Die Lausbubenzeit ist vorbei. Gestern jagten sie sich mit Holzpistolen und -schwertern, heute sind es MG, Schrotflinte und Co. Aber echte Bruderliebe geht weit über den Tod hinaus. Das wissen auch der alte F.E.A.R.-Protagonist, inzwischen bekannt als Pointman, und Paxton Fettel, immer noch bekannt als fiese Mistkrücke. In „F.E.A.R. 3“ müssen sie zusammenarbeiten.

Einen Grund zum Sich-an-die-Gurgel-Springen haben sie eigentlich nicht, eher zum Feiern. Die Familie bekommt Nachwuchs. Mutter Alma – ja, die kleine Göre im Kleidchen – ist schwanger und kurz davor, das wohl hässlichste, grässlichste und unverlässlichste Kind aller Zeiten zu gebieren. So ähnlich denkt sich das auch Co-Schreiber Steve Niles von den Day-1-Studios und ersetzt mein cooles Homoioteleuton durch „gefährlich“ und „übernatürlich“. Egal. Was auch immer da aus den Lenden flutscht, ist ganz sicher nicht das niedliche Baby, dem man die Fußsohlen kitzelt.

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Wer beim F.E.A.R.-2-Nachsitzen aufgepasst hat, dürfte mitbekommen haben, dass Alma schon dort einen runden Bauch bekam. Neun Monate später, gleichzeitig der erzählerische Einstieg in F.E.A.R. 3, steht sie kurz vor dem großen Wurf. Pointman (als Mensch) und Fettel (als Geist) müssen, aus welchem Grund auch immer, ihre Mutter finden und... tja, was eigentlich? Ihr einen ballistischen Scheitel ziehen? Sie in den Arm nehmen? Auf jeden Fall sind die beiden einstigen Streithähne enger verbunden, als ihnen lieb ist. Und sauer. Und zittrig im Zeigefinger. Jemand könnte draufgehen.

F.E.A.R. 3 - Alma, Fettel, Pointman: Familienfest des Grauens

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Pointman, wie man ihn kennt: ballernd und ständig im Zeitlupen-Loop.
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Oh, und damit später niemand meckern kann, er hätte F.E.A.R. 3 (oder F.3.A.R. im Marketing-Sprech) gern kooperativ mit einem Kumpel gespielt, ziehen die Entwickler eine Säule hoch, den Grundpfeiler des F.E.A.R.-Erlebnisses, wie sie sagen: den Koop-Modus. Zwar steht es jedem frei, die Kampagne als einsamer Pointman zu durchstreifen, wobei Paxton Fettel als blökende Stimme aus dem Off zu hören und manchmal zu sehen ist. Aber das kennt man ja. Witziger dagegen ist die Möglichkeit, beide Rollen mit menschlichen Spielern auszufüllen.

Herr Pointman beherrscht genau das, was er seit dem ersten Teil auf dem Kasten hat: ballern, den psychedelischen Zeitlupeneffekt bemühen, sich freuen, dass alles so tüdelig an ihm vorbeizischt. Mit Doppel-MP, Schrotflinte und allerlei klackerndem Rüstzeugs ist er der Revolverheld und agiert geradeheraus – im Gegensatz zu seinem Bruder. Fettel ist der verstohlene, fiese Mistkerl, der lieber von Feinden Besitz ergreift und seine perfiden Spielchen treibt.

Er kann zum Beispiel in den Körper jedes Gegners schlüpfen und ihn gegen seine ahnungslosen Kollegen aufwiegeln, indem er auf sie feuert. Ansonsten wirft er blutrote Geschosse, die Kontrahenten der Länge nach zerfleddern, oder lässt sie mittels Telekinese in der Luft schweben. Muss währenddessen ein Zombie-Arm dran glauben, nun ja, dann wurscht – die fauligen Ranzberge greifen weiterhin an, während das Blut spritzt und suppt und trieft.

Packshot zu F.E.A.R. 3F.E.A.R. 3Erschienen für PC, PS3 und Xbox 360 kaufen: Jetzt kaufen:

Gemeinsam sind wir stark

Ohnehin sind sämtliche Kampfeffekte wieder maßlos übertrieben, vor allem wenn man Projektile in Zeitlupe heranrauschen sieht, die Ragdoll-Physik ihren Dienst verrichtet und über dem Geschehen ein Eimer roter Farbe ausgeleert wird. Hoffentlich müssen die fleißigen Entwicklerbienchen für den deutschen Markt kein Großreinemachen durchziehen wie in den Vorgängern. Ein F.E.A.R.-Teil ohne einen einzigen Tropfen Blut mag immer noch ein gutes Spiel sein, aber keins, das die Grausamkeit gebührend einfängt. Der Geister-Fettel ist eben ein Arsch, der nicht mehr als dampfende Häufchen Knochen und Asche zurücklässt. Wenn danach alles wie gewienert aussieht, wäre das ein Knacks innerhalb der Spielwelt.

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Gemütlich war's noch nie in F.E.A.R. Daran ändert auch der dritte Teil nichts.
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Was das Zusammenspiel für den kooperativen Sportsgeist bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. Fettel packt einen Widersacher zum Beispiel telekinetisch an der Kehle und lässt ihn zwei Meter über dem Boden baumeln, während Pointman ihm den Rest gibt. Da die Zeitlupenfunktion beide Charaktere betrifft, entstehen schnell wunderbar überzogene Aktionen kämpferischer Großartigkeit. Etwa wenn ein Haufen grunzender Zombies vor einem Fernsehgerät versumpft und von einer Fettel-Explosion dahingerafft wird. Schön zu sehen übrigens, dass per Ragdoll-Willkür herumgeschleuderte Gegner stets ein dickes Grinsen erzeugen...

Der Geisterbub hat außerdem Röntgenaugen. Oder so. Jedenfalls sieht er Türen rot schimmern, die Pointman verborgen bleiben. Die dahinter befindlichen Orte sollen vor allem dazu einladen, Gegner in die Zange zu nehmen, wobei farbliche Silhouetten immer darauf hinweisen, wo sich der Partner gerade befindet.

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Mit seinen Telekinese-Fertigkeiten macht Fettel klar Schiff.
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Ob „F.E.A.R. 3“ wie sein Vorgänger dem Action-König den Hof macht oder wieder zurück in den mollig-warmen Horrorschoß findet, weiß ich nicht. Die gezeigten Abschnitte wirkten wie aus dem F.E.A.R.-Buhuu-Baukasten nach Maß. Ihr wisst schon: flackerndes Licht, finstere Hinterhöfe, versiffte Innenräume mit vollgekritzelten, von einem braunen Schmierfilm überzogenen Wänden, starrenden Dreckecken und zertrümmerter Inneneinrichtung.

Sieht aus wie F.E.A.R., spielt sich so und hat sogar einen Koop-Modus. Könnte richtig Spaß machen.Ausblick lesen

Erst streckt Alma ihre Fratze in die Kamera, dann platzt eine Glühbirne, da hinten fällt etwas runter, hier vorn knarzt der Fußboden. Das Übliche. Interessant wird es, wenn eine dieser geifernden Kreaturen auftaucht, den Schlund aufreißt und die beiden Protagonisten in eine Kindheitserinnerung zerrt. Beispielsweise ein Waldstück mit drübergestülptem Schwarzweiß-Grafikfilter, wo ein einsames Karussell vor sich hinächzt. Hier hatten die beiden ihre besten Tage. Seht nur, was aus ihnen geworden ist...