Ein Test der im jährlichen Turnus veröffentlichten F1-Iteration von Codemasters erinnert ein wenig an FIFA aus dem Hause Electronic Arts. Es geht abseits einiger Nuancen um dasselbe Spiel wie im Vorjahr. Hin und wieder sind die Anpassungen jedoch so gut durchdacht, dass eine Fortsetzung besonders hervorsticht. So eine liegt uns für das Jahr 2016 vor.

F1 2016 - Karriere-TrailerEin weiteres Video

Gehen wir mal davon aus, dass die meisten Leser dieses Tests bereits mit der F1-Reihe von Codemasters in Berührung kamen. Sind ja auch schon sieben Versionen auf dem Markt, wenn man die Handheld-exklusive Variante von 2009 mit einrechnet. Und mit dem Sport an sich dürften ebenfalls die allermeisten vertraut sein, immerhin mischen deutsche Fahrer seit etlichen Jahren im Spitzenfeld mit.

Somit besteht kein Grund mehr, das Pferd von Hinten aufzuzäumen. Was geliefert wird, ist völlig klar: alle Strecken, alle Teams, alle Wetterverhältnisse. Tatsächlich sieht F1 2016 seinem Vorgänger grafisch derart ähnlich, dass man durch den Blick auf Screenshots nicht unterscheiden kann, um welche Iteration es geht.

Bei bewegten Bildern schon eine ganz andere Sache. Vor allem auf den Konsolen PS4 und Xbox One, denn auf beiden rasen die Boliden flüssiger über den Asphalt als je zuvor. Zugegeben, die Bildrate ist auf keiner der beiden Systeme durchweg stabil, und wenn man Details wie Spiegelungen und Lichtreflexionen betrachtet, kommt keine Version an die PC-Fassung heran. Angesichts der vorhandenen Rechenkraft leisten beide Systeme jedoch hervorragende Arbeit.

F1 2016 - Auf der Überholspur

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Mit jährlichen Spieleupdates ist es ja immer so eine Sache. Dieses Mal hat sich Codemasters allerdings nicht lumpen lassen.
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PC und Konsole

Alle Einsparungen zugunsten der Konsolen fallen sehr subtil aus. Es fehlt kein Gebäude, kein Zaun und kein Männchen in der Boxengasse. Im direkten Vergleich mit der PC-Version macht sich lediglich eine zurückgefahrene Kantenglättung und verringerte Bewegungsunschärfe bemerkbar. Außerdem müssen Spiegelungen mit einer halbierten Bildrate klarkommen, sei es auf dem Lack oder in den Rückspiegeln.

Nun ja, ganz so pauschal kann man das nicht sagen, weil der Vergleich von der vorhandenen Hardware abhängt. Wir gehen hier von den Maximal-Einstellungen für den PC aus, die selbst starken Grafikkarten einiges abverlangen. Sogar eine brandneue Geforce GTX 1070 inklusive starkem i7-Prozessor der aktuellen Generation generiert „nur“ durchschnittlich 75 Bilder pro Sekunde, wenn alle Grafikoptionen auf Anschlag stehen. Darunter befinden sich allerdings auch einige Post-Processing-Effekte, die den Spielablauf butterweich erscheinen lassen, ganz zu schweigen von zwei kombinierten Kantenglättungsmethoden. Schaltet man nur eine davon aus, hüpft der Zähler gleich 20 Bilder pro Sekunde nach oben.

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Von butterweich kann man auf den Konsolen hingegen nicht durchgängig sprechen. Die meiste Zeit läuft F1 zwar sehr flüssig, auf der PS4 sogar nahe an den 60-FPS-Marke. Gelegentliche Stotterer fallen aber definitiv auf und lassen sich nicht ignorieren. Schon gar nicht auf Xbox One. Ja, auf Microsofts Kiste wurde ebenfalls viel verbessert seit dem letzten Jahr., aber durchweg flüssig ist was anderes. Hier fallen kurze Aussetzer und Zeilenversatz (Tearing) öfter ins Gewicht. Zum Glück ändert das wenig an der Spielbarkeit.

Zurück zur echten Karriere

Da sich grafisch abseits ein wenig Optimierung nur wenig getan hat, gibt es für Fans der Reihe wenige Argumente auf der optischen Seite, die einen Kauf der 2016er Iteration begünstigen. Wohl aber beim Inhaltlichen Aspekt.

F1 2016 - Auf der Überholspur

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Regen gibt es natürlich ebenso wie andere Witterungsbedingungen. Überhaupt ist F1 2016 ein üppig geschnürtes Rennspielpaket.
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Am ehesten sticht die Rückkehr zu einem vollwertigen Karrieremodus heraus. Ähnlich wie schon 2010 darf man wieder einen eigenen Fahrer anlegen und sich einem Rennteam der eigenen Wahl anschließen. Dies beinhaltet zwar nur die Königklasse des Rennzirkus und nicht den Werdegang dorthin (etwa durch Karts etc.), aber immerhin zehn Saisons mit fortlaufendem Fortschritt und Anpassungen im Team. So verdient man sich nun etwa Karrierepunkte, die man in die Entwicklung des eigenen Flitzers investiert. Spritverbrauch, Gewicht, Motorleistung – all das lässt sich in einem Upgrade-Raster beeinflussen, wodurch ein strategisches Element zischen den Rennen zutage kommt.

Konsequente Verbesserungen machen F1 2016 zum bislang besten Formel-1-Rennspiel aus dem Hause Codemasters.Fazit lesen

Solche Punkte häufen sich durch diverse Erfolge an. Rennplatzierung, Trainingsleistung oder das Ausstechen des ärgsten Rivalen wird belohnt. Wobei allerdings auch hohe Ansprüche bestehen, wenn man sich einem Spitzenteam anschließt. Wer bei Mercedes AMG nicht mindestens auf dem Treppchen landet, muss sich immer wieder Kritik von anderen Mitarbeitern abholen. Wir haben es während unseres Tests zwar noch nicht geschafft, aus einem Team zu fliegen, aber angesichts der harschen Kritik nach einem eigentlich brauchbaren sechsten Platz gehen wir davon aus, dass dies durchaus möglich ist.
Wobei zu betonen wäre, dass F1 2016 sehr anfängerfreundlich daherkommt. Diverse Fahrhilfen bis hin zu automatischen Bremsfunktion wirken dem Frust entgegen. Profis können selbstverständlich alle Helferlein deaktivieren. Und noch mehr als das: Ein extra knackiger Schwierigkeitsgrad steht nun bereit, der allen Cracks die Hammelbeine langzieht. Da bleiben keine Wünsche offen.

F1 2016 - Auf der Überholspur

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Grafisch hat sich bis auf kleinere Optimierungen vergleichsweise wenig getan.
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Bis ins kleinste Detail

Authentizität ist bei Codemasters Pflichtprogramm. Dennoch sticht die aktuelle F1-Episode besonders heraus. Es fehlt wirklich nichts. Safety-Car? Vorhanden. Einführungsrunde zum Aufwärmen der Reifen? Ebenfalls drin, wenn man darauf besteht. Volles Training mit Einfluss auf das Tuning der Renngeschosse? Alles da, von der Einstellung der Reifenmischung bis hin zur Festlegung der Boxenstop-Strategie. Sogar beim Start des Rennens gibt es eine neue Variable, die den Alltag spannender gestaltet, denn man muss selbst bei Wahl eines Automatik-Triebwerks die Kupplung halten und die Drehzahl des Motors hochziehen. Nur wer die Kupplung im richtigen Moment bei günstiger Drehzahl loslässt, legt einen Blitzstart hin und setzt sich binnen Sekunden vom Rest des Feldes ab.

Solche Detailverbesserungen kommen nicht von ungefähr. Codemasters ließ im letzten Jahr viele Fans zu Wort kommen und orientierte sich an den stärksten Kritikpunkten. Darunter auch die Einschränkungen bei Online-Rennen. Nun dürfen nicht nur 22 Fahrer an einer eigens kreierten Online-Saison teilnehmen. Wer wegen eines Disconnects rausfliegt, darf sogar wieder einsteigen, damit das Fahrerfeld nicht auf Dauer ausdünnt, was besonders bedauerlich wäre, wenn man alle Rennen über die hundertprozentige Distanz fährt.

Spracheingabe über Headset für Änderungen in der Boxenstop-Strategie und ähnliche Sperenzchen runden das Paket vollends ab. Dieses mal sollten selbst knickerige Enthusiasten vollends zufrieden sein, zumal viele Lenkräder unterstützt werden.