Als Heavy-Metal-Fan ist man enorme Lautstärken gewöhnt. Wenn eine Band bei Konzerten so richtig aufdreht, spricht man vom "Fön", der einen quasi umbläst, der Bass pumpt dabei oft dermaßen, dass man Herzrhythmusstörungen befürchten muss. Doch das alles ist nichts gegen den monströsen Lärmwall, den ein Formel-1-Rennen produziert.

F1 2011 - F1 2011 Trailer

Wer sich diesem akustischen Inferno ohne Ohrschutz stellt, ist entweder selbstzerstörerisch veranlagt oder bereits völlig taub. Koch Media und Codemasters hatten uns anlässlich der Präsentation von Formel 1 2011 zum Grand Prix auf dem Nürburgring eingeladen, wo wir neben ausgiebigen Spielsessions und Interviews auch eine gehörige Portion realer Formel-1-Action miterlebten.

F1 2011 - Ohren zu und... Wrooooooommm!

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Gleich geht‘s los - haltet euch ja die Ohren zu!
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Doch keine Angst - auch wenn der Sound der 2011er Beta-Version mindestens mit der vorzüglichen Akustik des Vorgängers mithalten kann, werdet ihr zuhause auch zukünftig ohne Ohropax auskommen. Das soll aber auch nur einer der wenigen spürbaren Abstriche sein, die ihr im Vergleich zwischen dem Geschehen auf einer echten Rennstrecke und dem Videospiel akzeptieren müsst.

So jedenfalls die Sichtweise von Codemasters‘ Senior Producer Paul Jeal, laut dem man "sich in vielen Bereichen nochmals deutlich steigern konnte". Die Konzentration des Entwicklerteams lag getreu dem Motto "Go Compete" demnach noch stärker darauf, die Erfahrung als Rennfahrer realistischer und herausfordernder zu gestalten.

Endlich Splitscreen-Rennen

Insbesondere die Mehrspielerkomponenten stehen in diesem Jahr im Mittelpunkt und wurden deutlich ausgebaut. Neben einer Koop-Weltmeisterschaft gibt es erstmals einen Splitscreen-Modus, in dem sich zwei Spieler gleichzeitig in einem horizontal geteilten Bildschirm Duelle liefern oder gar in einem kompletten Feld gegen KI-Fahrer behaupten.

Packshot zu F1 2011F1 2011Erschienen für PC, PS3, Xbox 360, 3DS und PlayStation Vita kaufen: Jetzt kaufen:

So schön es aber ist, dass wir nun auch Formel-1-Rennen im Splitscreen zocken dürfen, so wenig ansehnlich ist das grafische Resultat. Geradezu hässlich ist der Eindruck, wenn wir die Wetterverhältnisse auf "Regen" stellen. Die herabfallenden Wassertropfen wirken beispielsweise alles andere als authentisch und verhageln den Spielspaß doch bisweilen.

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Im Splitscreenmodus wirkt Regen leider geradezu hässlich.
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Senior Producer Paul Jeal weiß um dieses Problem: "Es ist schwierig. Die Hauptarbeit für den Splitscreen-Modus wurde von den Dirt-3-Entwicklern erledigt und wir versuchen, das bestmöglich anzupassen. Aber es gibt eben nicht so viele Rennspiele mit 24 Fahrzeugen, dazu kommen noch Boxenstopps oder Wettereffekte. Wir müssen da Entscheidungen treffen, denn man kann nicht alles haben - tolle Grafik auf der einen Seite und im Gegenzug die Rennerfahrung beschneiden. Man stößt einfach zwangsläufig auf Probleme, wenn etwa alles zweimal gerendert werden muss. Allein den Modus zum Laufen zu bekommen, war schon eine große Herausforderung." Für das nächste Jahr wolle man jedoch trotz der technischen Schranken noch ein paar Briketts drauflegen.

Die zweite Stütze des Mehrspielermodus bildet der überarbeitete Onlinemodus, in dem jetzt bis zu 16 Spieler gleichzeitig einzelne Rennen gegeneinander austragen und auch verschiedene Herausforderungen - abhängig von ihrem Spiellevel - bewältigen. Die verbliebenen acht Cockpits übernehmen KI-Piloten.

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Leider durften wir nur virtuelle Runden drehen, obwohl die Rennstrecke direkt zu unseren Füßen lag.
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Warum wir nicht in einem vollständigen menschlichen Fahrerfeld antreten dürfen, erklärt erneut Mr. Jeal, während vor der Tribüne ein Porscherennen um unsere Aufmerksamkeit buhlt: "Um ehrlich zu sein, gibt es dafür eine Reihe von Gründen. Da sind beispielsweise die technischen Probleme, 24 Spieler gleichzeitig am Rennen teilnehmen zu lassen. Es wäre ein zu großer Schritt gewesen, gleich das komplette Feld zu integrieren. Vor allem das Balancing und auch die Fehlersuche sind dabei von Bedeutung. Mit jedem Spieler, den man im Mehrspiermodus hinzufügt, vergrößert sich die Chance, einen Fehler zu übersehen. Es verlängert also den Q&A-Prozess und wir waren der Meinung, dass bereits 16 Spieler zuzüglich acht KI-Fahrern für dieses Jahr ambitioniert genug sind.“

Spannende Rennaction ohne ohrenbetäubenden Krach? Formel 1 2011 ist auf einem guten Weg dahin!Ausblick lesen

Weiterhin merkt er an: „Es wäre schön, irgendwann in der Zukunft auch Rennen mit 24 menschlichen Fahrern anbieten zu können. Wir wollen das aber Schritt für Schritt vorantreiben. Außerdem gibt es natürlich auch einige Bandweiten-Probleme, Spieler mit suboptimalen Verbindungen - wir stehen in Gesprächen mit Sony und Microsoft und versuchen herauszufinden, was machbar ist."

Ob im Splitscreen-Modus oder in regulären Grand-Prix-Wettbewerben - Codemasters hat die vor der Saison eingeführten Regeländerungen wie DRS und KERS selbstverständlich berücksichtigt. DRS (Drag Reduction System) erlaubt es euch, den Heckflügel anzupassen und so mehr Geschwindigkeit aufzunehmen. Das Energierückgewinnungssystem KERS verhilft euch in jeder Runde für bis zu 6,67 Sekunden zu 80 Extra-PS - einer Art Turbo-Knopf, der sich in der Praxis als höchst hilfreich erwies, um vor allem taktisch sinnvolle Speed-Boosts zu erreichen.

Allerdings zeigt sich auch, dass die KI-Fahrer diese neuen Technologien gerne und regelmäßig einsetzen. Ein Selbstläufer für Podiumsplätze ergibt sich dadurch also sicherlich nicht. Aktuelle Anpassungen an sich verändernde Regelwerke via DLC wird es übrigens nicht geben, dafür sind laut Jeal unter anderem Rechtefragen und hoher Aufwand verantwortlich. Die Entwickler versprechen dagegen Verbesserungen bezüglich der Fahrzeug-Steuerung, die in Formal 1 2010 als etwas zu sensibel kritisiert wurde. Vor allem die Gewichtsverlagerungen sollen spürbarer sein und auf diese Weise eine intuitivere Kontrolle der Boliden erlauben.

Gefühlt hatte ich in diversen Probe-Rennen schon den Eindruck, die Vehikel besser im Griff zu haben, allerdings war das auch stark vom gewählten Schwierigkeitsgrad abhängig. Wer alle Fahrhilfen deaktiviert, rast auch in Formel 1 2011 wie auf rohen Eiern über den Asphalt und muss ständig auf der Hut sein, damit das Heck der PS-Monster nicht ausbricht.

Boxen-Fehler gelöst?

Einige Probleme des Vorgängers ließen sich glücklicherweise gar nicht reproduzieren, etwa fehlerhafte Boxenstopps oder irreführende Durchsagen des Teamradios. Selbst bei mehreren Pitstops in einem Rennen entstand nie der Eindruck, dass das Klassement plötzlich durcheinander gewürfelt oder man aus unerfindlichen Gründen am Herausfahren gehindert würde. Wir hoffen, dass sich dies auch im fertigen Spiel als Problem der Vergangenheit bestätigt.

Jeal versucht frühere Fehler dieser Art mit einer "zu ambitionierten Herangehensweise" zu erklären. Für die aktuelle Version habe man aber drei Monate mehr Zeit und allein dies sowie das Zurückschrauben eigener Ansprüche soll eine Wiederholung solcher Malheurs verhindern.

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Verdammt, hab' ich jetzt die Tankstelle verpasst?
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Natürlich wird Formel 1 2011 dank offizieller Lizenz nicht nur alle Original-Fahrer- und Teams beinhalten. Auch alle jetzt 19 Strecken wurden erneut 1:1 nachgebaut. Der Clou: Noch bevor der Buddh International Circuit in Indien am 30. Oktober 2011 erstmals mit einem Grand Prix eingeweiht wird, drehen wir aufgrund der Veröffentlichung des Spiels am 23. September schon einen Monat zuvor unsere Runden auf dem von Hermann Tilke entworfenen Parcours. Es wird der achte Kurs sein, den der deutsche Bauingenieur für die Formel 1 designt, zwei weitere befinden sich bereits im Bau (Circuit of the Americas, USA) beziehungsweise Planung (Formel-1-Rennstrecke Sotschi, Russland).

Auch Tilke war am Nürburgring vor Ort und beantwortete die gamona-Frage nach den Vorgaben für ein einzigartiges Streckendesign folgendermaßen: "Ein Formel-1-Kurs muss zunächst höchsten Sicherheitsanforderungen genügen, er muss aber auch spannende Rennen ermöglichen. Wir bauen also Engpässe ein, die das Feld zusammenrücken lassen, besonders wichtig ist auch die Kurve nach dem Start. Im Simulator überprüfen wir zudem, ob es ausreichende Möglichkeiten für Überholmanöver gibt oder wie sich die Fahrzeuge verhalten, wenn man über längere Zeit hintereinander fährt, und berücksichtigen das bei der Architektur." Auch der von Tilke überarbeitete Nürburgring gehört 2011 zum Gesamtpaket.

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Hermann Tilke gestaltet Formel-1-Kurse und will vor allem spannende und sichere Rennen gewährleisten.
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Ob Formel 1 2011 optisch einen draufsatteln kann, ist anhand der Beta-Version nicht seriös einzuschätzen. Das Team verspricht aber neben dynamischen Wetter- sowie Tag/Nachtwechseln etliche grafische Verbesserungen. Darunter auch nagelneue Cinematics vor und nach den Events, die das Leben als umjubelter oder kritisierter Rennfahrer noch glaubhafter machen.

Lustig ist beispielsweise ein Video, in dem Vettel nach einem verpatzten Rennen verärgert die Kamera wegstößt. Außerdem zeigen sich alle Lenkräder vollkommen überarbeitet, statt der oft generischen Modelle des Vorjahrs sollen nun die tatsächlichen, individuellen Exemplare nachgestellt werden. Zum Glück muss man aber nicht die Belegung aller Knöpfchen auswendig lernen, das Spiel ist schließlich auch so realistisch genug.