Bei Rennspielen gibt es häufig zwei gegensätzliche Lager: Den Hardcore-Flitzern kann es gar nicht anspruchsvoll genug sein, der Simulationsgedanke steht im Mittelpunkt. Auf der anderen Seite bevorzugen viele Spieler eine Arcade-Mechanik, die ihnen ein möglichst ungestörtes Dahinrasen ermöglicht. Lassen sich diese beide Anspruchswelten bei einem Titel wie Formel 1 2010 überhaupt miteinander vereinbaren? Wir schnappen uns die PC-Version für eine ausgiebige Fahr- und Tauglichkeitsprüfung.

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Die Voraussetzungen für ein gelungenes Rennerlebnis erscheinen auf den ersten Blick nicht schlecht. Immerhin lieferte Codemasters in der Vergangenheit bereits eine Reihe ordentlicher bis sehr guter Genre-Vertreter ab - zuletzt beispielsweise das überzeugende DiRt 2. Nun soll nach Jahren des Darbens wieder eine Formel-1-Simulation mit kompletter Originallizenz für alle Fahrer und Teams das wiedererstarkte Interesse an dieser Motorsportdisziplin ausnutzen, nachdem Sony ab 2003 seine Exklusivrechte nur noch für halbgare Produkte verwendete.

F1 2010 - Die Rückkehr der Königsklasse

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Selbst mit allen aktivierten Fahrhilfen ist der Sieg nicht garantiert.
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Die Briten vertrauen für die Realisierung der Spielwelt auf die DiRt 2 befeuernde Ego-Engine und erzielen mit ihr hervorragende Ergebnisse. Alle Wagenmodelle wirken ihren Vorbildern optisch und akustisch bis ins kleinste Detail nachempfunden. Jedes PS-Monster verfügt über eigenständige röhrende Sounds und Cockpits.

Wer also beim Fahren die Cockpit-Perspektive bevorzugt, freut sich auf individuelle Ansichten respektive Aussichten. Ähnliches gilt für die authentischen Streckenprofile, die vom Curb über Werbetafeln und Streckenmarkierungen bis hin zu Kränen ihren realen Vorlagen bis aufs i-Tüpfelchen gleichen. Zum Höhepunkt der gelungenen Präsentation schwingen sich die dynamischen Wettereffekte auf, insbesondere die Regenanimationen.

Hier erreicht Formel 1 2010 einen beinahe beängstigenden Realismusgrad. Bei starkem Regen entstehen dicke Pfützen, die Sichtweite des Fahrers wird gerade bei der Cockpit- und Stoßstangenkamera drastisch herabgesetzt. Teilweise erkennt man tatsächlich kaum noch etwas von der Piste - aufspritzende Gischtwolken vernebeln hinterherrasenden Fahrzeugen zusätzlich die Sicht. Grandios! Trotz der hervorragenden Gesamtpräsentation kam es in unserem Test übrigens nur selten zu FPS-Einbrüchen. Wie es sich für einen anspruchsvollen Rennzirkus gehört, beeinflussen diese Rahmenbedingungen selbstverständlich das Handling der höchst empfindlichen Rennmaschinen.

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Bei Regen kann der Durchblick schon mal verlorengehen.
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Schaltet ihr alle Fahrhilfen ab, sollten sich eure Fahrkünste im besten Fall schon auf einem überdurchschnittlichen Niveau befinden, wollt ihr auch nur den Hauch einer Chance auf einen Spitzenrang haben. Bei Regen reagieren die Vehikel noch sensibler auf eure Befehle. Gebt ihr nur ein wenig zu viel Gas, dreht sich der Bolide sofort auf dem rutschigen Asphalt. Die Fahrphysik hinterlässt insgesamt einen äußerst glaubhaften, jederzeit nachvollziehbaren Eindruck.

Die beste Formel-1-Rennsimulation seit Jahren!Fazit lesen

Formel 1 2010 ermöglicht es mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, individuelle Rennbedingungen herzustellen. Vom Umfang des Events (kurzes oder langes Rennwochenende) über die Renndistanz, diverse Fahrhilfen, Benzin-, Reifen- und Schadenssimulation bis hin zur KI-Stärke passt ihr die Rahmenbedingungen euren Wünschen an. Gerade die cleveren computergesteuerten Rivalen erzeugen eine höchst authentische Rennatmosphäre. Bereits im leichtesten Schwierigkeitsgrad mit allen aktivierten digitalen Unterstützungsoptionen stellen die KI-Widersacher für Anfänger ernstzunehmende Kontrahenten dar. Auch wenn die Rennen hier teilweise einem „Fahren wie auf Schienen“ gleichen, bleibt das Rennerlebnis meist durchgängig spannend und fordernd.

Unzählige Einstellungsoptionen

Sobald man an den Einstellungen herumspielt, geht richtig die Post ab. Zwar patzen die KI-Gegner gelegentlich, wenn sie in Kurven über- oder untersteuern. Andererseits reagieren sie mit Kontern auf eure Attacken, anstatt sich stur an die Ideallinie zu halten. Überrundete Fahrer lassen euch hingegen vorschriftsmäßig passieren. Die steigende Schwierigkeit ergibt sich aus einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren, die jeder für sich selbst bestimmen kann. Die Wagen und Streckenverläufe vermitteln dabei nicht nur ein hervorragendes Geschwindigkeitsgefühl. Sie verlangen euch zudem präzise und hochkonzentrierte Fahrweisen ab. Für Fehler gibt es nur kaum Spielraum, die mitunter störrischen Boliden verzeihen wenig, ermöglichen jedoch ein akkurates Handling.

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Trotz widriger Umstände lassen sich dank zahlreicher Einstellungsoptionen Erfolge erzielen.
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Damit der Frustfaktor für untalentierte Fahrer nicht zu hoch wird, hat Codemasters eine Rückspulfunktion eingebaut. Sie erlaubt es - je nach Einstellung -, bis zu vier Scharten auszuwetzen. Wer meint, als Pistensau durchheizen zu können, wird jedoch in keinem der Modi glücklich werden. Nur wer aufmerksam durch den Hochgeschwindigkeitsparcours brettert und dabei die Eigenheiten der Strecken verinnerlicht, feiert am Ende Erfolge. Siege und Podiumsplatzierungen sind aber im Umkehrschluss umso schöner, weil man weiß, woher die schmerzenden Finger und verkrampften Hände stammen und womit sie belohnt werden.

Im Karrieremodus, der mindestens drei und höchstens sieben Saisons andauert, spiegeln sich Triumphe und Niederlagen nicht nur in Ranglistenplätzen oder gar Weltmeistertiteln wider. Bei guten Resultaten erhaltet ihr zudem Vertragsangebote von der Konkurrenz. Versagt ihr hingegen auf der Piste und euer Stallgefährte läuft euch den Rang ab, erhält dieser mehr Unterstützung des Teams.

Nützliche Upgrades wie eine höhere Bremswirkung verbauen die Mechaniker dann zunächst in seinem Vehikel. Auf diese Weise bleibt selbst bei geringem Erfolg mit dem vergleichsweise schwachen Startauto in Saison eins die Motivation hoch. Überflüssig erscheinen hingegen hölzern inszenierten Interview-Sessions und Pressekonferenzen, in denen ihr eine Reihe von belanglosen Fragen aus einem feststehenden Antwortenkatalog beantwortet.

Codemasters investiert viel Energie, um Formel 1 2010 nicht nur im Bereich der Rennsimulation unterhaltsam zu gestalten. Features wie ein komplett animiertes Boxenteam sorgen für gute Rennatmosphäre auch abseits der Pistenduelle. In der Box selbst erhaltet ihr darüber hinaus eine Vielzahl interessanter Informationen rund um das Rennen. Hier manipuliert ihr zudem das Set-up eures Fahrzeugs, wählt Reifenmischungen aus oder plant zukünftige Upgrades.

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Regen war noch nie so schön!
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Hardcore-Formel-1-Fans werden jedoch eine detaillierte Anzeige von Telemetriedaten vermissen. Außerdem verzichteten die Entwickler auf die Integration eines Safety-Cars. In diesen Punkten ist Hardcore-Fans die Spieltiefe sicher nicht groß genug. Das gilt zugleich für Schadensmodell sowie Auswirkungen von Fahrfehlern oder absichtlichem Fehlverhalten. Beides wirkt sich selbst im Legende-Schwierigkeitsgrad zu gering auf den Spielablauf aus.

Etwas schwach auf der Brust zeigt sich Formel 1 2010 auch hinsichtlich des Mehrspielermodus’. Warum dürfen nur zwölf Spieler an den Online-Sessions teilnehmen? Eine komplette Saison lässt sich leider ebenso nicht absolvieren. Lediglich einige Schnellspiel-Modi und benutzerdefinierte Grand-Prix-Rennen sind unterm Strich zu wenig. Wie stabil diese Sessions laufen, muss die Zeit zeigen, bisher waren naturgemäß keine Mitspieler verfügbar. Angemerkt sei ferner, dass für Online-Rennen und das Speichern des Spielstandes der „Games for Windows Live“-Service verwendet wird.