Nach dem eher mageren F1 2015 gelang Codemasters mit F1 2016 im Sommer des vergangenen Jahres die Trendwende. Vor allem der neue Karriere-Modus samt Fahrzeug-Entwicklung und umfangreicher Trainingsprogramme kam bei den Fans gut an. Mit F1 2017 wollen die Rennspiel-Enthusiasten von Codemasters nun an genau diese Tugenden anknüpfen, aber auch den Online-Modus weiter verbessern und diesen mehr in Richtung E-Sport-Tauglichkeit trimmen. Ob all das ein rundes Gesamtpaket ergibt, konnte ich auf einer mehrstündigen Anspiel-Veranstaltung im Stuttgarter Mercedes-Benz-Museum in Erfahrung bringen.

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Herzstück von F1 2017 ist – wie schon bei F1 2016 – der Karriere-Modus. Erneut wird mir hier die Aufgabe zuteil, bei einem beliebigen Rennstall der aktuellen Saison anzuheuern, um innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums den Titelgewinn zu sichern. Das Schöne diesmal: Erstmals darf ich auch in der Rolle eines weiblichen Protagonisten antreten, den ich mir vor Spielbeginn mithilfe des Charakter-Editors zusammenstelle. Gut so, denn genau dieses Feature fordert die Community bereits seit Längerem vehement. Doch das ist erst der Anfang einer Reihe von sinnvollen Änderungen im Karriere-Modus.

F1 2017 - Boxenstopp für Karriere und Multiplayer

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Eine PS4 Pro, eine Xbox One X (ab November) oder einen aktuellen Gaming-PC vorausgesetzt, erlebt ihr F1 2017 in knackscharfer 4K-Auflösung mit voller HDR-Unterstützung
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Rennspiel trifft Rollenspiel

Weiter geht’s mit einem komplett umgekrempelten Forschungsbaum. Dieser umfasst nun sage und schreibe 115 verschiedene Einträge (!) und erinnert bei der ersten Inspektion eher an den Skilltree eines vollwertiges Fantasy-Rollenspiels als an eine Rennsimulation. Zum Vergleich: Im Vorgängerspiel beschränkte sich die Fahrzeug-Entwicklung auf ein von links nach rechts verlaufendes Schema mit insgesamt fünf verschiedenen Performance-Kategorien und jeweils fünf Upgrade-Optionen. Im Tausch gegen 300 Ressourcenpunkte konnte ich zum Beispiel ein effizienteres Zündsystem installieren, das zusätzliche Leistungsreserven freisetzte.

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NPC-Neuzugang Jonathan ist nicht nur stinkreich, sondern auch brennend daran interessiert, dass man seinen historischen F1-Fuhrpark mal so richtig ausreizt
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In F1 2017 sind solche Upgrades freilich immer noch verfügbar, streng genommen aber nur ein Zahnrad in einem viel größeren Getriebe aus Möglichkeiten. Beispielsweise muss ich nun auch berücksichtigen, wie effizient das Team aus der Boxengasse arbeitet. Lässt ihre Leistung zu wünschen übrig, macht es Sinn, Ressourcenpunkte in einen Skill zu investieren, der genau hier nachbessert und Reparaturen beschleunigt.

Bestimmte Fahrzeugteile sind immer wieder von Ausfällen geplagt? Dann könnte eine Lösung darin bestehen, den Zulieferern mehr Zeit für die Fertigung und Anlieferung der gewünschten Komponente zu geben – was sich dann wiederum in höherer Zuverlässigkeit der Teile bemerkbar macht.

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Eure Managerin verfügt nun über ihr ganz eigenes Büro. Nur einer von vielen Gründen, warum F1 2017 in Sachen Atmosphäre noch mal eine ganze Schippe drauflegt
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Ich könnte an dieser Stelle noch viele weitere Beispiele nennen. Letztendlich ist die Marschrichtung jedoch klar: Mehr denn je zuvor versucht Codemasters, weitere Aspekte des Formel-1-Sports zu simulieren und mit der Karriere zu verweben, was ich im Kern sehr begrüße. Wie gut all diese neuen Dinge unterm Strich miteinander harmonieren und was das auf lange Sicht fürs Balancing bedeutet, kann aber erst die Testversion im Detail zeigen.

Jonathan bezahlt

Im Probespiel in Stuttgart fielen darüber hinaus aber noch weitere interessante Ergänzungen ins Auge. Ein neuer Nicht-Spieler-Charakter namens Jonathan zum Beispiel: Die ersten Wettbewerbe hinter mich gebracht, tritt er mit einem wahrlich interessanten Anliegen an mich heran. Konkret: Jonathan schwimmt förmlich im Geld, was letztendlich auch erklärt, warum er über eine Vielzahl klassischer Formel-1-Rennwagen verfügt. Und mit genau diesen Wagen – darunter der legendäre 1998 McLaren MP4/13 von Mika Häkkinen und David Coulthard – soll ich nun in seinem Namen an verschiedenen Einladungsrennen teilnehmen.

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Classic Cars stehen euch in etlichen von Herausforderungs-Events zur Verfügung. In Verfolgungsrennen geht es zum Beispiel darum, langsamere Fahrzeuge (die jedoch mit einem gewissen Vorsprung starten) zu überholen
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Den Anfang machen sogenannte Überhol-Rennen. Hier geht es vor allem darum, mit einem schnittigen Classic Car einer ganzen Reihe anderer Fahrzeuge den Heckspoiler zu zeigen. In eine ähnliche Kerbe schlagen Verfolgungsrennen. Hier muss ich in erster Linie langsamere Klassikkarossen einholen – die allesamt mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf von der Startlinie losbrettern. Abgerundet wird das Paket von Zeitrennen sowie Checkpoint-Rennen, wie man sie unter anderem aus dem Trainingsmodus von F1 2016 kennt. Sprich: Ich fahre auf Zeit möglichst schnell durch eine Abfolge von transparenten Streckenmarkierungen. Wie immer ein Riesenspaß, vor allem aus der Frontspoiler-Perspektive!

Witzige Idee: Weil all das zwar mit der Story zusammenhängt, nicht aber mit den Platzierungen im Ranking der eigentlichen F1-Weltmeisterschaft, können Einladungsrennen auch auf anderen Strecken stattfinden. Oder besser gesagt auf anderen Streckenvarianten von insgesamt vier bereits existierenden Tracks. Freut euch also auf zusätzliche Strecken-Layouts für Silverstone (England), Suzuka (Japan), Circuit of the Americas (USA) und Bahrain – die dann natürlich auch im Multiplayer zur Verfügung stehen.

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Ein Splitscreen-Modus ist auch dieses Jahr nicht an Bord, ebenso wenig VR-Kompatibilität. Wer F1-Flitzer und -Strecken in der virtuellen Realität erleben will, muss auf vielversprechende Alternativen wie Project Cars 2 ausweichen
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Tolles Handling, störendes Tearing

Das Fahrzeug-Handling geht dank geschmeidiger Bildrate von 60 fps mal wieder schnell in Fleisch und Blut über und fühlt sich mit Lenkrad sogar noch einen Tick besser an als letztes Jahr. Grund sind kleinere Force-Feedback-Anpassungen, die sich speziell dann positiv bemerkbar machten, wenn ich meinen fahrbaren Untersatz mal wieder mit Vollgas über die Curbs am Streckenrand katapultierte. Kommt es doch mal zum Unfall, spule ich das Geschehen – typisch Codemasters-Racer – auf Knopfdruck zurück. Das klappt natürlich auch in der Boxengasse, wo ich ab sofort selbst festlegen darf, ob mich ein Geschwindigkeitsbegrenzer drosselt oder eben nicht.

F1 2017 ist eine vielerlei Hinsicht verbesserte Formel-1-Simulation – leider ohne Splitscreen-Modus und VR-Unterstützung. Für Rennspiel-Fans wird’s dennoch ein tolles Spiel.Ausblick lesen

Schön zudem der neue Schieberegler für die Künstliche Intelligenz. Ließ sich deren Cleverness im Vorgängerspiel lediglich in sieben Schritten regulieren, sind nun 110 Abstufungen möglich. Zugegeben, zwischen 55 und 59 konnte ich im Probespiel keinen signifikanten Unterschied feststellen. Sobald man aber in Zehner-Schritten variiert, werden Veränderungen spürbar. Dazu zählt leider auch, dass die KI auf höheren Schwierigkeitsgraden hin und wieder ziemlich fies rempelt – zumindest in einem Drittel der von mir gespielten Rennen.

Definitiv noch ein Problem ist das Tearing, also unschönes Bildzerreißen. Zwar konnte ich nur die Fassung für Sonys Standard-PS4 ausprobieren, dort jedoch trat es in schöner Regelmäßig auf allen Demogeräten auf.

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Als Technik-Motor dient Codemasters hauseigene Ego Engine. Das Spiel selbst läuft mit 60 Bildern pro Sekunde, hatte gleichwohl in der gezeigten Version noch mit Tearing zu kämpfen. Bis zum Release wollen die Briten diesbezüglich nachbessern
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Anpassen sollte Codemasters ferner die Ladezeiten, die sich zum Teil wie Kaugummi in die Länge zogen. Geht’s nach Lee Mather, seines Zeichens Creative Director bei Codemasters, stehen alle Kritikpunkte aber schon ganz oben auf der To-do-Liste.

Gemeinsam mehr Spaß haben

Abschließend noch einige Worte zum Multiplayer: Dem spendieren die Briten ebenfalls einige sinnvolle Feintuning-Maßnahmen. Da wären zum Beispiel die überarbeiten Server-Listen, die nun auf allen Systemen zur Auswahl stehen, also auch für Xbox-One-Spieler. Noch wichtiger ist das neue Reputations-System. Will sagen: Jede meiner Rennplatzierungen wird fortan mit Erfahrungspunkten belohnt. Die wiederum fließen auf ein Punktekonto und schalten in bestimmten Abständen Abzeichen (hier Championship-Sterne genannt) und Belohnungen frei. Um Online-Raser bei der Stange zu halten, sind ab sofort außerdem mindestens zwei der insgesamt 22 Slots für Zuschauer reserviert – ein willkommenes Feature für engagierte Twitch-Moderatoren. Oder E-Sport-Clans, die ihre Schützlinge während eines Rennens coachen möchten.