Auf in die neue Saison! Codemasters frischt alle Lizenzen auf und bringt mit der aktuellen Episode von Formula 1 2012 alle Rennställe auf den aktuellen Stand. Anderweitig gibt es leider kaum Änderungen, und wenn doch, dann treten am ehesten Kürzungen zutage.

Na so was! Formula 1 2012... sollte es nicht mit 2013 betitelt sein wie die Sportspielkollegen aus dem Fußball-, American-Football- und Basketball-Segment? Offenbar legt Codemasters keinen Wert auf vorauseilende Markenaktualität für das nächste Jahr. Andererseits hat das Programmierteam solche kontrastierenden Maßnahmen gar nicht nötig. Die Formel-1-Lizenz ging nun ein weiteres Mal exklusiv an das Studio, Konkurrenz ist gar nicht erst vorhanden.

Dementsprechend wenig Zwang besteht für Codemasters, etwas am erprobten Konzept zu ändern. Aber was soll man auch an der Umsetzung des Formel-1-Rennsports herumpfuschen? Neue Regeln bestimmt einzig und allein der FIA-Dachverband, und da tut sich derzeit wenig.

F1 2012

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Ein neues Formel-1-Spiel. Wie jedes Jahr.
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Karriere ohne Grand Prix

Die meisten Neuerungen in Formula 1 2012 sind somit kosmetischer Natur, sofern man von den implementierten Spielmodi absieht. In den vergangenen Jahren war es noch möglich, in die Haut eines weltberühmten Piloten zu schlüpfen und an seiner Stelle durch die Meisterschaft zu rasen. Dieser Modus wurde in der aktuellen Fassung gestrichen, was aber niemanden mehr schockieren dürfte, da dieser Fakt schon im Vorfeld bekannt wurde. Solltet ihr noch immer das Verlangen verspüren, Sebastian Vettel persönlich auf Treppchen zu helfen, bleiben euch nur noch Einzelrennen.

Als Ersatz stehen nun die beiden neuen Spielvarianten „Champions Mode“ und „Young Drivers Test“ zur Wahl. Die erste Option setzt euch acht ausgetüftelte Herausforderungen vor die Nase, in denen ihr euren berühmten Idolen im direkten Duell gegenübertretet. In Gestalt eures selbst erstellten Fahrers sollt ihr mit vorbestimmter Bereifung Wetterbedingungen trotzen, eure Teamkollegen übertrumpfen oder schlichtweg ein höheres Fahrgeschick beweisen.

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Drei Schwierigkeitsgrade passen die Herausforderung an euer Talent an, aber einen brauchbaren Ersatz für den Grand Prix braucht ihr an dieser Stelle nicht zu erwarten. Die meisten Aufgaben sind in wenigen Runden abgehandelt und konzentrieren sich lediglich auf einen ganz bestimmten fahrerischen Aspekt.

F1 2012 bleibt weiterhin eine spitzenhafte Umsetzung des Edelmotorsports. Wer einen der Vorgänger besitzt, sollte sich die Anschaffung trotzdem genau überlegen.Fazit lesen

Diese Lücke kann auch der „Young Drivers Test“ nicht füllen. Manch einer mag diesen Modus gar als übermotiviertes Tutorial ansehen. Behutsam führt er Anfänger in die Gegebenheiten des Formel-1-Sports ein und lässt die Herausforderung derweil gehörig schleifen. Den Bremstest schafft angesichts des laxen Zeitlimits sogar eure Oma. Die Benutzung von DRS und KERS erklärt sich hingegen beinahe von selbst.

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Renställe und Fahrer wurden auf den neuesten Stand gebracht.
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Optimale Kurvennutzung und weitere Fahrtests dürften Profis nur noch ein Gähnen entlocken. Habt ihr einmal alle Tests durchwandert, besucht ihr diesen Modus nie wieder – auch nicht für die Medaillen, die ihr bei effektiver Fahrweise einheimst. Dafür dauern die Vorbereitungen viel zu lange, denn der (gut gemeinte) Kommentator kaut euch vor jeder Aufgabe rund eine Minute lang das Ohr ab. Sogar wenn ihr sie schon kennt.

Profis dürften somit ohne Umschweife in den offiziellen Karrieremodus wechseln, der heftig entschlackt wurde. Von den authentischen, wenn auch langatmigen Zwischensequenzen (etwa Interviews und Pressekonferenzen) ist nichts mehr übrig. Selbst euer Fortschritt wird nur noch in blanken Menüs festgehalten. Was nicht zwingend ein negativer Kritikpunkt ist. In der Tat wird der Spielablauf dadurch reibungsloser, wenn auch die zuvor grandiose Atmosphäre gehörig darunter leidet.

Höhere Kontraste im Fahrerfeld

Wie schon erwähnt sind die meisten Änderungen in der aktuellen Formel-1-Episode eher kosmetischer Natur. Umgestaltete Menüs, mehr Funkverkehr mit dem Boxenteam, neue Helmdesigns, eine neue Kameraperspektive, die einer versetzten TV-Kamera gleicht, sowie atmosphärische Einsparungen fallen am ehesten ins Gewicht. Kenner freuen sich höchstens über die erweiterten Einstellungen beim Rennwochenende. Auf Wunsch darf man nun eine komplette Qualifikation fahren, eine kurze Version in Angriff nehmen oder ganz auf die Quali verzichten.

Grafisch hat sich hingegen nichts getan. Unterschiede zu den Vorgängern muss man mit der Lupe suchen, was höchstens Grafikfetischisten die Laune verdirbt. Abseits der leider etwa blass wirkenden Streckenkontraste (hier könnte Codemasters ruhig ein wenig an den Reglern drehen) gibt es keine auffälligen Kritikpunkte.

Egal ob bei Regen oder bei Sonnenschein, man kauft den Grafikern jeden Winkel der Strecken als authentisch ab. Nette Partikeleffekte – etwa spritzende Regentropfen an den Reifen – runden den grafisch noch immer überdurchschnittlichen Eindruck ab.

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Regnen tut's auch ab und zu.
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An der Physik-Engine und am Fahrverhalten wurde ebenfalls kaum geschraubt. Noch immer fährt sich Codemasters Formel-1-Umsetzung nicht völlig authentisch, sondern vergibt auch den einen oder anderen Schnitzer, der ein echtes Rennen sofort beenden würde. So geben sich die Flitzer ziemlich unempfindlich, wenn ihr über Stock und Stein abseits des Asphalts rollt. Das Schadensmodell scheint ebenfalls eher optische als fahrerische Auswirkung zu haben. Bevor euer Raketengeschoss einen Seitendrall bekommt, müsst ihr schon heftig gegen die Wand donnern.

Nur eines fällt ungemein schnell auf: Die Kontraste zwischen den Rennställen wurden spürbar erhöht. Klar, konkurrenzfähig bleiben alle, doch ist es nun wesentlich schwerer, in einem Force-India-Wagen den Sieg einzuholen, als in einem Ferrari. Obwohl alle KI-Piloten zu sehr frühen Bremsmanövern neigen und euch massig Platz zum Überholen lassen, düsen euch die roten Italiener auf den Geraden in Windeseile davon. Jeder Positionsgewinn fühlt sich an wie ein zu feiernder Erfolg.

Das alte Problem mit den Lenkrädern

Leider hat Formel 1 2012 ein Manko, das sehr negativ auffällt. Es geht um denselben Lapsus, der schon die 2010er-Auskopplung heimsuchte und vielen Formel-1-Freunden die Stimmung vermiesen dürfte: Porsche-Lenkräder von Fanatec – inklusive der CSR-Reihe, die auf derselben Technik basiert – werden zwar korrekt erkannt und automatisch belegt, verfügen jedoch nicht über den vollen Wendekreis. Je enger man die Drehwinkel des Lenkrades einstellt, desto schlechter reagiert das Fahrzeug.

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Von der Stecke abzukommen kann fatal enden.
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Leider geht es nicht um Geringfügigkeiten. Der Einschlagwinkel wird bei diesen Lenkrädern so stark eingeschränkt, dass man jede „Dritter-Gang-Kurve“ im ersten Gang passieren muss. Andernfalls verlässt man ruckzuck die Strecke. Außerdem invertiert das Spiel durchgehend die Beschleunigungsachsen.

Dies kann man nur durch Anpassung der Treibereinstellungen oder durch ein wenig umgekehrte Logik umgehen. Solltet ihr die gleichen Symptome antreffen, so belegt einfach die Bremse als Gaspedal und das Gaspedal als Bremse. Beim Belegen solltet ihr zusätzlich die Pedale durchdrücken, damit das Spiel die volle Auslastung als Nullpunkt erkennt.

Klingt nach einer seltsamen Maßnahme, aber sie führt zur korrekten Erkennung. Obwohl ihr das Gas auf die Bremse legt, fungiert das Gaspedal als Beschleuniger. Sehr ärgerlich, denn in der 2011er-Episode schien das Problem behoben worden zu sein. Codemasters sollte unbedingt einen Patch nachreichen.