Und was machen sie jetzt?” haben wir uns hin und wieder gefragt, sind den Videospiel-Stars auf leisen Pfoten durch das World Wide Web gefolgt, haben uns neben Tomb Raider (Artikel) entlang geseilt und sind selbst bis in die Tiefen der Hölle vorgedrungen, um Diablo (Artikel) einen Besuch abzustatten. Die Mythologie der Videospielgeschichte wartet mit etlichen Sagen um kreative Entwickler, wortgewandte Selbstverkäufer und großen Industrie-Monguln auf; alle Figuren im endlosen Schauspiel um Geld, Communities und dem schimmernden Funken von etwas, das Kunst sein könnte. Peter Molyneux ist der Vater der Göttersimulation, ein Göttervater, wenn ihr so wollt, der von Populous über Black & White, Dungeon Keeper bis hin zu Fable aufgestiegen ist, ehe ein tiefer Sturz folgte. Was macht der Erfinder eines ganzen Genres jetzt? Das kann ich euch beantworten.

Eine Göttersimulation par excellence - Black & White 2:

Black & White 2 - PC Trailer

Wie ist es, ein Gott zu sein?

Wir haben niedliche Menschen in Die Siedler befehligt, sind mit unseren Soldaten in Age of Empires in den Krieg gezogen und durften ganze Zivilisationen in den Civilisation- sowie Total-War-Reihen in Grund und Boden stampfen. Und dennoch – waren wir Götter? Oder nicht vielmehr Spieler, die einen kleinen Ameisenhaufen mit geringer KI hin und her trieben oder gegen andere aufhetzten?

Populous (1989)

Wie ist es, ein Gott zu sein? Natürlich gibt es God-Modi, die uns mit einem ewig währenden Lebensbalken ausstatten; doch das Gefühl einer unfassbaren Macht, in der wir uns suhlen können, eines wundervollen Antlitzes, das von anderen angebetet wird? Molyneux kennt die geheimen Sehnsüchte einiger Spieler und erschafft 1989 die fast erste Göttersimulation (neben Utopia von Don Daglow); aber sicher die erste, welche zu Bekanntheit gelangt und das seltsame Genre formt.

Ein Genre mit weniger als 50 Vertretern

Göttersimulation sagt euch höchstwahrscheinlich irgendetwas. Ist das nicht einfach ein Strategiespiel? Ein bisschen. Eine Wirtschaftssimulation? Ein bisschen. Was ist mit Die Sims? Ja, auch Die Sims können und werden zum Teil der Göttersimulation zugeordnet, hier und hier wiederum nicht. Am einfachsten ist es, sie als Unterform der Strategie-Spiele zu sehen, die oftmals in Echtzeit stattfinden und sich von Wirtschaftssimulationen insoweit unterscheidet, als sie fast immer kriegerische Handlungen in den Fokus stellen. Ein Gott muss unterwerfen – die eigenen Untertanen in Dungeon Keeper oder fremde Kulture in Populous.

Was die Göttersimulation aber von allen anderen Strategie-Giganten unterscheidet, ist die Art und Weise, wie mit den eigenen kleinen Figürlein und der virtuellen Welt interagiert wird. In Populous ist eine aktive Interaktion (Häuser bauen, Truppen schicken etc.) kaum bis überhaupt nicht möglich; einzig mit einem speziellen Item können Spielfiguren gesteuert werden. Als inGame-verifizierter Gott dürft ihr das Land verändern sowie Katastrophen auslösen, um euer Volk zu beeinflussen und zu stärken, damit es die gegnerische KI besiegt. Jetzt ist vielleicht auch klar, warum die heilige Liste der Götterspiele (ausgegraben aus dem Keller der Wikipedia-Bibliothek) weniger als 50 Titel insgesamt beinhaltet. Leider, wie ich finde.

Erinnert ihr euch noch an Dungeon Keeper 2? Sünde meiner Jugend.

Die Nummer Eins auf dem Spiele-Olymp

Noch skurriler: Peter Molyneux hat wohl alle der bekanntesten Vertreter des Genres im Alleingang ausgetüftelt und dabei mehrere große Studios gegründet, Bullfrog (von EA aufgekauft & geschlossen), Lionhead (von Microsoft geschlossen) und schließlich 22Cans. Zu seinen Erfolgen zählen Populous, Powermonger, Populous 2, Black & White, Black & White 2, Theme Park, Dungeon Keeper, Dungeon Keeper 2 und alle Fable-Teile; Populous, Black & White und Dungeon Keeper sind wohl die bekanntesten und beliebtesten Göttersimulationen bis heute.

Im Gegensatz zu Molyneuxs erstem Spiel, The Entrepreneur, das einem Gerücht zufolge nur zweimal verkauft wurde (und eine Version ginge an seine Mutter, behaupten böse Zungen), waren all die oben genannten Spiele extrem erfolgreich. Wie erfolgreich, erklärt Molyneux in einem Interview mit RollingStone:

Eine Drittel des gesamten Vermögens von EA kam für zwei Jahre allein von Populous. Es war unglaublich erfolgreich. Powermonger war die Nummer Eins in Amerika und die Nummer Eins in Europa. Syndicate war die Nummer Eins in Amerika und die Nummer Eins in Europa. Magic Carpet war Nummer Eins. Theme Park war der erfolgreichste Titel, den ich jemals gemacht habe, wirklich. Es wurden 50 Millionen Kopien verkauft. Es war gewaltig in Japan und enorm in Europa.

Noch kein immersives Rollenspiel gefunden, um der fiesen Sonne zu entfliehen? Hier ein paar Vorschläge:

Und wir reden noch gar nicht von Fable, das zugegeben keine Göttersimulation mehr war, sondern den Spieler zum Helden reduzierte (aber auf eine sehr sympathische Art). Molyneux war eine lange Zeit die Nummer Eins und sogar berühmter als William Riker; zu Recht, denn wer kann schon von sich behaupten, ein Genre im Alleingang geformt zu haben? Leider verspricht großer Erfolg oft Misserfolg, ein Versprechen, auf das sicher gern verzichtet würde.

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