Wenn sich ein Publisher wie 2K Games eine bis dahin eher unbekannte Marke des insolventen Konkurrenten THQ für knappe elf Millionen Dollar schnappt, dann spricht vieles für die dahinter steckende Qualität. Mehr als ein Jahr nach dieser gewagten Akquise lässt das Unternehmen jetzt endlich raus, was Evolve überhaupt sein soll: ein 4-vs-1-Koop-Ballerspiel. Wir konnten uns in London davon überzeugen, dass weder ein 08/15-Konzept hinter der Sache steckt und auch die Entwickler alles andere als unbeschriebene Blätter sind.

Evolve - Deutscher Launch Trailer15 weitere Videos

Die Rede ist von den Turtle Rock Studios, die den meisten noch bestens vom glänzenden Koop-Shooter Left 4 Dead bekannt sein dürften. Zwar wurde es nach dem Veröffentlichung im Jahr 2008 deutlich ruhiger um die Amis. Doch die Gründe dafür sind vielfältig. Nachdem das Unternehmen ab 2008 zunächst als Valve South weiter firmierte und schließlich aufgelöst wurde, ging ein Teil des Ur-Personals ab 2010 wieder mit dem alten Firmennamen an den Start.

Doch das Glück war den Mannen um Mitgründer und Artdirector Phil Robb nicht hold. Zwar hatte man mit THQ einen großen Publisher für sein neues Projekt gefunden, doch bekanntlich wurde das Unternehmen zerschlagen und die Turtle Rock Studios standen erneut vor einem Scherbenhaufen. Anfänglich verfolgte man wohl sogar den Plan, die Rechte an Evolve selbst zurückzukaufen. Doch schnell schoss der Preis in die Höhe und schließlich bekam 2K den Zuschlag. So weit, so gut.

Evolve - Mehr als Left 4 Dead mit Aliens?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 50/561/56
Die vier Jäger verfügen alle über individuelle Fähigkeiten, aber nur wenn sie im Team agieren, haben sie eine Chance, das Monster zur Strecke zu bringen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Da steckt Left-4-Dead-DNA drin!

Jetzt, ein Jahr später, ist man bereit, das neue Spiel der Öffentlichkeit zu präsentieren. Oberflächlich betrachtet bleiben die Macher ihren Wurzeln treu und hauen uns erneut einen Action-Shooter mit Koop-Elementen um die Ohren. Doch so einfach, sich selbst zu kopieren, machen sie es sich nicht.

„Evolve hat Left-4-Dead-DNA in sich“, sagt Phil Robb zur Einstimmung auf meine mehrstündige Handson-Session. Was er damit meint: Der kooperative Aspekt des Spiels bestimmt das spielerische Treiben ungemein stark. Vier Spieler treten an, um gemeinsam - und die Betonung liegt auf gemeinsam! - gegen einen mächtigen Feind vorzugehen. Der Clou: Statt gegen einen computergesteuerten Gegner anzutreten, werdet ihr einen feindlichen Titanen bekämpfen, der von einem anderen Spieler gesteuert wird.

Evolve - Mehr als Left 4 Dead mit Aliens?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Ganz hübsch sieht's ja schon aus...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Evolve vermischt also kompetitive und kooperative Spielelemente zu einer krachenden Actionsause, in der zwei Geschmäcker bedient werden. Wer es vorzieht, den einsamen Helden zu mimen, schlüpft in die Rolle des Monsters und versucht, die Jäger auszuschalten. Mögt ihr lieber den Team-Gedanken, schlagt ihr euch auf die Seite der Hunter. Ihr braucht euch an dieser Stelle übrigens keiner Illusion hinzugeben: Als „Rambo" hat man praktisch null Chancen, das Untier allein zur Strecke zu bringen. Die Jagd erfordert den unbedingten Willen, zusammenzuarbeiten.

Bei dieser monströsen Jagd kann einem ganz schön heiß werden!Ausblick lesen

Robb bezeichnet den Spielablauf dann auch als langen, ungemein intensiven Bosskampf, bei dem sich jede Runde unterschiedlich spielen soll. Und damit verspricht er auch nicht zu viel. Obwohl ich bisher nur einen kleinen Teil der Spielinhalte zu sehen bekam, lässt sich Evolve kaum anders als sehr abwechslungsreich und in sich absolut stimmig bezeichnen. 2K und Turtle Rock Studios zeigten der anwesenden Pressemeute nur eine Gruppe von vier Jägern und ein Monster. Im fertigen Spiel soll es aber sehr viel mehr Vertreter beider Parteien mit zig unterschiedlichen Talenten geben.

Bisher bekannt sind bereits die folgenden Jäger.

Griffin, der Trapper: Er ist enorm wichtig, um das Unwesen ausfindig zu machen und es an der Flucht zu hindern. Er stellt Soundsensoren auf, die Bewegungen melden, und jagt dem Scheusal Harpunen in die dicke Haut, um die Kreatur in ihrem Tatendrang einzuschränken. Außerdem errichtet er für begrenzte Zeit ein Energiefeld (die Arena), aus der das Monstrum nicht fliehen kann. Der Schaden, den der Trapper austeilt, ist allerdings vernachlässigbar.

Dazu muss man wissen, dass das Monster einen zehnsekündigen Vorsprung erhält. In dieser Zeit kann es sich nicht nur auf der sehr großen Map in Höhlen, Wäldern oder auf Felsen verstecken. Es muss diesen Vorteil auch möglichst dazu nutzen, sich von der ersten Evolutionsstufe zur nächsten hochzufressen. Dazu dienen verschiedene Wildtiere in der Umgebung. Dazu später mehr.

Evolve - Mehr als Left 4 Dead mit Aliens?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 50/561/56
Der Goliath ist ein fürchterlicher Gegner, dem man im Nahkampf tunlichst nicht zu nahe kommen sollte - dieser Flammenattacke erst recht nicht!
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Jäger Nummer 2: Markov, Assault. Diesem Soldaten stehen durchschlagskräftige Nah- und Fernkampfwaffen zur Verfügung. Er ist der einzig wirkliche Damagedealer des Teams. Er muss am Leben gehalten werden, damit er Draufballern und Minen legen kann. Sein persönliches Schild schützt ihn nur für kurze Zeit gegen die wilden Attacken des Untiers.

Jäger und Gejagte

Val ist die Sanitäterin im Team. Sie verarztet entweder direkt einzelne Kameraden oder das ganze Team – wobei dafür nur ein sehr eingeschränkter Radius zur Verfügung steht. Ihre Offensivfertigkeiten bestehen nur aus Support-Talenten, mit denen sie das Wesen für kurze Zeit schwächt oder offenbart mit gezielten Schüssen dessen Schwachstellen.

Schließlich wird das Team von Hank komplettiert. Er verleiht Mitstreitern vorübergehende Unverwundbarkeit und Unsichtbarkeit oder fordert eine satellitengestützte Attacke an, die massiven Schaden verursacht. Mit seinem Laser-Cutter ritzt er die dicke Panzerung des „Goliath“ dagegen nur ein bisschen an.

Evolve - Mehr als Left 4 Dead mit Aliens?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Das war's dann wohl.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Schon nach wenigen Momenten merke ich, dass Teamwork unglaublich wichtig ist. Egal, mit welcher Klasse man spielt, stets muss miteinander kommuniziert werden, um das Monster überhaupt erst ausfindig zu machen und es dann gezielt mit den passenden Fertigkeiten zu bekämpfen. Ohne Heilung und Schilde hat kein Spieler die Chance, lange eine Begegnung mit dem Scheusal zu überleben. Zwar gibt es ein kurzes Zeitfenster von zwei Minuten, in dem gefallene Kameraden wieder ins Leben zurückgerufen werden können. Doch wer draufgeht, muss einen mehrminütigen Umweg über die Ersatzbank in Kauf nehmen. Zeit, die das Wesen nutzen kann, um die gesamte Gruppe auszulöschen – oder sich weiter hochzufressen.

Übrigens nicht der einzige Weg für die Kreatur, die Runde zu gewinnen. In dem von mir gespielten Wald-Level gibt es auch die Möglichkeit, einen Schildgenerator zu zerstören und dann die ungeschützten Zivilisten umzuhauen. Dummerweise können sich die Jäger genau an dieser Stelle ganz gut verschanzen – ein zweiter strategisch zu verteidigender Punkt würde noch mehr taktische Spannung ins Geschehen bringen.

Monströser Spaß

Das Biest (in diesem Fall ein „Goliath“), besitzt ebenfalls eine Reihe verschiedener Talente. Es kann im Nahkampf massiven Schaden austeilen, Steinbrocken werfen oder Feuer spucken. In der Haut des Monsters springe ich zudem etliche Meter weit und klettere wie King Kong auf hohe Felsen, um mich von dort auf die Feinde zu stürzen. Mit jeder der beiden Evolutionsstufen vergrößert sich das Fähigkeits-Arsenal der Kreatur, wobei sie jedoch zehn Sekunden lang während der Verwandlung schutzlos ist.

Doch auch die Jäger bilden sich quasi stetig fort; viele ihrer Jagdkünste lassen sich im Laufe der Zeit aufleveln. Ich muss mich auf der Pirsch – die übrigens von einem Jetpack auf dem Rücken unterstützt wird – nicht vollständig auf die eigenen Fertigkeiten verlassen. Wenn das Monster nicht vorsichtig genug agiert, hinterlässt es nicht nur bläulich leuchtende Fußabdrücke – es schreckt auch Vogelschwärme auf, die ein sehr guter Indikator für den Aufenthaltsort des Viechs darstellen. Allerdings ist es möglich, sich mit Bedacht an solchen Stolperfallen vorbeizuschleichen, oder gefährliche Tiere bewusst gegen die Jäger aufzustacheln.

Evolve - Mehr als Left 4 Dead mit Aliens?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/7Bild 50/561/56
Optisch hinterließ das Game einen mehr als guten Eindruck - die Verletzungen der Kreatur sind ein guter Indikator dafür, wie weit man dessen Lebensbalken runtergeballert hat.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Das Monster kann übrigens nicht ewig untätig bleiben: Wenn ein Timer abgelaufen ist, gewinnen die Verfolger die Spielrunde. Es muss also stets auf den Beinen sein und versuchen, sich einzelne Gruppenmitglieder herauszupicken oder mit Überraschungsangriffen auszuschalten. Es kann auch ziemlich viel einstecken: Bevor es zur Strecke gebracht werden kann, müssen die Jäger zunächst den Panzer knacken und dann nochmals die volle Lebensleiste auf null bringen. Kein einfacher Job.

Zumal sich die Kreatur wieder Energie anfressen kann, wenn sie einmal geschwächt ist. In diesen Momenten darf man das Unwesen nicht aus den Augen verlieren. Andererseits kann sich auch ein einzelner Hunter kaum vor dem Monster verstecken, denn das besitzt eine Art Radarblick, mit dem die Auren von Lebensformen in einiger Distanz erfasst werden. Auf einer Karte, die übrigens viele Möglichkeiten zum Versteckspielen und Jagen bietet. Grafisch hinterlässt Evolve zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls einen mehr als ordentlichen Eindruck.

Evolve - Mehr als Left 4 Dead mit Aliens?

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublenden6 Bilder
Wildtiere dienen dem Monster nicht nur als Nahrungsquelle, sie können auch eine ernste Gefahr für das Team darstellen oder es von der eigentlichen Gefahr ablenken.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die wichtigste Erkenntnis der Spielsession: Jeder Jäger hat andere Aufgaben innerhalb des Teams und muss sie auch unbedingt wahrnehmen. Wenn die Sanitäterin sich ins Getümmel stürzt, wird das der Gruppe mit Sicherheit mehr Schaden als nutzen. Daraus resultiert: Wenn Supporter sich auf ihre spezifischen Stärken konzentrieren, müssen sie kaum ballern.

Turtle Rock hat das Spiel als Mehrspieler-Erfahrung konzipiert, allerdings wird es auch möglich sein, einzelne Rollen von Bots übernehmen zu lassen. Wer das Ganze solo spielen will, kann dann im laufenden Match von einer Jägerfigur zur anderen springen.

Evolve wird laut den Entwicklern bei Veröffentlichung im Herbst 2014 (Xbox One, PS4, PC) verschiedene Spielmodi, nicht allein den hier vorgestellten Jagdmodus enthalten. Details dazu wollten Phil Robb aber noch nicht enthüllen.