfer, Schützen und Magier unterteilen. Das wären beispielsweise die draufgängerische Ritterin Inga, die mit einem Schild namens Bulwark und einem Breitschwert in den Kampf zieht. Dann Sterling, ein narzisstischer Schwertkünstler mit Rapier, der flink und agil daherkommt. Bartträger Rook hingegen mimt mit einer Schnellfeuer-Armbrust der Scharfschützen. Und Winter, sie ist eine hübsche aber finstere Eis-Zauberin. Zu guter Letzt: Leech, ein grausiger Nekromant, der Leben aussagen und Mitstreiter heilen kann.

Weitere Recken will Lionhead erst im Verlauf des Jahres enthüllen. Heißt: Tabula-Rasa-Helden, die sich erst im Verlauf des Spieles optisch wie spielerisch formen, verändern und wandeln, wie in Fable 1 bis 3, gibt es hier nicht.

Fable Legends - Was wohl Peter Molyneux hierzu sagen würde?

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Hinter der schicken Grafik steckt diesmal keine eigene Engine, sondern die von Epic Games lizenzierte Unreal Engine 4.
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Irgendwie doch Fable?!

Nach der Charakterwahl werden die Spieler gemeinsam und aus klassischer Schulterperspektive mit einer Mission an den Anfang eines mehr oder minder geradlinigen Levels geworfen. 15 solcher Battlezones soll es im fertigen Spiel geben, die eine übergreifende Geschichte erzählen. Nach und nach werden deren Arena-gleichen Abschnitte geöffnet, wenn kleine Aufgaben erfüllt oder eben sämtlich Widersacher ausgelöscht sind.

Erst hier blinzelt dann etwas der Fable-DNA durch. Denn tatsächlich entspinnen sich die Kämpfe ähnlich rasant und witzig wie im Ur-Fable. Wenn eine Horde Goblins auf die Heroen einstürmt, wird wild drauf losgeschnetzelt. Jedoch hat jeder Heroe seine ganz eigene Spielart. Bei Sterling dreht sich alles darum, fechtend Kombos aufzubauen, um Schaden zu machen. Inga hingegen gleicht einem Rammbock, der lange braucht, aber mit jedem Schlag mächtig was wegholzt. Das geht gut von der Hand, fix und macht einfach Spaß. Wirklich Teamwork ist meist nicht nötig. Eher ein gewisses Im-Blick-Halten, der Kumpanen, wenn sie sich etwas zu viel aufgehalst haben. Lediglich in Bosskämpfen ist Koordination und vielleicht auch etwas Taktik gefragt.

Wütet ein 15-Meter-Troll umher, müssen alle zusammenhalten. Einer der Spieler lenkt ab, während die anderen geben Zunder. Klar, simpel, aber Fable Legends will auch nicht übermäßig komplex, sondern vor allem kurzweilig und unterhaltsam sein. Mission erfült, was das anbelangt.

Ist Legends wirklich noch Fable? Ja und nein. Der Look passt, der Humor auch – aber das Gameplay müsste kein Fable-Logo tragen, um Spaß zu machen.Ausblick lesen

Das alles sieht optisch durchaus nach Fable aus und hört sich auch so an In den Schlachten werden blöde Sprüche losgelassen. „Na, aber doch nicht ins Gesicht", quasselt Sterling. Und Inga meint, „Man sollte einem Mann nie den Job einer Frau überlassen." Fehlen eigentlich nur noch die so typischen Furz-Witze, die so unrühmliche Berühmtheit erlangten. Auch die leicht comichafte, überzeichnete und bunte Optik mit niedrigen, schiefen Häusern, schroffen Felsschluchten, verwucherten Pastell-Zauberwäldern, umherschwirrenden Schmetterlingen und dicken Sonnenstrahlen, die durch Blätterdächer schneiden: unverkennbare Fable-Optik.

Fable Legends - Was wohl Peter Molyneux hierzu sagen würde?

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In der englischen Fassung haben alle Heroen schicke Akzente aus allen britischen Gegenden. Sei's nun Wales, Schottland oder Yorkshire.
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Fable Dungeon Legends!

Der echte Kniff bei Fable Legends liegt allerdings woanders. All die Gegner, Fallen und Bosse, die die vier Spieler in den gestaffelten Arenen überwinden müssen, schickt ihnen ein fünfter Spieler auf den Hals – der gibt nämlich den namenlosen Bösewicht. Ganz ähnlich dem Mehrspieler-Part von ZombiU oder einem Tower-Defense-Spiel ist es seine Aufgabe, mit Vogelperspektivblick auf das Spielfeld, wie in einem Strategie- oder Taktik-Game, die Helden-Party zu stoppen. Und das geht sowohl via Smartglass auf Tablet als auch mit Controller am eigenen TV.

Es werden Gegner in die Welt gesetzt, durch die Gegend gescheucht und ihnen Ziele zugewiesen. Taktisch wird versucht, die Heroen einzukreisen oder aus der Ferne mit Granatwerfer-Goblins heimtückische Attacken zu fahren. Mit dem Schließen und Öffnen von Toren, kann die Heldentruppe auf gefährliche Seitenpfade oder in Hinterhalte gelenkt werden. Das klingt nicht nur in der Theorie toll, sondern spielt sich befriedigend und witzig, so dass wohl jeder gerne diesen Part übernehmen will. Außerdem ist damit ein und das selbige Level immer etwas verschieden.

Fable Legends - Was wohl Peter Molyneux hierzu sagen würde?

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Neue Level, Helden und Geschichten sollen per Download-Inhalt kommen. Lionhead will das Spiel so über mehrere Jahre unterstützen.
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Für zusätzliche Dynamik sollen verschiedene Modi sorgen. Von denen ist bisher aber nur „Moon on a Stick" bekannt, der einen Tag-Nacht-Wechsel ins Spiel bringt und den Helden zum Sonnenuntergang automatisch riesige Horden aus Rot-Mützen-Monstern und anderem Getier entgegen schleudert. Dennoch: 15 Areale? Etwas wenig, oder? Vor allem wenn man es mit dem Umfang der ursprünglichen Fable-Spiele vergleicht. Daher will Lionhead monatliche Download-Inhalte anbieten, die neue Level und auch Helden mitbringen, um die Spieler bei der Stange zu halten. Kostenlos, kostenfrei und gerüchtelte Microtransaction? Da geben sich die Macher noch dünnlippig.

So oder so. Fable Legends ist eine positive Überraschung. Allerdings: es fühlt sich letztlich nicht nach einem wahren Fable an. Zuviel ist anders. Mir scheint es fast, als würde hier etwas unter einen bekannten Namen gestellt, das auch für sich alleine erfolgreich funktionieren könnte. Ähnlich etwa dem kommenden Mehrspieler-Shooter Evolve, das sich ebenso gerade im Handumdrehen eine große Fan-Basis erarbeitet. Aber vielleicht braucht die Fable-Serie den frischen Ansatz von Legends ja mehr als umgekehrt. Wer weiß.