Die Weltraumschlachten in EVE Online sind gigantisch. Leider erlebt man sie aus einer eher strategischen Perspektive, was vor allem daran liegt, dass die Kapselpiloten ausnahmslos große Pötte steuern. Rasante Dogfights darf allenfalls die KI genießen, die all die kleinen Jäger und Dronen steuert. Bis jetzt.

Völlig losgelöst

Um die Hoffnung gleich vorweg im Keim zu ersticken: Nein, die Piloten von EVE: Valkyrie werden nicht in den Schlachten auf EVEs Hauptserver Tranquilitiy mitmischen dürfen. Das würde weder die Serverarchitektur zulassen noch das generelle Design von EVE Online. Außerdem läuft EVE unter der hauseigenen Trinity-Engine, die mit waghalsigen Flugmanövern ihre liebe Not hätte.

EVE: Valkyrie wird also ein komplett eigenes und von EVE losgelöstes Spiel, angetrieben von der Unreal Engine 4. Dass hier und da auch noch von Unity die Rede ist, liegt an der Geschichte von EVE: Valkyrie. Die begann auf dem EVE Fanfest 2013, wo eine kleine Schar von Entwicklern ihr kleines Hobby-Projekt mit dem Arbeitstitel “EVE-VR” erstmals der Öffentlichkeit vorstellte.

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Macht was draus!

Obwohl man die ersten Gehversuche damals tatsächlich noch mit der Unity-Engine unternommen hatte und mit dem ersten Prototypen des VR-Helms Oculus Rift ein arg pixeliges Erlebnis bot, war die internationale Fachpresse, damals besonders zahlreich und in höchster Erwartung angereist für den PS3-Shooter Dust 514, vollkommen aus dem Häuschen.

EVE-VR, so der Tenor von Journalisten und Fans gleichermaßen, dürfe keine Spielerei bleiben, sondern müsse unbedingt in die Entwicklung gehen. Das versprach CCP dann allerdings erst ein Jahr später, als das Projekt auf dem Fanfest 2014 erneut vorgestellt wurde - jetzt unter dem offiziellen Namen EVE: Valkyrie und mit einer berühmten Stimme sowie einem namhaften Chefentwickler versehen.

Die Würfel sind gefallen

Owen O’Brien nämlich, der vorher für EA Dice federführend für Titel wie Mirror’s Edge und die Battlefield-Reihe verantwortlich zeichnete. O’Brien bekam von CCP ein eigenes Studio in Newcastle samt eigenem Team zugesprochen, um EVE: Valkyrie zur Marktreife zu bringen. Und so werkelt er seit etwas über einem Jahr mit einem überschaubaren Team von 30 Mitarbeitern - darunter einige weitere DICE-Abtrünnige - an dem ehemaligen VR-Experiment.

EVE: Valkyrie - Die Zukunft ist (fast) jetzt

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Seit dem Fanfest 2015 hat Rán Kavik, Anführerin der Valkyrie-Staffeln nicht nur eine Stimme, sondern auch ein Gesicht, das nicht zufällig an eine Banshee erinnert.
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Entsprechend gespannt waren die Gäste des diesjährigen Fanfests, das zwecks Bewunderung der Sonnenfinsternis auf Island tatsächlich weniger als zehn Monate nach dem letzten veranstaltet wurde, was sich seither in Sachen Valkyrie so getan hat. Ist der Wechsel auf die Unreal Engine 4 geglückt? Hat sich die kleine Tech-Demo zu einem richtigen Spiel gemausert? Und wie sieht es eigentlich mit der neusten VR-Technologie aus?

Zukunftsmusik

Beim Oculus Rift nennt die sich Crescent Bay und macht noch einmal einen großen Schritt in Richtung Zukunft. Die bisweilen etwas störenden wabenartigen Pixel der zweiten VR-Generation sind kaum noch wahrnehmbar, die Immersion entsprechend größer. Dazu kommt der aufgepeppte Rundumsound sowie Grafikpracht à la Unreal Engine 4.

Packshot zu EVE: ValkyrieEVE: ValkyrieRelease: PC: 1. Quartal 2016 kaufen: Jetzt kaufen:

Damit uns allerdings tatsächlich Hören und Sehen vergehen konnte und Valkyrie nicht zu einer Ruckelorgie wird, musste CCP einen gewaltigen Rechner zusammenschrauben - eines von Nvidia zur Verfügung gestellten Grafikkartenprototypen inklusive. Was wir da also zu sehen bekamen war ein Stück Zukunft und nichts, was wir innerhalb des nächsten Jahres in den Spielzimmern haben werden.  

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EVE Online bietet ein riesiges Arsenal von Schiffen aller Größen und Klassen, auf das auch die Entwickler von EVE: Valkyrie zurückgreifen können.
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What the...faaaaaaaaaaah...!

Umso intensiver war der WTF-Moment, als wir das VR-Headset aufsetzten, der Presseraum im Harpa verschwand und wir im Cockpit eines Raumjägers aufwachten, der nach kurzer Ruhephase und Initialisierungsprozess durch die Hangar-Röhre in die Schwerelosigkeit des Weltall katapultiert wurde - und zwar ganz klassisch, wie man das aus der Sci-Fi-Serie Battlestar Galactica kennt.

Mit EVE: Valkyrie hat CCP einen bequemen Vorsprung vor der technischen Entwicklung und damit gute Voraussetzungen, einen zweiten Sci-Fi-Hit zu landen.Ausblick lesen

Die Wucht, mit der uns die Stille des Alls empfing, war so gewaltig, dass man einen Moment brauchte, um sich und seinen Jäger zu fangen. Anders als bei Battlestar Galactica schwebt der nämlich nicht durchs schwarze Nichts, sondern mitten durch einen gewaltigen Konvoi aus Schiffen aller Klassen. Bekannte und verdammt schöne Schiffe, wenn zumindest mal das eine oder andere Video von EVE Online gehen hat.

“Erde an Valkyrie! Hallo, hörst du mich?”

Gesteuert wird der kleine, wendige Jäger im Normalfall mit dem Gamepad. Das gibt die nötige Freiheit, zudem eine allzu komplizierte Bedienung mit der Tastatur mangels Sicht zur Außenwelt kaum möglich wäre. Wobei die Steuerung durch das Oculus Rift eine zusätzliche Dimension bekommt. Wohin man den Kopf auch dreht - das virtuelle Ego macht die Bewegung mit - und zwar absolut flüssig und unverzüglich.

Das hilft nicht nur beim Fliegen und Anvisieren von Gegnern, dadurch steigert sich auch die Immersion noch einmal gewaltig. Das Gehirn gewöhnt sich entsprechend schnell an die neue Umgebung, nimmt sie mit all ihren Reizen als die einzig reale an und reißt den Spieler derart tief in die virtuelle Realität, dass heftige Adrenalinstöße garantiert sind und Außenstehende hin und wieder recht sonderbare Verhaltensweisen und Reaktionen beobachten können.

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Wie im echten Krieg

Doch würde man sich allein mit dem VR-Effekt begnügen wollen, hätte man nicht Owen O’Brien und seine DICE-Kollegen anheuern müssen. Die haben viel mit dem Titel vor, wollen ihn zu einem anspruchsvollen Cockpit-Shooter machen, bei dem es nicht nur auf Reaktionen ankommt, sondern auch auf die richtige Taktik. Vom Fluggefühl und dem Flair her erinnert EVE: Valkyrie derzeit stark an die alten X-Wing-Titel aus dem Hause LucasArts.

In Planung sind dafür unterschiedliche Klassen. Neben den leichten Abfangjägern soll es schwerere Schiffe geben, die entsprechend großkalibrige Waffen geladen haben. Auch von Support-Schiffen ist die Rede, die Minen auswerfen, Gegner verlangsamen oder zusätzliche Energie in die Schildsystem gefährdeter Kameraden leiten. Mit all solchen Dingen experimentiert man in Newcastle derzeit herum.

New Eden aus einer anderen Perspektive

Zudem soll Valkyrie einen spielerischen Rahmen bekommen, die Möglichkeit, die Schiffe nach seinen Vorlieben zu entwickeln, zu gestalten und aufzurüsten - ähnlich wie man das von World of Tanks oder War Thunder kennt. Wie bei letzterem sollen später auch in Valkyrie neben den Spielern unzählige NPCs um die Raumhoheit kämpfen - die Spieler quasi als Zünglein an der Waage mittendrin. Wie das später mal in etwa aussehen könnte, lässt die Intro-Mission schon jetzt erahnen.

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Ein Weilchen dauert es schon noch, bis Valkyrie endlich zu haben ist.
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Parallel zu den grundlegenden Mechaniken arbeiten O`Briens Leute an spannenden Missionen, die auch tatsächlich in die Geschichte und Umgebung von New Eden passen, die bekanntlich wenger von CCP als von den Spielern verändert und gestaltet wird. Dass man in Valkyrie große Schlachten aus EVE Online noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive erleben können wird, ist durchaus wahrscheinlich.

E-Sport der nächsten Generation

Außerdem arbeitet man in Newcastle an Achievements sowie einem Matchmaking-System. Letzteres ist extrem wichtig, da man sich mittlerweile klar zum E-Sport bekennt. Das war im vergangenen Jahr noch anders. EVE: Valkyrie soll der erste E-Sport-Titel für die VR-Generation werden - und zwar kein Spiel, das nebenbei auch für VR-Systeme entwickelt wird, sondern eins, dass ausschließlich darauf ausgerichtet ist.

Dass EVE: Valkyrie durchaus das Zeug zum E-Sport-Titel hat, konnte man auf dem Fanfest bereits erahnen, wo die Auseinandersetzung der besten EVE-PvPer im Anschluss an das Turnier noch im Cockpit der Raumjäger fortgesetzt wurde. Anders als bei klassischen E-Sport-Titeln kann und will man hier nämlich wundervoll beobachten, wie sich der Pilot im Cockpit verhält, wohin er schaut, wie er reagiert - mit vollem Körpereinsatz.