In der realen Formel-1-Saison rast Weltmeister Sebastian Vettel von Sieg zu Sieg. Man könnte auch von der Formel Gähn sprechen. Bei F1 2013 stößt Entwickler Codemasters auf ein ähnliches Problem: Wie soll man ein Spiel anpreisen, das sich im Vergleich zur Vorjahres-Edition nur marginal verändert hat? Man packt etwas hinein, das einen erneuten Kauf lohnend erscheinen lässt.

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Und das soll der sogenannte Classic-Modus sein. Das Rezept: Man nehme sich Originalfahrer und Fahrzeuge aus den 80er- und 90er-Jahren und stricke daraus einige spezielle Rennveranstaltungen. Die Auswahl wirkt aber überaus beliebig - während bei Ferrari Gerhard Berger hinters Steuer darf und ihm als Team-Legende Michael Schumacher an die Seite gestellt wird, sind viele andere Mannschaften auf ähnlich krude Weise zusammenwürfelt worden.

Das Gleiche gilt für die Wagen: Im Wettbewerb gegeneinander ergibt das eigentlich gar keinen Sinn. Es ist daher eine reine Spaßveranstaltung, ohne Saisonmodus oder Wettkampfcharakter, die auf lediglich vier Strecken (Imola, Brands Hatch, Estoril und Jerez) mit Fahrern wie Alain Prost oder Mika Häkkinen abgefeiert wird. Möglich, dass hier mal wieder Lizenzprobleme für den ziemlich merkwürdigen Umfang und die Zusammenstellung verantwortlich sind - immerhin darf die Retro-Party mit Sepia-Filter gespielt werden (lässt sich abschalten).

Spielerisch liefert der Classic-Modus trotz seiner inhaltlichen Einschränkungen aber durchaus eine willkommene Abwechslung zum technisch überladenen Formel-1-Zirkus der Gegenwart. Denn ohne ABS, KERS oder DRS kommt es noch mehr auf die Qualitäten als Pilot hinterm Lenkrad an - die Steuerung erweist sich dabei als anspruchsvoll, manchmal störrisch und oft fordernd.

F1 2013 - Und... immer noch gut?

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Eines der Highlights der Rennerfahrung sind die tollen Wasser- und Regeneffekte, die sich auch teils gravierend auf die Steuerung auswirken.
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Unterlegt von einem abermals brachialen Soundgewitter aus laut knackendem Getriebe oder Turbo-Knallern ergibt zumindest diese Seite ein befriedigendes Revival der alten Rennkisten, zumal sich die KI-Fahrer durchweg nicht unterbuttern lassen und massiv dagegenhalten.

Das gilt übrigens auch für alle Piloten des aktuellen Fahrerfeldes, die selbstverständlich vollständig am Start sind. Die KI rast bisweilen viel zu aggressiv, fährt häufig auf, drängt mich sogar ab - und wird dafür nicht bestraft. Und das, obwohl natürlich das aktuelle Regelwerk des Motorsportverbandes angewendet wird. Nur eben nicht durchgängig. Kassiere ich bereits Disqualifikationen oder Zeitstrafen fürs Abkürzen der Strecke oder die Anweisung, mich sofort zurückfallen zu lassen (mit Timer), passiert andererseits selbst bei gröbsten Remplern und kindischer Rambo-Fahrweise überhaupt nichts.

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Nach einem Jahr Pause feiert auch der Grand-Prix-Modus wieder seine Rückkehr. Gut so!
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Oder ich werde für Fehler der KI-Raser bestraft. Ja, ich kann sogar Geisterfahrer spielen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Wenn das offizielle Spiel zur F1 schon traditionell mehrere Monate zu spät auf den Markt kommt, dann bitte auch mit konsequenter Regelauslegung. Immerhin rettet uns die wieder eingebaute Rückspulfunktion vor den gröbsten KI- und Fahrpatzern.

I‘m racing in the rain

Abgesehen davon gibt es an F1 2013 aber kaum etwas zu bemängeln. Der Saison-Modus stellt selbstverständlich das Herzstück dar und bringt Langzeitspielspaß ohne Ende. Diesmal auch ohne störende Ruckler, die in der Vorjahresversion schon mal den Spaß verdarben. Und das, obwohl die Grafik stellenweise noch ein kleines Stück zulegen konnte.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es nur marginale Änderungen. Formel-1-Fans mit der Vorjahresversion müssen diese nicht unbedingt haben.Fazit lesen

Besonders gelungen sind neben der ohnehin tollen Umsetzung der PS-Boliden wieder einmal die Regen- und Wassereffekte. So viel Spaß bei Regenrennen macht wohl sonst kein anderes Rennspiel - auch weil die Fahrzeuge deutlich von den äußeren Einflüssen beeinflusst werden und es eine außerordentliche Herausforderung darstellt, bei diesen Events überhaupt heil ins Ziel zu kommen.

Apropos Schwierigkeit: Codemasters hat noch ein Dutzend "Szenarien" eingebaut, in denen eurer fahrerisches Können besonders gefordert wird. Wenn es beispielsweise gilt, in den letzten drei Rennrunden nicht nur zehn Sekunden auf den Vordermann aufzuholen, sondern ihm auch noch mal zehn Sekunden abzunehmen, verzweifeln auch gewiefte Rennfahrer. Zumal einem die Ideallinie oft genug keine große Hilfe ist.

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Wichtiger denn je sind die Auswahl der Reifen und die taktische Planung über ein komplettes Rennen hinweg.
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Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass die Bremspunkte wirklich optimal gewählt sind. Entweder schießt man über die Kurve hinaus oder bremst viel zu früh, was natürlich von der später bremsenden Konkurrenz gnadenlos ausgenutzt wird. Auf einigen Kursen ist die eingeblendete Linie darüber hinaus stellenweise kaum auszumachen.

Zurück zum Saisonmodus. Hier stehen euch nach der Absolvierung des aus dem Vorjahr bekannten „Young-Drivers-Test“ (verkappter Tutorial-Modus) etliche Möglichkeiten zur Auswahl - mit freiem Training und Qualifikation oder ohne, voller Renndistanz oder nur einem Teil davon. Wer am liebsten das ganze Drum und Dran haben will, wird sich außerdem freuen, dass man jetzt auch mitten in langen Rennen den Spielstand abspeichern darf.

So wird niemand mehr zu ellenlangen Spielsessions gezwungen. Und: Der im letzten Jahr gestrichene Grand-Prix-Modus feiert seine Rückkehr - ihr dürft also auch mit eurem Lieblings-Team und -fahrer um WM-Punkte, in Einzelrennen oder in benutzerdefinierten Runden auf die Tube drücken. Und wem das noch nicht reicht, der kann natürlich auch online gegen andere Spieler antreten.