Es ist Zeit für Experimente, hüben wir drüben, denn Evolve macht es niemandem wirklich einfach. Keinen PR-Menschen, die bis zuletzt das Prinzip eines asynchronen Shooters erklären und eine neue Marke in die Köpfe und Timelines der Menschen spülen mussten. Keinen Spielern, die während beider Alpha- und Beta-Testläufe zum Teil mit argen technischen Problemen zu kämpfen hatten. Keinen Redakteuren, die nicht mal eben einen Evolve-Test aus dem Ärmel schütteln können sollten.

Es ist geschafft: Nach einer Woche Dauerzocken ist unser finaler Evolve-Test mit Wertung online!

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Dienstag, 10.02.: Evolve wird veröffentlicht

Läuft eben nicht immer so, wie wir uns das wünschen würden. Wenn es nach mir und meinem Arbeitspensum ginge, wäre Evolve ein knackiger Fünf-Stunden-Shooter – weggespielt an einem Abend, aufgeschrieben am nächsten. Läuft diesmal allerdings ein wenig anders ab, für euch und uns gleichermaßen. Die Monsterjagd der Turtle Rock Studios setzt beinahe ausschließlich auf kooperatives (Online-) Spiel und damit auf nichts, das man mal eben nebenbei auf seine Qualität abklopfen könnte.

Also: Was wird das hier eigentlich?

„Ein Test-Tagebuch“ in Kurzform, „Eine Art mehrtägiger Blogeintrag, in dem Leo (ls) und ich (gt) gemeinsam die verschiedenen Facetten von Evolve auf Herz und Nieren prüfen, um einen übereilten Schnellschuss-Test zu vermeiden“ in der längeren Version. In den nächsten Tagen werden wir hier täglich unsere Eindrücke schildern, die allgemeine Stimmung im Netz sowie unter den Spielern aufgreifen und versuchen, ein möglichst umfangreiches Bild vom Spiel zu zeichnen.

Evolve-Test-Tagebuch - Langzeittest statt Schnellschuss: Was hat der Monster-Shooter wirklich auf dem Kasten?

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Welche Erwartungen habt ihr an Evolve?
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Und nicht dass wir uns hier missverstehen: Wer einen Evolve-Test im eigentlichen Sinne erwartet, wird diesen selbstverständlich bei uns finden – nur eben nicht heute oder morgen. Gebt uns die Zeit, die notwendig ist, um einen ausführlichen Eindruck und damit ein stabiles Fundament zu gewinnen, das eine faire Kritik trägt.

Eintrag #1, Dienstag, 10:30 Uhr: Und jährlich grüßt der Hype-Shooter?

(gt) Déjà-vu wäre noch untertrieben für das Gefühl, das ich in den letzten Tagen immer schwerer abschütteln konnte. Vor ziemlich genau einem Jahr hatten wir diese Situation schon einmal, als die Augen der Spielelandschaft weit aufgerissen Richtung Respawn Entertainment schielten. Das US-amerikanische Studio zog gerade die letzten Schrauben am Hype-Shooter Titanfall fest, der sich wie Evolve heute bereits vor der eigentlichen Veröffentlichung vor Lob und Liebe kaum retten konnte. Nicht ganz zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte. Jetzt sitze ich wie wieder auf glühenden Kohlen, damals wie heute ohne konkrete Vorstellung, warum eigentlich.

Packshot zu EvolveEvolveErschienen für PC, PS4 und Xbox One

Auch 2015 sind Shooter eher irgendwo im unteren Drittel meiner persönlichen Lieblings-Genre-Liste verortet, nur ist der Ansatz von Evolve einzigartig genug, mich das fürs Erste vergessen zu machen. Und vielen Kollegen geht es genauso, denn gemeinsame Partien mit dem GIGA-Team, Dom von Gamespilot oder Ilyass von Gameswelt sind längst ausgemacht und ehrlich gesagt habe ich mich schon lange nicht mehr so auf verabredete Mehrspielerabende gefreut.

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An meiner seit der Beta bestehenden Skepsis ändert das dennoch erst einmal wenig. Zu einseitig schien mir die Monsterjagd da noch, was nur bedingt am dort noch stark eingeschränkten Umfang lag. Zu gleichförmig liefen viele Partien ab, zu viel Leerlauf gab es bei der Suche nach dem Monster, zu laut war das einhellige „Das wird das beste Spiel ev0r“ des Internets. Ich würde lügen, würde ich behaupten, keinen Spaß gehabt zu haben – dem Hype konnte ich mich wie ein Jahr zuvor bei Titanfall aber vorerst nicht anschließen.

Heute erscheint Evolve nun endlich. Es werden ein paar spannende nächste Tage.

Eintrag #2, Dienstag, 12:30 Uhr: Aller Anfang ist schwer (besonders für Gregor)

(ls) Noch darf ich mich nicht selbst ins Getümmel stürzen, weil ich nicht in der Stadt bin, sehne mich aber schon voll Vorfreude nach dem Wechselspiel zwischen Jäger und Gejagtem. Was ich aus den Erlebnissen in Alpha und Beta aber schon sagen zu können glaube, ist, wie Gregors erste Schritte aussehen werden: Er wird sie absolvieren wie ein scheues Reh, das sein Schicksal nicht begreift, bis die Scheinwerfer des nahenden Opel Astra schon auf Huflänge herangerauscht sind. Die ersten Schritte in Evolve sind welche des Kennenlernens, des Stolperns und Auf-Die-Monströse-Fresse-Fliegens. Solange man nicht ein Mindestmaß an Erfahrung gesammelt hat, macht Evolve wohl eher wenig Spaß. Mal gucken, wie lange es dauert, bis der Knoten platzt.

In der Alpha und Beta war die technische Umsetzung noch durchwachsen. Nun sind solche Tests ja genau dazu da, Probleme auszumerzen und Stabilität zu testen, aber zumindest in der Alpha war der Zustand von Evolve für den Spieler einfach frustrierend. Da saß man vor dem Matchmaking, in dem sich nichts tat und in dem aus irgendeinem Grund Leute miteinander chatteten, die gar nicht in derselben Lobby waren, und wenn man dann doch mal in einem Match ankam, lief das oftmals wie Molasse einen Eisberg hinunter. Die deutlich verbesserte Gesamtperformance in der Beta lässt mich aber Hoffnung schöpfen, dass Gregor mit der aktuellen Version wesentlich bessere Erfahrungen machen wird.

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Die Wartezeit ist vorüber - ab sofort ist Evolve im Laden erhältlich.
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Ich war seinerzeit sehr überrascht, denn ich hatte erwartet, dass jede Spielweise außer der monsterhaften wahrscheinlich langweilig sein würde. Als ich dann aber im Dschungel steckte, hatte ich auf Anhieb vor allem mit der Trapperin und dem Support am meisten Gaudi, während das Versteckspiel mit Elliot dem Schmunzelmonster mich eher nervte, wenn ich selbst in die schuppige Haut eines Goliaths schlüpfen "musste". Evolve bietet tatsächlich sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Ich sehe nach wie vor die Schwierigkeit, diese Aspekte fair zu halten und für alle Beteiligten zu balancieren (zu Alpha-Zeiten wirkte vor allem das Monster auch zum Ende hin immer noch wie der Underdog) aber es ist sicherlich auch großenteils eine Frage des persönlichen Geschicks – also was weiß ich schon?!

Die Lebendigkeit der Karten ist für mich eine der größten Stärken an Evolve gewesen. Das Aufschrecken von Vögeln, das Lesen von Spuren, die unbändige Flora und Fauna – auf den stimmungstechnisch dichten Maps kann man sich nicht nur in Atmosphäre verlieren, sie werden auch spielerisch gut eingebunden. Schade fand ich, dass das notwendige Tempo der Monsterhatz dafür sorgte, dass man weder die Schönheit noch alle spielerischen Aspekte der ganzen Nummer immer voll wertschätzen konnte. Wenn der fiese Kraken kurz vorm Entkommen ist, wäre es schon blöd, wenn ein Teammitglied stehen bleibt, um an den Rosen zu schnuppern. Und gemeinsam einen seltenen Albino zu erlegen, um einen besonderen Buff zu kriegen, ist eben auch eine Frage der Koordination mit den Teammates. Das Konzept von Evolve wirkt sehr anfällig für Querschläger und Störenfriede – ich drücke Gregor die Daumen, dass man seinen Kameraden nicht die Handschuhe an die Jacke nähen muss.

Eintrag #3, Dienstag, 20:05 Uhr: Warten auf das 21. Jahrhundert

(gt) Obwohl wir dem Postboten seit Tagen Milch und Kekse vor unsere Tür stellen, hat es auch heute noch nicht für die ersehnten Evolve-Testmuster ausgereicht. Wir wissen nicht, wo genau es in der 2K-Postweg-gamona-Kette hakt, aber Fakt ist: Wir sitzen weiterhin mehr oder weniger auf dem Trockenen. Weniger, weil ich inzwischen zumindest einen Download-Key ergattern und einlösen konnte. Fünf heruntergeladene Gigabyte für das grundlegende Spiel, drei für den Day-One-Patch und zwei Stunden Offline-Spielerfahrung liegen hinter, laut PS4 noch rund sieben Gigabyte und ein paar zerquetschte vor mir, bis ich Evolve endlich im vollen Umfang auf der Platte, vor allem: zur Verfügung habe. Ein bisschen wie damals als 16-jähriger Counter-Strike-Junkie, wenn das Internet auf dem Dorf mal wieder flächendeckend ausgefallen war und menschliche Mitspieler durch Bots ersetzt werden mussten. Damals wie heute kein adäquater Ersatz.

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Ein trauriger Anblick.
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Während ich also gemütlich meine ersten Solo-Runden gedreht, ein paar Erfahrungspunkte gesammelt und die einzige offline verfügbare Karte „Fusionskraftwerk“ quasi auswendig gelernt habe, sammelt sich im Netz langsam so etwas wie eine kollektiver Ersteindruck. Kein sonderlich positiver, was jetzt nicht so die Überraschung ist, wenn man mal die letzten Debakel zum Start von Online-Spielen Revue passieren lässt. Die Besonderheit hierbei: Evolve scheint weitestgehend rund zu laufen, wenn ich meiner Timeline Glauben schenken kann.

Die Leute gehen aus einem anderen Grund etwa bei Amazon auf die Barrikaden: dem Vertriebsmodell. Mit der DLC-Politik machten sich Turtle Rock und 2K derzeit keine Freunde, auch wenn jeder für sich selbst entscheiden muss, wie dreist diese Preisgestaltung tatsächlich ist. „Guter Shooter bislang, nette Idee, aber mal gucken, wie’s mit der Langzeitmotivation aussieht“ ist hingegen der einhellige Grundtenor, wenn es zur Abwechslung mal um das eigentliche Spiel geht. Eine Meinung, der ich mich fürs Erste anschließe - bis meine PS4 endlich auch die restlichen Daten aus dem Internet geschaufelt hat. Wir sehen uns online!

Mittwoch, 11.02.: Die Jagd beginnt

Eintrag #4, Mittwoch, 08:04 Uhr: Das erste Vollpreis-free-to-play-Spiel?

(gt) Die Zwei-Liter-Kaffeekanne steht bereit, die Freundin ist arbeiten und der Controller geladen - es verspricht, ein langer Tag zu werden. Inzwischen hat meine PS4 auch die restlichen Daten aus dem Internet geschaufelt, was es mir ermöglicht, der Kritik vieler Leute bzgl. der Preispolitik etwas näher auf den Zahn zu fühlen. Denn tatsächlich: Der Shop des Spiels ist bereits jetzt rappelvoll gefüllt. Bislang zwar lediglich mit Skins für Waffen, Jäger und Monster, diese kosten jedoch zwischen sportlichen 1,99 bis 6,99 Euro.

Ich habe mal eine kleine Rechnung aufgestellt. Wer am Tag der Veröffentlichung wirklich alle Evolve-Inhalte besitzen will, muss sich sowohl den DLC für 25 Euro als auch alle 44 Skins im Gesamtwert von unglaublichen 135,56 Euro kaufen - am ersten Tag, wohlgemerkt! Summa summarum sind das 160,56 Euro. Dazu kommt noch einmal der Preis für das eigentliche Spiel, das in der Standardversion 50 (PC) bzw. 60 Euro (PS4, XO) kostet.

Wollt ihr am Tag der Veröffentlichung alle Evolve-Inhalte besitzen, zahlt ihr mindestens 210,56 Euro.

Wer nicht den DLC erwirbt, kann dafür separat das vierte spielbare Monster Behemoth für knackige 14,99 oder einen der vier neuen Jäger für jeweils 7,99 Euro kaufen, auch wenn diese bislang noch nicht wirklich verfügbar sind. Dazu kommen Vorbestellerboni sowie verschiedene Editionen des Spiels mit unterschiedlichen Inhalten.

Pick your poison.

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Dass wir das noch erleben dürfen. Ein Online-Spiel kommt auf den Markt und macht keine Zicken im Online-Modus.
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Eintrag #5, Mittwoch, 14:13 Uhr: Und es läuft und läuft und läuft…

(gt) Wenig wirklich Berichtenswertes, dafür viele versenkte Stunden und einiges an Spaß. Die größte Überraschung an Evolve ist bislang tatsächlich der absolut stabile Online-Modus, der zumindest hier anstandslos eine Runde nach der anderen auf den Bildschirm zerrt. Keine Lags, Verbindungsabbrüche oder Fehlermeldungen, nur ein kontinuierlicher „Nur noch ein Match“-Ausredenstrom. Beachtliche Leistung, Turtle Rock - auch wenn es viel über den aktuellen Stand der Branche sagt, dass eine Tatsache wie „Das Spiel läuft und ist spielbar“ inzwischen positiv hervorgehoben werden muss.

Was bislang auch auffällt: Zumindest in einer Gruppe niedrigen Rangs geht das Monster im Regelfall als strahlender Gewinner hervor. Gefühlt müssen sich die Jäger in vier von fünf Fällen mit einer Niederlage abfinden - eine Erfahrung, die ich bislang auf beiden Seiten gemacht habe.

Eintrag #6, Mittwoch, 16:58 Uhr: Test-Tagebuch für Leos Geduld

(ls)Einmal mehr drehen sich die Zeiger gen Feierabend und erneut ist kein Exemplar von Evolve angekommen. Ich würde mich ja veralbert fühlen, wenn ich nicht vermuten müsste, dass ich diese Strafe vollends verdient habe. Bestimmt habe ich in einem früheren Leben Kätzchen gequält oder sowas.

Ich hatte heute aber endlich mal Zeit, mich ein bisschen ins Spiel "einzulesen", was der wahrscheinlich traurigste Satz ist, den ich je schreiben musste. Ich habe jetzt allerdings einen deutlich besseren Einblick in die Klassen und freue mich doch sehr darüber, wie wohldurchdacht und konzipiert sie zumindest auf dem Papier zu sein scheinen. Man entdeckt sofort sinnvolle Synergien, will gewisse Spielweisen ausprobieren und freut sich darauf, in verschiedenen Teammischungen unterschiedliche Erfahrungen zu machen.

Wenn jetzt noch dermaleinst und möglichst in dieser Dekade das Spiel ankommt, hab ich vielleicht sogar Gelegenheit, es auszuprobieren.

Donnerstag, 12.02.: Man duzt sich

Eintrag #7, Donnerstag, 11:08 Uhr: Blaues Licht! Was tut es?

(gt) Nach einigen Spielstunden auf der Uhr und Levelaufstiegen im Profil stellt sich langsam eine angenehme Form von Routine ein. Zwar habe ich längst noch nicht alle Charaktere freigeschaltet, aber das ist auch gar nicht nötig, um halbwegs selbstsicher von Runde zu Runde zu stapfen. Ich kenne die verschiedenen Klassen, weiß, wann welche Fähigkeit einzusetzen ist und habe vor allem gelernt, mich schnell zu orientieren - eines der größten Probleme in den ersten Stunden, wenn es nach mir geht.

Sind die Augen mit dieser Erfahrung im Rücken nicht mehr permanent panisch aufgerissen, beginnt man ganz automatisch, Evolve in einem etwas anderen Licht zu betrachten. Erst nach und nach fallen mir inzwischen die vielen Details von Flora und Fauna auf, die den Planeten Shear erst so roh, unnahbar und gleichzeitig greifbar, organisch machen. Beginnt ihr jedoch erst einmal, für diese Feinheiten ein Gespür zu entwickeln, werden euch auch andere Dinge auffallen, die ihr davor stundenlang unhinterfragt hingenommen habt.

Etwa: Warum um Himmels willen ist Evolve greller beleuchtet als ein Weihnachtsbaum am heiligen Abend? Turtle Rock haben sich ganz offensichtlich fast ein Bein ausgerissen, ihrer Welt Leben einzuhauchen. Während der Verfolgung des Monsters achtet ihr etwa auf gerissene Tiere oder aufgescheuchte Vögel - alles Dinge, die sich völlig organisch aus der Welt selbst heraus ergeben. Dutzende dieser Kleinigkeiten sind auf Shear verstreut - und beinahe allen nehmen die Entwickler ihre Berechtigung, indem sie eure Sicht mit etlichen leuchtenden Symbolen und Hinweisen zukleistern.

Mir ist klar, dass man einen aufgescheuchten Vogelschwarm nur schwer entdeckt, doch habe ich oft das Gefühl, nach einem roten Kreis, nicht nach den eigentlichen Vögeln zu suchen. Ihr verbringt mehr Zeit damit, auf die Hinweise des Spiels als auf die Hinweise der Welt zu achten. Ein Luxus-Problem, zugegeben, aber eines, das euch umso mehr stört, je stärker ihr ihm Beachtung schenkt und das in der Rolle des Monsters noch deutlich zutage tritt.

Eintrag #8, Donnerstag, 17:31 Uhr: Die Qual der Wahl

(gt) Support, gar keine Frage. Konnte ich mich bislang nie für einen Favoriten unter den Jäger-Klassen entscheiden, spiele ich seit ein paar Stunden plötzlich nur noch Support, wenn es irgend möglich ist. Durch seine gleichermaßen offensiven und defensiven Fähigkeiten ist er vielseitig einsetzbar und hat immer etwas zu tun, während der Trapper beispielsweise vergleichsweise wenig Beschäftigung findet, wenn das Monster erst einmal in der mobilen Arena gefangen und in einen Nahkampf verwickelt wurde.

Prinzipiell haben Turtle Rock mit der Ausgewogenheit der verschiedenen Klassen etwas geschafft, an dem bereits andere Entwickler dutzendfach gescheitert sind. Jeder Jäger ergänzt den anderen und ist ohne Teamkollegen aufgeschmissen; es ist eine komplexere Version des Stein-Schere-Papier-Prinzips, wenn ihr so wollt.

Und wo wir gerade schon beim Balancing sind: Kann man dem hier eingebetteten Tweet der offiziellen Twitter-Seite von Evolve glauben, ist ihnen das Kräfteverhältnis zwischen Jägern und Monster perfekt gelungen. Nach den ersten 1,2 Millionen Kämpfen, die seit der Veröffentlichung ausgetragen wurden, liegen die Jäger mit nur 0,2 Prozentpunkten vorn – eine unheimlich beeindruckende Zahl.

Freitag, 13.02.: Langsam geht's ans Eingemachte

Eintrag #9, Freitag, 11:33 Uhr: Dauerbrenner oder Eintagsfliege?

(gt) 800.000 verschiedene Kombinationen! So viele Möglichkeiten! Endloser Spielspaß! Ausrufezeichen!

Der Evakuierungs-Modus soll Evolve langfristig am Leben und dauerhaft in euren Konsolen halten, wenn es nach den Turtle Rock Studios geht. Ein Spielmodus, der euch in fünf aufeinanderfolgende Kämpfe schickt, deren Ausgang die Bedingungen des folgenden beeinflusst. Mal müsst ihr mit Giftgaswolken zurechtkommen, mal erhaltet ihr von automatischen Geschützen Unterstützung oder seid als Monster durch Energiebarrieren in euer Beweglichkeit eingeschränkt. Gemeinsam mit den verschiedenen Spielarten (neben dem normalen Jäger-Modus könnt ihr hier auch alle weiteren Modi absolvieren, die Evolve zu bieten hat) sowie den unterschiedlichen Karten, über die ihr vor Beginn einer weiteren Runde abstimmen dürft, hat ein enthusiastische PR-Mensch die oben genannte Zahl errechnet. So weit, so theoretisch.

Im normalen Spielalltag geht diese Rechnung nur bedingt auf. Ihr merkt schon recht deutlich, wer die vorherige Runde gewonnen hat, nur dürfen die Auswirkungen natürlich aus Gründen der Ausgewogenheit nicht so stark ausfallen, dass sie den Ausgang des Matches bereits im Vorfeld diktieren. Auch ohne diesen „Mache dir deinen eigenen, einzigartigen Kampf“-Käse bleibt der Evakuierungs-Modus aber ein interessantes Konzept, auch wenn die Abstimmung über Spielmodus und Karte der nächsten Runde schon jetzt zeigt, dass sich deutliche Favoriten unter der Spielerschaft bilden.

Evolve - Story Trailer - Evacuation15 weitere Videos

Nur selten spielt jemand freiwillige eine Rettungs-Mission, bei der über der Karte verstreute Zivilisten vor dem Monster gerettet werden müssen. Gerade bei diesem Spieltyp zeig sich zudem recht deutlich, für welches Konzept Evolve eigentlich gedacht ist, da die Ausgewogenheit der Klassen hier nicht mehr einwandfrei gewährleistet ist. Was nützt der zum Fangen des Monsters benötigte Trapper, wenn ihr dem Vieh ohnehin aus dem Weg gehen müsst? Sind alle vier Charaktere bei der normalen Jagd perfekt aufeinander abgestimmt, haut das in anderen Modi gelegentlich nicht mehr ganz so astrein hin. Ist dennoch eine spannende Geschichte, allemal nette Abwechslung für zwischendurch – aber eben nicht das, wofür Evolve ursprünglich gedacht war.

Eintrag #10, Freitag, 13.02., 14:44 Uhr: Leo kommt aus dem Mustopf

(ls)Unglaublich, aber wahr: Nach etwas Schwierigkeiten habe ich nun einen Steam-Key für Evolve und durfte in den Tutorials die ersten Runden drehen. Zwischenergebnis: Die Performance auf dem aktuellen Rechner ist... vorhanden. Brillant ist sie nicht. Meine Schuld, wenn ich es auf einer Möhre versuche.

Aber: Schon alleine durch das Tutorial merke ich wieder, wie sehr ich mich darauf freue, ein paar Runden drehen zu dürfen. Die Mobilität sowohl der Monster als auch Jäger macht schlagartig wieder Bock, und das seit jeher ansprechende Kartendesign erzeugt eine tolle Stimmung. Gibt es noch mehr von euch da draußen, die noch nicht spielen oder jetzt erst anfangen? Und freut ihr euch doch irgendwie drauf, oder ist die erste Hype-Welle bereits abgeklungen?

Montag, 16.02.: Das Ende der Fahnenstange

Eintrag #11, Montag, 16.02., 14:20 Uhr: Monströs und chaotisch, aber doch ziemlich cool

(ls)Da schau einer guck - wenn man mir ein paar Tage Zeit gibt, dann findet sogar so eine Schnarchnase wie ich Zeit für ein paar Runden Evolve. Und was sind die Erkenntnisse oder zumindest früher Spekulationen über das Gesehene?

Ist cool.

Nein, wirklich, Evolve macht Gaudi. Vor allem freu ich mich darauf, die Inhalte freizuspielen, die neuen Klassen zu sehen und solche Dinge wie Perks zu erwerben. Mit freischaltbaren Inhalten kann man einen Simplicissimus wie mich immer hinter dem Ofen hervorlocken, und auch Evolve muss mir nur einen Fortschrittsbalken zeigen, um mich wenigstens ein bisschen zu hooken.

Aber es tun sich auch Fragen auf. Bin ich WIRKLICH so schlecht als Monster? Kommt es nur mir so vor, oder sind alle anderen Spielmodi inhärent schlechter durchdacht, gebalanced und weniger spaßig als "Hunt"? Und ist es mein fortgeschrittenes Alter oder ist die Spielerfahrung manchmal tatsächlich eine Spur hektischer, als einem professionellen und taktischen Vorgehen zuträglich ist?

Wir werden sehen, Kinder.

Evolve-Test-Tagebuch - Langzeittest statt Schnellschuss: Was hat der Monster-Shooter wirklich auf dem Kasten?

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Die erste Woche hat Evolve hinter sich. Wie fällt euer Resümee aus?
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Eintrag #12, Montag, 16.02., 16:28 Uhr: Schluss mit lustig

(gt) Kein Knüller und sehr wahrscheinlich kein Spiel, über das wir in einem Jahr noch reden werden, aber auch längst kein Opfer des eigenen Hypes, wie anfangs zur Vermutung stand. Nach einer knappen Woche und reichlich Spielstunden meine ich, ein guten Querschnitt von Evolve gesehen und erlebt zu haben. Turtle Rock machen vieles richtig, trauen sich vor allem auch, neue Wege zu gehen – dass manche davon in einer Sackgasse münden, ist erwart- und verkraftbar.

Was bleibt unterm Strich? Ein gutes, kein sehr gutes Spiel, das einige frische Impulse setzen und wenig überraschend besonders gemeinsam mit Freunden verflucht packend unterhalten kann. Vermutlich bei weitem nicht so lang wie sein geistiger Vorgänger Left 4 Dead, doch ist das Preis-Leistungs-Verhältnis ohnehin kein adäquater Maßstab, um den Spielspaß zu messen – und davon hat Evolve letztlich jede Menge zu biegen.

Einen ausführlichen Evolve-Test werdet ihr in den nächsten Tagen bei uns auf gamona finden.