Ein paar Jahre mussten Rennfreaks ausharren, bis sich mal wieder ein Studio an die Formel-1-Lizenz gewagt hat. Mittlerweile ruhen die Rechte an einer Versoftung bei Codemasters, die schon so manches Rennspiel zu Kritiker-Lieblingen heranreifen ließ – egal, ob Kassenschlager oder -gift.

Mit Colin McRae: DiRT und DiRT 2 wurde zumindest der Grundstein für eine kompetente Engine gelegt, die auch objektreiche Rennstrecken optisch ansprechend darzustellen vermag. Wäre doch schade, ein solches Stück Software nicht auch für andere Spiele einzusetzen. Die Realismus-Fanatiker beim Britischen Entwickler konnten sich jedenfalls so richtig nach Herzenslust austoben.

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Nichts für Blitzlichtscheue

Wir nahmen schon einmal Platz in einem waschechten Boliden der Renn-Königsklasse, zwangen unsere Zockerwampen in die Overalls und fuhren auf ausgesuchten Strecken Probe – ob das wohl gut geht? Schließlich würden uns die Verkehrsbehörden normalerweise nicht einmal mit Rollschuhen auf die Straße lassen. Zum Glück können wir als größten Schaden gerade mal ein paar verbeulte Pixel hinterlassen. Trotzdem soll das Spielerlebnis so wirklichkeitsnah wie möglich werden.

F1 2010 - Die DiRT-Macher bringen die Königsklasse zurück auf Konsolen und PC

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Liebe zum Detail: Der Spieler kann an jedem erdenklichen Parameter seines Boliden herumschrauben.
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Dazu stellt das Spiel allerhand Auswahlmöglichkeiten bereit, die zum Rumprobieren einladen. Manche Parameter werden auf spielerische Weise gesetzt: Wenn Name und Stil des Fahrers festgelegt werden, müssen sich die Spieler zunächst einmal auf der Pressekonferenz einem Blitzlichtgewitter stellen und bohrende Fragen der neugierigen Journalisten über sich ergehen lassen. So entlocken die Reporter dem neuen Racing-Talent neben dem Namen oder seinem Fahrstil auch die Anzahl der Saisons, in denen er mächtig Gas geben will.

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Auch die Strecken wurden ihren realen Vorbildern bestmöglich nachempfunden.
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Der Vorteil eines Lizenzproduktes ist natürlich, dass es mit großen Namen locken kann. So geben sich dann auch die Rennställe der Saison 2010 im Spiel die Klinke in die Hand. Sebastian Vettel, Rubens Barrichello, Mark Webber oder Michael Schumacher – was hier wie hohles Name-Dropping eines Scuderia-Laien klingt, ist die Liste an Namen, mit denen es der Spieler aufnehmen muss, um auf dem Siegertreppchen ganz oben zu stehen.

Die Programmierer haben auch die jeweiligen Fahrstile der Gegner analysiert. Aggressive Fahrer werden dementsprechend alles daran setzen, niemanden vorbei zu lassen, während Techniker eher auf ihr Geschick und die richtige Kurvenlage warten, um zum Sprint anzusetzen. Leicht wird es jedenfalls nicht, einen der ersten Plätze zu ergattern.

Eine Frage der Einstellung

Auch die weiteren Einstellmöglichkeiten bringen ordentlich Spieltiefe mit sich. So kann festgelegt werden, wie viel Hilfe vorgegeben wird, ob die bekannte Ideallinie dargestellt werden soll, ob die Flitzer ABS haben, und dergleichen mehr. Einen Regler für Wetter ist dabei schon so etwas wie Ehrensache, die Reifenmischung ebenfalls, aber wie sieht es aus, wenn selbst die Beschaffenheit der Regentropfen ausgesucht werden darf?

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Wer bremst, verliert: Anfänger können Fahrhilfen zuschalten, sodass sich F1 2010 beinahe wie ein Arcade-Racer spielt.
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Es macht schließlich einen Unterschied, ob es knüppeldick aus den Wolken kommt oder feiner Nieselregen gegen das Visier sprüht. Die Kamera bekommt dabei logischerweise auch Wasser ab, das dann die Sicht behindert. Schon beeindruckend, wie die vielen Feinheiten den Ausgang eines Wettkampfs bestimmen können.

Im Karrieremodus können die Antworten den weiteren Verlauf des Vorankommens entscheiden. Wer nach einem Sieg die Crew in den Hintergrund drängt, sich dagegen als Gottes Geschenk an den Motorsport aufspielt, kann auf diese Weise hoch pokern, aber auch wieder tief fallen. Andere Rennställe können durch derlei markiges Gehabe auf einen aufmerksam werden und eventuell einen höher dotierten Vertrag in der Tasche haben.

Simulation total ist Trumpf, wenn Codemasters ihre Vision eines schicken F1-Games an den Start schicken – das haut hin!Ausblick lesen

Ebenso ist es aber auch möglich, dass die geschmähten Teamkollegen nicht mehr motiviert mitarbeiten und nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Wer seine Crew auch in der Presse als tolles Team darstellt, könnte dagegen schon die Chance seines Lebens verpassen, dafür aber ein Superteam in der Box stehen haben.

Jeder Pixel muss sitzen

Dass eine gute Platzierung immer auch eine Teanleistung ist, merkt man spätestens, wenn betankt werden muss, ein Reifenwechsel nötig ist oder sogar ein tragendes Teil ersetzt werden soll. Ein Boxenstopp ist zwar grundsätzlich ärgerlich, offenbart aber wieder einmal mehr die Detailfreude: Alle Mitarbeiter wuseln um den Boliden herum, ein Monitor zeigt alle wichtigen Infos an und nach erledigter Arbeit wird man wieder auf die Bahn gewunken.

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Regen macht nicht nur die Straße rutschig, sondern vernebelt auch die Sicht.
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Diese Feinheiten ziehen sich auch durch die weitere Optik. Jeder Baum, der am Rande der wirklichen Rennstrecken steht, hat es auch ins Spiel geschafft. Manche Fahrer sollen sich sogar an diesen Anpflanzungen orientieren und ganz genau abschätzen, wann sie bremsen müssen und wann noch ein Druck auf dem Gaspedal drin ist.

Wie bei allen Rennsimulationen müssen auch hier die Strecken einstudiert werden. Nur wer ganz genau weiß, wann welches Manöver eingesetzt werden kann, wird die Strecke effizient meistern. Anders als bei simplen Arcade-Racern ist hier einfach mehr Taktik gefragt. Bremswege verändern sich bei unterschiedlicher Bereifung, Witterung und Ausstattung des Wagens. Obendrein ist ein voll betanktes Auto schwerer als eine spritdurstige Karre.

Experimentieren bringt nach und nach bessere Ergebnisse, bis dann endlich die Pole Position gehalten werden kann und der Gesamtsieg in der Tasche ist. Bis dahin erarbeiten sich die Fans aber ein gutes Stück Renngeschichte, bevor sie selber welche schreiben.

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Gegnerische Fahrer haben alle einen eigenen Charakter mit individuellem Verhalten.
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Auch online wird eine Menge geboten. Insgesamt können 12 Virtualschumis an den Start gehen und zeigen, wie gut sie die vierrädrigen Raketen beherrschen. Wenn sich alle Spieler auf etwa gleichem Niveau befinden, verspricht das die Grundvoraussetzungen für harte Fights auf dem Asphalt. Noch feilen die Entwickler am Balancing und bereinigen ein paar Ungereimtheiten in der Grafik.

Nach all den Jahren ohne Formel 1 auf den Konsolen will Codemasters am 24. September ein optimales Produkt auf den Markt bringen, das nicht die große Flatter bekommt, wenn die Vorzeige-Flitzer von Sony oder Microsoft anrauschen. Daher überlassen die Programmierer hier so wenig wie möglich dem Zufall – ähnlich den vielen Customizing-Möglichkeiten, die die Spieler einsetzen können.