Wenn man als Redakteur "Review Guidelines" vom Hersteller eines Spiels erhält, steigt automatisch die Skepsis: Seit wann benötigt man eine Rezensionsanleitung, um seinen Job zu erledigen? So jedenfalls verfuhr man im Falle von Fable 2, in dem die Presse auf gewisse Umstände aufmerksam gemacht werden soll und zudem darum gebeten wird, das Spiel auch von jemandem Testen zu lassen "der kein Gamer ist". Das macht aber keinen Sinn, denn wer sich nicht für Games interessiert, wird sich auch von diesem Titel nicht eines Besseren belehren lassen.

Steckt dahinter etwa die Befürchtung, dass die eigene Arbeit nicht perfekt ist und daher entsprechend abgestraft wird? Wir haben daher das neue Werk der Lionhead Studios genauer unter die Lupe genommen. Eines vorweg: Der zuvor offensiv angepriesene online Koop-Modus stand während unserer Testsession noch nicht zur Verfügung. Dieses Feature soll erst am Launchday per Patch nachgeliefert werden und kann daher nicht in die Bewertung mit aufgenommen werden.

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Die Rache ist mein!

Doch nun ab ins Geschehen dieser Rollenspielfortsetzung, das einige hundert Jahre nach den Ereignissen von Fable spielt. Auch diesmal schlüpft ihr in die Rolle eines namenlosen Helden, der von den Bürgern des Fantasy-Reiches Albion nur mit seinem Heldentitel angesprochen wird. Anfangs lautet dieser Spatz, doch im Spielverlauf kauft ihr euch selbst die dann freigeschalteten Titel für den Protagonisten ein.

Fable 2 - Die fable-hafte Welt des Molyneux

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Die Welt ist malerisch, aber auch ein bisschen leblos.
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Bevor ihr jedoch mit einem erwachsenen Helden diverse Abenteuer bewältigt, steht ein in den Storyablauf eingebundenes Tutorial an, bei dem ihr alle notwendigen Spielmechaniken kennenlernt. Und gleichzeitig liefert dieser Part auch den eigentlichen Grund für euren anstehenden Rachefeldzug: den Tod eurer geliebten Schwester, der vom Bösewicht Lucien verursacht wird.

Eine mysteriöse und weise Frau geleitet euch anschließend durch die Hauptquest des Spiels (ca. 12-15 Stunden), bei der ihr jedoch nicht immer auf euch allein gestellt seid. Eure wichtigste Aufgabe besteht darin, drei weitere Helden zu finden und damit den Weg zum bösartigen Widersacher Lucien zu ebnen. Die abwechslungsreichen Quests bieten jedoch keineswegs Friede-Freude-Eierkuchen-Einsätze - im Gegenteil. Häufig müsst ihr euch euren Weg durch Horden von Banditen, Untoten, Trollen oder schrecklichen Monstern bahnen und setzt entsprechend auf Gewalt. An der Kampfmechanik selbst wurde im Vergleich zu Fable nur recht wenig geändert.

Packshot zu Fable 2Fable 2Release: Xbox 360: 24.10.2008
PC: 2009
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Dreistufiges Kampfsystem

Nach wie vor besteht das System aus drei Schulen: Nahkampf, Fernwaffen und Magie. In jeder dieser Disziplinen sammelt ihr jedoch gezielt Erfahrungspunkte. Setzt ihr beispielsweise für den Kampf in erster Linie ein Schwert ein, erhaltet ihr neben normalen Erfahrungspunkten vor allem Punkte in dieser Sparte und baut diese sukzessive mit weiteren Fähigkeiten aus.

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Spaßig wie im Vorgänger: das Zaubersystem. Unserem Feuerangriff entgeht nichts.
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Wer sich vielseitig weiterbildet und beispielsweise nebenher auf Magie setzt, wird die Kämpfe abwechslungsreicher gestalten und leichter gewinnen können, da ihm mehr Mittel zur Verfügung stehen. Generell ist das Kampfsystem sehr übersichtlich gehalten und ihr benötigt für jedes der Systeme nur einen Button. Doch gerade die Zauberanwahl gestaltet sich mit fortschreitender Spieldauer als eher suboptimal. Zudem bereiten dann nahestehende Gegner häufig Probleme, da sie durch einfache Zauber nicht zurückgeworfen werden und im Nahkampf beträchtlichen Schaden austeilen.

Fable 2 ist jedoch kein reines Schnetzel-RPG sondern bietet vielfältige Möglichkeiten, sich "auszutoben". Zum einen werdet ihr häufig vor moralische Entscheidungen gestellt und müsst euch etwa entscheiden, ob ihr Sklaven freilasst oder sie einem üblen Schurken überlasst. Schon zu Beginn des Spiels tragen eure Entscheidungen damit nicht nur zum Fortlauf der Story bei, auch der Ruf eurer Spielfigur und deren Gesinnung (die sich auch auf das Aussehen auswirken) wird dadurch beeinflusst und ist ein integraler Bestandteil des Spiels. Neben den Hauptquests bietet Fable 2 aber noch sehr viele andere Betätigungsfelder.

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Wer sich verlieben möchte, darf sogar ganze Familien gründen.
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So bandelt ihr mithilfe zahlreicher Ausdrucksmittel nicht nur oberflächlich mit Frauen oder Männern an (auch gleichgeschlechtliche Liebe wird unterstützt), ihr könnt sogar Sex praktizieren und dabei entscheiden, ob ihr Kondome benutzen wollt oder lieber nicht. Wer auf den Schutz verzichtet, hat eventuell bald nicht nur für eine Frau zu sorgen, sondern muss auch Unterhalt für Kinder erwirtschaften. Da es möglich ist, sogar mehrere Familien gleichzeitig zu haben, können sich diese Unkosten schon erheblich summieren, im Gegenzug bieten diese sozialen Aspekte jedoch auch einige lohnenswerte Boni.

Mein Haus, meine Frau, mein Land!

Daher kommt man nicht umhin, Geld zu verdienen. Arbeit gibt es in Albion mehr als genug. Neben der Möglichkeit durch Quests jede Menge Goldstücke einzustreichen, betätigt ihr euch beispielsweise durch Minispiele als Schmied, Holzfäller oder Aushilfskraft in der Kneipe und könnt dadurch euer Geldsäckel erheblich aufbessern. Das Geld benötigt man in erster Linie für weltliche Dinge wie den Kauf von Häusern oder ganzen Burgen, gelegentlich vielleicht auch den einen oder anderen Titel oder ein besseres Schwert.

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Viele Gegenstände dienen nur dem äußeren Erscheinungsbild - Rüstungen gibt es z.B. überhaupt nicht.
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Rüstungen im eigentlichen Sinne gibt es in Fable 2 leider nicht mehr. Euer Aussehen wird durch Kleidungsstücke bestimmt, die höchstens Auswirkungen auf euer Erscheinungsbild und damit die Reaktionen der umstehenden Bürger haben. Der Sammeltrieb wird hier definitiv nicht unterstützt und auch die Suche nach Schätzen ist eher nervig als lohnenswert. Auch wenn ihr dabei durch euren neuen Sidekick, einen Hund, unterstützt werdet.

Wer den Vorgänger schon mochte, sollte hier definitiv zugreifen.Fazit lesen

Dieser macht euch in der Nähe von Truhen oder Grabungsorten auf Funde aufmerksam, doch in die Ferne zu schweifen, um Schätze zu suchen, bringt eher enttäuschende Resultate: Meist findet ihr nur wertlosen Plunder, ein wenig Gold, Bücher oder den einen oder anderen Heiltrank. Vom Quest-Weg abzuweichen, der durch einen "leuchtenden Pfad" idiotensicher vorgezeichnet wird, ist daher nur selten spannend. Positiv ist hingegen das Schnellreisesystem: Orte, die ihr schon einmal besucht habt, müsst ihr nicht jedes Mal aufs Neue zu Fuß erkunden, sondern werdet auf Wunsch auch direkt in die Nähe der Questziele transportiert.

Leer-reiche Spielwelt

So malerisch und oft beeindruckend hübsch die Umgebung des Rollenspiels ausgefallen ist und Aussichten bietet, die zum Träumen einlädt - ganz problemlos spielt sich das Abenteuer nicht. Einen hohen "Nervfaktor" bieten beispielsweise die superträgen Menüs, durch die man sich nur ungern hangelt. Nicht ganz so negativ aber trotzdem störend ist auch das Handling unseres Helden. Dieser reagiert teilweise zu langsam und beschleunigt etwa auf den ersten Metern recht zäh.

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Minispiele lockern das Abenteurerleben immer wieder gekonnt auf.
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Das führt vor allem in Nahkämpfen dazu, dass man häufig nicht schnell genug auf die Attacken feindlicher Figuren reagieren kann. Die Animationen wirken zudem häufig hölzern und wenig beweglich. Richtig peinlich ist sogar der Sprung ins Wasser, der eher einem Planschen gleicht. Auf dem Weg durch Albion werdet ihr außerdem ziemlich regelmäßig spät ladende Texturen (sprich: Pop Ups) bemerken, die der ansonsten gelungenen Atmosphäre ein wenig abträglich sein können.

Außerdem wird das technisch eher durchschnittliche Fable 2 erneut mit einer gelegentlich störenden Verfolgerkamera ausgeliefert, die auf der einen Seite mit einem zu geringen Zoomfaktor daher kommt und zum anderen vor allem in Innenräumen nicht optimal angepasst ist. Dafür ist die deutsche Synchronisation von sehr hoher Qualität, hier hat man sichtlich keine Mühen gescheut und hervorragende Sprecher verpflichtet, zudem wird das Geschehen oft von einer absolut stimmungsvollen Hintergrundmusik untermalt, die sehr hörenswert ist.