Autor: Nedzad Hurabasic

"Gut Ding will Weile haben" - so lautet ein bekanntes Sprichwort. Dasselbe trifft auch auf die Xbox 360-Umsetzung des Shooters "F.E.A.R." zu, die nun nach fast anderthalb Jahren den Weg vom PC zur Microsoft-Konsole gefunden hat. Während die PC-Fassung damals durch die Bank weg Bestnoten einheimste, sind Shooter-Fans den Konsolen-Fassungen dieses Genres schon seit je her skeptisch gegenüber eingestellt.

Dazu gibt es aber nicht nur im Allgemeinen kaum einen Grund, auch im Speziellen - sprich bei "F.E.A.R." - besteht für Argwohn kein Anlass. Warum sich das Horror-Actionspiel auf Anhieb als einer der besten Shooter für die Xbox 360 erweist, haben wir auf einem Trip zwischen Genie und Wahnsinn herausgefunden.

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Afraid of the Dark
Wie lange die Entwickler einstmals benötigten, um das Wort Fear (Angst) in ein Akronym der Marke F.E.A.R. zu pressen, das für die militärische Spezialeinheit fürs Paranormale (First Encounter Assault Recon) steht, ist nicht überliefert. Fest steht jedoch, dass die Ausgangsbedeutung des Begriffs das bestimmende Grundthema des Spiels ist. Entwickler Monolith (bzw. die für die Portierung zuständigen Day 1 Studios) spielen auf beeindruckende Weise mit den Sinnen des Spielers und verwickeln ihn in mysteriöse Geschehnisse, die ihn schließlich durch ein Meer von Blut waten lassen. Schon mit "Condemned - Criminal Origins" schaffte es die Spieleschmiede, eine höchst dichte und beängstigende Atmosphäre zu erschaffen. Nur rannte man dort weniger mit Schießprügeln durch dunkle Gänge, sondern vor allem mit Schlagwaffen aller Art und schlug seine Kontrahenten zu Brei.

F.E.A.R. - Das Herz rast, und der Angstschweiß fließt in Strömen: Willkommen zurück, Alma!

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Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!
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In "F.E.A.R." übernehmt ihr die Rolle eines so genannten Frontmanns einer dieser Spezialeinheiten, die natürlich die Elite aller Eliten darstellt. Gerade erst zum Team gestoßen, werdet ihr auch gegen kritische Stimmen zu eurem ersten Einsatz geschickt - und werdet sogleich mit einem besonders bizarren Fall konfrontiert. Ein Kerl namens Paxton Fettel zeichnet sich durch einige äußert merkwürdige Hobbys aus. Dazu zählt nicht nur der Aufbau einer Klon-Armee, sondern auch das Verzehren menschlicher Körperteile. Keine Frage, dass ihr euch sogleich daran macht, dem Spuk ein Ende zu setzen. Bevor ihr die Welt aber ein wenig besser machen könnt, kämpft ihr euch durch zehn Levels voller Nerven zerreißender Action.

Shooter-Einerlei? Denkste!
Auf den ersten Blick unterscheidet sich "F.E.A.R." nicht von herkömmlichen Ego-Shootern: Ihr lauft durch mehr oder weniger beleuchtete Gänge, durchstreift Lagerhäuser, Kanalisationen und andere verlassene Gebäude und räumt dabei alle Gegner aus dem Weg. Zwei Haupt-Aspekte sind es jedoch, die dieses Spiel vom Shooter-Einerlei abheben - und zwar deutlich: Zum einen die hervorragende KI der computergesteuerten Feinde, zum anderen die gespenstische Horror-Atmosphäre, die Spannung vom Feinsten verbreitet. Diese beiden Zutaten wurden mit hervorragenden optischen Effekten und einem Zeitlupen-Feature angereichert - fertig ist der famose Actiontrip!

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Feuer frei, aber das Zielen üben wir noch mal, ok?!
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Doch der Reihe nach. Da wären als erstes die äußert cleveren Gegner zu nennen. Run and Gun? Vergesst es. Die Feinde stellen sich auf eure Taktiken ein, ziehen sich zurück, wenn sie in der Klemme stecken, flankieren euch, verschwinden plötzlich aus eurem Blickfeld, nur um euch auf einmal von hinten zu attackieren. Das ist aber noch lange nicht alles. Gegner sprechen sich untereinander ab und teilen sich mit, wo ihr seid oder was ihr tut, außerdem fordern sie Verstärkung via Funk an.

Auf diese Weise erfahrt ihr auch, wann ihr auf Feinde treffen werdet bzw. wann ihr den letzten eines Angreifer-Kontingents zerschlissen habt. Dass sie in Deckung gehen und das Feuer aus sicheren Positionen erwidern, muss bei einer derart klugen Verhaltensweise kaum noch erwähnt werden und macht diese Feinde mit zum Besten, gegen das man bisher antreten durfte.

Verdammt, ich hab' A.N.G.S.T.!
Der zweite wichtige Grund, warum "F.E.A.R." so verdammt gut ist - ist die Furcht einflößende Atmosphäre, von der das Spiel hauptsächlich lebt. Eigentlich sind es ganz einfache Elemente, mit denen diese dichte Stimmung erschaffen wird: Gänge, die im Halbdunkel vor sich hindämmern oder völlig in Finsternis getaucht sind, flackernde Lampen - ihr kennt dieses "Alien"-Ambiente, oder?

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Die Explosionen sind richtig fett - ihr dürft nur nicht zu nah dran sein!
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Oftmals ist der Spieler auf den Einsatz seiner kleinen Taschenlampe angewiesen, die jedoch nur Saft für kurze Zeit hat (sich aber schnell wieder von selbst auflädt). Außerdem erspähen die cleveren Replikanten-Krieger das Licht der Lampe und werden so über euer Erscheinen vorgewarnt. Zusätzlich sorgen in Mark und Bein gehende akustische Effekte für die nötige Brisanz, die Urinstinkte in uns weckt und die Nerven zum Zerreißen gespannt hält. So schleicht man von einer Ecke zur anderen, zuckt schon beim kleinsten Geräusch zusammen (beim Umwerfen eines Eimers beispielsweise) und erwartet überall Angriffe aus dem Hinterhalt.

Dieses bedrohliche Grund-Fluidum wird in unregelmäßigen Abständen von so genannten Story-Sequenzen unterbrochen bzw. erweitert, in denen bruchstückhafte Informationen zur Hintergrundgeschichte offenbart werden. Meist hat man auf diese Abschnitte keinen direkten Einfluss und darf sie auf Wunsch sogar überspringen. Doch das wäre natürlich ein Fehler, tragen sie doch mit ihren schaurig-blutigen Ereignissen gehörig dazu bei, dem Spieler Angst zu machen - Angst vor einem kleinen Mädchen, das Alma heißt und jede Menge Tote zu hinterlassen scheint...

Dabei entwickelt sich immer wieder eine Dynamik aus ruhigen Passagen auf der einen Seite, in denen ihr euch (ohne Map) euren Weg durch die labyrinthartigen Gänge bahnt, und knallharter Shooter-Action auf der anderen Seite. Auf euren Wegen lohnt es sich übrigens auch, die eher abgelegenen Nebenpfade zu verfolgen. Oft sind dort Booster-Packs versteckt, die eure Trefferpunkte erhöhen oder auch die Länge des Zeitlupenfeatures ausweiten.

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Im Zeitlupen-Modus könnt ihr locker gegen mehrere Feinde gleichzeitig antreten.
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Weitere Hinweise auf die Geschehnisse erhaltet ihr zudem durch merkwürdige Nachrichten auf Anrufbeantwortern und Laptops. Die Wirkung ist allerdings aufgrund recht schwacher Soundqualität gering. Ein weiterer Kritikpunkt stellt sich in Form des Leveldesigns ein, denn viele Missionen spielen in sich ähnelnden Gängen und steril wirkenden Umgebungen mit geringer Texturdichte und hinterlassen daher einen eher monotonen und faden Beigeschmack. Glücklicherweise werden solch störende Impressionen durch die fordernden Schusswechsel meist in den Hintergrund gedrängt.

Shooter-Action par Excellence!
Neben dem Furcht erregenden Ambiente stehen natürlich die Gefechte gegen die Klone im Mittelpunkt des Gameplays. Diese Feinde treten immer nur in Gruppen auf und verhalten sich, wie schon beschrieben, höchst unvorhersehbar. Gerade auch aus diesem Grund wurde wohl die Slomo-Technik integriert. Sie erlaubt euch den Zeitablauf für die Feinde zu verlangsamen, während ihr selbst euch in Realzeit bewegt. Naja - eigentlich aktiviert ihr in dieser Zeit ein spezielles Boosterpack für eure Reflexe, das euch so schnell macht, dass die Gegner sich scheinbar so langsam bewegen, aber egal. In diesem Intervall könnt ihr es auch locker mit einem halben Dutzend Kontrahenten aufnehmen und sie dabei regelrecht an die Wand nageln - verantwortlich dafür ist eine spezielle Nailgun. Bei Headshots ist dies sogar am Kopf möglich!

Gerade in diesen Sequenzen wird deutlich, über was für hervorragende optische Effekte "F.E.A.R." verfügt. Dies betrifft vor allem prachtvolle Explosionen, Gewehrfeuer, Partikeleffekte bei Feuer und Rauch, aber auch Licht- und Schatteneffekte. Gerade im Zeitlupen-Modus wird die Herrlichkeit der Zerstörungsorgien sichtbar! Zwar weisen nicht alle Waffen eine derart vernichtende Wirkung auf wie der Partikel-Beamer, bei dem ihr euren Gegnern praktisch das Gewebe vom Leib dampft, sehen lassen können sich aber alle Schießprügel des umfangreichen Waffenarsenals, von dem ihr übrigens immer nur drei bei euch tragen dürft.

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Kaboom! Timing ist alles.
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Als nicht ganz so leicht zu beherrschen erweist sich zunächst die Zielvorrichtung des Spiels und das gesamte Steuerungs-Setup insgesamt. Zum einen lässt sich dieses im spartanischen Menü nicht auf die eigenen Vorlieben anpassen, zum anderen wirkt das Ausrichten des Fadenkreuzes recht schwammig. Das gibt sich jedoch mit der Zeit und fällt daher letztendlich nicht negativ ins Gewicht. Für Anfänger dürfte sich noch eher das Speichersystem als kritisch erweisen, dass zwar in regelmäßigen Abständen Kontrollpunkte sichert, selbstständige Neustarts sind aber nur vom Anfang einer Mission möglich. Quicksaves a la PC-Fassung sind nicht möglich.

Instant-Action gefällig?
Wer dem Kampagnen-Modus hinter sich gebracht hat (was ca. 12 Stunden in Anspruch nimmt) oder auch vorher schon Instant-Action wünscht, stürzt sich in den Arcade-Modus (Sofortaction) oder aktiviert den Multiplayer-Modus. Im Arcade-Modus entfallen die atmosphärischen Storyelemente und ihr liefert euch in vier Levels Duelle mit den Klon-Kriegern. Dabei gilt es verschiedene Aufgabenstellungen zu erfüllen, etwa Zeitlimits einzuhalten. Nach erfolgreichem Abschluss gibt eine Statistik Aufschluss über eure Leistung, und ihr könnt sie sogar in einer Rangliste bei Xbox Live verewigen.

Abwechslungsreicher ist da natürlich der Mehrspielermodus, der acht Modi mit bis zu maximal 16 Spielern anbietet. Neben fünf normalen Modi (Capture the Flag, Deathmatch usw.) gibt es auch drei Varianten, in denen das Zeitlupen-Feature zum Einsatz kommt. Wer den Booster aufsammelt, kann für sich (und sein Team) die Zeit verlangsamen, wird aber auch für alle anderen Spieler deutlich als blauer Punkt auf dem HUD markiert. Wer den Spieler mit dem Booster abknallt, darf ihn aufsammeln und selbst einsetzen... Vor allem die Modi mit Slomo bringen neuen Wind in das Multiplayer-Gameplay und machen unheimlich viel Spaß!