Wer heutzutage U-Bahn fährt, im Supermarkt einkauft oder durch die Fußgängerzone schlendert ist, oft ohne es zu merken, beinahe immer im Visier von Überwachungskameras. Und der ein oder andere dürfte sich schon hin und wieder gefragt haben, wie es wohl ist, auf der anderen Seite der Linse zu sitzen. „eXperience112“ erfüllt Euch nun diesen Wunsch und verpackt den voyeuristischen Ausflug zugleich in eine packende Mystery-Geschichte.

Wir lösen die letzten Geheimnisse: Zu diesem Spiel bieten wir euch auch eine ausführliche Komplettlösung.

Experience 112 - Teaser #33 weitere Videos

Achtung, Spanner!

Stille. Dunkelheit. Ein mit seltsamen Pflanzen zu gewucherter Raum, wohl auf einem Schiff. In der Mitte des Raumes liegt eine Frau, an einen Tropf angeschlossen und in ein Untersuchungskleid gekleidet, wie es auch in Krankenhäusern verwendet wird. Sie erwacht, reißt sich die Nadel vom Arm und steht auf. Nach einem kurzen Schwindelanfall erkundet sie die Kammer und erblickt schließlich die Überwachungskamera. Auf der anderen Seite der Kamera: ein Computerspieler, der gerade versucht herauszufinden, was mit der Auflösung des neu installierten Spiels „eXperience112“ nicht stimmt und warum er den Titel im Fenstermodus genießen muss.

Experience 112 - Big Brother is watching her: Dieses Adventure präsentiert sich als wahrlich einzigartige Erfahrung.

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In verschiedenen Kamerafenstern verfolgt man die Hauptfigur Lea Nichols auf Schritt und Tritt.
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So oder ähnlich dürfte es den meisten Adventurefreunden gehen, die ohne Vorkenntnisse über den jüngsten Lexis-Numérique-Titel ihr Abenteuer in „eXperience122“ beginnen. Denn anders als in allen üblichen Point&Click-Titeln steuert man hier nicht die Hauptfigur, sondern lotst diese allein aus der Perspektive des Zuschauers am Überwachungssystem durch die Schauplätze.

Möchte man etwa dass die Hauptdarstellerin, die übrigens auf den Namen Lea Nichols hört und Biologin ist, in eine bestimmte Richtung marschiert, knipst man einfach auf einer Übersichtskarte ein Lämpchen am Zielort an und schon nimmt die Gute ihre Füße in die Hand. Des Weiteren öffnet man unterwegs Türen und weist Lea mit den Scheinwerfern der Kameras auf besondere Gegenstände hin, die sie sich dann aus der Nähe anschauen oder einstecken kann.

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In Zwischensequenzen und Rückblenden wird die Geschichte um biologische Experimente vorangetrieben.
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Im Verlauf des Spiels erhält man darüber hinaus einige Erweiterungen für das Kamerasystem, wie etwa eine Zoomfunktion. Mit dieser gilt es dann beispielsweise auf Notizen versteckte Passwörter zu entdecken, mit denen man dann im Computersystem weitere wichtige Informationen, wie Hintergründe zur Story des Spiels, erfahren kann.

Über diese sei nur so viel verraten: Der Supertanker diente, bevor es darauf zu einem Unglück kam, als Forschungseinrichtung für eine geheime Militärorganisation, in der auch Lea als Professorin ihren Untersuchungen nachging. Der Hauptuntersuchungsgegenstand, die Chemikalie Hydroxid-Oxydrin, offenbarte dabei erstaunliche Auswirkungen auf Flora und Fauna. Erzählt wird die Geschichte, neben den bereits erwähnten Zusatzinformationen im Computersystem, über sehr ordentlich gemachte Rendersequenzen, die immer wieder als Flashbacks von Lea eingeblendet werden.

Durch das Computersystem selbst navigiert man sich über kleine Systemfenster. Denn das ganze Interface ist der Desktopumgebung eines Betriebssystems nachempfunden. Da gibt es einen Login-Bereich, in den neu entdeckte Benutzernamen und Passwörter eingegeben werden können, einen Datei-Bereich wo Emails, Dokumente und Informationen über die Benutzer abgefragt werden können und natürlich die Kamerakontrolle, über die in gleich mehreren Fenstern verschiedene Überwachungskameras bedient werden können. So lässt sich ganz von selbst echtes Splitscreen-Feeling kreieren, ganz im Stile von „24“.

Regie: der Spieler

Da die alternativ angebotene automatische Umschaltung der visuellen Hilfsmittel kaum funktioniert – nur selten schalten die Kameras auch wirklich passend auf die sich bewegende Lea um -, lässt sich „eXperience112“ zumeist nur sehr unkomfortabel steuern. Klickt man auf eine neue Kamera um Lea beim Betreten eines neuen Raums zu beobachten, öffnet dies automatisch ein neues Überwachungsfenster. Dies stört doch sehr, da man so zum einen nach einiger Zeit unzählige Fenster offen hat, was Rechnerperformance kostet.

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An Computerterminals gibt Lea immer wieder Ziele vor, bei deren Erfüllung man der Forscherin unter die Arme greifen muss.
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Zum anderen muss bei jedem neuen Fenster erst die Größe des Ausschnitts angepasst werden. Zwar ist es fraglos sehr atmosphärisch wenn man selbst die Kameras bedient und beispielsweise plötzlich auf ein Aufnahmegerät umschaltet, das nur noch flackert, wobei Lea zeitgleich ob einer schaurigen Entdeckung anfängt zu wimmern. Dennoch wäre ein funktionierendes automatisches Umschalten von Kamera zu Kamera in einem fixen Fenster auf dem Bildschirm sinnvoller gewesen.

Das Desktopsystem selbst ist hingegen äußerst gelungen. Auch wenn man sich anfangs wünscht, selbst mitten im Geschehen zu sein, entfaltet die puristische Bedienoberfläche doch schnell echtes Hackerflair. Kenner des fesselnden Introversion-Titels „Uplink“ dürften sich schnell wohl fühlen, denn auch „eXperience112“ packt den Spieler durch sein Mittendringefühl, was durch die Hauptfigur noch verstärkt wird. Kümmert man sich etwa eine Zeit lang nicht um Lea, kann es schon mal vorkommen, dass diese den Spieler anmault und fragt ob man eingeschlafen sei. Dass die Sprecher, von ein paar vereinzelt auftretenden Betonungsfehlern einmal abgesehen, einen guten Job machen, verstärkt die intensive Stimmung nur noch.

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Mit dem Nachtsichtgerät der Kameras navigiert man Lea durch dunkle Abschnitte des havarierten Forschungsschiffs.
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Die Grafik hingegen kann da nicht ganz mithalten, was die Entwickler, die bereits für die ebenfalls sehr einfallsreichen „In Memoriam“ und „In Memoriam 2“ verantwortlich zeichneten, gekonnt kaschieren. Denn durch die kleinen Fenster, in denen sich die Spielhandlung abspielt, und durch die ob der fixen Kamerabereiche eingeschränkten Blickwinkel fallen die etwas müde texturierten Räume und die spärlichen Effekte kaum auf. Die Darstellung von Licht und Schatten hingegen ist ordentlich und steuert einiges zur Gruselstimmung bei.