Ah, die Formel 1 - Königsklasse der Rennsportarten, hartes Geschäft, mit Spannung erwartet, mit Leidenschaft bejubelt. Eine Millionenindustrie, eine Lebenseinstellung – eine Vorlage für ein Videospiel?

Möglicherweise, doch die Wahrheit ist, dass sich Spielumsetzungen des rasanten Sports bislang irgendwie in Grenzen halten, erst recht, wenn man bedenkt, wie viele anderweitige Rennspiele es gibt. Die Formel-1-Simulation ist weder ein junges noch unterbevölkertes Genre, seit den Anfängen mit Pole Position im Jahre 1983 gab es einige Titel und sogar nennenswerte Reihen, allen voran Geoff Crammonds "Grand Prix"-Reihe und die Formula-1-Spiele, die sich seit der Übernahme des Publishers Psygnosis durch Sony fest in der Hand des japanischen Superkonzerns befanden.

F1 2009 - GC 2009 Trailer

Pardon?

Doch wie gesagt: Andere Rennspiele scheinen im Vergleich beliebter. Ob nun chaotisch-cartoonig (Mario Kart), brachial-brechend (Motorstorm, Burnout, Flatout) oder schmierig-schmutzig, wie z.B. in Codemasters’ Colin McRae: Dirt. Doch gerade letzteres Studio dachte sich offenbar, dass es an der Zeit sei, auch der Formel 1 zu neuem Glanz zu verhelfen. Und wo lässt man etwas glänzen? Ganz recht, auf der hardwaretechnisch leistungsfähigsten Konsole auf dem Markt, der Wii...

F1 2009 - Es fehlt eine Prix-se Salz

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Lang erwartet - hält F1 2009, was es verspricht?
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Gut, diesen kleinen Scherz einmal beiseite gelassen ist der Release eines F1-Titels für die Wii schon etwas Besonderes. Wie oben erklärt befand sich die Reihe bis vor kurzem seit sehr langer Zeit in den Händen von Sony. Der japanische Gigant hielt gar nichts davon, die Spiele auf fremden Konsolen erscheinen zu lassen und so fristete F1 ein Dasein als Ein-System-Lizenz.

Nun hat Codemasters die Lizenz erworben und sich offenbar gedacht, dass man vor der Veröffentlichung eines Spiels auf einer der beiden leistungsfähigeren Heimkonsolen eine Runde auf der Wii einlegen sollte. Man kann nicht sagen, dass die Idee abwegig ist, zumal Codemasters sich alle Mühe gibt, den Titel bereits im Vorfeld schmackhaft zu machen. So gibt man beispielsweise eine Special Edition heraus, der ein Lenkrad im Formel-1-Design beiliegt, in das man die Wiimote einspannen kann.

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F1 auf der Wii - produziert nicht den besten Look, doch Look ist nicht alles.
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Dennoch stellt sich unweigerlich die Frage: Ist die Wii für ein Formel-1-Spiel geeignet? Sicherlich, eines der erfolgreichsten Wii-Spiele ist Mario Kart, doch es bedarf nurmehr geringer Einsicht zu erkennen, dass die Anforderungen von Mario Kart den Anforderungen eines Formel-1-Spiels nicht wirklich ähneln. Starten wir die Konsole und finden es heraus.

Wii-rklich gutes Konzept?

Wie zu erwarten war, halten wir die Wiimote zum Steuern des Spiels waagerecht, das gilt auch für die Menüs, die sich uns nach einem sinnfreien Intro in "Need For Speed: Underground"-Optik präsentieren. Der erste Blick stimmt uns froh: Man kann aus dem relativ klar definierten Formel-1-Konzept nur bedingt viele sich abwechselnde Modi herausholen, doch es zeigen sich uns immerhin gleich fünf: Karriere, Grand-Prix-Wochenende, Weltmeisterschaft, Zeitfahren und Challenge-Modus.

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Formel 1 und Abwechslung: Feinde in freier Wildbahn.
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Sobald man die Modi jedoch erforscht, stellt man fest, dass drei von ihnen eigentlich einer sind, denn wie man bereits im Vorfeld hätte erraten können, besteht die Weltmeisterschaft aus einer Aneinanderreihung von Grand-Prix-Wochenenden und eine Karriere aus mehreren Weltmeisterschaften. Alles dasselbe, mal länger, mal kürzer.

Zeitfahren ist selbsterklärend und im Challenge-Modus warten - Überraschung! - mehr oder weniger abwechslungsreiche Herausforderungen, vom simplen „Gewinne das Rennen“ bis zum ebenfalls nicht so ausgefallenen „Überhole die meisten Gegner“. Same old im Grunde, doch wie gesagt: Aus einer so vordefinierten Sache wie Formel 1 lässt sich in dieser Hinsicht nicht allzu viel machen.

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Wir kennen die Formel 1! Authenzität ist das A und O!
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Doch die feste Vorlage hat noch einen anderen Effekt, sie legt den Entwicklern nämlich eine Schablone vor, bei der jeder Tritt über den Rand bemerkt würde. Man weiß, was zur Formel 1 gehört, worauf es ankommt. Die Fans kennen jede Kurve jeder Strecke genau, wissen, was einen Wagen vom anderen unterscheidet oder welcher Rennstall welchen Tuning-Kniff benutzt. Dem gerecht zu werden, könnte schwer sein.

Zu große Ambitionen auf einem zu begrenzten System, dennoch recht unterhaltsam und für Rennspielfreunde geeignet.Fazit lesen

Formel 0.5

Sobald man das erste Rennen startet, setzt eine ernüchternde und nicht völlig unbekannte Erkenntnis ein, denn wie bei so manchen Wii-Spielen bekommt man den Eindruck, dass auch bei Formula 1 2009 die Vorzüge des kleinen Wunderkastens gleichzeitig sein Fluch sind. Was gemeint ist?

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Nicht im Bild: Ein hektisch fuchtelnder Gamer mit Wiimote.
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Die Wii erlaubt dem Spieler z.B. mittels der Wiimote ein direkteres Kontrollgefühl, das ist gut. Jeder Wiispieler wird aber wissen, dass es, je nach Spiel, dazu kommen kann, dass die Wiimote nicht gut reagiert – sie ist mal zu sensibel, mal zu träge, mal reagiert sie gar nicht oder interpretiert Bewegungen falsch. Das mag kein Problem sein in Rennspielen, in denen man nicht zwingend Ideallinie fahren muss oder ein Rennen nach einem ordentlichen Brettern in die Bande nicht gelaufen ist. Aber in der Formel 1?

Für den Sport, der bei Tempo 300 präziseste Steuerung im Millimeterbereich erfordert, ist diese Steuerung schlichtweg ungeeignet. Das merkte an einem Punkt der Entwicklung offenbar auch Developer Sumo Digital und versuchte zu retten, was zu retten war. Man merkt es dem Spiel noch an, wenn man bei aktiviertem Schaden am Auto mit Vollgas gegen eine Wand brettert und irgendetwas zwischen „sehr wenig“ und „gar nichts“ passiert. Kann man die Steuerung schon nicht verbessern, so kann man doch die Folgen relativieren.

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Diw Wii zwingt F1 2009 zum Kompromiss.
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Letzteres könnte allerdings auch ein Zeichen des zweiten Kompromisses sein, den Sumo Digital eingegangen ist: Die Wii scheint dem Spiel nicht gewachsen. Oder noch genauer: Man spürt ein größeres Spiel in Formula 1 2009 schlummern, das von den beschränkten Hardwaremöglichkeiten der Wii klein gehalten wird. Die Probleme sind zum Teil altbekannt und könnten aus jeder anderen Review eines Wii-Spiels kopiert werden, z.B. dass Kantenglättung ein Fremdwort ist. Im Fall von Formula 1 2009 gibt es noch ein paar spezielle Schwierigkeiten.

Surroundboxenstop

Manche Dinge sind augen- bzw. ohrenfällig. Die Soundqualität lässt zu wünschen übrig, man hofft, dass in der Entwicklung keiner gesagt hat: „Es sind Renngeräusche, einfach schön laut kreischen lassen, dann passt das!“ Die Umgebung ist hinreichend, da man ja in aller Regel mit einem Affenzahn über die Pisten heizt. Hält man aber doch einmal einen Moment inne und betrachtet die Baumkronen, den Himmel und die Sicherheitskäfige, kann man nicht anders, als die Nase zu rümpfen.

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Überraschung: Das Spiel mach Spaß.
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Doch hier ist die große Überraschung: All diese „Wir würden ja, wenn wir könnten“-Kompromisse lassen dennoch eine Menge Spielspaß zu. Die problematische Steuerung erfordert, gerade vom Casualgamer, etwas Hingabe und Geduld, hat man aber eine Weile gespielt, kennt man die Macken des Controllers und liefert brauchbare Ergebnisse auf der Piste. Der Sound ist sekundär, die schlechte Grafik nicht zu befremdlich.

Hinzu kommen die unleugbaren Stärken des Spiels. Die Strecken sind so genau wie möglich in Szene gesetzt und dank der offiziellen Lizenz kommt man in den Genuss aller Originalwagen und -fahrer. Gut, die Fotos der letzteren hätten ruhig scharf sein dürfen und ein ums andere Mal sind sie äußerst komisch, aber gut ist es trotzdem. Schön ist auch, dass es diverse Möglichkeiten zur Anpassung gibt. Es macht einen großen Unterschied im Fahrgefühl aus, ob man ABS, Wetter oder KERS-Boost aktiviert.

Das alles zusammengenommen, kombiniert mit der Tatsache, dass Formula 1 2009 keine nennenswerte Konkurrenz hat und, wie jedes Rennspiel, im Multiplayer-Modus noch mal wesentlich mehr Spaß macht, sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man als Rennspielfan im Spieleladen seines Vertrauens vor dem Regal steht und grübelt.